klaasen
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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 20.08.2012 um 14:21 Uhr |
...und als die Hand Gottes vom Himmel fiel...
da wurde es Nacht, und der Tag war für immer verschwunden.
Aber wir hatten noch den Mond, der uns ein spärliches Licht
spendete. Ein fahles Licht zwar, aber besser als ewige
Sternennacht.
Die Menschen besannen sich auf das „Wieso und Warum“. Und
darauf, wie sie ihre Einstellung zum Leben ändern könnten.
Der Ansatz war gut. Leider blieb es dabei.
Nachdem sie feststellten, dass sie auch in der Dunkelheit
existieren konnten, waren alle ihre guten Absichten, dem
Leben einen Sinn zu geben, wieder dahin. Sie züchteten in
Glaskuppeln, so groß wie ein Dorf, Gemüse und alles, was man
zum Überleben braucht. Sie dachten, das würde reichen.
Die Hand, die vom Himmel gefallen war, hatten sie vergessen.
Die lag noch immer offen, ausgestreckt auf dem Highway und
war für einige Touristen die Attraktion. Hennig hatte davon
gehört und machte sich auf den Weg. Ein alter Chrysler war
alles, was er besaß. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt,
dem Rätsel mit der Hand auf die Spur zu kommen. Er war davon
besessen, der Auserwählte zu sein, der die Welt vor dem
Untergang retten könnte.
Er glaubte in der Nacht zuvor eine Stimme gehört zu haben,
die ihm sagte:
„ Hennig, baue ein Raumschiff in der Größe eines Blauwals:
34 Meter lang, 12 Meter hoch. Wenn du mit dem Bau fertig
bist - denke dabei an R.W. Bussards Theorie (Ramscoop) -
suche 7 Frauen und 7 Männer aus. Nimm Proviant an Bord für
24.220 mittlere Sonnentage und folge dem Zeichen der
Milchstraße. Du wirst dann dem Planet Onyx begegnen. Dort
sollst du landen. Und stelle keine Fragen.“
Während der Fahrt ging Henning diese Aufforderung immer
wieder durch den Kopf. Auch dachte er: ´Vielleicht bilde ich
mir das alles nur ein. Vielleicht habe ich die Stimme nur
geträumt und es ist nur ein schlechter Witz?` Es war kalt,
sehr kalt. Ein Schneesturm hatte sich seinen Weg gebahnt,
und Hennig hielt vor der nächsten Raststätte an. Darin saßen
lediglich zwei Frauen und drei Männer.
Es war nicht viel los. Country Musik von Pasty Cline ”
Walkin´ After Midnight ” schruppte wie ein alter Mop
durch den sonst leeren Raum. Die Gesichter, deren Augen
Hennig folgten, glichen Wachsgebilden, und man hätte sich
vorstellen können, wie es wäre, stünden sie in Flammen.
„ Ihr Kopf brennt,” sagte Hennig zu der Frau an der Bar.
„Meinen sie mich?” fragte sie und strich sich händerüttelnd
übers Haar.
„War bloß ein Scherz,“ grinste Hennig und suchte sich einen
Platz an der Bar.
„Affe,” sagte sie mundwinkelabwärts, stand auf und ging
hüftschwenkend zur Musikbox.
„Wir sind alle tot!” sagte Hennig herausfordernd und schaute
dabei in jedes einzelne der ihn umgebenden Gesichter.
„Bist´n Spinner,” gab ein Kerl zurück, der einsam am Tisch,
nur vereint mit einer Flasche Whisky, saß. Ein andere Gast
erhob sich, ging zu Hennig, blieb vor ihm stehen und
forderte: „Du bist ruhig. Ist das klar, Stinker? Jemand wie
du hat uns gerade noch gefehlt. Wir mögen hier keine
Stadtmenschen. Also - setz dich oder verschwinde. Wenn du
aber hier bleibst, dann möchte ich keinen Mucks mehr von dir
hören. Capito?”
„Lass den Alten in Ruhe. Den hat bloß der Wind zu uns
geweht.
Der hat seine besten Tage längst hinter sich,” meinte eine
Frau, die am letzten Tisch saß und Karten legte. Da meldete
sich John, der dritte Gast. Er ging auf das Fenster zu,
schaute ins Dunkel hinaus und sagte: „Welch Sturm! Welch
furchtbarer Sturm. Er wird die Baracke hier auf und davon
blasen.” Die Frau, die ihren Platz an der Bar mit dem vor
der Musikbox gewechselt hatte, drückte nun auf ein Lied aus
den Fünfzigern. Dann röhrte Buddy Holly Heartbeat durch den
Raum, und die sitzende Whiskyflasche am Tisch stand auf, um
sich die Kleine an der
Musikbox zum Tanz zu schnappen, egal - ob sie wollte oder
nicht.
Die Kartenlegerin sah Hennig an. „Kommen Sie doch hier rüber
zu mir. Ich kann Gesellschaft brauchen. Die Zeiten sind
heutzutage schlecht für eine wie mich. Sah schon mal besser
aus.”
Hennig stand vom Barhocker auf und stakste zur
Kartenlegerin. „Sie wollen mir die Karten legen? Bitte. Ich
möchte wissen, ob ich verrückt bin. Höre Stimmen, die mir
sagen: ´Hennig, baue ein Raumschiff in der Größe eines
Blauwals: 34 Meter lang, 12 Meter hoch. Wenn du mit dem Bau
fertig bist - denke dabei an R.W. Bussards Theorie
(Ramscoop) - suche 7 Frauen und 7 Männer. Nimm Proviant an
Bord für 24.220 mittlere Sonnentage und folge dem Zeichen
der Milchstraße. Du wirst dann dem Planet Onyx begegnen.
Dort sollst du landen. Und stelle keine Fragen.`”
Alle im Raum hatten ihn gehört und drehten sich Hennig zu,
neben dem die Kartenlegerin nach der ersten
Kartenaufschlagung, den Mund nicht mehr schließen konnte.
Was sie sah, waren tote Körper, viele tote Körper, und einer
dieser toten Körper war - der ihre.
„Was ist? Was zeigt sich Ihnen?” wollte Hennig von der, wie
aus dem Grabe Erstandenen, kreidebleich gewordenen
Kartenlegerin wissen. Die Frau rang nach Atem und
keuchte:„Nichts habe ich gesehen, rein gar nichts!”
„Aber Sie sind ja weiß wie ein Leichentuch. Sie können mir
nicht so leicht etwas vormachen. Bitte, sagen sie mir, was
sich Ihnen durch das Bild der Karten zeigt.”
„Sind Sie taub? Ich sagte es bereits: Nichts ist zu sehen!”
Hennig stand auf. Er ging zum Fenster hinüber, drehte den
Kopf zu den erbleichten, ihm zugewandten Gesichtern und
sagte: „Ihr glaubt, ich sei verrückt. Falsch! Ich bin es
nicht! Ich wurde nur auserwählt und erhielt eine Botschaft.
Die Welt wird untergehen wenn ich die mir gegebenen
Anweisungen nicht befolge. Sie wird untergehen und alle
Menschen mit ihr!”
Einer kickste, es klang wie unterdrücktes Lachen, und sofort
brach der Sturm los. Es war ein homerisches Gelächter, das
folgte. Nur beinhaltete es kaum Heiterkeit. Es versteckte
sich Angst darin.
Nach und nach ebbte es ab, und alle im Raum verstummten.
Stille, bebende Stille herrschte. Zudem gingen die Lichter
aus. Auch draußen auf dem Parkplatz vor
der Gaststätte war es nun stockfinster geworden.
Kitty, die gerade zuvor noch das Tanzbein geschwungen hatte,
bekam einen hysterischen Anfall und rannte aus dem Lokal in
die dunkle Nacht hinaus. Die menschliche Whiskyflasche, die
den Namen ´Bitch` trug, folgte ihr durch die von ihr offen
gelassene, hin und her pendelnde Saloontür.
Erst jetzt meldete sich auch der Besitzer hinter der Bar zu
Wort. Er war ein zwar brummig wirkender, aber gutherziger
Mittfünfziger und versuchte nun seine Gäste zu besänftigen.
Er sagte bestimmt: „Keine Panik, Herrschaften. Das wäre
genau das, was in solchen Momenten nie passieren darf. Ich
hole Kerzen. Ruhig Blut! Einen kleinen Augenblick, bitte.
Bin sofort wieder da.”
Bei der Kartenlegerin schien es Wunder zu wirken. Sie atmete
etwas gemäßigter. Hennig dagegen murmelte unverständliche
Worte ,und John meinte hüstelnd: „Ja, der Sturm. Der hört
und hört einfach nicht auf. Im Gegenteil. Sieht so aus, als
wollten sich alle Tornados dieser Welt hier treffen.
Veranstalten so eine Art Tornadofest. Haben sich
nebeneinander aufgereiht und einen Kreis gebildet... Sind
plötzlich Hunderte von kleinen und großen Tornados, die
Kreiseltanz tanzen. So etwas habe ich ja noch nie gesehen.
Scheint fast, als lauerten sie uns auf. Man könnte denken,
sie fordern uns auf, mitzufeiern, - sie schauen zu uns
herüber. Mann, ich will hier raus!”
Kitty und der Whiskymann ´Bitch’ kamen, arg vom Sturm
zerzaust und zurückgetrieben, wieder ins Lokal gestürmt. Der
Wirt war zurück und stellte Kerzen auf. Schwach erleuchtet
vom Flackerschein konnte man in den Gesichtern von John,
Hennig, Bitch, und Kitty Angst erkennen.
Einzig die Kartenlegerin schien sich aus dem Sturm nichts zu
machen. Dagegen glich Tänzerin Kitty einer Mumie. Ihr
Gesicht hatte sich zu einer Fratze verwandelt. Ihre gesamte
Mimik schien wie eingefroren. Der Gast, der sich zuvor
drohend gegen Hennigs Geschwätz gewandt hatte, saß nun still
am Tisch und hielt eine Pistole in der Hand. Er spielte mit
der Trommel seines Colts, was wie beim Roulette eine schier
knisternde Spannung erzeugte. Bitch meinte: „Ihr habt nicht
gesehen, was wir gesehen haben.
Die Tornados dort draußen haben uns angesehen.”
Ein hysterischer Schrei entfuhr Kitty abermals, und der Wirt
reichte ihr ein Glas Wasser. Bitch zeigte auf Hennig.
„Alles hat mit dem da angefangen. Seit dieser Kerl bei uns
ist, tobt auch das Unwetter hier. Er hat es mitgebracht!”
„Was du von dir gibst, Bitch, ist albern,” sagte die
Kartenlegerin und
zündete sich eine Zigarette an. „Benimm dich nicht wie ein
Kind.
Schlimmer noch! Du bist es, der alle verrückt macht.”
Hennig schien sich wieder im Griff zu haben. Er ging zur Bar
und
bestellte einen Whisky. Er kippte ihn mit einem Zug herunter
und sah kurz zur Kartenlegerin hinüber, um dann durch die
Tür zu verschwinden. Draußen hatten sich die Tornados zu
einer Armee formiert und standen nun in einer Entfernung von
etwa 50 Meter vor dem Lokal in Reih und Glied. Sie schienen
auf Hennig gewartet zu haben. Der stieg in seinen alten
Chrysler und fuhr los. Die Tornados folgten ihm. Nachdem er
die Raststätte ´Daystop Dansville´ verlassen hatte, überfiel
ihn die Erinnerung an die letzten Jahre seines bisherigen
Lebens. Er schaltete das Radio ein. Der Highway schien
verlassen.
„Heute Nacht möchten wir euch mit Walkin’ after Midnight von
Patsy
Cline verwöhnen!“ tönte eine rauchige Frauenstimme aus dem
Radio...
Hennig mochte die alten Country Songs von Patsy. Sie
erinnerten ihn an die erlesene Plattensammlung seiner Mutter
und daran, wie sie jeden Sonntag nach dem Essen mit ihm zu
dieser Musik getanzt hatte.
Die Tornados hatten sich zwar auf die Entfernung von einigen
hundert Metern zurückgezogen, doch sie folgten ihm
beständig.
Auf der Main-St sah er zur Rechten den Dansville Municipal
Airport. „Seltsam,“ dachte er, „warum ist da kein Licht an?”
Er ließ den Airport hinter sich liegen und fuhr auf die
State Route 63 N (...), die in Richtung Groveland führte.
Plötzlich vernahm er ein Klopfen. Es klopfte wirklich, als
würde jemand vor einer Tür stehen und Einlass begehren. Erst
einmal , dann zweimal und dann immer wieder und immer
lauter. Hennig lokalisierte, woher das Gehämmer kam: laut
und deutlich aus dem hinteren Teil seines Wagens.
Er fuhr an den Straßenrand, stieg aus und öffnete den
Kofferraum.
Es entfuhr ihm: „ Sie? Was wollen Sie denn hier - in meinem
Auto?”
Es war Kitty, die sichtlich verängstigt zu Hennig
aufschaute. „ Ich – ich wollte nicht in diesem Kaff da
hinten verrecken. Nehmen sie mich weiter mit? Bitte.”
„Ich kann Sie nicht mitnehmen. Im Gegenteil, ich bringe Sie
wieder zurück. Kommen Sie raus, nach vorn zu mir.“
Hennig war geschockt. Auf der Fahrt zurück nach Dansville
richtete er kein einziges Wort an die Frau. Er dachte: ´Was
mache ich nur mit ihr? Habe ich nicht schon genug Probleme?
Was will sie von mir? Wieso sucht sie sich ausgerechnet mich
aus? Sie hätte sich doch den verrückten Bitch schnappen und
mit ihm auf und davon gehen können. Mit einem so alten Sack
wie mir...”
Kitty unterbrach darauf, klare Antwort gebend, Hennigs
Gedankengang, indem sie versuchte, ihm die Hose zu öffnen
und damit sehr deutlich machte, dass sie ihm an die
Unterwäsche wollte. Es durchfuhr ihn wie ein Schlag, ohne
dass er hätte sagen können, ob es positiv oder negativ war,
jedenfalls verlor er für einen Augenblick die Kontrolle über
den Wagen, der links auf ein Schild prallte, sich um 180
Grad drehte und überschlug…
Kitty hatte es schwer erwischt. Hennig kam mit einem kleinen
Kratzer davon. Er zog sich aus dem offenen Fenster auf der
Fahrerseite nach draußen, als der Wagen plötzlich Feuer
fing. Er torkelte um den Wagen herum und versuchte, die
Beifahrertür zu öffnen. Doch das erwies sich als unmöglich.
Der Wagen lag mit dem Dach auf dem Boden, und Hennig
versuchte sitzend, mit den Füssen die Beifahrerscheibe
einzutreten. Er hatte Glück, es klappte, und er betätigte
durch den Scheibenausschnitt den Schlossmechanismus,
erwischte Kitty und zog sie im letzten Moment hinaus ins
Freie. Er schleppte sich mit der Verletzten einige Meter weg
vom brennenden Fahrzeug und konnte nur noch zusehen, wie
sein alter Autobahnkumpan verbrannte. Er hatte mit einer
Explosion gerechnet. So etwas sah man doch ständig in
Filmen, fiel ihm ein. Aber es gab keine Explosion. Nicht
einmal eine kleine. Hennig schleppte sich mit der verletzten
Kitty einige Zeit auf dem Highway entlang, da sah er sie…
Die Hand Gottes! Sie lag lang ausgestreckt mitten auf der
Straße.
In der Länge zeigte sie das Ausmaß eines Hochhauses, und
Hennig empfand so viel Bewunderung, dass ihm die Tränen
kamen und er zu weinen begann. „Wie wunderschön ist das!”
dachte er.
Der Fingernagel des Zeigefingers schien der Eingang zu sein.
Er ließ sich wie eine Tür öffnen, woraufhin man im Inneren
einen langen Korridor sah, beidseitig mit hunderten von
Türen ausgestattet. Kitty vermochte sich nicht mehr
weiterzuschleppen.
„Geh du alleine weiter,“ sagte sie erschöpft.„Ich warte hier
auf dich, bis du Hilfe gefunden hast.“
Sie vermochte es nicht zu realisieren, wo sie sich gerade
befand. Auch hätte sie nicht verstanden, dass Hennig
glaubte, die Hand Gottes gefunden zu haben. Sie begriff nur,
dass Hennig sie in ein Gebäude geschleppt hatte, das ihr
Schutz bot.
Er sah sie schweigend an und ging. Eine von den vielen (...)
Türen fiel Hennig plötzlich auf. Die Tür hatte ein Gesicht,
und dieses Gesicht glich seinem eigenen. Etwas zwang ihn,
sie zu öffnen, und als er den dahinterliegenden Raum betrat,
sah er das Innere der Raststätte ’Daystop Dansville’.
Die Musikbox spielte ´The Midnight´, und die verklemmte
Nadel wiederholte immerfort den gleichen Ton. Der Wirt lag
mit blutüberströmten Kopf auf der Theke, und auch alle
anderen waren tot und boten ein Bild des Grauens. Und
plötzlich erkannte Hennig, dass er es gewesen war, der sie
alle umgebracht hatte. Nur Kitty war die einzige überlebende
Zeugin der Tat. Bruchstückhaft kamen Bilder in seine
Erinnerung zurück, Bilder der Tat, seiner Tat. Er war - ein
Killer.
Nichts weiter wollte er, als diesen Raum zu verlassen. Doch
die Tür war verschwunden. Es gab einfach keinen Ausgang,
durch den er hätte flüchten können. Nur hochgezogene Wände
umgaben ihn, in denen er gefangen war, gemeinsam mit den
schrecklichen Bildern. Eine Bildergalerie, eine Ausstellung
war dies, und er betrachtete sie.
Keine Rechtfertigung, die er als Entschuldigung für sich
selbst
hätte in Anspruch nehmen können, wollte ihm einfallen.
Er ging zur Bar, nahm sich eine Flasche Whisky und setzte
sich neben den Tisch, an dem die Kartenlegerin kopflos wie
ein ausgezogenes Püppchen blutgenässt saß und den eigenen
Kopf in der Hand hielt.
So, als wolle sie das Haar einer kunstvollen Perücke
bürsten.
Dann ließ er die Bilder Revue passieren und sah, wie er
einen nach dem anderen getötet hatte.
Sich selber sah er, und er schaute aus dem Fenster, während
draußen die kleinen und großen Tornados tanzten und es
schien, als würden sie nur auf ihn – Hennig - (...) warten.
In Gedanken sprach er mit ihnen. Er sprach über jene Zeit,
während der er noch als Vertreter durch das Land zog,
insgeheim von ihm gehasst. So gehasst wie der Eintopf, den
er als Kind in sich hinein schaufeln musste - nur um danach
die Erlaubnis zu bekommen, draußen spielen zu dürfen.
Der Geruch dieses Eintopfes stieg ihm deutlich in die Nase,
und es würgte ihn. ”Einen Schluck Whisky” dachte er.
Nur ein einziger Schluck Whisky würde genügen, den
unangenehmen Geschmack zu vertreiben.
Plötzlich ging die Lokaltür auf, und eine Frau Mitte dreißig
und ein Mann, etwa zehn Jahre älter, betraten die
Raststätte.
„Hallo” sagten sie zu Hennig und schauten sich um, um dann
einen der freien Tische anzusteuern.
„Sind Sie der Besitzer von Daystop Dansville,“ wollte der
Mann wissen und schaute Hennig dabei freundlich an.
„Nein”, sagte Hennig kurz und bündig und wunderte sich eher
darüber, dass die neuen Gäste nicht sofort schreiend das
Lokal verließen. Immerhin, es lagen hier einige Leichen
herum. Hennig ging zur Wahrsagerin hinüber, ergriff ihren
Kopf und fing an, damit wie ein Zirkusclown zu jonglieren.
Dabei grinste er und sang ein obszönes Lied. Die Gäste
wunderten sich zwar und begriffen nicht, wieso dieser alte
Mann den hier als vermutliche Reisetrophäe ausgestellten
Schrumpfkopf aufnahm, um mit ihm Kunststücke zu vollführen.
Sie nahmen es aber als lustig hin und fingen zu applaudieren
an.
„Gut geschüttelt, nicht gerührt“, sagte der Mann und lachte,
als sei das ein Witz. Ein weiteres Mal ging die Tür auf, und
zwei Frauen im Alter von dreißig Jahren betraten die Bar.
Eine von ihnen ging direkt zur Musikbox und drückte die
Tastatur für ein Stück von Country Sänger Carl Smith.
Smith war in den 1950er Jahren einer der erfolgreichsten
Country-Sänger Amerikas mit zahlreichen Top Hits. Er kam,
wie Hennig, aus Nashville in Tennessee. Und so spielte nun
der Titel, Smith erster Nummer-eins-Hit: "Let Old
Mother Nature Have Her Way" durch das Lokal und Hennig
dachte: ” Ja, man kann die Natur nicht betrügen”. Er liebte
diesen Song.
Währendess erwachte Kitty in dem Gang, in den sie von Hennig
gebracht worden war, und ein weiblicher Schwarzbär mit einem
Gewicht von über 200Kilo und einer Größe von über zwei Meter
stand, hoch aufgerichtet und zum Angriff bereit, einige
Meter vor ihr. Kitty war kein sonderlich gescheites Wesen,
aber ihr war klar, dass sie sich jetzt sehr ruhig würde
verhalten müssen.
Nur eine einzige unkontrollierte Bewegung würde ihren Tod
bedeuten.
Doch es war zu spät.
©klaas klaasen
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde
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