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Michal Hvorecky - Tod auf der Donau


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Autor
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Thema: Michal Hvorecky - Tod auf der Donau
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1943Karl
Mitglied
  433 Forenbeiträge seit dem 24.02.2008

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 22.03.2012 um 12:21 Uhr |
Flussschifffahrt mit Mord und Geschichtskunde
Die Donau ist sicherlich der europäische Schicksalsfluss
überhaupt.
Besonders natürlich für einen slowakischen Schriftsteller
und dessen Herkunftsland. Immerhin wuchs er an diesem Fluss
auf und lebte viele Jahre an seinem Ufer.
Michal Hvorecky, geboren in Bratislava, besaß jedenfalls
den Mut, mit „Tod auf der Donau“ einen vielschichtigen Roman
zu schreiben, der zugleich als Liebessgeschichte, Groteske,
Krimi und Reisebeschreibung daherkommt. Dennoch gibt er
keinerlei Anlass, ihm vorzuwerfen, zu viel auf einmal
gewollt zu haben. Alles fügt sich zusammen zu einer
gekonnten Mischung, die zudem noch ganz nebenbei
Geschichtsunterricht über diverse Geschehnisse von
Jahrhunderten erteilt. Und selbstverständlich ist dieser
Geschichtsunterricht nicht jener, bei dem sich viele
tatsächliche und potentielle Leser in ihrer Schulzeit
gelangweiligt haben könnten, denn das Buch lässt in keinem
seiner Kapitel Spannung vermissen .
Die Hauptfigur Martin Roy, diplomierter, aber mittelloser
Übersetzer aus Bratislava, muss sich als Tour-Direktor bei
einer amerikanischen Kreuzfahrtgesellschaft verdingen. Die
Schiffsreisenden, die er bei der Fahrt eines Luxusliners von
Regensburg bis zur Mündung ins Schwarze Meer zu betreuen
hat, sind mehr oder weniger gebrechliche amerikanische
Senioren. Übergewichtig, bequem, dumm, zugleich arrogant und
auch wieder dankbar für jedes nicht allzu anstrengende
Abenteuer.
Als historische Analphabeten vergleichen sie eine
Römergründung wie Regensburg mit der Schönheit von
Frankfort/Kentucky, wissen nicht, wer Mozart war, und
vermuten, das KZ in Mauthausen, sei nicht von Nazis sondern
von Kommunisten errichtet worden. Und Barock lassen sie sich
als politische Diktatur erklären, die sie ganz gewiss in den
USA nicht haben wollen.
Martin ist abhängig von der abschließenden Beurteilung
seiner Fahrgäste. Die am Ende der Reise auszufüllenden
Fragebögen werden von seinem Arbeitgeber genauestens
ausgewertet und entscheiden über seine Weiterbeschäftigung.
So bewundert er seine Senioren für ihr umfangreiches Wissen
und bedenkt sie überreichlich mit fantasiereichen
Komplimenten.
Damit treibt die Groteske immer wieder auf zwischenzeitliche
Höhepunkte kultureller Dekadenz zu. Sie drängen dem Leser
unweigerlich die Frage auf, wie lange denn Bürger der USA,
der angeblich mächtigsten Nation der Welt dem Untergang noch
widerstehen können.
Nicht von ungefähr führt der Luxusliner den Namen „Amerika“.
Die Passagiere werden von einem Schiffskoch, einem jungen
ungarischen Pianisten, dem um kein falsches Lob verlegenen
Martin und diversem sonstigen Personal mit reichhaltigem
Luxus verwöhnt. Da nimmt es kaum Wunder, dass die naiven
Senioren, sobald sie das Schiff zu wohl organisierten
Ausflügen verlassen, willigste Opfer osteuropäischer
Geschäftsmacher werden. Für jene gewieften
Touristik-Experten ist es ein Leichtes, die jeglicher
Realität entrückten Amerikaner mit Billigprodukten übers Ohr
zu hauen.
In den grotesken Reiseroman ist eine nicht gerade
unkomplizierte und deswegen nicht weniger spannende
Beziehungsgeschichte eingespielt.
Mona, Martins einstige Jugendfreundin und spätere
Dauergefährtin, erschleicht sich während der Schifffahrt
zunächst als blinde Passagierin eine Mitreisegelegenheit.
Die Liebe der Beiden beginnt sich erneut zu entwickeln.
Gleichzeitig lässt sich Mona auf einen der amerikanischen
Passagiere ein.
Und schließlich liefern zwei Morde, auf die sich die
Geschehnisse an Bord zwangsläufig zubewegen, Stoff für einen
aufregenden Krimi.
Nicht nur durch den alkoholsüchtigen Kapitän, der seinen
Dienst letztlich gerade noch korrekt versehen kann, wird
schon frühzeitig angedeutet, dass die „Amerika“ auf den
Untergang zusteuert.
Immerhin endet wenigstens die Beziehung von Mona und Martin
in einem Happy End, allerdings einem weniger glücklichen.
Insgesamt gelang Michal Hvorecky nach seinen vorherigen
nicht weniger lesenswerten Büchern hier ein Roman, der noch
umfassender und schonungsloser derzeitige gesellschaftliche
Traumwelten lächerlich macht.
Leser, die sowohl eine spannende Geschichte als auch gut
recherchierte historische Lektüre gepaart mit treffenden
gesellschaftpolitischen Seitenhieben lieben, werden ihre
Freude an dem Buch haben.
Michal Hvorecky, Tod auf der Donau, aus dem Slowakisch
übersetzt von Michael Stavaric, Klett-Cotta Tropen,
Stuttgart 2012, 240 Seiten, gebunden, € 19,95
Bei jedem Irrtum gewinnt die Wahrheit Zeit.
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Matze
Mitglied
  509 Forenbeiträge seit dem 09.04.2006

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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 01.04.2012 um 16:14 Uhr |
Bisher kannt ich nur Essays und Erzählungen. Danke fürs
teilen, Matze
Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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