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MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 20


Forum > Medienkritik & Kommunikation > MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 20
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Thema: MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 20
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Matze
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  509 Forenbeiträge seit dem 09.04.2006

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 02.02.2011 um 08:30 Uhr |
MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 2011 auf http://www.vordenker.de
In den Download-Angeboten der Reihe „MetaPhon“ werden bei http://www.vordenker.de/metaphon.htm Hörspielmacher aus der Rhein/Ruhr-Region vorgestellt.
Zu hören sind die Hörspielmacher: Mario Giordano, Helge
Schneider, Jens Neumann, Marina Rother, A.J. Weigoni, u.a.
Und die Komponisten: Peter Brötzmann, Eva Kurowski, Franz
Halmackenreuther, Mona Lisa Overdrive Alexander Perkin,
Volker Förster, Tom Täger, u.a.
Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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Matze
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Abgeschickt am: 02.02.2011 um 09:13 Uhr |
Ein Hintergundgespräch zur Reihe: http://www.rp-online.de/hps/client/opinio/public/pjsub/produ
ction_long.hbs?hxmain_object_id=PJSUB::ARTICLE::663627&hxmai
n_category=::pjsub::opinio::/musik_multimedia/cds
Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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Matze
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Abgeschickt am: 06.02.2011 um 14:30 Uhr |
MetaPhon 1 - seit Januar 2011 - mit "Mona Lisa
Overdrive"
Abseits des westlichen Spiralnebels gibt es für das
medienarcheologisch geschulte Gehör einen Klangkosmos ganz
eigener Art zu entdecken. Der digital-analoge Grenzgang des
Studioprojektes MLO begann irgendwann in den 80-er Jahren
des 20. Jahrhunderts im Studio von HK; übrigens weit vor dem
Aufkommen des PC als universaler Produktionsmaschine.
Grundlagen dieser akustischen Produktion waren eine analoge
4-Track-Bandmaschine und ein Atari 1040ST-Computer sowie
diverse Synthesizer, Sampler, Saiteninstrumente und jede
Menge analoge und digitale Effektgeräte. Pop, Soundgefrickel
und die die Leidenschaft für den Jazz finden bei MLO auf
elegante Weise zusammen.
Um Max Bill zu paraphrasieren: Die Songs von MLO sind
„Gegenstände für den geistigen Gebrauch“. Grundlage des
MLO-Sounds ist die konsequente Verwendung von Micropatterns,
rhythmischen Mustern, die neben klassischen elektrischen und
akustischen Instrumenten aus Umweltklängen und Geräuschen
herausdestilliert werden. Zum Einsatz kommt grundsätzlich
alles, das zum Hervorrufen von akustischen Ereignissen und
Resonanzen verwendet werden kann, u.a. Lackdosen,
afrikanische Spieluhren, Türen, Fußböden, Gebäude, Stimmen,
Saiten, Tasten, Felle, Plastiktüten. Auf diese Art und Weise
gelingt eine akustische Erforschung der Mythen des Alltags.
Die MLO-Kompositionen lösen und schaffen weit entfernt vom
Free-Jazz Grenzen zwischen Tonalem und Atonalem,
Maschinellem und Biologischem, Archaischem und Neuem.
Charmant an diesen Ambient Chansons sind die Stücke, auf
denen die Sängerin Nicole Vogt dem Material mit einer etwas
fernen, wehmütigen Stimme eine Seele einhaucht.
Hier hört man keine Hooks aus den üblichen Synthesizern,
pumpende Dance-Rhythmen oder den mittlerweile arg
ausgelutschten Autotune-Effekt, diese Songs sind dem
Plastikgegnidel heutiger Hitfabrikationen noch Lichtjahre
voraus. Bedauerlicherweise wurde das Projekt um 2003 das
Projekt vorübergehend eingestellt. Damit MLO auf die
Renaissance des Analogcomputers nicht länger warten muss,
stellen wir dieses Data-Pop-Meisterwerk auf MetaPhone vor.
"Mona Lisa Overdrive" bestehen aus: Heinz Kessler,
Nicole Vogt, Joachim Paul, Ben Bischoff und wechselnde
Gastmusiker
Die Alben von "Mona Lisa Overdrive" findet sich
seit Januar 2011 unter: http://www.vordenker.de/mlo/mlo_metaphon.htm
Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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Matze
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Abgeschickt am: 06.02.2011 um 14:30 Uhr |
MetaPhon 2 – Januar 2011: Gotthard Günther liest
Naturphilosophie...
Nach seiner Emeritierung am Biological Computer Lab in
Urbana, Illinois, 1972 übersiedelte Gotthard Günther nach
Hamburg und hielt bis zu seinem Lebensende 1984 an der
Universität Hamburg Vorlesungen über Philosophie.
In der ersten Hälfte des Wintersemesters 1981/1982 las er
Naturphilosophie. Unser besonderer Dank gilt Herrn Jürgen
Albrecht, der uns seinen persönlichen Mitschnitt auf
Audiocassetten zur Verfügung stellte.
Wir haben den Mitschnitt digitalisiert und sorgsam
"entrauscht". Er steht hier als 192 kbps mp3 in 8
Dateien zur Verfügung. Wer sich ernsthaft dafür
interessiert, wird auch die Zeit haben, die Dateien
herunterzuladen.
Gotthard Günther - Philosophie live - ein weiterer Kommentar
erübrigt sich.
Link: http://www.vordenker.de/ggphilosophy/GG_Naturphilosophie_Vor
l_1981.htm
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Matze
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Abgeschickt am: 06.02.2011 um 14:32 Uhr |
MetaPhon 3 – Februar 2011: »RaumbredouilleReplica
Das Beruhigende an Science-Fiction-Stoffen ist die
Erfahrung, daß andere Welten zwar anders aussehen, trotzdem
aber genauso funktionieren wie die Unsere. Andererseits ist
es betrüblich, wenn man immer wieder feststellen muß, daß
sich eine bessere Welt bisher nirgends durchsetzen konnte.
Kult wäre der falsche Begriff, um dieses Phänomen zu
benennen; diese Serie "Raumpatrouille" ist echtes
nationales Kulturgut der alten BRD, ein absolut
authentisches Stück bundesdeutscher 1960-erjahrekultur. Der
Mythos vom Bügeleisen auf dem Kontrollboard hat diese
Gratwanderung zwischen dem Seriösen und dem Ironischen
verdrängt.
Einen Remix zu basteln ist in der Popmusik üblich. Weigoni
hat das selbe gemacht mit der Tonspur der Fernseh–Serie
Raumpatrouille… ein Pop–Song–Spaß! Bei Täger, Spezialist für
Tonträger der anarchischen Aufnahmezelle Tonstudio an der
Ruhr mit vieltönendem Output… dient dieses Patchwork als
akustisches Fanzine und sollte als solches die harrende
Gemeinde finden. Das Hörspiel ist quasi die achte Folge der
siebenteiligen Fernsehserie "Raumpatrouille Orion
Die Hörspielversion "RaumbredouilleReplica"
liefert auf verschärft humorvolle Weise einen
Reflexionsboden, von dem aus Trivial- und Technomythen
liebevoll demaskiert werden. Weigoni und Täger zeigen uns
noch einmal die Zukunft aus dem Blickwinkel der
Vergangenheit des bürgerlich-vermieften Wohnzimmers der
1960-er, in dem man sich, verschreckt durch beginnende
Studentenunruhen und dem Ende des Wirtschaftswunders, dem
Thrill einer ungewiss-gewissen Zukunft aussetzt, in der der
Weltenraum - entsprechend dem Sicherheitsbedürfnis
begrenzter Kulturen - scheinbar unspektakulären Patrouillen
zugänglich ist. Die hohe Kunst von Tom Täger und A.J.
Weigoni besteht darin, nicht hinter dem Reflexionsgrad des
Originals zurückzubleiben.
Dazu ein geleaktes GSD-Geheimpapier: http://www.vordenker.de/gsd/bred.htm
Was für "Raumschiff Enterprise" zunächst die
Klingonen, waren die Frogs für "Raumpatrouille
Orion", der deutschen Science-Fiction-Serie mit
Kultstatus und Heimwerkerappeal: Bügeleisen dienten dem
hochtechnisierten Raumschiff als Schaltgeräte und brennende
Tennisbälle flogen durch die wolkenlose Weite des Himmels.
Legendär auch das Raumfahrerkasino, in dem nach geglückter
Mission zukunftsweisend Rücken an Rücken getanzt wurde. Die
neu aufbereitete Tonspur dieses Straßenfegers hält ein
weiteres ungeahntes Abenteuer mit Wolfgang Völz, Claus Holm,
Charlotte Kerr u.v.a. bereit. Wie meinte Dietmar Schönherr
nach bestandenem Abenteuer: "Rücksturz zur Erde".
Seit langem beschäftigt sich Weigoni mit Trivialmythen, die
sich in Groschenheften, in der Schlagermusik, im Kino und in
Fernsehserien manifestieren, und als Medienautor ist Weigoni
ein Spieler, den die technischen Entwicklungen der Medien
faszinieren, weil sie schier unendliche Möglichkeiten der
Neuordnung von Formen und Zeichen eröffnen.
Seine Hörspielcollage "Raumbredouille Replica"
geht unter anderem von der Raumschiff-Enterprise-Utopie der
60er Jahre aus: "Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es
gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im
Weltraum." Der alte Topos der Science-Fiction von der
Bedrohung der Erde durch eine Invasion von Aliens und die
Errettung der Menschen durch die Helden der Raumfahrt wird
in diesem Hörspiel ergänzt durch die Chiffren der
Pop(musik)kultur. Bei der Realisierung dieser
Autorenproduktion arbeitete Weigoni mit Täger zusammen, dem
Produzenten der Alben von Helge Schneider und der Missfits.
Eine Hörprobe der "RaumbredouilleReplica" findet
sich seit Februar 2011 unter: http://www.vordenker.de/metaphon.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
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Matze
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Abgeschickt am: 02.03.2011 um 20:05 Uhr |
MetaPhon 4 – Merz 2011 mit "Ohryeure"
Die Frage "Woher kann ein Bischof so gut küssen?"
wird unstrittig von Eva Kurowski beantwortet. Während man
bei Elmar Steinrückens akustischen Western den Gebrauch von
Pfeil und Bogen erlernen kann, kämpft Helge Schneider mit
den Tücken eines Anrufbeantworters.
Fortzuhören ist schwieriger, als fortzublicken. Die
Dimension des Akustischen ist das Ausmaß der Unfreiheit. Als
Hörende sind wir unfrei. Wir sind alle Ohryeure. In das
geöffnete Ohr verschwindet gesprochene Sprache, die sich in
Erinnerungsräume einnisten kann, die verschwindet. Aber
Sprache verschwindet nicht immer spurlos, denn sie kann
aufgerufen und erinnert werden, sie kann durch einen Mund-
oder Schriftraum mitgeteilt werden. Hören bedeutet
Eintauchen, es birgt ein Potenzial an Regression, so daß
sich der Hörer im besten Fall an den tiefsten Orten seines
Wesens berührt fühlt. Das Gehör ist der erste Sinn, der sich
im Mutterleib bildet, und der letzte, den der Sterbende
verliert. Die Faszination des Hörbuchs geht über die Lust an
Geschichten hinaus und reicht, anthropologisch betrachtet,
sehr tief.
Im Zeitalter der so genannten "Neuen Medien"
erreicht man das Publikum schwer mit Büchern. Wir erleben
einen zunehmenden kulturellen Analphabetismus, den auch die
Indifferenz verursacht, zu der die modernen
Vereinfältigungsmedien verleiten. User leben eine Kultur der
Ungeduld. Sie wissen, wie man etwas findet, aber sie wissen
eigentlich nicht was sie finden möchten. Das Betriebssystem
für die elektronischen Medien ist das Lesen. Das
Betriebssystem für das Lesen ist die Sprachkompetenz. Das
Betriebssystem für das Hören ist Aufmerksamkeit; eine knappe
Ressource.
Wer nicht hysterisch über Kunst und neue Medien sprechen
will, braucht nicht in einen naiven Realismus zu verfallen.
Es gibt auch dazu eine Alternative, die nicht minder
rational ist: die medienarchäologisch genaue Analyse jener
Änderungen der Wirklichkeit, die sich auf dem Weg von den
einstige Analogmedien wie Rundfunk oder Telefon zum
Digitalmedium Computer ereignet haben. Auch davon erzählt
Helge Schneiders "Nächtlicher Anruf", ein
Kurzhörspiel des Mülheimers, das nur auf diesem Hörbuch
erschienen ist.
Eine Hörprobe von "Ohryeure" findet sich seit März
2011 unter: http://www.vordenker.de/metaphon.htm
Dazu ein Essay von Weigoni: http://www.vordenker.de/weigoni/mpaed.htm
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Matze
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Abgeschickt am: 06.03.2011 um 08:22 Uhr |
Wie die Menschheit miteinander kommuniziert, ist langsam und
fehleranfällig. Das Gehirn denkt mit elektrischen Signalen,
die für eine Unterhaltung zeitraubend und mechanisch in
Schallwellen umgewandelt werden. Wir umgeben uns mit
Dämmstoffen und erlassen Schallschutzbestimmungen, aber wir
empfinden unsere Umwelt als lauter denn je. Unsere Ohren
kommen nicht mehr zur Ruhe. In Kaufhäusern, Restaurants,
Fußgängerzonen: Allerorten werden wir berieselt und in ein
Meer von akustischem Müll getaucht - ein Gewoge, in dem
unsere Wahrnehmungsfähigkeit für Nuancen untergeht. Wir
verlieren uns in diesem schrillen Orchester für
Dienstleister und Medien, die um die Aufmerksamkeit buhlen
und unsere privaten Hörräume zu winzigen Nischen schrumpfen
lassen. Wir sind alles andere als nur Opfer - und sehnen uns
dabei ständig nach Stille. Was aber, wenn sie tatsächlich
eintritt?
Die Antwort findet sich in meinem Essay: http://www.bookrix.de/_title-de-matthias-hagedorn-die-liebe-
eines-ohryeurs-ist-platonisch
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Abgeschickt am: 12.04.2011 um 11:12 Uhr |
MetaPhon 5 ab April 2011 mit »Zur Sprache bringen...«
Das O-Ton-Hörspiel "Zur Sprache bringen..." ist
ein Platz für Geschichten außerhalb normierter
Sprachregularien, ein Oszillieren zwischen Eigenart und
Eigensinn. Man muß diese Menschen lieben, um in das
eigentümliche Wesen jedes Einzelnen einzudringen, es darf
einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein, erst dann
kann man sie verstehen.
Die O-Ton-Collage mit Bewohnern des Benninghofs zeigt einen
Einblick in den Alltag behinderter Menschen. Diese
"Menschen mit Möglichkeiten" versuchen den
schweren Dingen Leichtigkeit zu geben und die Wortfolge -
Selbstbestimmung, Assistenz und Integration - mit Inhalt zu
füllen, ohne daß der Zuhörer auf den Spaß verzichten muß.
Und dieser Spaß geht nicht etwa auf Kosten der behinderten
Menschen, sondern transportiert sich mit ihrer Hilfe.
Eine Hörprobe von "Zur Sprache bringen..." findet
sich seit Mai 2011 unter: http://www.vordenker.de/weigoni/zursprache.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
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Abgeschickt am: 04.05.2011 um 14:22 Uhr |
MetaPhon 6 ab Mai 2011 »Reality Radio«
Das Unternehmen Halmackenreuther präsentiert
den»®eality–®adio–®emix«, eine Radio-Satire von Mario
Giordano, Ingrid Schlüter, Marina Rother & A.J. Weigoni
Radio Schauerland hat seinen großen Tag. Im Rahmen einer
Live–Sendung, die nicht zufällig an die Oscar–Verleihung
erinnert, werden die Preise für die besten journalistischen
Radiobeträge vergeben. Fünf goldene Mikrophone gilt es zu
verteilen als Preis für die jeweils Jahresbesten eines
Genres. Nachdem Hansi Schwaiger den Hörern den sexuellen
Gebrauchswert seiner Kollegin nachdrücklich geschildert hat,
wird der erste Preisträger vorgeführt:
„Hautnah“ heißt die Live–Reportage, die Ingrid Schlüter
geschrieben hat. Ein Lebensmüder steht auf einer Brücke und
droht sich hinunterzustürzen. Live dabei ist Wahnfried Doll
mit seinen Hörern, Mutter und Frau des Todeskandidaten sind
per Telefonschaltung auch dabei – und immer mehr Hörer. Die
Sendung gerät zum Volksfest. Der Lebensmüde wird mit dem
Radiomikrofon gerettet.
Beschäftigen sich die anderen Beiträge weitgehend mit der
Außenansicht des Mediums Lokalfunk, so wendet sich „Die
Parkuhr“ von A.J. Weigoni mehr dem Innenleben der Sender zu.
Ist die Zeit auch viel zu knapp für solide journalistische
Arbeit, für böse Intrigen reicht sie allemal. Der rührige
Reporter bekommt als vermeintlicher Parkuhrdieb zwei Jahre
Knast, den Preis bekommt der Chef.
Wieder in der Rahmenhandlung, die Mario Giordano schrieb,
kündigen Hansi und Evelyn den nächsten Preisträger an: „Der
Totenbegleiter“. Marina Rother hat das Studiogespräch
getextet. Hildegard Kleinschmidt hat den Bestatter Alois
Rehbein ins Studio eingeladen. Der dynamische Unternehmer
reißt rasch die Sendung an sich. Leidenschaftlich trägt er
sein Konzept vor: ein rauschendes Fest statt Trauer,
Inszenierung statt Leben.
„Bericht mit O–Ton“ stammt ebenfalls von A. J. Weigoni. Die
Lokalfunkjournalistin Cordula Klümper, immer auf der Suche
nach einer Story, verwertet sich diesmal selbst, und
berichtet aus dem Kreissaal von der Geburt ihres Kindes. Sie
hat keine Hemmungen bei der Selbstausbeutung. Solche
tabulosen Leute braucht das Medium, das ist schon ein
„Goldenes Mikrofon“ wert.
Der »®eality–®adio–®emix« findet sich ab Mai 2011 unter: http://www.vordenker.de/halmackenreuther/reality-radio-remix
.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
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Abgeschickt am: 31.05.2011 um 15:15 Uhr |
Der Sound der alten BRD
Im Gegensatz zu Christa Wolfs neoromantischer Geschichte
»Kein Ort. Nirgends.« stellt sich A.J. Weigonis
Dokumentationskomödie »Ein Ort. Skoping.« der Frage: „Wie
gelangte das Schaf in das Wappen von Schöppingen?“
Jesaja hatte prophezeit „Da er gestreift und gemartert ward,
tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur
Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt
vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.“
Die Andichtungen des Schafes und seiner Symbolik folgend,
ist sehr bildträchtig. Ist der angehende Künstler doch
selbst zugleich Lamm auf dem Markt seiner Hinrichtungen. Und
vielleicht auch im Glauben auf dem Markt seiner Berufungen.
Auch wenn es Reproduktion verheisst, kommen wir dieser
Symbolik in der Unendlichkeit unseres Wollens nahe.
Die Dokumentationskomödie »Ein Ort. Skoping.« spielt im
Künstlerdorf Schöppingen. Vor dem Hintergrund der ländlichen
Kulisse heben sich die Tätigkeiten der Artisten vom
Alltagsleben ab. Im Mittelalter waren die „Offizianten“ eine
soziale Institution für zulässige Kritik. Ihre gesonderte
Stellung und somit keine Bindung an gesellschaftliche
Normen, gab dem Narren die Möglichkeit auf einen großen
Handlungsfreiraum, darauf begründet sich der heute noch
verwendete Begriff der „Narrenfreiheit“.
Den Verrat an seinem Künstlertum bezahlt der Hofnarr mit
seinem Tod. Da die Todesstrafe in der Demokratie abgeschafft
worden ist, ist für Künstler zur Läuterung eine
Landverschickung eingeführt worden.
»Ein Ort. Skoping« dreht sich um das „Dorf“ Schöppingen und
um das Dorf im Dorf (dem Künstlerdorf im westlichen
Münsterland), ein Mikrokosmos von Beziehungen und Meinungen
von einander und übereinander. Durch die Handlung, die am
Schützenfestmontag spielt, führt uns die ‚Postbotin’ Heidrun
Grote, die mit dem Fahrrad unterwegs ist und die Post unter
die Leute bringt. Auf dem Weg zu einem Bauernhof stellt sie
fest, das Schützenfest ist. Schnurstracks radelt sie zum
Mühlenwall. Im Schützenzelt hat sich fast ganz Schöppingen
versammelt. Dort lösen mit steigendem Alkoholkonsum sich die
Zungen. Die dabei entstehende Komik geht nicht auf Kosten
der Beteiligten, sondern entsteht mit ihrer Hilfe.
Auch bei dieser Produktion erweist sich Tom Täger als
Hörspielkomponist. Er braucht zur Darstellung seiner
Klang–Farben–Vorstellungen die Vielfalt der
Instrumentalpalette. Seine Kompositionen sind nicht bloße
´Begleitung´, sondern strukturell und diskpositiv ebenso
gewichtig wie die Sprecherstimmen. Tägers Musik–Collage hat
keinen illustrativen Charakter. Seine Klanglandschaften sind
abstrakt und trotzdem von eindringlicher Bildhaftigkeit.
In Illustrationen der Apokalypse, so in derjenigen von
Luthers Verehrer Albrecht Dürer, erscheint das Lamm Gottes
häufig am Himmel in einer Gloriole und lässt willig das Blut
aus der Seitenwunde in den Kelch der Kirche strömen.
Die Zurückhaltung von Tom Täger bei dieser Hör-Collage weist
ihn als Produzenten aus, der eine avancierte digitale
Tontechnik nicht als Selbstzweck vorführt, sondern sich in
vornehmer Zurückhaltung ganz in den Dienst einer Arbeit
stellt, ohne ganz dahinter verschwinden.
Jede Posse spielt vor der ernsthaften Kulisse ihrer
ironischen Betrachtung und jedem Bemühen um Aufklärung steht
eine ironische Begleitung gut zu Gesicht. Das Leben als
solches ist nicht eindeutig in seinem Ausdruck. Die Kunst
dagegen kann sich darum bemühen.
Eine Hörprobe von »Ein Ort. Skoping.« findet sich seit Juni
2011 unter: http://www.vordenker.de/weigoni/skoping.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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