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Literaturforum: MetaPhon


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Forum > Medienkritik & Kommunikation > MetaPhon
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 Thema: MetaPhon
Matze
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Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 26.12.2006 um 13:30 Uhr

Seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts sieht die Literatur auch die neue Form der Arbeit, zwischen Bestellung des Landes durch das Volk und Repräsentanz der Herrschaft: die kollektivierte Arbeit zur Herstellung von Waren, die Arbeit des Menschen mit der Maschine und die Arbeit des Menschen als Maschine. Nicht daß sich die neugierige Literaturproduktion nicht vorher schon mit Webstühlen, Baugerüsten oder Manufakturen auseinandergesetzt hätte, aber das geschah vorwiegend mit einem enzyklopädisch kalten Blick. Die Literatur konnte Arbeit erst darstellen, als sie den Arbeiter als ihr menschliches Subjekt und vorwiegend als ihr Opfer zu sehen gelernt hatte. Und damit, natürlich, begannen auch schon die Probleme. Zu dieser Zeit war die Literatur dabei, ihre politische Ökonomie vergleichsweise radikal zu verbürgerlichen. Sie war ein entscheidendes Mittel der Distinktion, nicht nur nach oben, gegen die Repräsentationsform des Adels, sondern auch nach unten, gegen etwas Diffuses, Unbekanntes, eine neue Klasse, deren Blut, Schweiß und Tränen, Reichtum und Distinktion des Bürgertums erst ermöglichte. Einerseits also mußten sozusagen die neue Arbeit und der neue Arbeiter mit den Mitteln eines bürgerlichen Codes dargestellt werden, andererseits war die neue, industrielle Arbeit von vorneherein mit Elend, Entfremdung, Ausbeutung und Kampf verbunden. Kunst, die Arbeit und ihre Bedingungen zur Kenntnis nimmt, ist gleichsam automatisch dissident, es sei denn, sie folgt den bürgerlichen Prinzipien von Allegorisierung, Heroisierung, Idylle oder Exotik. Mit der Industrialisierung begann das Zeitalter der Kurzgeschichte. Damit war die Geschichte des bürgerlichen Bildungsromans beendet.

Wenn die Geschichte der Medien die Geschichte einer Konkurrenz ist, begann sie mit einem Vorsprung. Die Dichter hatten die Montage entdeckt, als die ersten Photographen noch Stunden brauchten, um ein einzelnes Bild zu entwickeln.

Es war, als hätte die Literatur den Film erahnt und als er kam, genossen sie gemeinsam den Rausch der sich überstürzenden Eindrücke. Das Drehbuch wurde erfunden, später der Rundfunk mit dem Hörspiel begrüßt. Als das Fernsehen sich breit machte, fand es die Schriftsteller schon in skeptischer Distanz. Multimediales Spiel mit Video, Performances und Installationen dachten Maler und Musiker sich aus, deren Zaungäste manchmal auch Dichter waren.

Der Videoclip, ein durch Bildschnitt und Rhythmus bestimmtes Medium, überholte sie alle. Trotzdem verweigert sich die Wortkunst seiner Inspiration. Es scheint, daß sich die Literaten vom flüchtigen ästhetischen Reiz nicht den langen Atem rauben lassen wollen. Uns ist diese kurze Form einen Versuch wert. Schon weil sie sich an einem anderen Ende der Welt ganz unverdächtig bewährt hat: im japanischen Haiku. Haikus sind einfache Sätze. Beobachtungen, in denen fast nichts passiert. Nur daß gerade ein Frosch ins Wasser springt. Der Haiku bedeutet nichts und wirkt trotzdem.

Zwischen der Leere des Zen-Spruchs und dem hysterischen Rhythmus des Videoclips ist eine Form zu entdecken, die sich hören lassen kann. Nur so kann Literatur, will sie auf die veränderten medialen Verhältnisse und die dadurch erzeugten Wirklichkeiten reagieren, einen innovativen Input erhalten und letztlich eine weitere Existenzberechtigung.

Es hat etwas länger gedauert, bis sich Brechts ‚Radio-Theorie“ im Internet in mediale Praxis verwandelt hat. Neben Bloggern und Podcastern ist hier eine neue Spielart eines sekundären Marktes entstanden, der einer Menge an Zwischenhändlern via eBay schon einmal zum Start verholfen hat. Die digitale Revolution verblüfft ihre Kinder mit immer neuen Volten und zeigt, worin der Erfolg der neuen Medien bestehen kann. Die Community kann direkt Einfluss auf die Seiteninhalte in Form von Artikeln und Bewertungen zu nehmen, darüber hinaus können die Benutzer selbst Änderungen an der Datenbank vorzunehmen. Neben einem Forum hat man bei http://www.hoerspiel-labor.de die Möglichkeit Hörspiele herunterzuladen. Seitdem Hörspiele ständig und überall herunterladbar geworden sind, schwimmt auch die zuständige Kritik öfter im "Ocean Of Sound" – und taucht manchmal unter. Zumal die allgemeine Herunterladbarkeit von Hörspielen, die Veränderung der Hörgewohnheiten, die mit dem großen stilistischen Durcheinander auf Festplatten einhergeht, längst auch auf die Hörspielproduktion selbst durchschlägt. Nicht nur die Grenzen zwischen verschiedenen Stilen sind durchlässig geworden, auch der Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist längst verwischt. Dem muß man sich stellen. Das mag heißen, daß man mit den Beinen strampelt, daß man um Hilfe ruft oder daß es einem gelingt, auf den Wellen surfen und elegant über die Schaumkronen des "Ocean Of Sound" zu reiten. Am Ende kommt es darauf an, so wenig Wasser wie möglich zu schlucken. Mit der Digitalisierung beginnt das Zeitalter des Literaturclips.

In den 12 Download-Angeboten der Reihe „MetaPhon“ werden bei http://www.hoerspiel-labor.de Hörspielmacher aus der Rhein/Ruhr-Region vorgestellt.

Zu hören sind die Hörspielmacher: Mario Giordano, Helge Schneider, Jens Neumann, Marina Rother, A.J. Weigoni, u.a.

Und die Komponisten: Peter Brötzmann, Eva Kurowski, Franz Halmackenreuther, Alexander Perkin, Volker Förster, Tom Täger, u.a.

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1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2007 um 12:50 Uhr

MetaPhon I

n der Reihe "MetaPhon hat man bei http://www.hoerspiel-labor.de die Möglichkeit Hörspiele herunterzuladen. Ab Januar gibt es in dieser Reihe das Hörspiel »Zur Sprache bringen...«. Und außerdem wird dieses Hörspiel verlost.

Bei dem O-Ton-Hörspiel »Zur Sprache bringen...« machen "Menschen mit Möglichkeiten" Sprache als Geschichte sichtbar, als ihre Geschichte. Sie verfügen über ein individuelles Repertoire, das einer besonderen, einfühlsamen Begleitung und Förderung bedarf. Diese Kreativen verfeinern übend, erforschend ihren Umgang mit den Mitteln Artikulation und Musik. In ihrer überwältigenden Mehrheit strahlen die Bewohner des Benninghofs eine lebensbejahende spielerische Fröhlichkeit aus, eine enorme Vielfalt, Erfindungsreichtum und erfrischende Unbekümmertheit.

Diese Collage ist ein Platz für Geschichten außerhalb normierter Sprachregularien, ein Oszillieren zwischen Eigenart und Eigensinn. Man muß diese Menschen lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes Einzelnen einzudringen, es darf einem keiner zu gering, keiner zu häßlich sein, erst dann kann man sie verstehen.

Es geht nicht darum, auf der Armseligkeit der Menschen herumzutrampeln und sich über sie lustig zu machen. Sondern eher darum, das wahre Leben abzubilden und zu zeigen, welche liebenswürdigen, tragikomischen Seiten das so genannte einfache Leben haben kann. Die Bewohner des Benninghofs sind interessant, weil sie anders sind als man selbst oder die Menschen, mit denen man zu tun hat. Und in ihrer Andersheit sind sie den "Normalen" in manchem doch gleich. Das verbindet.

Die O-Ton-Collage mit Bewohnern des Benninghofs zeigt einen Einblick in den Alltag behinderter Menschen. Diese "Menschen mit Möglichkeiten" versuchen den schweren Dingen Leichtigkeit zu geben und die Wortfolge: Selbstbestimmung, Assistenz und Integration mit Inhalt zu füllen, ohne dass der Zuhörer auf den Spaß verzichten muß. Und dieser Spaß geht nicht etwa auf Kosten der behinderten Menschen, sondern transportiert sich mit ihrer Hilfe.

Die Zurückhaltung von Tom Täger bei dieser Hör-Collage »Zur Sprache bringen...« weist ihn als Produzenten aus, der eine avancierte digitale Tontechnik nicht als Selbstzweck vorführt, sondern sich in vornehmer Zurückhaltung ganz in den Dienst einer Arbeit stellt, ohne ganz dahinter verschwinden.

Matthias Hagedorn

Link: Zur literaturpädagogischen Arbeit = http://www.vordenker.de/weigoni/mpaed.htm

Die CD "»Zur Sprache bringen...«" ist nurmehr in wenigen Exemplar erhältlich:
info@tonstudio-an-der-ruhr.de

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2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2007 um 12:51 Uhr

MetaPhon II seit dem 19. Februar 2007

Das Beruhigende an Science-Fiction-Stoffen ist die Erfahrung, dass andere Welten zwar anders aussehen, trotzdem aber genauso funktionieren wie die unsere. Andererseits ist es betrüblich, wenn man immer wieder feststellen muss, dass sich eine bessere Welt bisher nirgends durchsetzen konnte.

Kult wäre der falsche Begriff, um dieses Phänomen zu benennen; die Serie "Raumpatrouille" ist echtes nationales Kulturgut, ein absolut authentisches Stück bundesdeutscher 1960-erjahrekultur. Der Mythos vom Bügeleisen auf dem Kontrollboard hat diese Gratwanderung zwischen dem Seriösen und dem Ironischen verdrängt. Ob der "Rücksturz ins Kino", die aufgepeppte Kinoversion, sie nun ins Bewusstsein rückt, ist befragbar.

Einen Remix zu basteln ist in der Popmusik üblich. Weigoni hat das selbe gemacht mit der Tonspur der Fernseh–Serie Raumpatrouille… ein Pop–Song–Spaß! Bei Täger, Spezialist für Tonträger der anarchischen Aufnahmezelle Tonstudio an der Ruhr mit vieltönendem Output… dient dieses Patchwork als akustisches Fanzine und sollte als solches die harrende Gemeinde finden. Das Hörspiel ist quasi die achte Folge der siebenteiligen Fernsehserie "Raumpatrouille Orion

Die Hörspielversion "RaumbredouilleReplica" liefert auf verschärft humorvolle Weise einen Reflexionsboden, von dem aus Trivial- und Technomythen liebevoll demaskiert werden. A.J. Weigoni und Tom Täger zeigen uns noch einmal die Zukunft aus dem Blickwinkel der Vergangenheit des bürgerlich-vermieften Wohnzimmers der 1960-er, in dem man sich, verschreckt durch beginnende Studentenunruhen und dem Ende des Wirtschaftswunders, dem Thrill einer ungewiss-gewissen Zukunft aussetzt, in der der Weltenraum - entsprechend dem Sicherheitsbedürfnis begrenzter Kulturen - scheinbar unspektakulären Patrouillen zugänglich ist. Die hohe Kunst von Tom Täger und A.J. Weigoni besteht darin, nicht hinter dem Reflexionsgrad des Originals zurückzubleiben.

Dazu ein GSD-Geheimpapier: http://www.vordenker.de/gsd/bred.htm

Was für "Raumschiff Enterprise" zunächst die Klingonen, waren die Frogs für "Raumpatrouille Orion", der deutschen Science-Fiction-Serie mit Kultstatus und Heimwerkerappeal: Bügeleisen dienten dem hochtechnisierten Raumschiff als Schaltgeräte und brennende Tennisbälle flogen durch die wolkenlose Weite des Himmels. Legendär auch das Raumfahrerkasino, in dem nach geglückter Mission zukunftsweisend Rücken an Rücken getanzt wurde. Die neu aufbereitete Tonspur dieses Straßenfegers hält ein weiteres ungeahntes Abenteuer mit Wolfgang Völz, Claus Holm, Charlotte Kerr u.v.a. bereit. Wie meinte Dietmar Schönherr nach bestandenem Abenteuer: "Rücksturz zur Erde".

Seit langem beschäftigt sich A. J. Weigoni mit Trivialmythen, die sich in Groschenheften, in der Schlagermusik, im Kino und in Fernsehserien manifestieren, und als Medienautor ist A. J. Weigoni ein Spieler, den die technischen Entwicklungen der Medien faszinieren, weil sie schier unendliche Möglichkeiten der Neuordnung von Formen und Zeichen eröffnen.

Seine Hörspielcollage "Raumbredouille Replica" geht unter anderem von der Raumschiff-Enterprise-Utopie der 60er Jahre aus: "Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum." Der alte Topos der Science-Fiction von der Bedrohung der Erde durch eine Invasion von Aliens und die Errettung der Menschen durch die Helden der Raumfahrt wird in diesem Hörspiel ergänzt durch die Chiffren der Pop(musik)kultur.
Bei der Realisierung dieser Autorenproduktion arbeitete A.J. Weigoni mit Tom Täger zusammen, dem Produzenten der Alben von Helge Schneider und der Misfits.

Eine Hörprobe der "RaumbredouilleReplica" findet sich am dem 19. Februar unter: http://www.hoerspiel-labor.de

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3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2007 um 12:52 Uhr

MetaPhon III seit dem 19. März 2007 mit »Texte« von Peter Meilchen

Peter Meilchens Kunst ist die literarische Negativ– und Doppelbelichtung. Gestochen scharf wirken seine imaginären Erinnerungsbilder aus Linz am Rhein, doch pulst in ihnen auch der Schrecken. Seine skeptisch–ironische Weltsicht einerseits, sein poetisches Engagement anderseits bringen viele Werke hervor, die verschiedene Positionen beziehen. Sowohl als bildender Künstler, wie auch als Autor ist Peter Meilchen ein Beobachtungsvirtuose, der viele Preziosen zu bieten hat, Wahrnehmungen, die vielleicht nicht unbedingt lebenswichtig sind, aber gerade in ihrer Fokussierung des Nebensächlichen dem Leser Aha–Erlebnisse und Wiedererkennungseffekte verschaffen. Er nimmt sich und seinen Figuren kein Blatt vor den Mund, die Brutalitäten in Wort und Bild können uneingeschränkt defilieren. Auch das gehört spätestens seit Rabelais zur Lust am Grotesken, dieses destruktiv–schöpferische Sich–gehen–Lassen, die verbale Ausschweifung. Reich an Adjektiven, an Partizipien und an sich windenden, immer in neue Ecken spähenden Sätzen sind diese ausgefeilten Stücke. Vor allem Farbeindrücke nehmen darin breiten Raum ein. Zwischen Schwarz und Grün bewegt sich eine »Beobachtung eines Unsichtbaren«. Die Rückkehr ins Rheinland steht bei »Schimpfen« im Zeichen von Gelbtönen, die so schnell vom Satt–Schönen ins Erdige umschlagen. Und natürlich geht es bei »Texte«, die so intensiv und bilderreich das Ineinandergreifen von gegenwärtigen und vergangenen Sinneswahrnehmungen ausleuchtet, auch um die Augenblicke, da das Wahrnehmen in das Verlangen umschlägt, das Wahrgenommene schreibend zu fixieren. Peter Meilchen porträtiert in seinem Werk eine untergehende Welt – und überwand sie. Opulenz, Würde und Gesellschaftsanalyse verbindet er wie kein anderer. Wer von seinem Leben erzählt, erzählt immer eine Erfolgsgeschichte. Wer erzählt, lebt. Schon das ist ein Triumph. Wer erzählt, ist der geworden, der erzählen kann. Wer erzählt, ist nicht allein. Er gehört in eine Welt, die seine Welt geworden ist. Ganz auf die Ablagerungen der eigenen Biographie setzend und ohne Attitüde benennt Peter Meilchen so die Quelle seiner reichen und doch nie vagen »Texte«.

Eine Hörprobe der »Texte«. findet sich ab dem 19. März unter: http://www.hoerspiel-labor.de

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4. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2007 um 12:53 Uhr

4. MetaPhon IV seit dem 6. April 2007 mit Rhapsodie für Rahsaan von der CD »Ohryeure«

Das Hörspiel beginnt mit einer Original-O-Ton-Montage des Multi-Instrumentalisten Rahsaan Roland Kirk, dem dieses Hörspiel gewidmet ist.
Hauptinstrumente des im Alter von zwei Jahren erblindeten Musikers waren das Tenorsaxophon sowie zwei historische Varianten des Saxophons, nämlich Manzello (eigentlich ein umgebautes King-Saxello) und Stritch (eigentlich ein Buescher eB Altsaxophon in gerader Bauform, ausgestattet mit Extraklappen für sein Einhandspiel und vergrößertem Schalltrichter). Diese drei spielte er häufig gleichzeitig. Seine Musik ist gekennzeichnet durch die nahtlose und scheinbar selbstverständliche Verbindung sowohl traditioneller als auch sehr moderner Spielweisen des Jazz wie etwa einerseits Boogie-Woogie und andererseits Free Jazz.

Das Hörspiel »Rhapsodie für Rahsaan« erzählt die Geschichte eines Schallplattensammlers, der sich auf die Suche nach der Geschichte eines Jazz-Musikers macht. Es beginnt auf einem Flohmarkt. Dort lernt Florin nicht nur die Musik von Rahsaan Roland Kirk kennen, sondern auch Fatima. Eine folgenschwere Begegnung. Folgenschwer wie jede Liebschaft. Durch einen Zufall gewinnt Florin im Fussballtoto 25.000 Mark und kann sich einen langgehegten Traum erfüllen: nach New York fliegen.

In N.Y. trifft er den Taxifahrer Josh und gewinnt durch Zufall einen Freund. Der verschrobene Josh hilft ihm bei seiner Suche noch Informationen über Rahsaan und zeigt ihm die Jazzszene. Heimweh mischt sich mit Neugier und Verliebtsein und dem Gefühl immer zur richtigen Zeit am falschen Ort zu sein. Um sich abzulenken stellt Florin Nachforschungen an, trifft Musiker, die mit Rahsaan zusammengespielt haben und schließlich auch den ehemaligen Produzenten von Rahsaan.

Der Cast:

Rhapsodie für Rahsaan
ein literaturpädagogisches Hör–Spiel–Projekt von A.J. Weigoni
Musik: Rahsaan Roland Kirk
Ton & Technik -Volker Förster

Figuren:

Florin, Jazzliebhaber – Holger Haas
Fatima, seine neue Freundin – Heike Stürmer
Josh, Taxifahrer – Agis-Garcib Nicolas
Stan Dun, Musiker – Kasra Arzideh
Hal Wilner, Musiker – Almar Kaid
Joel Dorn, Produzent – Rolf Vinnemeier
Bika Bele, Flohmarkthändler –
Sportreporter im Radio – Johannes Schmidt

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5. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2007 um 12:54 Uhr

Die Meta-Ebene zu Metaphon

In der Reihe Metaphon werden bei http://www.hoerspiel-labor.de Hörspielmacher aus der Rhein/Ruhr-Region vorgestellt. Zu hören sind die Hörspielmacher: Mario Giordano, Helge Schneider, Jens Neumann, Marina Rother, A.J. Weigoni, u.a. – Meine Beziehung zu Weigoni wird durch die geheime Abmachung geprägt, sich nie zu nahe zu treten; dahinter steht ein Selbstverständnis, das Heinrich von Kleist folgendermaßen ausgedrückt habe: „Ich weiß nicht, was ich Dir über mich unaussprechlichen Menschen sagen soll.“. Daher ein Interview per e-mail.

HAGEDORN: Für die Reihe Metaphon hat mir das Tonstudio an der Ruhr dankenswerterweise digital restaurierte Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Das war quasi eine medienarchäologische Arbeit...

WEIGONI: Es läßt sich kaum noch von der Hand weisen: Wie leben die totale Kommunikation bei zunehmender Sprachlosigkeit. Das Wissen ist schneller und vollständiger verfügbar. Dies führt immer seltener zu Reaktionen. Archive sind ein Luxus. Ich wage die Prognose, daß von dieser Zeit kaum etwas Verwertbares übrig bleiben wird, weil sich die Speichermedien alsbald selbst auflösen. Als Täger* und ich für eine Ausstellung den Hörfilm »Das kleine Helferlein« von DAT (das war einmal eine avancierte digitale Technologie) auf CD-R übertragen wollten hatten wir damit beim Kopieren große technische Probleme.

HAGEDORN: Obwohl ihr das inhaltlich genau zum Thema gemacht habt.

WEIGONI: Mit der freundlichen Unterstützung von Klaus Urbons vom ‚copymuseum’. Die Halbwertszeit der sogenannten „Neuen Medien“ ist atemberaubend. Die ‚Würde’ des Genres Hörspiel erweist sich darin, daß man es wie ein Kaleidoskop betrachten kann: Je nach Blickwinkel läßt es unterschiedlichste Brechungen zu. Heute fürchten sich die Menschen vor Aids und vor der Vogelgrippe, die man früher „Geflügelpest“ nannte. Kulturen werden überlagert und stürzen ineinander, Grenzen werden aufgebrochen – nationale ebenso wie materielle, technologische, psychologische. Hybride Kreationen und Kreaturen, Identitäten und Kulturen entstehen aus den Rekombinationen unserer grundlegenden Codes – den digitalen, den genetischen und den atomaren. Letztlich ist das digitale Hörspiel selbst ein Hybrid aus den Verbindungen von Kunst und Technologie. Es akkumuliert das gesamte Spektrum an Ausdrucksformen und erfordert ein Crossover von Expertisen und Kompetenzen.

HAGEDORN: Dies führte zum Iconic–Turn…

WEIGONI: Alles Quatsch! Was das Hören seit der Steinzeit ausmacht, ist, daß es uns in direkten Kontakt mit dem Sein bringt. Mit der Geschichte des Überlebens, kommen seit jeher alle Sinne ins Spiel, mit denen wir das Sein erfahren – Geschmack, Tastsinn, Hörsinn. Es ist das Gegenteil von Abstraktion. Es ist das, was man vor dem Einschlafen hört, den Herzschlag und das Rauschen des Blutes – auch wenn es sich fürchterlich pathetisch anhört: Der Sound des Lebens.

HAGEDORN: Das möchte ich gern im Zusammenhang mit deiner literaturpädagogischen Arbeit thematisieren.

WEIGONI: Nö!

HAGEDORN: Aber...

WEIGONI: Sorry, das kann man bei Interesse unter "Produktorientiertes medienpädagogisches Arbeiten mit Jugendlichen" auf http://www.vordenker.de/weigoni/mpaed.htm - nachlesen.

HAGEDORN: Okay, Themenwechsel. Deine politische Sozialisation ist erfolgt, als sich die Künstler mit den Arbeitern verbünden wollten. Welche politische Wahrheit gilt für dich?

WEIGONI: Was das Literarische angeht, weiß ich nicht, ob ‚politisch’ das angemessene Wort ist. Es ist nicht alles richtig, nur weil man sich selbst für politisch hält. Ich versuche einfach, so ehrlich und aufrichtig wie möglich zu sein. Zu mir selbst wie zu den Menschen, mit denen ich arbeite. Aufrichtig, höflich und nicht egoistisch.

HAGEDORN: Man erkennt souveräne Geister auch daran, daß sie Tabus ebenso höflich zu ignorieren pflegen wie die ihnen entsprechenden Moden. Du gehörst du zu den Außenseitern, die eine Gesellschaft braucht, um sich zu bestätigen.

WEIGONI: Mit dem Beruf des Schriftstellers assoziieren viele Menschen die Illusion von Freiheit. Dagegen versuche ich anzuschreiben: Niemand ist als selbstständiges Individuum ausgegrenzt und verloren. Nur ein Schriftsteller, der sich seine Verletzlichkeit bewahrt, kann überzeugen. Der Klang der Sprache ist von großer Bedeutung, aber für mich ist auch die Geschichte eine absolute Notwendigkeit. Es gibt es nichts, was demokratischer ist als das Erzählen von Geschichten. Schreiben bedeutet so besehen, in der Möglichkeitsform zu leben - und jedes Hörspiel entwirft einen Kosmos aus Ich-Fiktionen, für die das wirkliche Leben nichts als den Stoff hergibt.

HAGEDORN: Weil du als Lyriker, Romancier und Dramatiker arbeitest, hast du dich als vielseitig verkrachte Existenz bezeichnet...

WEIGONI: Mir bereitet es große Freude, wenn das Wort zu Fleisch wird. Da komme ich mit meiner Arbeit mehr vom Hörspiel, also einem Medium, das bereits 70 Jahre alt ist, da steht das Wort häufig im Mittelpunkt. Allerdings betone ich das Wort Spiel im Hörspiel. Das Spielen scheint mir der Königsweg zum Verständnis der neuen Medien zu sein. Computer, Studios und Software sind keine Werkzeuge, sondern Spielzeuge, wobei die alten Medien als Navigationshilfen dienen. Ich denke, daß die sogenannten neuen Medien die Alten lediglich ergänzen und nicht ablösen werden. Bei der LiteraturClips-CD haben wir zum einen arrièregardistische Arbeiten gemacht, zum anderen ein altes Aufnahmemedium, den Kunstkopf mit einer zu dieser Zeit neuen Aufnahmetechnik, sprich DAT gekoppelt. Damit konnten wir dann praktisch Road-Radio machen und jeden Raum in ein Aufnahmestudio verwandeln. Wir erarbeiteten Soundscapes um der Poesie neue Klangräume zu eröffnen. Die Notwendigkeit der Literaturclip-CD ergab sich damals schon aus dem Verfall der klassischen Hörkultur (Stichwort ‚Begleitprogramm’) und dem fortschreitenden Verdrängungsprozess auf dem durch Hochtechnologie geprägten Medienmarkt. Daraus entstand dann in der Abfolge zwangsläufig das Live-Hörspiel Fünf - oder die Elemente, das 1993 im Veranstaltungssaal des Gutenberg-Museums im Rahmen der Mainzer-Minipressen-Messe uraufgeführt worden ist.

HAGEDORN: Lange bevor Andreas Ammer Apokalypse-Live in München aufführte.

WEIGONI: Wir haben den „Anstalten des öffentlichen Rechts“ im deutschsprachigen Raum dieses Live-Hörspiel-Projekt bereits im Herbst 1992 zur Kooperation angeboten, damals bestand nach Auskunft der Dramaturgien kein Bedarf...

HAGEDORN: Das Spannungsfeld Bühne / Elektronik / Studio hat dich seit den 1980-ern nicht losgelassen.

WEIGONI: Unlängst hatte ich den Auftrag, für die Reihe „Forum“ in Düsseldorf ein Libretto zu schreiben, aus dem Texte der »Letternmusik« stammten. Der Komponist Thomas Blomenkamp setzte die Gedichte kammermusikalisch für die Uraufführung in der Reihe forum 20 im Ibach-Saal um. »Letternmusik im Gaumentheater« ist eine tonale Komposition mit sprachlichen Mitteln. Lyrik, das ist meiner Ansicht nach auch Performance. Nirgendwo entfalten sich Gedichte so, wie auf der Bühne, einem Stück Theater.

HAGEDORN: Es war dir immer wichtig mit bildenden Künstlern zu arbeiten.

WEIGONI: »Schland« ist die mir wichtigste Arbeit, weil hier Bildende Kunst, Komposition und die Darstellende Kunst sinnfällig ineinander gegriffen haben. Auch hier ein ähnliches Problem, die Produktion war auf S-VHS dokumentiert, danke Tägers Hilfe gibt es nun ein Remaster von Super-8 auf DVD.

HAGEDORN: Den Glauben an die Poesie hast du nicht verloren?

WEIGONI: Ich befrage sie, nach wie vor. Beispielsweise in dem Langgedicht »Señora Nada«, hier erprobe ich eine Sprache, deren lyrische Qualität liquid und zugleich beweglich ist, als müßte sie auf die unruhigen Wasser der Lagune antworten.

HAGEDORN: Deine CDs sind ein ungeheuer facettenreiches Klang-Inferno, dies wird besonders deutlich bei deiner CD Top 100, die, wenn man sie den gängigen Hörbüchern gegenüberstellt, deutlich macht, wie unterschiedlich und dennoch ähnlich wirkungsvoll Literatur musikalisch umgesetzt werden kann.

WEIGONI: Diese Vielfalt sehe ich als großen Vorteil. Momentan verfügen wir über die ganze Bandbreite an künstlerischen Möglichkeiten, die sich vor allem technisch umsetzen lassen. Auf Top 100 finden sich Techniken und Arbeitsweisen aus 70 Jahren Hörspielgeschichte...

HAGEDORN: Kannst du zur Erläuterung einige Beispiele nennen?

WEIGONI: Da prallt das Sampling eines legendären Walter Ruttman-O-Ton-Stücks auf eine klassische Sprech-Stimme, die gegen ein rückwärts laufendes Band anspricht und auf einen Proloriff kracht, der mit Streetsound gekreuzt wird... bis hin zu einer Hommage an Orson Welles; und natürlich alle digitalen Leckereien, die auf dem damaligen Stand der Technik möglich waren. Diese Werkgruppen sind ineinander verflochten. Es findet sich das Hörspiel als Bagatelle, Triviale Maschinen sind ebenso zu hören wie Streetsounds, das Hörspiel als Rough’n’Roll und eben das Hörspiel als Spiel.

HAGEDORN: Warum so kurz?

WEIGONI: Auftrag an die unterschiedlichen Komponisten und Schauspieler war die Maßgabe, ein Hörspiel zu gestalten, das kürzer als eine Minute sein sollte. Die meisten Audiokünstler haben sich daran gehalten. Weiterer Auftrag war, Hörspiel so zu gestalten, wie sich die unterschiedlichen Komponisten und Schauspieler das Genre Hörspiel vorstellen. Daher die Vielfalt des Dargebotenen.

HAGEDORN: Du arbeitest du dich an Trivialmythen ab. Zuerst waren es sogenannte Gossenhefte, später kam »RaumbredouilleReplica«...

WEIGONI: Ein Hörspiel als Pop-Song, ein Popsong als Hörspiel, ein Hörspiel, das sich tanzen läßt... „Was heute noch wie ein Märchen klingt...“

HAGEDORN: So haben sich die Deutschen in den 1960-er Jahren die Zukunft vorgestellt, als autoritären Staat...

WEIGONI: ... in dem die Akteure in einem Rhythmus reden, der als Vorläufer des heutigen Rap bezeichnet werden kann. „Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum.“

HAGEDORN: Bei der runderneuerten Hörspielcollage »RaumbredouilleReplica« geht es um alles: Die Bedrohung der Erde. Einen gesteuerten Schnelläufer. Eine Invasion und natürlich: Die Rettung der Erde.

WEIGONI: In Tom Täger habe ich den optimalen Kooperationspartner gefunden. Täger, der in seinem Tonstudio an der Ruhr die ersten Alben von Helge Schneider produziert oder die Misfits begleitet hat, hat ebenfalls ein Faible für Trash.

HAGEDORN: Die »RaumbredouilleReplica« berücksichtigt die Anforderung des klassischen Science-Fiction (Bedrohung der Erde, Rettung derselbigen) und ergänzt sie um Chiffren der Popkultur. Einen Remix herzustellen ist in der Popmusik normal. Ihr habt das Selbe mit der Tonspur der Fernseh–Serie Raumpatrouille gemacht.

WEIGONI: Für mich gehört das O-Ton-Hörspiel noch lange nicht zu den Akten. Bei der Produktion »Zur Sprache bringen…« kommt uns zugute, daß Radio–Machen ist ein Medium ist, bei dem man Behinderung nicht sieht. Bei dem Hör–Spiel–Projekt steht das Geschichten–Erzählen und die gemeinsame Arbeit von „Menschen mit Möglichkeiten“ im Vordergrund. Die Hörer spricht die Direktheit der dargestellten Konflikte an, auch die Ungeschütztheit, mit der berichtet wird, sowie eine gewisse Dringlichkeit des Tons. Es ging darum zuzuhören und eine Medienerfahrung zu machen. Ich ermunterte die Bewohner dazu, Geschichten zu erzählen. Zu erzählen mit dem natürlichen Charme, der ihnen angeboren ist. Hier wurde nicht geschönt, vertuscht, verheimlicht, hier konnte man Fehler machen.

HAGEDORN: Fakten und Fiktion kommen einander immer ins Gehege. Rimbauds Verdikt, nach dem Ich ein anderer ist, wird mittlerweile wie eine Binsenweisheit zitiert. Die Maske hinter der Maske ist stets eine neue Möglichkeitsform des Ich, nicht das Produkt einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit. Doch die Verlockung ist ungebrochen, den Autor hinter der Maske seiner Figuren zu identifizieren. Wie löst du das?

WEIGONI: Spielerisch. "Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“, postulierte Schiller. Platon hatte Spiel genannt, was keinen nennenswerten Nutzen oder Schaden mit sich bringt. Ich lege die Betonung beim Hörspiel auf das Wort ‚Spiel’. Wie bei jedem Spiel gibt es Regeln. Und bei jedem neuen Stück muß man auch die Regeln neu erfinden.

HAGEDORN: „Wenn es Videoclips gibt, muß auch die Literatur auf die veränderten medialen Verhältnisse reagieren.“ hast du kackfrech vor Jahren proklamiert.

WEIGONI: Es sind kurze Ausrisse. In diesem Bereich bin ich Praktiker und sehe mich zu theoretischen Äußerungen nicht in der Lage, da Reflexion und Kontrolle in der Praxis stattfinden, also der Wirklichkeit der Produktionsbedingungen und der sich stetig verändernden Technik standhalten müssen. Früher haben die Künstler Manifeste geschrieben. Nun leben wir im 21. Jahrhundert. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich gerne eine Passage aus dem Arbeitspapier von Top 100 zitieren...

HAGEDORN: Habe ich bereits in MetaPhon paraphrasiert. Kommt einfach auf den Punkt.

WEIGONI: Zwischen der Leere des Zen-Spruchs und dem hysterischen Rhythmus des Videoclips ist eine Form zu entdecken, die sich hören lassen kann. Nur so kann Literatur, will sie auf die veränderten medialen Verhältnisse und die dadurch erzeugten Wirklichkeiten reagieren, einen innovativen Input erhalten und letztlich eine weitere Existenzberechtigung. Mit der Digitalisierung beginnt das Zeitalter des LiteraturClips.

HAGEDORN: Andy Warhol hat aus Kunst Mode gemacht. Er machte Kunst banal und damit zu einer der Mode unterworfenen Ware. Also wird seine Vorhersage ernst: Jeder wird in Zukunft für 15 Minuten berühmt.

WEIGONI: Wenn etwas von den größenwahnsinnigsten Projekten der gescheiterten Moderne lernen kann, dann, daß Kunst die Suche nach der außergewöhnlichen Form ist. Das hätte wahrscheinlich selbst der böse Prophet des Trivialen so gesehen. Mit dem von mir geliebten rheinischen Humor ist Top 100 eine ironische Antwort auf unsere Hitparadenkultur. Wo auf überkommene Formen verzichtet wird, müssen neue Logistiken ausprobiert werden. Hier mit Kurzhörspielen, die in maximal einer Minute erzählt werden und den Fragmentarismus der Zeit widerspiegeln.

HAGEDORN: Die Gästeliste deiner CD ist beeindruckend. Wie bist du an die ganzen Leute gekommen?

WEIGONI: Es sind fast alle alte Kollegen von mir, die aus einem trockenen Konzept ein Kunstwerk gemacht haben. Poetische Momente von Der Plan treffen auf industriellen Lärm, die Licks von Phillip Boa auf lyrische Momente des Komponisten Karl-Heinz Blomann, Grooves von Scoredreth auf das Gebrummel des Rezitators Christof Wackernagel. Ginka Steinwachs spielt Geige...

HAGEDORN: ...die du am Mac mit einem Soundprogramm noch verfremdet hast...

WEIGONI: So ähnlich sind auch andere Clips entstanden! Gefragt war bei Top 100 also die Idee pur, ohne chemische Zusätze. Insgesamt 99 Bagatellen warten auf ihre Umsetzung, um dann durch den Hörer neu umgesetzt zu werden. Wenn man die Taste Random oder Shuffle drückt, setzt der Zufallsgenerator im CD-Player das digitale Hörspiel zusammen.

HAGEDORN: Den Titel Nummer 100.

WEIGONI: Exakt! Bei der Uraufführung im Kulturbahnhof Eller habe ich die Zeit ausgewürfelt, die Augen sagten: 7 Minuten.

HAGEDORN: Du machst dir einen Spaß daraus, die Aufnahmen als mp3 bei dem vom DeutschlandRadio betriebenen http://www.blogspiel.de einzustellen.

WEIGONI: Und es ist interessant, wie sich eine jüngere Generation von Hörspielern damit auseinandersetzt. Das Hörspiel für den i-pod wird sich meiner Einschätzung nach durchsetzen.

HAGEDORN: Das hält dich nicht davon ab, an einer neuen CD zu arbeiten, die sich im Titel frecherweise nach einer Literaturgattung benennt.

WEIGONI: Als Madonna eine CD mit dem Titel „Music“ herausgebracht hat, habe ich mit Täger in einer Sektlaune rumgeflaxt, daß wir die nächste CD „Gedichte“ nennen sollten. Dabei ist es geblieben. Hörbücher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters!

HAGEDORN: Bedanke mich!

WEIGONI: Bis dahin.


Links:
* Siehe auch das Porträt: Der Musiker und Produzent Tom Täger aus Bad Mülheim
http://www.vordenker.de/weigoni/mpaed.htm
http://www.hoerspiel-labor.de

Die CDs sind erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

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6. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2007 um 12:54 Uhr

MetaPhon V ab dem 21. Mai 2007

»Unbehaust«

mit Jo Chang – Bibiana Heimes
Regie: Johanna Schmidt
Komposition: Tom Täger
Produktion: Tonstudio an der Ruhr
Master: daniel@taeger–music.de

Exil und Sprachheimat. In ihren poetopathologischen Aufzeichnungen kämpft die Patientin Jo Chang gegen das Vergessen, das Verlassen–Werden, die Gesellschaft, Gott, und den Tod. Ihr ist das Leben entglitten. Sie versucht es auf dem Papier mit Kanjis wieder zu ordnen. Versucht das, was wir alle tun, dem Leben, wenn es schon keinen Sinn hat, wenigstens eine erzählerische Ordnung zu geben. Die seelischen Grenzüberschreitungen, die das lyrische Monodram thematisiert, vollzieht es formal in der Aufhebung der Gattungsgrenzen nach. Es wird ganz ohne Psychologie erzählt, eher als Status quo eines Experiments. Jo Chang ist auf der Suche nach ihrem Ursprung und findet Einzelteile einer versprengten Existenz.

Die Papier-Komposition zum Monodram »Unbehaust« handelt vom unermüdlichen Tägerschen Forschergeist, von der ewigen Suche nach unverbrauchten Ausdrucksformen. Tom Täger hat versucht, die Form des Monodrams, die Gedanken der Hauptfigur auf musikalische Verhältnisse zu übertragen und generiert mit seiner Komposition zu »Unbehaust« eine subtile Kongruenz von Wort–Ton–Bezügen. Die Anlage der Papier–Collage ist schlicht und raffiniert zugleich. Tempomäßig und im Grundcharakter stiftet sie eine Bogenform. In den Zeitdauern ist sie ansteigend, die dynamisch intensivste Stelle steht etwa in der Mitte. Die Komposition ist durchgeformt. Das Tonmaterial kombiniert mit Papiergeräuschen und Komplementärakkorden, wird stringend ausgeführt. Ein Zug des Schweifenden, des locker Gelösten ist diesem Hörstück eigen, das von Bibiana Heimes als Sprecherin gestaltet wird. Ihre gezackte Rezitation ist rasch als Parodie auf Rene Polesch Vokalstil zu verstehen. Sie gilt als Verrückte – oder mimt zumindest eine exaltiert Abgehobene. In ihren poetopathologischen Aufzeichnungen kämpft Bibiana Heimes als Patientin Jo Chang gegen das Vergessen, das Verlassenwerden, die Gesellschaft, Gott, und den Tod. Die seelischen Grenzüberschreitungen, die das lyrisches Monodram thematisiert, vollzieht es formal in der Aufhebung der Gattungsgrenzen nach. Es wird ganz ohne Psychologie erzählt, eher als Status quo eines Experiments. Sie ist auf der Suche nach ihrem Ursprung und findet Einzelteile einer versprengten Existenz. Das Langgedicht handelt nicht nur von großer Not, es ist auch selbst in Not. Mit schlankem Federstrich zeigt die asiatische Emigrantin die Neurosen und die Zerstörtheit der westlichen Warenwelt auf. Sie scheint mit den Worten zu schweben: eine Sprechmusikerin.

Tom Täger gilt zu Recht als Hörspielkomponist. Er braucht zur Darstellung seiner Klang–Farben– Vorstellungen die Vielfalt der Instrumentalpalette. Seine Kompositionen sind nicht bloße «Begleitung», sondern strukturell und diskpositiv ebenso gewichtig wie die Sprecherstimmen. Der Mülheimer hat im Terrain der Musik stets die schwierigen, scheinbar unbegehbaren Routen oberhalb der Baumgrenze gewählt. Man glaubt beim Hören schrundiges Felsgestein unter den Füßen zu spüren. Erkaltete Lavaboasen und schwarzes Geröll, scharfkantige Krater und gähnende Erdspalten; er assoziiert Reliefstrukturen mit dem Rumoren des Papiers, fauchende Fumarolen mit tonlosen Anblasgeräuschen. Tägers Musik hat keinen illustrativen Charakter. Seine Klanglandschaften in »Unbehaust« sind abstrakt und trotzdem von eindringlicher Bildhaftigkeit.

Unter dem Stichwort Monolog (griechisch: monologos, "allein redend", "mit sich redend") findet sich im Nachschlagewerk folgende Anmerkung: "In der antiken Tradition gewann der Monolog vor allem mit dem Zurücktreten des Chors an Bedeutung." Dauert das Zurücktreten des Chors im 21. Jahrhundert noch an?

Eine Hörprobe von »Unbehaust«. findet sich ab dem 21. Mai unter: http://www.hoerspiel-labor.de

Die Künstlerbücher »Unbehaust«, »Faszikel« und »Idole« sind erhältlich über die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 02932 2457

Mehr Infos unter: Mehr Informationn unter: http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/rezensionen/ Kuenstlerbuch_Idole_Weigoni_Hieronymus_2007.php

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7. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 06.06.2007 um 17:06 Uhr

MetaPhon VI mit »Reality Radio, eine Radio-Satire« ab 18. Juni 2007 auf hoerspiel-labor.de

Das Unternehmen Halmackenreuther präsentiert »®eality–®adio–®emix«
Eine Radio-Satire von Mario Giordano, Ingrid Schlüter, Marina Rother & A.J. Weigoni

Radio Schauerland hat seinen großen Tag. Im Rahmen einer Live–Sendung, die nicht zufällig an die Oscar–Verleihung erinnert, werden die Preise für die besten journalistischen Radiobeträge vergeben. Fünf goldene Mikrophone gilt es zu verteilen als Preis für die jeweils Jahresbesten eines Genres. Nachdem Hansi Schwaiger den Hörern den sexuellen Gebrauchswert seiner Kollegin nachdrücklich geschildert hat, wird der erste Preisträger vorgeführt:

„Hautnah“ heißt die Live–Reportage, die Ingrid Schlüter geschrieben hat. Ein Lebensmüder steht auf einer Brücke und droht sich hinunterzustürzen. Live dabei ist Wahnfried Doll mit seinen Hörern, Mutter und Frau des Todeskandidaten sind per Telefonschaltung auch dabei – und immer mehr Hörer. Die Sendung gerät zum Volksfest. Der Lebensmüde wird mit dem Radiomikrofon gerettet.

Beschäftigen sich die anderen Beiträge weitgehend mit der Außenansicht des Mediums Lokalfunk beschäftigt, so wendet sich „Die Parkuhr“ von A.J. Weigoni mehr dem Innenleben der Sender zu. Ist die Zeit auch viel zu knapp für solide journalistische Arbeit, für böse Intrigen reicht sie allemal. Der rührige Reporter bekommt als vermeintlicher Parkuhrdieb zwei Jahre Knast, den Preis bekommt der Chef.

Wieder in der Rahmenhandlung, die Mario Giordano schrieb, kündigen Hansi und Evelyn den nächsten Preisträger an: „Der Totenbegleiter“. Marina Rother hat das Studiogespräch getextet. Hildegard Kleinschmidt hat den Bestatter Alois Rehbein ins Studio eingeladen. Der dynamische Unternehmer reißt rasch die Sendung an sich. Leidenschaftlich trägt er sein Konzept vor: ein rauschendes Fest statt Trauer, Inszenierung statt Leben.

„Bericht mit O–Ton“ stammt ebenfalls von A. J. Weigoni. Die Lokalfunkjournalistin Cordula Klümper, immer auf der Suche nach einer Story, verwertet sich diesmal selbst, und berichtet aus dem Kreissaal von der Geburt ihres Kindes. Sie hat keine Hemmungen bei der Selbstausbeutung. Solche tabulosen Leute braucht das Medium, das ist schon ein „Goldenes Mikrofon“ wert.

Eine Hörprobe von »®eality–®adio–®emix« findet sich ab dem 18. Juni unter: http://www.hoerspiel-labor.de

Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

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8. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 12.07.2007 um 10:55 Uhr

MetaPhon VII ab dem 16. Juli 2007 mit »The last pop-songs«

Kompositionen von K.H. Bomann, Frank Michaelis, Tom Täger, Scoredreth
mit Marion Haberstroh, Andy Schulz u.a.

Vera leitet sich vom Wortstamm: Wahrheit ab. Vera strange tapes sind ästhetische Erwiderungen zu Rap, Reggae und Karneval. Unter "the last pop-songs" formieren sich Kurzhörspiele die sich tanzen lassen zu einem luziden Klanggewitter. A. J. Weigoni und Frank Michaelis betreiben mit der Literatur eine multimediale Hörspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung, und setzen Elemente der Minimalmusik ebenso ein, wie die des Jazz.

Eine Hörprobe von »The last pop-songs« findet sich ab dem ab dem 16. Juli 2007 unter: http://www.hoerspiel-labor.de

Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

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9. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 15.07.2007 um 11:03 Uhr

Pop am Rhein: Popliteraturgeschichte(n) 1965 - 2007

Viel wurde in den letzten Jahren über Popliteratur geredet und geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, dass maßgebliche Impulse für die Entstehung einer Popliteratur vom Rheinland ausgingen. Ganz am Anfang standen die Autoren und Übersetzer Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla, die ab Mitte der 1960er Jahre in Köln lebten und von hier aus der amerikanischen Beat- und Untergrund-Literatur deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafften. Einige der einschlägigen Publikationen erschienen schon damals im Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch, der es auch in den Jahrzehnten immer wieder erfolgreich verstand, Literatur unter dem Siegel des Pop zu vermarkten.
In den 80er Jahren wurde Düsseldorf mit seiner lebendigen NDW-Szene zum Spielplatz für Akteure wie Peter Glaser, Niklas Stiller und Hubert Winkels.
Anfang der 90er Jahre waren auch – inzwischen arrivierte - Autoren wie Marcel Beyer und Norbert Hummelt vom Pop-Virus angesteckt, im Umkreis des Kölner KRASH-Verlags entwickelten sich neue Spoken-Word-Literaturformen, 1993 wurde mit der 1. Deutschen Literaturmeisterschaft „Dichter in den Ring!“ im Kölner Rhenania der erste Poetry Slam auf deutschem Boden überhaupt veranstaltet. Diese Literaturwettbewerbe grassierten in der Folge auch in anderen Städten, besonders lange (nämlich bis in die heutige) tobt im Düsseldorfer ZAKK die „Poesieschlacht“. Zudem ist spätestens seit Mitte der 90er-Jahre in den Clubs der rheinischen Großstädte eine lebendige Live-Literatur-Szene am Werke, die so in dieser Dichte nur noch in den Millionenstädten Hamburg und Berlin zu finden ist.
Die Ausstellung will diese popliterarischen Szenen zwischen Over- und Underground mit Objekten, Plakaten, Flyern, Fotos, Audio- und Videoclips nachvollziehen - ein Zeitpanorama durch das Vergrößerungsglas der regionalen Perspektive, die eine erhebliche größere Tiefenschärfe bei der Betrachtung der Phänomene zulässt.
Gerade deshalb wird hier der Begriff „Popliteratur“ nicht vorbehaltlos übernommen, sondern er wird durch die Vielfalt der präsentierten Positionen aufgebrochen und problematisiert.

Die Ausstellung zeigt u.a. Exponate von und über: Yola Berbesz, Marcel Beyer, Rolf Dieter Brinkmann, Hansjürgen Bulkovski, Campino, Karin Dreier, Frank Fenstermacher, Fehlfarben, Peter Glaser, Richard Gleim, Pamela Granderath, Peter Hein, Hadayatullah Hübsch, Norbert Hummelt, Kiepenheuer & Witsch, Ferdinand Kriwet, Stan Lafleur, Pietro Pellini, Dietmar Pokoyski, Ralf-Rainer Rygulla, Xao Seffcheque, Niklas Stiller, Tom Toys, A.J. Weigoni, Gunda Wienke, Christof Wolff, Harald Sack Ziegler.


17.09. bis 04.11.2007 - Heinrich-Heine-Institut
Pop am Rhein: Popliteraturgeschichte(n) 1965 - 2007
Texte, Schriften, Bilder, LAUT!Dichtung

Eröffnung: 16.09.07, 11 Uhr mit Schlammpeitziger (Elektronik)

Heinrich-Heine-Institut, Bilker Str. 12-14, 40213 Düsseldorf, Öffnungszeiten: Di – So 11-17h
Führungen für Schulklassen möglich.

Weitere Termine:

9.10.2007, 20 Uhr: Lesung mit Guy Helminger, Musik vom Kölner Multi-Toy-Instrumentalisten Harald Sack Ziegler

31.10.2007, 20 Uhr: Lesung mit Peter Glaser, elektronische Musik mit dem Duo Marcus Schmickler (Computer) und Thomas Lehn (Analog Synthesizer)

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