Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

Literaturforum: Krisenbewältigung auf Kulturpolitisch


Aktuelle Zeit: 20.11.2017 - 09:00:33
Hallo Gast, Sie sind nicht eingeloggt!
Suche | Mitglieder | Neu | Statistik

Heute ist der 197. Geburtstag von Friedrich Engels.

Forum > Politik & Gesellschaft > Krisenbewältigung auf Kulturpolitisch
Seite: 1
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
 Autor
 Thema: Krisenbewältigung auf Kulturpolitisch
1943Karl
Mitglied

445 Forenbeiträge
seit dem 24.02.2008

Das ist 1943Karl

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 01.05.2009 um 18:13 Uhr

Krisen (wie unsere derzeitige) gefährden immer wieder die kommunale Kunst- und Kulturförderung. Öffnungszeiten von kommunalen Kunstgalerien, Museen und Büchereien drohen eingeschränkt, manche „Kulturtempel“ gar geschlossen zu werden. Örtliche Kulturpolitiker glauben, sich in Krisenzeiten keinen kulturellen Luxus leisten zu können.
Die Kunst der Politik ist die des Möglichen und damit die des jeweils bestmöglichen Kompromisses. Dahingegen können Künstler kaum Kompromisse eingehen. Nehmen sie doch den künstlerischen Aussagen ihrer Bilder, Bücher und Darstellungen das Provozierende. An Kunst muss man sich reiben, Kompromisse sind bereits glatt geschliffen.
Kulturpolitik muss Kompromissloses durch Kompromisse realisieren.
So ist auch das Zitat Theodor Heuss´ von der Schwierigkeit, mit Kultur Politik zu machen, zu verstehen. Allerdings fügte Heuss hinzu, Politik ohne Kultur sei nicht möglich.
Die in Demokratien gewählte Form der Kunstförderung sollte daher folgerichtig auch auf die Freiheit der Kunst und des Künstlers und nicht vor allem auf die Freiheit des Marktes setzen, damit kompromisslos frei bleiben kann, was kompromisslos frei sein muss.
Der durch quotenabhängige Massenmedien beeinflusste Geschmack der Massen bestimmt, was sich an Kunst (den Marktgesetzen folgend) massenhaft an Massen verkaufen lässt. Immer weniger Wohlhabende können sich immer mehr exquisite Kunst leisten.
Durch Einsparungen in der Bildungs- und Kulturpolitik sowie in der Kunst- und Künstlerförderung werden immer weniger Menschen immer weniger an anspruchsvolle Kunst und kulturelle Bildung herangeführt. Künstler unterwerfen sich, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, dem Markt und dem (billigen) Massengeschmack und/oder den Erwartungen reicher Kunstsammler.
Kompromisslos frei können Künstler unter solchen Bedingungen kaum arbeiten und Kunst kann somit der Gesellschaft immer seltener den notwendigen Spiegel vorhalten, um gesellschaftliche Reflexion anzuregen.
Politik ist Umgang mit Macht. Veränderungen bedeuten Machtverluste für jene, die im sicheren Besitz der Macht bleiben wollen. Kreative Kunstideen wirken subversiv subtil und folgen kaum jener Logik, die zwecks Machterhalt zu (machtpoltischer) Vernunft erklärt werden. Demokratie soll Macht nur auf Zeit zuteilen und kann daher auch nicht eine immer stärkere Anhäufung des Machtmittels Geld bei immer weniger Reichen zulassen.
Nicht von ungefähr waren einst machthungrige Kriegsfürsten selten der Kunst und Kultur zugetan, taten sich aber als Plünderer und Eroberer von Kunstschätzen hervor, da sie ausschließlich der materielle Wert dieser Schätze interessierte.
Auch heute sind Kunstwerke eine sichere Wertanlage, sicherer als Aktien.
Betriebswirte, Stadtmarketing, Wirtschaftssoziologen und Kulturpolitiker streiten darüber, ob Kultur nun harter oder weicher Standortfaktor sei. Zum Glück sehen manche Manager in höheren Etagen größerer Unternehmen bei allem Ökonomismus Kunst nicht nur als finanzielle Wertanlage sondern haben auch ideele Ansprüche an die Kunstszene. Und die Kommunen brauchen für Unternehmensansiedlungen sogenanntes hochwertiges Humankapital, sprich qualifizertes Personal. Und das hat kulturelle Ansprüche. Daher gilt dem kommunalen Wirtschafts und Kulturpolitiker Kunst und Kultur wenigstens als weicher Standortfaktor. Dass im Bereich Kunst auch Arbeitsplätze (als harter Standortfaktor) zu vergeben sind, spricht sich erst langsam herum. Künstler und kunstnah Tätige sollten lieber das Klischee weltfremder Idealisten bedienen. Als solche können sie kaum Einfluss auf die harte Realität nehmen.
Doch der Kapitalismus gerät gerade immer mehr in Verruf, inhuman zu sein und soll daher plötzlich ein menschliches Anlitz zeigen. Das eröffnet Chancen. Gerade Kunst- und Kulturpolitik könnte der gescheiterten Wirtschafts- und Finanzpolitik ein hilfreiches Gegengewicht entgegensetzen.
Unsere derzeitige Krise ist nur vordergründig eine finanzielle, eigentlich aber eine kulturelle.
Beim Geld dürfen Menschlichkeit und die Freundschaft gerade nicht aufhören. Und wenn, dann nur, weil sie mit Geld ohnehin nicht zu bezahlen sind.
Doch nicht Geld ist unmoralisch, aber die Art damit umzugehen kann höchst inhuman sein. Kunst und Kultur sind gefragt, menschliche Werte zu vermitteln, die offenbar an Börsen und in Banken verspielt wurden. Eine entsprechend gezielte kommunale Kulturpolitik wäre somit ein nicht unwesentlicher Beitrag zur humanen und demokratischen Bewältigung der Krise.


Bei jedem Irrtum gewinnt die Wahrheit Zeit.
E-Mail Profil Homepage von 1943Karl besuchen Nachricht senden Zitat
Gast873
Mitglied

1457 Forenbeiträge
seit dem 22.06.2006

Das ist Gast873

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 26.05.2009 um 22:32 Uhr

talking about a revolution

Profil Nachricht senden Zitat
1943Karl
Mitglied

445 Forenbeiträge
seit dem 24.02.2008

Das ist 1943Karl

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 03.06.2009 um 15:17 Uhr

Hallo Hyperion,
let us talk!!
Karl


Bei jedem Irrtum gewinnt die Wahrheit Zeit.
E-Mail Profil Homepage von 1943Karl besuchen Nachricht senden Zitat
raimund-fellner
Mitglied

86 Forenbeiträge
seit dem 13.11.2011

Das ist raimund-fellner

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 13.01.2012 um 16:07 Uhr

Meine Erfahrung hier in München ist, dass ich ununterbrochen irgendwo kostenlos oder für wenig Geld Kunst konsumieren könnte. Da ist ein überreiches Angebot vorhanden, zumal die meisten Künstler kostenlos oder für wenig Geld ihre Kunst der Öffentlichkeit präsentieren. Auch im Internet hat man wie hier massenweise Möglichkeiten Kunst zu konsumieren. Das Problem dabei ist nur, dass man selten auf neue Gedanken stößt, sondern alles, was durch diese Kunst mitgeteilt wird, irgendwie schon bekannt ist. So habe ich persönlich nur die Möglichkeit an neue originäre Kunst zu kommen, wenn ich selbst einen Text verfasse, (für den sich aber kaum jemand interessiert.) Dabei würde ich so gerne mal Kunst mit neuen unerhörten Gedanken konsumieren. Das wäre auch viel bequemer. Wo finde ich solche?


Raimund Fellner
E-Mail Profil Homepage von raimund-fellner besuchen Nachricht senden Zitat
Seite: 1
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
Forum > Politik & Gesellschaft > Krisenbewältigung auf Kulturpolitisch


  Ähnliche Beiträge
Gestartet von
Antworten Letzter Beitrag
krisenbewältigung
1943Karl
2 21.04.2009 um 17:15 Uhr
von 1943Karl


Sie möchten hier mitdiskutieren? Dann registrieren Sie sich bitte.



Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Gesellschaft



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.017517 sek.