Matze
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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 24.04.2011 um 08:51 Uhr |
Die Deutsche Kritik neigt dazu, klüger als die Kunst sein zu
wollen. Sozusagen die Kunst und noch etwas mehr. Dabei ist
sie natürlich immer weniger, sie reduziert das Vieldeutige,
kappt den semantischen Überhang, indem sie es auf einen
Nenner bringt. Auch wenn sich die Kritik selbst künstlerisch
gibt, praktiziert sie Reduktion, sie schließt aus. Die
Überheblichkeitsgeste der Kritik ist ihre Kompensation
dieses Umstands. Sie weiß das naturgemäß selbst, und sie
ärgert sich grün vor Neid. Deshalb auch oft dieser Furor
sowohl des Verrisses wie des Lobs. „Ist doch nur Kunst!“,
könnte man dagegenhalten, tut doch keinem weh. Aber in
beiden Fällen sind es Machtdemonstration, die umso
forcierter ausfallen, je deutlicher der Kritiker dem
Künstler zu verstehen geben will, daß er den längeren Füller
hat. Insofern steckt noch in der größten Laudatio ein Kern
Verachtung.
Dies zu ändern ist im Jahr 2001 der Kunstförderer Ulrich
Peters angetreten und hat mit dem „Hungertuch“ einen
Künstlerpreis gestiftet, der in den zehn Jahren seinen
Bestehens von Künstlern an Künstler verliehen wurde. Es gibt
im Leben unterschiedliche Formen von Erfolg. Zum einen gibt
es die Auszeichnung durch Preise und Stipendien, zum anderen
die Anerkennung durch die Kolleginnen und Kollegen. Dies
manifestiert sich in diesem Künstlerpreis mit spielerischer
Leichtigkeit.
Die Sprache ist die stärkste Klammer, die uns zusammenhält.
Ein starker Zusammenhalt angesichts der Vielfalt der
geäußerten Ansichten über Sinn und Zweck des künstlerischen
und kulturellen Lebens. Kants Kritik der Vernunft muß im 21.
Jahrhundert zu einer Kritik der Kultur werden. Es liegt
nicht ausschließlich an den Artisten, sie aber müssen gegen
den Nivellierungstrend andere Maßstäbe setzen. Künstler wie
Barbara Ester, Tom Täger, Peter Meilchen, Tom Liwa, Haimo
Hieronymus, Manuel Quero, Almuth Hickl, Holger Benkel, Katja
Butt, Pia Lund, A.J. Weigoni, Thomas Suder, Peter Engstler,
Woon–Jung Chei, Denise Steger, Joachim Paul und Eva Kurowski
pflegen die Kunst des Möglichen – desjenigen Möglichen, das
Wirklichkeit werden kann.
Bei aller Abgeklärtheit und Reife sind diese Artisten ein
Leben lang Wahrnehmende mit der Fähigkeit, das Wunderland
des Konkreten täglich neu zu entdecken: kommunikativ,
intellektuell, kreativ, emotional. Wie die Forschung sind
sie bereichernd für die subjektive Entwicklung und für die
Visionskraft der Gemeinschaft. Sie führen eine Debatte für
die gesellschaftliche Wertschätzung der Arbeit von
Künstlerinnen und Künstlern – auch und gerade dann, wenn die
Ergebnisse unbequem sind und uns herausfordern, irritieren
oder schockieren.
Die Dokumentation zum Künstlerpreis erscheint mit einem
Originaldruck von Haimo Hieronymus bei der Edition Das
Labor, Mülheim 2011
Zu den Würdigungen im Einzelnen: http://www.vordenker.de/hungertuch/index.html
Ein Essay zum Preis: http://www.bookrix.de/_title-de-matthias-hagedorn-zehn-jahre
-kuenstlerpreis-8222-das-hungertuch-8220
Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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