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 Thema: Bitte keine Spoiler !
ArnoAbendschoen
Mitglied

407 Forenbeiträge
seit dem 02.05.2010

Das ist ArnoAbendschoen

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 08.09.2011 um 16:34 Uhr

Es gilt als unfein, in Buch- oder Filmrezensionen alle Details der Handlung auszuplaudern. Ich habe mich dieses Vergehens schon wiederholt schuldig gemacht. Zu meiner Entlastung kann ich anführen: Gewöhnlich schreibe ich über Werke, die schon länger auf dem Markt sind, ihr ungefährer Inhalt ist, das setze ich voraus, den meisten am Stoff Interessierten bekannt. Ja, ich stelle mir beim Schreiben einen Leser vor, der das Werk kennt und dem ich es in seinen Einzelheiten ins Gedächtnis zurückrufen kann. Und dann sehe ich es auch nicht ein, die Sache mit den Spoilern nämlich …

Wer den Plot vor Spoilern unbedingt in Sicherheit bringen will, legt das Schwergewicht damit auf den äußeren Handlungsablauf. Ihm gibt er den Vorzug vor allem anderen: den Charakteren, der Darstellungsweise, der Atmosphäre – kurz allem, was das Kunstwerk erst zu einem solchen macht. Es wird im Kern auf den Informationsgehalt einer Vier-Zeilen-Meldung reduziert und das Verhalten des rezipierenden Zuschauers oder Lesers auf dasjenige einer Ratte in einem Versuchslabor: Er soll den Brocken erst mal runterwürgen.

Die Vertriebsfirmen sollten ihr Publikum kennen. Ist es wirklich so flach, so denkfaul, so leicht zu verschrecken? Ich kann es nicht glauben. Und ich ärgere mich nicht selten, wenn ich selbst durch den Text auf einer DVD-Hülle genasführt werde. Da wird mir der Amoklauf eines eifersüchtigen Psychopathen als amüsanter Party- und Beziehungsspaß verkauft oder die Geschichte des unvermeidlichen Scheiterns einer Beziehung als noch offen dargestellt. Oft lege ich die Ware zurück ins Regal: zu seicht – und erfahre später: Es ist ein mitreißendes Drama.

Tragödien, im wirklichen Leben nicht selten, scheinen, wenn von vornherein als solche erkennbar, die absoluten Verkaufsbremsen zu sein. Dürfen die kathartischen Mittel nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden? Das bringt mich auf einen Einfall, eine Geschäftsidee … Man nehme einen alten Dichter und eines seiner tragischen Werke und preise sie neu an. Zum Beispiel so:

SHAKESPEARE, ROMEO UND JULIA: Eine anrührende Geschichte vor der atemberaubend schönen Kulisse Veronas: Ein Spiel um Macht und die Macht der Liebe. Der unerschrockene Romeo und die hingebungsvolle Julia setzen alle Mittel ein - und sie haben starke Verbündete. Werden sie gemeinsam das Schicksal bezwingen?

GOETHE, FAUST: Er ist rastlos auf der Suche nach der Weltformel – Doktor Faustus. An seiner Seite der geheimnisvolle M … Wer ist er und was hat er mit Faust vor? Als die kindlich-reizvolle Margret ins Spiel kommt, überstürzt sich die Handlung …

SCHILLER, DIE JUNGFRAU VON ORLEANS: Ein moderner Stoff in historischem Gewand. Johanna, eine Alice Schwarzer des Mittelalters, akzeptiert die zementierten Geschlechterrollen nicht länger. Sie will teilhaben am Kampf um Freiheit und in vorderster Reihe stehen, will kämpfen und führen, gerade wie ein Mann. Doch dann kommt ihr ein anderes großes Gefühl in die Quere …

TOLSTOJ, KRIEG UND FRIEDEN: Eine Welt im Umbruch. Stolze Adlige, berückend schöne Frauen, starke Gefühle. Ein großer Kaiser führt Krieg. Ein Kontinent in Flammen. Und dann brennt auch noch Moskau. Wird Napoleon diese Schicksalsprobe bestehen?

THOMAS MANN, BUDDENBROOKS: Eine alte Familie in großen Schwierigkeiten: Finanzkrise, Missernte, soziale Unruhe, gescheiterte Existenzen. Doch Senator Buddenbrook gibt noch nicht auf. An seiner Seite die rätselhaft schöne, rothaarige Gerda aus Amsterdam. Als ihr kleiner Hanno an Typhus erkrankt, steht das Schicksal der Buddenbrooks auf Messers Schneide. Fiebern Sie mit …

DAS NEUE TESTAMENT: Gott schuf die Welt in nur sieben Tagen, ein göttlicher Rekord. Später zeigt sich ein kleiner Konstruktionsfehler: der Mensch. Gott bessert nach und schickt seinen Sohn als Erlöser. In den Nebenrollen zwölf attraktive junge Männer. Grandiose Besetzungen. Erschütternde Szenen. Alle Raffinessen neuester Aufnahmetechnik. Lassen Sie sich verzaubern, lassen Sie sich bekehren … GOTT SPOILT NICHT.


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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