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Literaturforum: THE DELTA - Film von Ira Sachs


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Forum > Aesthetik > THE DELTA - Film von Ira Sachs
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 Thema: THE DELTA - Film von Ira Sachs
ArnoAbendschoen
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Das ist ArnoAbendschoen

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 29.01.2015 um 12:20 Uhr

Die Geschichte dieses Filmes ist die von Anerkennung, Vergessen und Wiederentdeckung. 1996 auf den Markt gekommen, bekam der erste Streifen des US-Amerikaners Ira Sachs zunächst manches Lob und sogar Preise, dann schien er dem Vergessen anheimgefallen, um schließlich ein zweites Leben als Klassiker des Queer Cinema zu beginnen. Seit 2013 gibt es endlich eine DVD mit deutschen Untertiteln.

Der Film hat viel von ungestümem, dabei genialem Jugendwerk. Man bemerkt wohl im Hintergrund die Vorbilder: der frühe Pasolini, der früher Fassbinder. Doch ist die Atmosphäre so dicht, sind die Hauptdarsteller derart präsent und ist der Schauplatz so sehr noch fast Neuland, dass kein Eindruck von Déjà-vu aufkommt. Memphis, Tennessee ist hier eine seltsam düstere Provinzmetropole von erhabener Banalität, gelegen in einer bei aller Großartigkeit durchaus nicht einladenden Natur. Das Delta, gebildet aus den Mündungstrichtern der Nebenflüsse des Mississippi, ist eine Schwemmlandschaft, und so instabil wie die Topographie sind auch die Beziehungen der Menschen untereinander. Ihre Umgangsformen sind rau, ohne eine Spur Herzlichkeit, und wenn diese sich doch einmal einschleicht, gerät die Lage bald ins Rutschen.

In den beiden jungen Männern Lincoln (Shayne Gray) und Minh (Thang Chan) konzentriert sich das Problematische des Ortes. Minh ist ein schwuler Halbvietnamese mit schwarzem US-Amerikaner als Vater – den er hasst – und einer Frau in Vietnam. So einer wird nirgendwo akzeptiert, nicht in der asiatischen Heimat, nicht in der vietnamesischen Community von Memphis. Sachs ist mit Minh die perfekte Verkörperung eines Typs gelungen, des intelligenten Schwulen von zwar einnehmendem Wesen, doch aufgrund seiner Biographie so zerrissen, dass Verhängnis ihm zwangsläufig wie Pech anhaftet. Der noch sehr junge Lincoln pendelt zwischen drei Welten. Im wohlhabenden, gefühlskalten Elternhaus ist er der gut aussehende, immerzu schweigende Sohn. Er hält sich auch in seiner Clique normaler junger Leute zurück, bei ihren billigen Vergnügungen, beim Drogenkonsum. Halt sucht er bei einer ernsthaften jungen Frau unter ihnen, die ihrerseits unter seiner Instabilität, seiner noch kaum ausgeprägten Identität leidet. Lincoln lässt sich treiben, ein unbeschriebenes Blatt. Die Orte, wo man Homosexuelle kennenlernen kann, ziehen ihn schon stark an. Er trifft dort auf Minh, dem er nicht gewachsen ist, so wie dieser der Situation insgesamt nicht. Im Ergebnis schrammen sie aneinander vorbei – und die fatale Konsequenz aus ihrer missglückten Begegnung muss ein unbeteiligter Dritter tragen.

Formal reiht der Film eine Reihe starker Einzelszenen aneinander, deren suggestive Kraft bewundernswert ist. Einige von ihnen könnten auch als sehr gelungene Kurzfilme bestehen, etwa eine Hotelzimmerszene, in der fast nichts geschieht, aber gerade im Verfehlen von Handlung zwei Charaktere extrem ausgeleuchtet werden - der Gefühlstod eines Handlungsreisenden in mittleren Jahren und ein vielversprechend-anmutiger Simplicius Simplicissimus, der sich blöde entzieht, dabei Verzweiflung hervorrufend.

„The Delta“ war, wie spät erst erkannt wurde, die erste große Talentprobe eines Regisseurs, dem danach noch viel mehr gelang.


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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