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Literaturforum: Die Russen kommen - Selektive Manipulation


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Forum > Politik & Gesellschaft > Die Russen kommen - Selektive Manipulation
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 Thema: Die Russen kommen - Selektive Manipulation
ArnoAbendschoen
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Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 20.07.2014 um 12:24 Uhr

Es war Zufall, dass der Verfasser dieser Zeilen ausgerechnet am 9. Mai 2014 erstmals im Berliner Deutsch-Russischen Museum war. Der Besuch war lange vorgemerkt, wurde bei Schönwetter wiederholt verschoben und bei feuchtkühlem am Jahrestag der deutschen Kapitulation endlich nachgeholt. Während des dreistündigen Rundganges durch die Dauerausstellung hörte er fast nur Russisch sprechen. Als er das Haus verließ, drängte eine russische Schulklasse herein und draußen standen Reiseomnibusse mit ausländischen Kennzeichen. In Russland ist dieser Tag einer der höchsten Feiertage.

Hinterher schien ein Besuch des Sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park als Ergänzung passend. Vom S-Bahnhof Treptower Park an, entlang der Puschkinallee und erst recht auf dem Gelände des Ehrenmals herrschte sehr reges Treiben, ein ständiges Kommen und Gehen wie auch längeres Verweilen. Wie schon im Museum war auch hier Russisch die bei weitem dominierende Sprache. Ein hoher Prozentsatz der Passanten wie Parkbesucher trug das Sankt-Georgs-Band. Am Ehrenmal selbst gab es eine Reihe von rein russischen Gruppen, die dort für länger Posten bezogen zu haben schienen. Von ihnen wurde zum Teil Volksmusik dargeboten. Vereinzelt wurde auch getanzt. Und – es sei nicht verschwiegen – an einem zentralen Punkt gab es Propaganda für die Loslösung der Ostukraine, die starke Beachtung fand.

In der Berliner Abendschau, der lokalen Nachrichtensendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, spiegelte sich das Geschehen im Treptower Park mit nur einem Satz wieder: Hunderte von Berlinern hätten am Jahrestag der Kapitulation dort Blumen niedergelegt. Mehr dazu nicht. Dass es nur ein Satz war, ist nicht das Kritikwürdige, sondern dass er den Vorgang verfälscht. Schon die Größenordnung stimmt nicht. Allein in einer einzigen Stunde am frühen Nachmittag dürfte die Anlage von gut und gerne tausend Menschen besucht worden sein. Und dann war es eben nicht DER Berliner, der hier Blumen niederlegte, wie die Kurzmeldung suggerierte. Gewiss hatten auch zahlreiche deutsche Muttersprachler den Weg dorthin gefunden, aber das russische Element war so vorherrschend, dass es einer nationalen Demonstration gleichkam, zumal in der gegenwärtigen Situation. Niemand kann ermitteln, wie viele Berliner Russen darunter waren und wer eigens aus Russland angereist war. Immerhin dürfte das Treptower Ehrenmal das größte seiner Art außerhalb Russlands sein und ohnehin das mit der für geschichtsbewusste Russen größten Relevanz.

Nur ein Satz – aber man fragt sich doch: Wie objektiv sind unsere Medien? Und wie unabhängig in ihrer Arbeit? Was ist eine Nachricht wert, die die Fakten verzerrt? Dass man das Geschehen in Treptow, so wie es tatsächlich war, durchaus unterschiedlich bewerten kann, ist eine andere Geschichte. Beschämend ist jedoch, wenn eine Ethnie aus aktuellem politischem Anlass wie ein Paria behandelt wird. Bei den Gedenktagen der Franzosen, Amerikaner usw. werden die Angehörigen dieser Völker selbstverständlich nicht unerwähnt gelassen. Aber jetzt die Russen …


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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Kenon
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1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.07.2014 um 19:20 Uhr

Du wirst sicher Medien finden, die eher nach Deiner Façon berichten, der Youtube-Kanal "Deutschland+Russland", der auch jemanden wie die Neokommunistin Sarah Wagenknecht hochjubelt, hat zum Beispiel einen "Bericht" zu genau dem Thema hochgeladen, auf dem Mikrofon des Interviewers prangt das Logo der "Stimme Russlands".

Die Sowjets haben neben den Alliierten die Nazis besiegt, das war notwendig, ok, doch in den sowjetisch okkupierten Gebieten geschah danach nichts gutes. Die Sowjets haben halb Europa mit ihren bombastischen Gedenkstätten übersäht, die in Berlin Treptow feiert besonders auffällig den Massenmörder Stalin. Das kann gutfinden, wer will, wenn sich da dann am Jahrestag der Kapitulation zum Gedenken einige zusammenfinden, ist es für mich selbst eher eine Randnotiz, wahrscheinlich hat es der Lokalsender genauso gesehen. Lebloses Pflichtprogramm war das ganze lang genug.

Der Sieg über den Faschismus wird heute in Russland instrumentalisiert und soll als Grund herhalten, die Ukraine zu zerstören. Für viel zu viele Leute bedeutet ein russischer Panzer auf einem Steinsockel nur den Sieg über den Faschismus - das könnte ich auch "selektive Manipulation" nennen. Russische Panzer - das ist auch der Hitler-Stalin-Pakt und die Aufteilung Polens, der sowjetische Überfall auf Finnland, die Annexion der drei Baltenrepubliken, die Niederschlagung der Volksaufstände 1953 in Berlin, 1956 in Ungarn und 1968 in Prag, das ist der Einmarsch in Afghanistan, die Tschetschenienkriege, der Kaukasuskrieg 2008, die Annexion der Krim und die russische Intervention in der Ostukraine 2014. Die Liste ist nicht komplett, aber auch das sind alles "russische Panzer". Ein sauberes Symbol ist es nicht. Verständlich daher, dass sich Leute daran stören.

Zum Schluss erzähle ich gern noch eine Anekdote aus den 80er Jahren. Sie spielt in einer Kleinstadt der DDR, genau gesagt in einem Bekleidungsgeschäft, von dem sich herumgesprochen hat, dass dort eine Lieferung von Jeans angekommen sei. Es ist Vormittag, die meisten müssten eigentlich auf der Arbeit sein. Ich habe eine Schulpause oder die Schule ist bereits zu Ende. Ich bin auch in diesem Geschäft: Tatsächlich, es gibt einige Jeans aus belgischer Produktion, innen finden sich bunte Comics auf weißen Streifen. Soetwas habe ich noch nicht gesehen, ich habe noch nie in meinem Leben eine Jeans gekauft. Ich habe Glück und finde ein passendes Modell, bevor es aus ist. Eine sowjetische Offiziersfrau hat weniger Glück, das lässt sie alle wissen. Sie drängelt sich an der langen Schlange vorbei direkt vor die Kasse und schimpft immer wieder "Faschisten!". Im Geschäft ist absolute Stille. Peinlich betreten schauen die Leute auf den Boden... Faschist kann man also sein, wenn man der Russin nicht die Jeans gibt, die sie haben möchte, oder Putin nicht das Land, was er als seines ansieht.

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ArnoAbendschoen
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2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.07.2014 um 22:23 Uhr

Hier geht`s konkret um manipulative Berichterstattung heute, um nichts anderes. Und bei diesem Thema bleibe ich auch und zitiere noch mal den bereits erwähnten Prof. Grimm (Universität Wien, Institut für Publizistik): "Die westlichen Medien haben den Konflikt verschärft, Journalisten haben für die eine oder andere Seite Partei ergriffen. Beides erscheint mir nicht im Sinne des Qualitätsjournalismus."

Ein zufällig eben gefundenes Beispiel als Beleg für Grimms Befund: Auch Altkanzler Kohl hatte im März die EU wegen ihrer Ukraine-Politik kritisiert und ein gewisses Verständnis für Russland gezeigt. Das wird dann etwa bei t-online.de/nachrichten am 11.3.14 so eingeordnet, und zwar im Fettdruck: "Kanzlerin Angela Merkel verschärft den Ton Richtung Russland. Bundespräsident Joachim Gauck kritisiert das Vorgehen Moskaus außergewöhnlich deutlich. Helmut Kohl dagegen zäumt das Pferd von hinten auf: Der Altkanzler sieht im Umgang des Westens mit Präsident Wladimir Putin ein Problem."

Das ist kein seriöser Journalismus. Das ist massive Beeinflussung des Lesers durch sprachliche Formulierung. Dem Leser wird suggeriert: Auf die Kanzlerin von heute kommt es an. Der Bundespräsident unterstützt sie. Und der Ex-Kanzler liegt völlig falsch ("zäumt das Pferd von hinten auf"), was er kritisiert, existiert gar nicht, es ist sein Problem.

Das sind die Methoden, mit denen die Deutschen seit gut einem halben Jahr bearbeitet werden. Es sind die Methoden, deretwegen die Springer-Presse lange Jahre zu Recht kritisiert wurde.

Tatsächlich verhält es sich so: Alle drei noch lebenden Ex-Kanzler vertreten übereinstimmend die Auffassung, die EU habe schwere Fehler in der Ukraine-Politik begangen und Russland habe legitime Sicherheitsinteressen. Diese Kanzler haben von 1974 - 2005 Deutschland regiert und im intensiven Kontakt mit den anderen Machtzentralen gestanden. Statt sich das vor Augen zu halten, wird jeder Einzelne von ihnen lächerlich gemacht oder für käuflich erklärt.

Kenons Kommentar weist schon zu Beginn Anklänge an dieses Verfahren auf. Da ist die Rede von meiner "Facon", da wird mir der mir bislang gar nicht bekannte Youtube-Kanal "Deutschland + Russland" empfohlen und dem Mitleser durch Nennung des Namens Sarah Wagenknecht suggeriert, wo Arno Abendschön einzuordnen ist. Dieser Mitleser kann sich ja mal im Internet ein Bild von mir machen und selbst überprüfen, was daran wohl wahr ist!

Arno Abendschön


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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Kenon
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Das ist Kenon

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.07.2014 um 00:26 Uhr

Ich sehe Aufregung, aber verstehe die Aufregung nicht. Drei Ex-Bundeskanzler sind drei Ex-Bundeskanzler, die Bundeskanzlerin ist die Bundeskanzlerin, weil sie zur Bundeskanzlerin gewählt wurde und als ebendiese amtiert. Das ist doch ganz einfach: Ihr Wort wiegt zurzeit mehr, weil sie noch an der Macht ist, das andere sind Stimmen aus dem Off, teilweise schon wirr und ziemlich fern. Wenn Du die Ex-Bundeskanzler mehr wertschätzt als die Bundeskanzlerin, so ist das Dein gutes Recht. Das kann sich jeder aussuchen und zusammenrechnen, wie er mag, nur soll er nicht traurig sein, wenn Medienvertreter das anders sehen.

Zitat:

Tatsächlich verhält es sich so: Alle drei noch lebenden Ex-Kanzler vertreten übereinstimmend die Auffassung, die EU habe schwere Fehler in der Ukraine-Politik begangen und Russland habe legitime Sicherheitsinteressen.

Diese Sicherheitsinteressen decken dann bestimmt auch die Annexion der Krim und die weitere Destabilisierung der Ukraine durch die indirekte russische Intervention im Osten des Landes durch betrunkene Terroristen, die scheinbar auf alles schiessen, was ihnen ins Visier gerät. Wozu braucht dieses Russland eine Schwarzmeerflotte?

Die EU hat sicher nicht immer optimal gehandelt, z.B. hat sie Polen viel zu wenig im sogenannten Fleischkrieg mit Russland unterstützt und 2008 Russland mit Georgien machen lassen, was es wollte.

Zitat:

"Die westlichen Medien haben den Konflikt verschärft"

Alles klar. Dann lieber Grimms Märchen, da kann man was für das Leben lernen.

Bei uns muss sich niemand das anhören, was er nicht mag. Irgendjemand wird seine Interessen schon bedienen. Und wenn nicht: Was für eine Marktlücke, wenn es denn kein Einzelfall ist.

Mal ehrlich:

Welcher Europäer soll Sympathie mit Putin haben? Putin, der verantwortlich ist für die Verletzung von Menschenrechten, der sich um Demokratie nicht schert, fremde Länder überfällt und Teile von ihnen seiner Russischen Föderation einverleibt, der eine harmlose Mädchenband in das Lager schickt und Homosexuelle verfolgen lässt, rechtsradikale europäische Parteien unterstützt, weil sie seinem anti-europäischen Kurs nutzen, der seine Regentschaft nach Belieben verlängert. Wenn er wenigstens ein begabter Schauspieler wäre! Aber er ist eine gekränkte Witzfigur, die noch nicht darüber hinweggekommen ist, dass ihr sowjetisches Scheißhaufenhaus zusammengefallen ist, und ihre Lügengeschichten mit der traurigen Unbeholfenheit eines drei-beinigen Hündchens vorträgt. Fast bedauernswert. Trauriges 21. Jahrhundert.

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JH
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Das ist JH

     
4. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.07.2014 um 07:48 Uhr

Zitat:

... aber man fragt sich doch: Wie objektiv sind unsere Medien? Und wie unabhängig in ihrer Arbeit? Was ist eine Nachricht wert, die die Fakten verzerrt? ...

Die Fragestellung ist so verschnarcht wie alle ihre Texte. Wen meinen sie mit "die Russen"? Wollen "die" Russen Krieg?
Oder ist es dieser kleine Mafiosi Putin, der einst die Frauen und Mütter der ertrunkenen Kursk Soldaten als "Nutten" bezeichnete?
So sollte eine Fragestellung aussehen Hr. "Abendschön".


MASSONI
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ArnoAbendschoen
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Das ist ArnoAbendschoen

     
5. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.07.2014 um 12:09 Uhr

Abschließend: Ich habe versucht, hier Denkanstöße zu geben, indem ich diverse Kronzeugen zitiert habe. Das Echo bestand bestenfalls in Phrasen, Rabulistik und flachem Wortwitz. Für Letzteren bot sich natürlich an, beim Medienwissenschaftler Grimm "Grimms Märchen" zu assoziieren. Auf dieses Niveau habe ich keine Lust.

Ich werde also keine Stichworte mehr liefern für anachronistische Kommunistenfresserei und verantwortungslose Kriegspropaganda. Es gibt weiß Gott wichtigere Schauplätze, z.B. die intensive Diskussion im Tagesspiegel online.

Zu mir persönlich: Wer sich für mein Profil (geistig, politisch und anderweitig) interessiert, findet genügend Texte von mir im Internet.

Arno Abendschön


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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ArnoAbendschoen
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Das ist ArnoAbendschoen

     
6. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.07.2014 um 12:18 Uhr

An JH zum Kommentar von 7.48 Uhr:

Sie können ja den dafür Verantwortlichen mal fragen, warum er so häufig derart "verschnarchte" Texte von mir hier auf der Startseite placiert hat. Ich war´s nicht.

Arno Abendschön


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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popow
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Forenbeitrag
seit dem 02.05.2010

     
7. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.07.2014 um 15:39 Uhr

Gefährlich uncool

Hallo Arno, ich bewundere Deine klare Sicht, die der von Kenon inhaltlich und humanistisch nicht nur absticht, sondern die ganze Verderbtheit der von BILD und anderen Medien manipulierten Mitbürger zeigt. Welch eine menschliche Größe spricht aus Deinen Worten, die mit Herz und mit Verstand geschrieben wurden. Überhaupt muß ich feststellen: Wenn man viel im Internet - speziell in Foren - unterwegs ist, dann freut man sich selbstverständlich über zahlreiche inhaltlich deckungsgleiche Ansichten. Kalt lassen einen jedoch sich intellektuell gebärdende sogenannte Meinungen und Standpunkte ohne inhaltliche Tiefe, anspruchsloses Krikastern, Substanzloses - wahrscheinlich zur geistigen Selbstbefriedigung. Ein Schauer läuft einem über den Rücken, wenn zu so einem ernsten Thema wie Krieg und Frieden (Beitrag zur Neuvermessung der Welt) kaum ein Wort verloren wird. Das ist nicht nur Politverdrossenheit, sondern zeigt auch, wie manchen Leuten Ernsthaftigkeit und damit politisches Interesse weitgehend abhanden gekommen sind. Man spricht von einer lähmenden Gleichgültigkeit. Jedes Argument prallt bei denen ab. Sie klammern sich an unwesentliche Details, an Äußerlichkeiten, an Formfragen, bestenfalls schweigen sie feige. So schützen sie sich vor unbequemen Fragen. Wer wollte schon auf manche massiv ausgekotzte Dummheiten reagieren? Verschwendete Liebesmüh.

Im Disput fallen oft die Worte Entpolitisierung und Reduzierungen. Ein
User wandte sie auf den ehemaligen Osten an. Es ist genau umgedreht – es ist der Manipulationsknüppel der Heutigen. Es ist eine der wichtigsten Methoden, um das Volk in Hörigkeit zu halten. Der Brisanz dieser Feststellung begegnet man allemal: Da wird die Alternative zum Kapitalismus, die DDR, auf Diktatur und Stasi reduziert, da wird die Befreiung vom Faschismus auf „Kriegsende“ umgedeutet, da wird die Tatsache der zweiten Front durch die westlichen Allierten als der entscheidende Anteil des Sieges über Hitlerdeutschland hochstilisiert, da werden die Opfer des Faschismus auf die Judenverfolgung verkürzt...

Gehen wir noch weiter zurück: In seinem wundervollen Büchlein „Herztöne“ schreibt der einstige bekannte DDR-Publizist Hajo Herbell auf den Seiten 147-149 folgendes: Selbst die Histiographie zeige sich „rechtslastig, national-konservativ“. Im „Lexikon der Weltgeschichte von 1999 lese sich das zum Beispiel so: „Unter dem Kommando (!) von Bauernführern wie Thomas Müntzer (…) kam es (…) zu zahlreichen Erhebungen. (…) Nach anfänglichen Erfolgen (…) schlug der Protest um in nackte Gewalt, es kam zu Plünderungen und Mordtaten“, (…) bis die armen Fürsten quasi gezwungenermaßen ihre überlegene Streitmacht aufboten. Im „Bildatlas Deutsche Geschichte“ von 1999 werde Thomas Müntzer als „irrlichtender Geist“ bezeichnet und Luther werde ebenso verkleinert und sein reformistisches Aufbegehren geschah aus „privater Gewissensnot“. Selbst die mutige Tat von Stauffenberg werde des Politischen beraubt und allein aufs Moralische reduziert, so Herbell. (S. 150) Da sind sie – die Reduzierungen auf Nebensächlichkeiten, die heute Hochkonjunktur haben.

Kurz: Die angepriesene Vielfalt (Pluralismus) soll für Demokratie stehen. Das ist irritierend. Und bemäntelt gleichzeitig die wahren Absichten der oberen Zehntausend nach Macht und Profit auf Kosten des Sozialen. Verzettelung, Vereinzelung, Reduzierung auf´s Detail, die Entpolitisierung, die Negierung des Gesamtzusammenhangs – das ist Ideologie der schlimmsten Art, das ist Methode. Warum? Weil das Ende der Geschichte ausgerufen ist. Keine Veränderungen mehr. Genug. Alles bleibt beim Alten. Diese geduldete „Offenheit“ und „Meinungsfreiheit“ sind der geistigen Kommerz-Treibjagd durch Politik und Medien, durch den Neoliberalismus geschuldet. Was ist eine Hochwassergefahr, die gebändigt werden kann, gegen eine mächtiger werdende geistige Kloaken-Flut? Wie aufregend! Meinst du wirklich??? Wer fragt da nach Alternativen?

Eine Sache der Gewöhnung? So ist es. Nicht jeder lässt gerne Ernsthaftes an sich heran. Wie auch, wenn sich die herrschende Clique mit einem raffinierten Blendwerk umgibt und ihre wahren Ziele nicht so leicht zu durchschauen sind. Da lässt man lieber die Finger von aufklärerischen politischen Sachbüchern. Solche Politischen? Hände weg! Unterhaltung auf seichteste Art liegt immer gut im Rennen, lässt sich gut verkaufen. Und vor allem: Um jede Ursache gesellschaftlicher Fehlleistungen wird ein Umgehungsschild aufgestellt!!! Ja nicht in die Tiefe gehen. Politisches Nachdenken ist gefährlich uncool.
Harry Popow

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JH
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274 Forenbeiträge
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Das ist JH

     
8. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 25.07.2014 um 17:40 Uhr

Denkanstösse sollen das sein?
Eher Monolge im Wachkoma.


MASSONI
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Kenon
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847 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
9. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 28.07.2014 um 09:32 Uhr

Zitat:

Politisches Nachdenken ist gefährlich uncool.
(Zitat: Popow)

Um Nachdenken geht es Dir wahrlich nicht. Du trauerst doch nur diesem Unrechtsregime namens DDR hinterher, von dem Du mal profitiert hast und das Dir scheinbar Deine Identität gestiftet hat - ohne Deine DDR bist Du nichts. Dein Zug ist abgefahren und kommt nicht wieder - und das ist auch gut so! An Deiner Stelle würde ich alles dafür tun, um morgens wieder in den Spiegel schauen zu können und einen Menschen zu sehen, anstatt immerfort den Müll von vorgestern in die Medien von heute zu tragen. Noch ist es für den Mut zur Wahrheit nicht zu spät. Mutig allerdings müsstest Du sein.

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