Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

Literaturforum: Július Kollers Fragezeichen in Warschau


Aktuelle Zeit: 22.11.2017 - 19:38:01
Hallo Gast, Sie sind nicht eingeloggt!
Suche | Mitglieder | Neu | Statistik

Heute ist der 148. Geburtstag von André Gide.

Forum > Aktuelles > Július Kollers Fragezeichen in Warschau
Seite: 1
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
 Autor
 Thema: Július Kollers Fragezeichen in Warschau
Kenon
Mitglied

847 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 12.12.2015 um 11:58 Uhr

Das Fragezeichen war das Symbol des post-avantgardistischen slowakischen Künstlers Július Koller (1939-2007). Das Fragezeichen? Wie banal! Wie gefährlich! – zumindest in einer kommunistischen Diktatur sowjetischer Prägung, in der Koller einen Großteil seines Lebens verbringen musste.

In totalitären Gesellschaften gibt es auf alles eine alles erschöpfende Antwort, die jede Diskussion beendet, jedwedes Leben in einen apathischen Zustand nahe des Todes zwingt: Antworten in dogmatischen Worten, Antworten in gewalttätigen Taten.

Fragezeichen sind Störer, Unruhestifter – sie regen die Menschen zum Denken, Überdenken, Hinausdenken an. Sie ringen Gewissheiten nieder, sind Würmer des Zweifels, die sich an Satzenden hängen und den strahlenden Stolz von Losungen und Parolen überschatten, mit der Zeit ganz gründlich zersetzen, ihre Hohlheit offenbaren. Fragezeichen bedrohen den widernatürlichen Zustand, der die Diktatur ist.

Das Setzen von Fragezeichen durch Július Koller war ein politischer Untergrabungsakt. Seine Fragezeichen sind nicht wohlgeformt, schön; sie brauchen keinen ästhetischen Zauber. In ihrer Beiläufigkeit, mit der sie sich in den staatlich geordneten Alltag schleichen, wirken sie um so mächtiger, sorgen für Unordnung und fordern die mächtigen Kontrolleure der menschlichen Leben heraus.

Ja, es bedarf keiner künstlerischen Anstrengung, Fragezeichen zu produzieren. Jeder kann Fragezeichen produzieren. Nicht jeder tut es. Schon gar nicht bei drohenden Repressionen. Dann erfordern sie Mut – und dem vorangehend ein reines Herz, das sich nicht durch die falsche Wirklichkeit der Diktatur vergiften lässt. Über Jahrzehnte wurden im Ostblock zu wenige Fragezeichen produziert, gab es zu viele Menschen, die von Satzzeichen zu Satzzeichen der staatlichen Vorgaben sprangen, immer auf ihren lächerlichen kleinen persönlichen Vorteil bedacht.

Das ehrliche Fragen sollte man im Sowjetkommunismus nie erlernen. In der Schule trug die Frage auf ihrem Buckel schon immer die passende, die gewünschte Antwort, war sie stets Tendenz, nicht offen, sondern abgeschlossen nach allen Seiten mit nur einem kleinen Ausgang, der wieder in das Gefängnis der bestehenden Gesellschaftsordnung führte.

Es ist fraglich, ob jemand, der nicht über den Erfahrungshintergrund verfügt, im Sowjetsystem gelebt zu haben, Kollers Kunst etwas abgewinnen kann – ob sie ihn langweilt oder sich ihm ihre Bedeutungen, die sie für Betrachter haben können, die aus einem ähnlichen Kontext wie Koller kommen, aufschließen werden. Ganz sicher wird dieser jemand andere Dinge sehen als die anderen, die sich in dieser Hinsicht von ihm unterscheiden.

Noch bis zum 10.01.2016 kann im „Museum of Modern Art“ in Warschau (ul. Panska 3, 00-12) die Ausstellung «JÚLIUS KOLLER, "?"» kostenlos von Dienstag bis Sonntag zwischen 12 und 20 Uhr besucht werden. Das Gebäude, selbst Kind kommunistischer Städteplanung, sorgt für ein zum Gezeigten passendes Ambiente.

Weitere Informationen unter:
http://artmuseum.pl/en/wystawy/julius-koller

Profil Homepage von Kenon besuchen Nachricht senden Zitat
Seite: 1
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
Forum > Aktuelles > Július Kollers Fragezeichen in Warschau


  Ähnliche Beiträge
Gestartet von
Antworten Letzter Beitrag
Fotoserie Warschau 1939-45
Kenon
0 16.10.2004 um 16:33 Uhr
von Kenon


Sie möchten hier mitdiskutieren? Dann registrieren Sie sich bitte.



Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Literatur



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.015742 sek.