
|
Literaturforum:
August 2010


Forum > Lektüregespräche > August 2010
|
Autor
|
|
Thema: August 2010
|
ArnoAbendschoen
Mitglied
 132 Forenbeiträge seit dem 02.05.2010

|
| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 03.08.2010 um 23:18 Uhr |
Jean Genet, Tagebuch eines Diebes - Vor vielen Jahren schon
einmal gelesen. Fand es damals aufregend. Bei erneuter
Lektüre jetzt ambivalente Eindrücke: sehr ansprechend die
geschilderten Personen und Situationen - dagegen stark
überzogen die Reflexionen des Autors. Hat er seine
Erlebnisse für die damals in Blüte stehende
Existenzphilosophie mundgerecht aufbereitet? Was ist an dem
Buch noch lesenswert, was antiquiert? Wer hat mit Genet in
jüngerer Zeit ähnlich irritierende Begegnungen gehabt - oder
ganz andere?
Wenn die Augen geschlossen sind, beginnt die wahre Welt. (Gore Vidal, The City and the Pillar, dt. Geschlossener Kreis)
|
|
Kakerlakerich
Mitglied
 47 Forenbeiträge seit dem 21.12.2009
|
| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 16.08.2010 um 22:15 Uhr |
Mit Genet kann ich aktuell leider nicht dienen, ist zu lange
her. Hab mir heute von Grassens Günter Lyrische Beute (stimmt ja gar nicht, dass sich niemand für Lyrik
interessiert!) und Grimms Wörter bestellt, jaja, das hab ich.
|
|
ArnoAbendschoen
Mitglied
 132 Forenbeiträge seit dem 02.05.2010

|
| 2. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 18.08.2010 um 18:01 Uhr |
Ja, Kakerlakerich, Genet scheint heute nur noch auf sehr
begrenztes Interesse zu stoßen. Und dabei wurde in den
Sechzigern z.B. wegen seines
"Notre-Dame-des-Fleurs" sogar prozessiert, d.h.
das Erscheinen des Buches konnte in Deutschland erst
gerichtlich durchgesetzt werden.
Allerdings fällt mir jetzt mindestens ein zeitgenössischer,
auf Deutsch schreibender Autor ein, der stark von Genet
beeinflusst ist: Josef Winkler. Was beide verbindet, ist
wohl die katholisch-ländliche Herkunft, eine Prägung voller
Hassliebe, von der sie sich schreibend zu lösen versuchen,
ohne es letztlich zu erreichen. Ich las jetzt auch noch
"Notre-Dame-des-Fleurs", das viele wundervolle
Abschnitte aufweist und mich dennoch oft genervt hat - wegen
der Art, wie beständig die Formen des katholischen Kultus
travestiert werden. Wer selbst nicht katholisch erzogen
wurde oder gar nicht religiös ist, bringt nur schwer
Verständnis dafür auf. Als das Buch erstmals herauskam, hat
man (Sartre!) es wohl auch als bewusste Hinwendung zum
Existenzialismus aufgefasst.
Arno Abendschön
Wenn die Augen geschlossen sind, beginnt die wahre Welt. (Gore Vidal, The City and the Pillar, dt. Geschlossener Kreis)
|
|
Forum > Lektüregespräche > August 2010
|
|