ArnoAbendschoen
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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 24.06.2012 um 21:54 Uhr |
Nein, ganz vergessen war er nie – die Deutsche Bahn hat
sogar einen Intercity nach ihm benannt. Doch ist der Maler
Karl Hagemeister (1848 – 1933) heute wohl unbekannt genug,
um in einer Ausstellung des Berliner Bröhan-Museums von
einem breiteren Publikum wieder entdeckt werden zu können
(noch bis 2.9.2012, gegenüber vom Schloss Charlottenburg in
der Schlossstr. 1a).
Hagemeister hat sich in seinem langen Leben durch intensiven
Kontakt zu Kollegen (darunter Carl Schuch und Lovis Corinth)
sowie auf Studienreisen nach Frankreich, Italien, Belgien
und in die Niederlande zu einem Maler eigenen Stils mit
ausgedehnter qualitätvoller Produktion entwickelt. Will man
ihm ein Etikett beigeben, dann könnte man ihn einen
norddeutschen Impressionisten nennen. Den Schwerpunkt seines
Schaffens (wie auch jetzt der Ausstellung) bilden
Landschaftsbilder aus der Mark Brandenburg. Sie beeindrucken
durch ihre ebenso aparte wie dezente Farbigkeit.
Hagemeisters Motive liegen oft an Seen oder Flüssen, haben
Blumen oder Tiere – Vögel, Jagdbeute - zum Gegenstand,
verströmen zuweilen noch die Morgenfrische, den Dunst von
Regenschauern oder die Kälte eines Wintertages. Das
nuancierte Weiß seiner Schneebilder verrät großes Können.
Karl Hagemeister wurde geboren und starb in Werder bei
Potsdam und hat zumeist auch im Havelland gelebt. Er war
auch Jäger und Fischer – und Mitbegründer der Berliner
Secession.
„So ist meine Kunst nur Natur“ – dieses Hagemeister-Zitat
wurde zum Titel der kleinen, feinen Ausstellung. Doch
täusche man sich nicht: Seine Natur ist höchst kunstvoll und
zugleich doch ganz Natur, ohne jede Überhöhung, und drückt,
nach seinem eigenen Bekunden, zudem noch die jeweilige
Stimmung des Malers aus. So viel Kongruenz ist selten.
Hingehen und ansehen – es lohnt sich.
Wenn die Augen geschlossen sind, beginnt die wahre Welt. (Gore Vidal, The City and the Pillar, dt. Geschlossener Kreis)
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