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Literaturforum: Die nächste Revolution in den Köpfen


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Forum > Politik & Gesellschaft > Die nächste Revolution in den Köpfen
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 Autor
 Thema: Die nächste Revolution in den Köpfen
raimund-fellner
Mitglied

70 Forenbeiträge
seit dem 13.11.2011

Das ist raimund-fellner

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 13.01.2012 um 15:51 Uhr

Die nächste Revolution in den Köpfen

Als Subproletarier oder Arbeitsplatzloser gilt, wer nicht im Besitz eines Arbeitsplatzes ist. Wo der technische Fortschritt die Produktivität der Erwerbsarbeit in dem Maß erhöht, dass allgemeiner Wohlstand aufrechterhalten wird, ohne dass alle Individuen dieser Gesellschaft durch Arbeit dazu beitragen müssen, werden immer mehr Menschen von Erwerbsarbeit freigestellt. Die Erwerbsarbeit, weil nicht mehr notwendig, wird mehr und mehr abgeschafft. Die Zahl der Arbeitsplatzbesitzer schrumpft und die Zahl der Arbeitsplatzlosen steigt.
Der geschaffene Wohlstand genügt bei Weitem sowohl für die Arbeitsplatzbesitzer, als auch die Subproletarier. Es gäbe noch weniger Erwerbsarbeit, wenn die Subproletarier leer ausgingen an Versorgung, weil dann bei weitem weniger Erzeugnisse der Erwerbsarbeit gekauft werden würden. Somit liegt es im Interesse der Arbeitsplatzbesitzer auch diese Arbeitsplatzlosen zu versorgen.
Dieses Abgeben des Überflusses, zum Teil zwar als „Grundsicherung“ und Arbeitslosengeld gesetzlich geregelt, galt im bisherigen Bewusstsein der vulgären Bevölkerung als Barmherzigkeit, auf die der Subproletarier keinen einforderbaren Anspruch hat, nach dem Leitspruch: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." Diese Ansicht der vulgären Bevölkerung widerspricht allerdings dem Artikel I der Menschenrechtskonventionen der Vereinigten Nationen, nach dem ein jeder Mensch ein Recht auf Leben hat, somit dessen Grundbedürfnisse erfüllt sein müssen unabhängig jeglicher Bedingung. Recht auf Leben birgt in sich, sich am Leben erhalten zu können. Leben darf, wer arbeitet und auch, wer nicht arbeitet.
Dieser Anspruch auf eine Grundversorgung, welche eine vom Grundgesetz garantierte Persönlichkeitsentfaltung ermöglicht, ist die Grundforderung des Subproletariats, das allerdings bis jetzt noch keine Lobby hat. Recht auf Grundversorgung, unabhängig von Arbeitszwang, ist materieller Inhalt der nächsten Revolution in den Köpfen. Denn auf Grund der steigenden Produktivität eines Arbeitsplatzes ist es möglich, den Arbeitszwang zur Erhaltung des Lebens abzuschaffen. Die Aufhebung des Arbeitszwanges ist ein Fortschritt hin zu mehr Freiheit.
Soweit der materielle Inhalt der Revolution. Doch um sie zu einer Bewegung in den Köpfen zu machen, vergleichbar mit der von 1968, bedarf es in erster Linie geistiger Inhalte. Das Subproletariat muss durch denkerische Mühe zu Eigenwert und Selbstbewusstsein erstarken. Eine eigene Subkultur der Lebensführung verwirklichen. Die eigene bessere Wirklichkeit leben, statt sich von der schlechten Realität seelisch erdrücken zu lassen. Das Leben der Subproletarier findet nicht, wie das der arbeitenden Bevölkerung im Zwang institutionalisierten Verhaltens zu Kollegen statt, sondern in einem ungezwungenen Umgang miteinander, eine Kommunikationswelt, die der Philosoph Habermas mit dem Begriff "Lebenswelt" fasst.


Raimund Fellner
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ArnoAbendschoen
Mitglied

133 Forenbeiträge
seit dem 02.05.2010

Das ist ArnoAbendschoen

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 25.01.2012 um 10:27 Uhr

Die Forderung nach einem Grundeinkommen unterstütze ich. Grundeinkommen für jeden Bürger ist möglich, ökonomisch zweckmäßig und sozial gerecht.

Die Vorstellung einer speziellen Kultur derjenigen ohne Erwerbsarbeit ist ein interessanter Ansatz. Der Begriff "Subkultur" scheint mir jedoch bedenklich, er betont das Abgrenzende. Man sollte besser auf den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang abstellen. Auch die ohne Erwerbsarbeit sind auf vielfältige Weise mit dem ökonomischen, sozialen und kulturellen Leben insgesamt verbunden. Es gilt, das Bewusstsein davon zu stärken. Das gesellschaftliche Leben erschöpft sich eben nicht in der bezahlten Produktion und Distribution von Gütern und Dienstleistungen.

In einem Punkt widerspreche ich. Die Erwerbsarbeit wird gerade nicht mehr und mehr abgeschafft. Sie wird allerdings, soweit sie abhängige Erwerbsarbeit ist, tendenziell immer schlechter bezahlt und somit abgewertet.

Arno Abendschön


Wenn die Augen geschlossen sind, beginnt die wahre Welt. (Gore Vidal, The City and the Pillar, dt. Geschlossener Kreis)
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