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Literaturforum: März 2015


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Forum > Lektüregespräche > März 2015
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 Thema: März 2015
Kenon
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10. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.03.2015 um 09:39 Uhr

Wir könnten dieses Thema sicherlich bis zum Ende unserer Tage fortführen - so tief und subjektiv ist es. Alles bleibt doch nur Meinung - gut, wenn es verschiedene gibt.
Für Dich sind literarische Werke "autonome, wenn auch historisch bedingte kulturelle Zeugnisse". Wenn etwas bedingt ist, wie autonom kann es noch sein? Für mich ist alles bedingt, steht nichts für sich, kommt nichts aus sich selbst durch sich selbst. Ich kann natürlich denken: Das Buch kommt aus dem Schrank. Das ist an sich nicht falsch, aber auch nicht die ganze Wahrheit. Die ganze Wahrheit ist das Leben selbst, es gibt seinen vollständigen Ausdruck nur durch sich selbst, anders ist sie nicht beschreibbar.

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ArnoAbendschoen
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11. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.03.2015 um 11:21 Uhr

Gut, Kenon, jetzt würde ich nicht mehr widersprechen wollen. Sich nicht deckende Auffassungen sind ja zumeist Teilwahrheiten und die Unterschiede zwischen ihnen vor allem auch durch Generation und Sozialisation der Argumentierenden bedingt.

Nur das noch: "Autonom" war vielleicht kein glücklicher Ausdruck. Gemeint war nur: Die Werke entstehen und existieren unabhängig von der Rezeption, also nicht, wie für die Kunst behauptet, im Auge (bzw. Hirn) des Betrachters (Lesers).

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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Persephone
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12. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 18.03.2015 um 06:55 Uhr

Gerade beendet habe ich "Im Hause Longbourn" von Jo Baker. Dieses Buch erzählt eine Geschichte der Dienstboten, die parallel zur Handlung von "Stolz und Vorurteil" passiert. In meinen Augen ist das ein Spielverderber-Buch. Es wird mit moralisch erhobenem Zeigefinger darauf aufmerksam gemacht, dass es zu dieser Zeit viele Leute gab, die ganz andere Probleme hatten, als die Figuren bei Jane Austen.

Vorher habe ich monatelang an Balzacs Königstreuen gekaut. Nun liegt hier die Abhandlung über die Liebe von Stendhal.

Immer parallel begleitet mich seit Langem die Südstaaten-Trilogie von Julien Green. Wundervoll.

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Persephone
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13. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.03.2015 um 06:26 Uhr


Ich mag noch einmal in der Diskussion der beiden Herren einen Schritt zurück springen und doch noch einmal nach der Motivation, ein Buch zu lesen, fragen. Zunächst einmal danach, warum jemand überhaupt lesen sollte und dann, warum derjenige dieses liest und jenes nicht.
Aus meiner Profession heraus fallen mir lauter profane persönliche Gründe dafür ein, die einerseits mit den Grundbedürfnissen nach Grawe (Bindung, Orientierung + Kontrolle, Selbstwertschutz, Lustgewinn) und andererseits den gelernten Regeln, nach denen in dieser Welt diese Bedürfnisse erfüllt werden, zusammenhängen.
Ist die Motivation des Lesers interessant?
Ich halte Motive, etwas zu tun, für wichtig und komme nun zu der Frage, ob es tatsächlich Motive gibt, die mit dem eiǵenen Psychischen Haushalt letztlich nichts zu tun haben. Oder ist das eine zynische Ansicht?
Letztlich habe ich eine begrenzte Zeit zur Verfügung und versuche zunächst einmal, diese Zeit zu nutzen, sodass es für mich irgendwie gut und stimmig ist. Dazu kann es gehören, dass ich es für gut halte, mich mit einer bestimmten Literatur zu beschäftigen.
Wenn ich danach frage, ob die Motive des Lesers interessant sind, kann ich andererseits auch fragen, ob die des Autors interessant sind. Wenn ich es für gut und richtig halte (dafür wird es wieder Gründe geben), mich damit zu beschäftigen, sind sie für mich interessant.
Hier sind Begriffe wie "Nutzen" und "Wirkung" gefallen. Was ist eigentlich Wirkung? Bedeutet "Nutzen", dass die Wirkung und die Motivation soweit zusammenpassen, dass keine oder nur wenig Frustration entsteht?

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ArnoAbendschoen
Mitglied

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14. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.03.2015 um 22:24 Uhr

Persephone, zunächst bitte ich um Entschuldigung, dass ich mangels Kompetenz und Zeit die aufgeworfenen Fragen nicht mit der an sich gebotenen systematischen Gründlichkeit beantworte. Dafür will ich mich in der Weise an ihnen orientieren, dass ich schlagwortartig Stellung zu ihnen beziehe. Also:

1. Die Rolle von Motivation scheint mir bei Lektüre generell überschätzt. Lesen ist eine tradierte Kulturtechnik, deren Ausübung sich im Lauf der Entwicklung so weit verselbständigt hat, dass es wenig sinnvoll erscheint, noch nach dem Warum zu fragen. Der Mensch ist eben das Tier, das liest. Lesen ist für den Menschen längst selbstverständlich. Ergiebiger könnte die Beantwortung der Frage sein, warum Einzelne nicht lesen bzw. unter welchen Umständen dieses Phänomen gehäuft auftritt.

2. Was konkret gelesen wird, hängt von unendlich vielen Zufällen ab, die teils im Individuum, teils in der ihn umgebenden Gesellschaft zu suchen sind. Sie in ein System zu bringen, wozu könnte das dienen? Dem Marketing von Büchern auf jeden Fall. Sonst fällt mir noch nichts ein.

3. Ob die Motivation des Lesers für einen Dritten interessant ist, ist eine überwiegend subjektive Frage. Theoretisch sind so viele Antworten möglich, wie es Leser bzw. Bücher gibt. Dazu kommt, dass Interesse in den unterschiedlichsten Quantitäten vorliegen kann.

4. Die Untersuchung der Motive geht womöglich schon deshalb zwangsläufig fehl, da wir uns permanent sogar über die eigenen Motive täuschen - über die einer anderen Person ohnehin.

5. Der Versuch von hieb- und stichfesten Definitionen von Nutzen und Wirkung könnte der Beginn einer uferlosen Diskussion sein, die ich nicht führen möchte. Nur so viel: Nutzen scheint mir ein so differenzierter Begriff, dass ihn ans Vermeiden von Frustration anzubinden, einem viel zu engen Korsett gleichkäme.

Freundliche Grüße
Arno Abendschön


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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Persephone
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15. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 26.03.2015 um 17:27 Uhr

Der Mensch als Tier, das liest. Ich glaube jetzt mal nicht, dass dies als eine Art Definition des Menschen gemeint ist, die Menschen, die nicht lesen können oder wollen, entmenschlichen will. Es ist sicherlich so, dass die meisten Menschen in der Lage sind, eine Sprache zu erlernen und ihre Elemente mit eigentlich bedeutungslosen visuellen Symbolen zu verknüpfen. Das scheint auch irgendwie biologisch verankert zu sein, da diese Fähigkeit bei bestimmten neurologischen Erkrankungen (bestimmten Formen von Schädel-Hirn-Trauma oder Apoplex etc.) selektiv beeinträchtigt sein kann. Ich würde aber nicht so weit gehen, diese Fähigkeit als Selbstverständlichkeit zu betrachten, zumal ich den Verdacht hege, dass sich das, was wir beide mit "lesen" meinen, voneinander unterscheidet. Ein Hinweis darauf ist die Behauptung, nicht zu lesen, komme gehäuft vor. Wenn ich das Lesen nicht darauf beschränke, dass jemand Tolstoi oder Proust aufschlägt, sondern ich es auch als lesen anerkenne, wenn jemand vielleicht durchblättert oder auch einen Blog aufruft, wird klar, dass aktuell wohl mehr gelesen wird, als je zuvor.
Wahrscheinlich ist es aber zweckmäßig, sich hier auf das Lesen von Büchern zu beschränken.

Ich persönlich finde die Frage nach der Motivation durchaus interessant. Dies ist so, gerade weil das eine so subjektive und schwierige Frage ist. Ich bin sehr geprägt von den psychoanalytischen Literaturtheorien nach Freud. Für mich steht der Rezeptionsprozess des Lesers/der Leserin im Mittelpunkt des Interesses, weil "jedeR" ein Werk lesen, aber nur eineR es schreiben kann. Es kann also eine Möglichkeit sein, etwas über sich selbst zu lernen und - indem man sich darüber austauscht und z. B. Motive vergleicht - den eigenen Blick auf ein Werk zu reflektieren. Das halte ich für wertvoll.

Schade, dass wir nicht über Begriffsdefinitionen diskutieren. Das empfinde ich zunehmend als erhellend und entspannend. Leider muss eine solche Analyse immer zugunsten der inhaltlichen Debatte an unbefriedigender Stelle abgebrochen werden.

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ArnoAbendschoen
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16. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 30.03.2015 um 16:50 Uhr

Persephone, du sagst es: Die Frage nach der Motivation ist - auch - eine subjektive. Und weil das so ist, kann auch das Überwiegen von inhaltlicher Debatte vom Individuum ganz unterschiedlich verarbeitet werden: befriedigend / unbefriedigend.

Noch zum Begriff Lesen: Das sollte nicht auf Bücher beschränkt sein, die Lesekultur verändert sich eben. Allerdings möchte ich bloßes "Durchblättern" nicht als Lesen verstanden wissen. Damit ist noch keine Rezeption verbunden. Nicht-Lesen, also kein Verständnis für Texte zu entwickeln, ist heute durchaus ein quantitativ ins Gewicht fallendes Phänomen.

Für alle etwaigen Mitleser noch zwei Punkte, die evtl. Motivation für die Lektüre des Genji-Romans erzeugen können: historischer Hintergrund und Geschlechterdifferenz. Der Roman spielt mitten in der Heian-Zeit (794 - 1185). Ausgehend von der Übernahme des chinesischen Gesellschaftsmodells (absolutistischer Kaiser- und Beamtenstaat) war dies in Abkehr davon eine Zeit fortschreitender Refeudalisierung. Mächtige Adelscliquen bekämpften sich untereinander, machten sich den Staat zur Beute und den Kaiser zur Symbolfigur ohne Macht. Diese Tendenz zur Oligarchie ist ja eine der Konstanten in der Geschichte der Menschheit, bis heute, leider. - Sehr anschaulich vermittelt das Werk die traditionell "orientalische" Stellung der Frau, ihre extreme Abschottung nach außen, die seltsamen Konsequenzen im praktischen Umgang der Geschlechter und auch, wie Frauen sich unter diesen Bedingungen dennoch ein gewisses Maß an Einfluss zu verschaffen wussten.


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
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Gast
     
17. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 03.04.2015 um 08:44 Uhr

Sehr gut! viele Wissen.

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Forum > Lektüregespräche > März 2015


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