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Literaturforum:
Karussell des Leben


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Autor
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Thema: Karussell des Leben
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klaasen
Mitglied
 32 Forenbeiträge seit dem 22.08.2004

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 20.08.2012 um 14:23 Uhr |
-Bis der Vorhang fällt
Kayoma trat ans Fenster und blickte hinaus. Draußen war:
Nichts. Ja, richtig Nichts! War das denn möglich? Sie kniff
die Augen zusammen, öffnete sie wieder, schüttelte sich,
ging ein paar Schritte auf und ab. Versuchte es erneut, mit
demselben Ergebnis. War das etwa ein Traum? Sie schlug sich
fest gegen den Oberarm, mit der Faust. Es tat weh, und wie!
Kein Traum...
Die Welt war verschwunden, einfach weg.
Ihr wurde schwarz vor Augen, immerhin, denn schwarz war
nicht Nichts. Fast erleichterte sie das und dennoch fühlte
sie die Gänsehaut über Arme und Nacken heranschleichen, heiß
wie siedendes Wasser.
Ein Gedanke brach aus dem Himmel hervor, stürzte herab,
detonierte am Boden ihres Geistes: War das alles etwa die
Antwort auf ihr mehr als ungebührliches Verhalten? Auf ihren
Hass?
Ja, sie hatte die Welt immer schon gehasst, konnte es sein,
dass diese ihr nun den Rücken kehrte? Sie ist davongelaufen
wie ein Spielkamerad, der des Wartens überdrüssig geworden
ist," dachte sie weiter, fühlte sich plötzlich wehmütig
dabei.
"Du wolltest sie doch nie," meldete sich jetzt
eine andere Stimme in ihr, leise zwar, aber deutlich wie
klirrendes Glas.
"Hast du dich etwa nicht über alles und jeden
beschwert? Dich über Menschen, die du nicht mal kennst,
lustig gemacht? Sozial Benachteiligte als Schmarotzer
beschimpft?"
Ungläubig lauschte sie, wich tiefer in das Zimmer zurück und
presste probehalber ihre Hände auf die Ohren.
"Das nützt dir gar nichts," fuhr die Stimme
vorwurfsvoll fort. "Und überhaupt, wann hast du je
anderen deine Liebe gezeigt? Ich sag es dir: Nie! Im
Gegenteil, mit Füssen hast du sie getreten, du warst kalt
wie ein Fisch!"
Sie ließ sich seitwärts aufs Bett fallen, zog sich zusammen
wie ein Embryo und verharrte, beide Arme krampfhaft um die
Knie gepresst.
"Lass mich in Ruhe," flüsterte sie in den Raum.
Erst jetzt bemerkte sie, dass alles, was gerade zuvor noch
darin gestanden hatte, ebenfalls verschwunden war. Nur eben
ihr Bett war noch da, weiß leuchteten die Laken wie das
Innere eines weit geöffneten Sarges.
"Ich habe doch gerade erst begonnen," hob die
Stimme mitleidslos wieder an ,“die Liste ist noch viel
länger ..."
Kayomas Gedankenwelt geriet aus den Fugen. Sie sah ihr
geliebtes Selbstbild, wie es zum Himmel flog, der Sonne zu
nahe kam und zerschmolz wie Wachs. Den Abgrund, der die
herabfallenden Tropfen schluckte, wie ein hungriges Fass
ohne Boden.
Was hatte sie nicht alles angestellt, um sich hinter einer
Mauer aus Eis zu schützen: Geschwindelt, betrogen,
gestohlen, ihre Eltern verleugnet und vor allem sich selbst
betrogen. Ihre Seele eingetauscht, verhökert für eine Welt
aus Glitzer und Glimmer. Für schönen, hohlen Schein.
Das Zimmer drehte sich wie ein Karussell und wurde schneller
und schneller. Schwindlig geworden klammerte sie sich an
einer Art Haltegriff fest und versuchte verzweifelt, einen
Punkt zu fokussieren, um die unerträgliche Übelkeit in den
Griff zu bekommen. Da sah sie den Schatten: Sie war nicht
alleine. Jemand fuhr mit auf diesem Karussell. Zuerst dachte
sie, die unsägliche Stimme von vorhin verfolge sie auch
hier, doch schließlich verschmolzen die Schemen zu ihres
Vaters Gesicht. Traurig blickte er sie an.
„Kayoma …Kind …Was habe ich falsch gemacht? Habe ich dir
nicht alles gegeben was ich konnte? Habe ich dich als Vater
nicht genug geliebt? Warum verleugnest du deine Mutter und
mich?
Als du noch klein warst, gingen wir auf einen Ostermarkt,
Kayoma, lach nicht. Es war ein harmloses Vergnügen, sonst
nichts. Dennoch gaben wir für den Spaß ein kleines Vermögen
aus. Du hast dich gefreut, warst glücklich und so unschuldig
dabei.
Und schau dich jetzt an … Ein Ostermarkt ist dir längst
nicht mehr genug. Du glaubst du wirst geliebt, glaubst die
Schickeria, in der du dich tummelst ist ´´das Leben´´. Was
ist das für ein Leben? Ich sehe nur Ausbeuter. Kannibalen,
die Mädchen wie dich durch den Fleischwolf drehen und
anschließend auffressen. Wach auf Kayomo... Wach auf!”
Das Karussell drehte sich noch immer, langsam verschwand das
Gesicht ihres Vaters. Ein neuer Schatten kroch aus dem
Nichts:
Ihre Großmutter …
Güte lag in den Augen der alten Frau, aber auch großes
Bedauern. Flüsternd bewegte sie die Lippen. Kayoma lauschte
angestrengt.
”Pass gut auf dich auf. Ich bitte dich…” Dann verschwand
auch sie, wie Rauch, der durch einen Abzug wirbelte.
Das Karussell drehte, drehte und drehte sich: Das Gesicht
ihres letzten Lovers erschien: Eddy! ,Nun bin ich also in
meiner Ära des "Fickens“ angelangt,´ dachte sie bei
sich. Nun gut, dort fühlte sie sich wenigstens zu Hause, es
gab ihr Sicherheit. Lange Zeit hatte sie nichts anderes
gewollt, nichts anderes gekannt. Sie sehnte sich danach
zurück, nicht ohne Bedauern zwar, aber doch.
„ Ich bin dein Macho, dein Stier, vergiss das nicht!”
Kayoma spürte ihren Mund, wie er sich weitete und
Gassenjargon freiließ: „Wie bitte? Du glaubst, ich bin auf
dich angewiesen, du Macho? Du glaubst, ich brauche dich? Ich
brauche Milch, steige ich deshalb mit einer Kuh ins Bett?“
Eddy ließ ein höhnisches Lachen hören: „Als Kuh werde ich
dich in mein Zimmer sperren, dich befruchten und dich schön
im Stall halten … Dann züchten wir Kälber, kleine dicke
Nutten für den Jahrmarkt der Eitelkeiten!“
” Eddy, du warst schon immer ein Versager. Hast ne große
Fresse und nichts dahinter. Fick dich doch selbst, du Null!”
Plötzlich begriff Kayoma, zu was sie geworden war. Sie war
selbst ein Eddy, ein Luder. Das hatte sie doch gar nicht
gewollt! Sie sah sich selbst zum ersten Mal wie in einem
glasklaren Spiegel und fragte sich: „Ist es zu spät? Sie sah
wie sie Menschen verletzt hatte, hörte ihre schmutzige
Sprache. Sah, wie sie sich zu einem monströsen Weib
verwandelt hatte und dass sie nur eine Marionette war, die
willenlos an Fäden zappelte, die andere zogen. Wenn sie
jemals gute Qualitäten besessen hatte, so hatte sie diese zu
lange schamlos vernachlässigt … Wahre Freunde begleiteten
sie schon lange nicht mehr, zuviel hatte sie ihnen angetan …
So in Gedanken versunken, bemerkte sie gar nicht, wie Eddy
verschwunden war.
Das Karussell stoppte und sie fand sich auf einem Bahnsteig
wieder. ”.
”Einsteigen, bitte einsteigen.“ Ein Herr mit einer blauen
Mütze und einer Pfeife in der Hand trillerte seine Pfeife.
Sie stieg etwas zögerlich ein und nahm Platz. Gesichter
drehten sich nach ihr um und schauten sie an.
Der Zug rollte los und sie fühlte für einen Moment als führe
etwas aus ihrem Herzen. Der Zug fuhr los, vorbei an Bildern,
die ihr nicht fremd waren. Ihre Augen glichen Kinderaugen
und sahen eine Welt aus Marzipan und Schokolade. Kinder aus
Schnee, Menschen aus Zucker und Häuser aus Watte.
klaas klaasen 2009
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde
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klaasen
Mitglied
 32 Forenbeiträge seit dem 22.08.2004

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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 20.08.2012 um 14:23 Uhr |
-Bis der Vorhang fällt
Kayoma trat ans Fenster und blickte hinaus. Draußen war:
Nichts. Ja, richtig Nichts! War das denn möglich? Sie kniff
die Augen zusammen, öffnete sie wieder, schüttelte sich,
ging ein paar Schritte auf und ab. Versuchte es erneut, mit
demselben Ergebnis. War das etwa ein Traum? Sie schlug sich
fest gegen den Oberarm, mit der Faust. Es tat weh, und wie!
Kein Traum...
Die Welt war verschwunden, einfach weg.
Ihr wurde schwarz vor Augen, immerhin, denn schwarz war
nicht Nichts. Fast erleichterte sie das und dennoch fühlte
sie die Gänsehaut über Arme und Nacken heranschleichen, heiß
wie siedendes Wasser.
Ein Gedanke brach aus dem Himmel hervor, stürzte herab,
detonierte am Boden ihres Geistes: War das alles etwa die
Antwort auf ihr mehr als ungebührliches Verhalten? Auf ihren
Hass?
Ja, sie hatte die Welt immer schon gehasst, konnte es sein,
dass diese ihr nun den Rücken kehrte? Sie ist davongelaufen
wie ein Spielkamerad, der des Wartens überdrüssig geworden
ist," dachte sie weiter, fühlte sich plötzlich wehmütig
dabei.
"Du wolltest sie doch nie," meldete sich jetzt
eine andere Stimme in ihr, leise zwar, aber deutlich wie
klirrendes Glas.
"Hast du dich etwa nicht über alles und jeden
beschwert? Dich über Menschen, die du nicht mal kennst,
lustig gemacht? Sozial Benachteiligte als Schmarotzer
beschimpft?"
Ungläubig lauschte sie, wich tiefer in das Zimmer zurück und
presste probehalber ihre Hände auf die Ohren.
"Das nützt dir gar nichts," fuhr die Stimme
vorwurfsvoll fort. "Und überhaupt, wann hast du je
anderen deine Liebe gezeigt? Ich sag es dir: Nie! Im
Gegenteil, mit Füssen hast du sie getreten, du warst kalt
wie ein Fisch!"
Sie ließ sich seitwärts aufs Bett fallen, zog sich zusammen
wie ein Embryo und verharrte, beide Arme krampfhaft um die
Knie gepresst.
"Lass mich in Ruhe," flüsterte sie in den Raum.
Erst jetzt bemerkte sie, dass alles, was gerade zuvor noch
darin gestanden hatte, ebenfalls verschwunden war. Nur eben
ihr Bett war noch da, weiß leuchteten die Laken wie das
Innere eines weit geöffneten Sarges.
"Ich habe doch gerade erst begonnen," hob die
Stimme mitleidslos wieder an ,“die Liste ist noch viel
länger ..."
Kayomas Gedankenwelt geriet aus den Fugen. Sie sah ihr
geliebtes Selbstbild, wie es zum Himmel flog, der Sonne zu
nahe kam und zerschmolz wie Wachs. Den Abgrund, der die
herabfallenden Tropfen schluckte, wie ein hungriges Fass
ohne Boden.
Was hatte sie nicht alles angestellt, um sich hinter einer
Mauer aus Eis zu schützen: Geschwindelt, betrogen,
gestohlen, ihre Eltern verleugnet und vor allem sich selbst
betrogen. Ihre Seele eingetauscht, verhökert für eine Welt
aus Glitzer und Glimmer. Für schönen, hohlen Schein.
Das Zimmer drehte sich wie ein Karussell und wurde schneller
und schneller. Schwindlig geworden klammerte sie sich an
einer Art Haltegriff fest und versuchte verzweifelt, einen
Punkt zu fokussieren, um die unerträgliche Übelkeit in den
Griff zu bekommen. Da sah sie den Schatten: Sie war nicht
alleine. Jemand fuhr mit auf diesem Karussell. Zuerst dachte
sie, die unsägliche Stimme von vorhin verfolge sie auch
hier, doch schließlich verschmolzen die Schemen zu ihres
Vaters Gesicht. Traurig blickte er sie an.
„Kayoma …Kind …Was habe ich falsch gemacht? Habe ich dir
nicht alles gegeben was ich konnte? Habe ich dich als Vater
nicht genug geliebt? Warum verleugnest du deine Mutter und
mich?
Als du noch klein warst, gingen wir auf einen Ostermarkt,
Kayoma, lach nicht. Es war ein harmloses Vergnügen, sonst
nichts. Dennoch gaben wir für den Spaß ein kleines Vermögen
aus. Du hast dich gefreut, warst glücklich und so unschuldig
dabei.
Und schau dich jetzt an … Ein Ostermarkt ist dir längst
nicht mehr genug. Du glaubst du wirst geliebt, glaubst die
Schickeria, in der du dich tummelst ist ´´das Leben´´. Was
ist das für ein Leben? Ich sehe nur Ausbeuter. Kannibalen,
die Mädchen wie dich durch den Fleischwolf drehen und
anschließend auffressen. Wach auf Kayomo... Wach auf!”
Das Karussell drehte sich noch immer, langsam verschwand das
Gesicht ihres Vaters. Ein neuer Schatten kroch aus dem
Nichts:
Ihre Großmutter …
Güte lag in den Augen der alten Frau, aber auch großes
Bedauern. Flüsternd bewegte sie die Lippen. Kayoma lauschte
angestrengt.
”Pass gut auf dich auf. Ich bitte dich…” Dann verschwand
auch sie, wie Rauch, der durch einen Abzug wirbelte.
Das Karussell drehte, drehte und drehte sich: Das Gesicht
ihres letzten Lovers erschien: Eddy! ,Nun bin ich also in
meiner Ära des "Fickens“ angelangt,´ dachte sie bei
sich. Nun gut, dort fühlte sie sich wenigstens zu Hause, es
gab ihr Sicherheit. Lange Zeit hatte sie nichts anderes
gewollt, nichts anderes gekannt. Sie sehnte sich danach
zurück, nicht ohne Bedauern zwar, aber doch.
„ Ich bin dein Macho, dein Stier, vergiss das nicht!”
Kayoma spürte ihren Mund, wie er sich weitete und
Gassenjargon freiließ: „Wie bitte? Du glaubst, ich bin auf
dich angewiesen, du Macho? Du glaubst, ich brauche dich? Ich
brauche Milch, steige ich deshalb mit einer Kuh ins Bett?“
Eddy ließ ein höhnisches Lachen hören: „Als Kuh werde ich
dich in mein Zimmer sperren, dich befruchten und dich schön
im Stall halten … Dann züchten wir Kälber, kleine dicke
Nutten für den Jahrmarkt der Eitelkeiten!“
” Eddy, du warst schon immer ein Versager. Hast ne große
Fresse und nichts dahinter. Fick dich doch selbst, du Null!”
Plötzlich begriff Kayoma, zu was sie geworden war. Sie war
selbst ein Eddy, ein Luder. Das hatte sie doch gar nicht
gewollt! Sie sah sich selbst zum ersten Mal wie in einem
glasklaren Spiegel und fragte sich: „Ist es zu spät? Sie sah
wie sie Menschen verletzt hatte, hörte ihre schmutzige
Sprache. Sah, wie sie sich zu einem monströsen Weib
verwandelt hatte und dass sie nur eine Marionette war, die
willenlos an Fäden zappelte, die andere zogen. Wenn sie
jemals gute Qualitäten besessen hatte, so hatte sie diese zu
lange schamlos vernachlässigt … Wahre Freunde begleiteten
sie schon lange nicht mehr, zuviel hatte sie ihnen angetan …
So in Gedanken versunken, bemerkte sie gar nicht, wie Eddy
verschwunden war.
Das Karussell stoppte und sie fand sich auf einem Bahnsteig
wieder. ”.
”Einsteigen, bitte einsteigen.“ Ein Herr mit einer blauen
Mütze und einer Pfeife in der Hand trillerte seine Pfeife.
Sie stieg etwas zögerlich ein und nahm Platz. Gesichter
drehten sich nach ihr um und schauten sie an.
Der Zug rollte los und sie fühlte für einen Moment als führe
etwas aus ihrem Herzen. Der Zug fuhr los, vorbei an Bildern,
die ihr nicht fremd waren. Ihre Augen glichen Kinderaugen
und sahen eine Welt aus Marzipan und Schokolade. Kinder aus
Schnee, Menschen aus Zucker und Häuser aus Watte.
klaas klaasen 2009
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