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Literaturforum:
Köhler, die Wahrheit und die anderen


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Autor
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Thema: Köhler, die Wahrheit und die anderen
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ArnoAbendschoen
Mitglied
 20 Forenbeiträge seit dem 02.05.2010

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 03.06.2010 um 17:44 Uhr |
Unser Bundespräsident ist also zurückgetreten. Wie er es
tat, das kam einer Sturzgeburt gleich. Wie lange war er
schon damit schwanger gegangen? Wir wissen es nicht.
Immerhin hatte es Wehen gegeben – die dissonanten Resonanzen
auf jene „Äußerungen“ von ihm. Sie stehen nach seinem
Rückzug wieder im Mittelpunkt der Debatte. Durfte er, konnte
er, hätte er -?
Köhler hat noch vor seinem Rücktritt richtig gestellt,
erläutern lassen, was er gemeint hatte und was nicht. Damit
hätte es sein Bewenden haben können. Doch dann trat die
paradoxe Situation ein, dass Köhler in dem Sinne verteidigt
wurde, als ob er nichts klar gestellt hätte. Wer solche
Verteidiger hat, muss sich selbst in sein Schwert stürzen.
Armer Köhler, einmal sich unbedacht geäußert, es ist nicht
wieder gutzumachen.
Sehen wir uns einmal diese merkwürdige Argumentation pro
Köhler und pro Militäreinsatz im Wirtschaftsinteresse - in
einem Atemzug - genauer an. Sie weist zwei Stereotypen auf:
Köhler hat die Wahrheit gesagt. Und: Die im Ausland sehen
das überall so wie Köhler.
Sarrazin hat bekanntlich auch die Wahrheit gesagt. Die arme
unterdrückte Wahrheit … In Wahrheit ist Wahrheit ein
philosophischer Begriff, der in der Politik wenig zu suchen
hat, zumal nicht, wenn es um Bündnisse, Militärstrategie, um
Krieg und Frieden geht. In diesen Fragen sind die
Kategorien: Gesetzlichkeit und Zweckmäßigkeit. Moral?
Meinetwegen auch. Also, Wahrheit, geschenkt, setzen!
Die zweite Keule – für die anderen draußen sind diese
Einsätze selbstverständlich, nur für uns nicht – folgt dem
altbekannten Muster: Der Prophet gilt nichts im eigenen
Land. Wobei wir es hier mit einem doppelten Propheten zu tun
haben: mit Köhler und dem selbst ernannten Interpreten
dessen, was Köhler gesagt, aber womöglich so nicht gemeint
hat. Ja, dieses dumme Volk, die Deutschen, da lob ich mir
die Amerikaner, Briten und Franzosen. Ach ja?
Wir müssten wirklich sehr dumm sein, wenn wir uns diesen
Humbug weismachen lassen würden. Die interventionistische
Politik – um das hässliche Wort neoimperialistisch mal zu
vermeiden – ist in allen westlichen Ländern stark
umstritten. In Großbritannien war die Mehrheit der
Bevölkerung stets gegen das Kriegsabenteuer im Irak, es
konnte nur dank eines im Kern undemokratischen
Mehrheitswahlrechts begonnen und fortgesetzt werden.
(Nebenbei: Dieses Mehrheitswahlrecht installiert gerade die
Herrschaft von Minderheit über die Mehrheit.) Weiter: Der
Zusammenhang von Globalisierung und Krieg ist eines der
großen Themen von Attac, einer in vielen Ländern
verwurzelten Nichtregierungsorganisation. Oder: Einer der
meist gelesen amerikanischen Schriftsteller, Gore Vidal,
geißelt seit Jahrzehnten die interventionistische Politik
der USA – und wird hierzulande kaum wahrgenommen. Ja,
orientieren wir uns an den anderen Ländern des Westens.
Streiten wir uns wie sie im Innern.
Ihr Kriegslüsternen, wer so dümmliche Propaganda macht wie
ihr, um dessen Kriege ist mir jetzt schon bange. Das kann
nicht gut gehen.
IP: geloggt Wenn die Augen geschlossen sind, beginnt die wahre Welt. (Gore Vidal, The City and the Pillar, dt. Geschlossener Kreis)
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Matze
Mitglied
  414 Forenbeiträge seit dem 09.04.2006

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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 06.06.2010 um 09:00 Uhr |
Als nächster Bundesbräsigdent kommt nur wahrscheinlich ein
Mann ohne Eigenschaften.
IP: geloggt Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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