Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

Literaturforum: Otto und Elise Hampel - Ausstellung in Berlin


Aktuelle Zeit: 18.08.2017 - 05:00:13
Hallo Gast, Sie sind nicht eingeloggt!
Suche | Mitglieder | Neu | Statistik

Forum > Aktuelles > Otto und Elise Hampel - Ausstellung in Berlin
Seite: 1
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
 Autor
 Thema: Otto und Elise Hampel - Ausstellung in Berlin
ArnoAbendschoen
Mitglied

393 Forenbeiträge
seit dem 02.05.2010

Das ist ArnoAbendschoen

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 12.11.2015 um 12:19 Uhr

Hans Fallada hat 1946 aus dem Schicksal der Hampels seinen letzten Roman gemacht: „Jeder stirbt für sich allein“. Bei ihm heißt das Ehepaar nun Quangel und wohnt im Prenzlauer Berg. Die originalen Hampels dagegen lebten im Wedding. Ganz in der Nähe ihrer Wohnung steht der Neubau der Schillerbibliothek, die bis zum 16.1.2016 im ersten Stock eine kleine Ausstellung über die 1943 Hingerichteten zeigt.

Otto und Elise Hampel kamen vom Land, genossen nur wenige Jahre Volksschulbildung. Er (geb. 1897) war ungelernter Arbeiter bei Siemens, sie (geb. 1903) Haushaltshilfe und Näherin. Sie heirateten 1937, schienen damals gut angepasst an den NS-Staat. Als aber Elises Bruder im Herbst 1939 in Frankreich fiel, wurden sie zu entschiedenen Gegnern des Regimes. Otto Hampel schrieb über 200 selbst verfasste Texte auf Postkarten, auf denen er sowohl die Kriegführung als auch die inneren Zustände in Deutschland scharf kritisierte und zum Widerstand aufforderte. Er verteilte sie ab Herbst 1940 – zum Teil mit Hilfe seiner Frau – heimlich in Treppenhäusern quer durch Berlin. Nach zwei Jahren wurden beide gefasst, in einem Gerichtsverfahren zum Tod verurteilt und am 8.4.1943 in Plötzensee hingerichtet.

Entgegen der Absicht der Hampels wurden fast alle verteilten Karten rasch bei der Polizei abgegeben und zirkulierten nicht. Sie werden heute als Dokumente im Bundesarchiv aufbewahrt. Eine Auswahl von ihnen bildet, reproduziert und stark vergrößert, den Kern der Ausstellung. Otto Hampel benutzte eine Art ungelenke Druckschrift, um seine persönliche Handschrift zu verbergen. Nicht weniger Mühe als das Malen der Buchstaben scheint ihm die Formulierung des Inhalts gemacht zu haben. Umso mehr Achtung verdienen seine mutigen Texte! Was heute gern übersehen wird: Hampel, der keiner linken Organisation angehörte, äußert sich explizit antikapitalistisch, zieht oft Verbindungen zwischen Hitler und dem großen Geld. Otto Hampel vertritt also unreflektiert eine explizit proletarische Sicht auf den NS-Staat.

Umgekehrt wollte auch Fallada, dem die Prozessakten zur Verfügung standen, nicht der ganzen historischen Wahrheit ins Auge sehen. Der Roman, auf Veranlassung von Johannes R. Becher für den Ostberliner Aufbau-Verlag geschrieben, unterschlägt u.a. dieses wesentliche Detail: Die Hampels versuchten in ihren Gnadengesuchen, sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben, um der Hinrichtung zu entgehen.

Das Hampel-Wohnhaus Amsterdamer / Ecke Turiner Straße wurde noch 1943 von einer Fliegerbombe zerstört. Dort, auf einer unbebaut gebliebenen Grünfläche, erinnert heute eine Gedenktafel an das Ehepaar.

(Ort der Ausstellung: Schiller-Bibliothek, Müllerstraße 149, Nähe U-Bahnhof Leopoldplatz).


"Die Flüchtlingskrise ist noch nicht zu Ende." Robin Alexander in "Die Getriebenen"
Profil Nachricht senden Zitat
Seite: 1
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
Forum > Aktuelles > Otto und Elise Hampel - Ausstellung in Berlin


  Ähnliche Beiträge
Gestartet von
Antworten Letzter Beitrag
Von Hopper bis Rothko - Potsdamer Ausstellung
ArnoAbendschoen
0 05.07.2017 um 18:04 Uhr
von ArnoAbendschoen
Ausstellung Otto Bartning in Berlin
ArnoAbendschoen
0 09.04.2017 um 18:54 Uhr
von ArnoAbendschoen
Berlin danach
ArnoAbendschoen
4 12.01.2017 um 22:47 Uhr
von ArnoAbendschoen
Die wilden 80er Jahre - Ausstellung in Potsdam
ArnoAbendschoen
0 05.01.2017 um 18:32 Uhr
von ArnoAbendschoen
Die kurze Freiheit. Berlin 1953
Hermeneutiker
0 17.10.2016 um 10:59 Uhr
von Hermeneutiker


Sie möchten hier mitdiskutieren? Dann registrieren Sie sich bitte.



Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Literatur



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.014285 sek.