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--- MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 20

Matze - 02.02.2011 um 08:30 Uhr

MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 2011 auf http://www.vordenker.de

In den Download-Angeboten der Reihe „MetaPhon“ werden bei http://www.vordenker.de/metaphon.htm Hörspielmacher aus der Rhein/Ruhr-Region vorgestellt.

Zu hören sind die Hörspielmacher: Mario Giordano, Helge Schneider, Jens Neumann, Marina Rother, A.J. Weigoni, u.a.

Und die Komponisten: Peter Brötzmann, Eva Kurowski, Franz Halmackenreuther, Mona Lisa Overdrive Alexander Perkin, Volker Förster, Tom Täger, u.a.




Matze - 02.02.2011 um 09:13 Uhr

Ein Hintergundgespräch zur Reihe: http://www.rp-online.de/hps/client/opinio/public/pjsub/produ ction_long.hbs?hxmain_object_id=PJSUB::ARTICLE::663627&hxmai n_category=::pjsub::opinio::/musik_multimedia/cds



Matze - 06.02.2011 um 14:30 Uhr

MetaPhon 1 - seit Januar 2011 - mit "Mona Lisa Overdrive"

Abseits des westlichen Spiralnebels gibt es für das medienarcheologisch geschulte Gehör einen Klangkosmos ganz eigener Art zu entdecken. Der digital-analoge Grenzgang des Studioprojektes MLO begann irgendwann in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts im Studio von HK; übrigens weit vor dem Aufkommen des PC als universaler Produktionsmaschine.

Grundlagen dieser akustischen Produktion waren eine analoge 4-Track-Bandmaschine und ein Atari 1040ST-Computer sowie diverse Synthesizer, Sampler, Saiteninstrumente und jede Menge analoge und digitale Effektgeräte. Pop, Soundgefrickel und die die Leidenschaft für den Jazz finden bei MLO auf elegante Weise zusammen.

Um Max Bill zu paraphrasieren: Die Songs von MLO sind „Gegenstände für den geistigen Gebrauch“. Grundlage des MLO-Sounds ist die konsequente Verwendung von Micropatterns, rhythmischen Mustern, die neben klassischen elektrischen und akustischen Instrumenten aus Umweltklängen und Geräuschen herausdestilliert werden. Zum Einsatz kommt grundsätzlich alles, das zum Hervorrufen von akustischen Ereignissen und Resonanzen verwendet werden kann, u.a. Lackdosen, afrikanische Spieluhren, Türen, Fußböden, Gebäude, Stimmen, Saiten, Tasten, Felle, Plastiktüten. Auf diese Art und Weise gelingt eine akustische Erforschung der Mythen des Alltags.

Die MLO-Kompositionen lösen und schaffen weit entfernt vom Free-Jazz Grenzen zwischen Tonalem und Atonalem, Maschinellem und Biologischem, Archaischem und Neuem. Charmant an diesen Ambient Chansons sind die Stücke, auf denen die Sängerin Nicole Vogt dem Material mit einer etwas fernen, wehmütigen Stimme eine Seele einhaucht.

Hier hört man keine Hooks aus den üblichen Synthesizern, pumpende Dance-Rhythmen oder den mittlerweile arg ausgelutschten Autotune-Effekt, diese Songs sind dem Plastikgegnidel heutiger Hitfabrikationen noch Lichtjahre voraus. Bedauerlicherweise wurde das Projekt um 2003 das Projekt vorübergehend eingestellt. Damit MLO auf die Renaissance des Analogcomputers nicht länger warten muss, stellen wir dieses Data-Pop-Meisterwerk auf MetaPhone vor.

"Mona Lisa Overdrive" bestehen aus: Heinz Kessler, Nicole Vogt, Joachim Paul, Ben Bischoff und wechselnde Gastmusiker

Die Alben von "Mona Lisa Overdrive" findet sich seit Januar 2011 unter: http://www.vordenker.de/mlo/mlo_metaphon.htm




Matze - 06.02.2011 um 14:30 Uhr

MetaPhon 2 – Januar 2011: Gotthard Günther liest Naturphilosophie...

Nach seiner Emeritierung am Biological Computer Lab in Urbana, Illinois, 1972 übersiedelte Gotthard Günther nach Hamburg und hielt bis zu seinem Lebensende 1984 an der Universität Hamburg Vorlesungen über Philosophie.

In der ersten Hälfte des Wintersemesters 1981/1982 las er Naturphilosophie. Unser besonderer Dank gilt Herrn Jürgen Albrecht, der uns seinen persönlichen Mitschnitt auf Audiocassetten zur Verfügung stellte.

Wir haben den Mitschnitt digitalisiert und sorgsam "entrauscht". Er steht hier als 192 kbps mp3 in 8 Dateien zur Verfügung. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, wird auch die Zeit haben, die Dateien herunterzuladen.

Gotthard Günther - Philosophie live - ein weiterer Kommentar erübrigt sich.

Link: http://www.vordenker.de/ggphilosophy/GG_Naturphilosophie_Vor l_1981.htm




Matze - 06.02.2011 um 14:32 Uhr

MetaPhon 3 – Februar 2011: »RaumbredouilleReplica

Das Beruhigende an Science-Fiction-Stoffen ist die Erfahrung, daß andere Welten zwar anders aussehen, trotzdem aber genauso funktionieren wie die Unsere. Andererseits ist es betrüblich, wenn man immer wieder feststellen muß, daß sich eine bessere Welt bisher nirgends durchsetzen konnte.

Kult wäre der falsche Begriff, um dieses Phänomen zu benennen; diese Serie "Raumpatrouille" ist echtes nationales Kulturgut der alten BRD, ein absolut authentisches Stück bundesdeutscher 1960-erjahrekultur. Der Mythos vom Bügeleisen auf dem Kontrollboard hat diese Gratwanderung zwischen dem Seriösen und dem Ironischen verdrängt.

Einen Remix zu basteln ist in der Popmusik üblich. Weigoni hat das selbe gemacht mit der Tonspur der Fernseh–Serie Raumpatrouille… ein Pop–Song–Spaß! Bei Täger, Spezialist für Tonträger der anarchischen Aufnahmezelle Tonstudio an der Ruhr mit vieltönendem Output… dient dieses Patchwork als akustisches Fanzine und sollte als solches die harrende Gemeinde finden. Das Hörspiel ist quasi die achte Folge der siebenteiligen Fernsehserie "Raumpatrouille Orion

Die Hörspielversion "RaumbredouilleReplica" liefert auf verschärft humorvolle Weise einen Reflexionsboden, von dem aus Trivial- und Technomythen liebevoll demaskiert werden. Weigoni und Täger zeigen uns noch einmal die Zukunft aus dem Blickwinkel der Vergangenheit des bürgerlich-vermieften Wohnzimmers der 1960-er, in dem man sich, verschreckt durch beginnende Studentenunruhen und dem Ende des Wirtschaftswunders, dem Thrill einer ungewiss-gewissen Zukunft aussetzt, in der der Weltenraum - entsprechend dem Sicherheitsbedürfnis begrenzter Kulturen - scheinbar unspektakulären Patrouillen zugänglich ist. Die hohe Kunst von Tom Täger und A.J. Weigoni besteht darin, nicht hinter dem Reflexionsgrad des Originals zurückzubleiben.

Dazu ein geleaktes GSD-Geheimpapier: http://www.vordenker.de/gsd/bred.htm

Was für "Raumschiff Enterprise" zunächst die Klingonen, waren die Frogs für "Raumpatrouille Orion", der deutschen Science-Fiction-Serie mit Kultstatus und Heimwerkerappeal: Bügeleisen dienten dem hochtechnisierten Raumschiff als Schaltgeräte und brennende Tennisbälle flogen durch die wolkenlose Weite des Himmels. Legendär auch das Raumfahrerkasino, in dem nach geglückter Mission zukunftsweisend Rücken an Rücken getanzt wurde. Die neu aufbereitete Tonspur dieses Straßenfegers hält ein weiteres ungeahntes Abenteuer mit Wolfgang Völz, Claus Holm, Charlotte Kerr u.v.a. bereit. Wie meinte Dietmar Schönherr nach bestandenem Abenteuer: "Rücksturz zur Erde".

Seit langem beschäftigt sich Weigoni mit Trivialmythen, die sich in Groschenheften, in der Schlagermusik, im Kino und in Fernsehserien manifestieren, und als Medienautor ist Weigoni ein Spieler, den die technischen Entwicklungen der Medien faszinieren, weil sie schier unendliche Möglichkeiten der Neuordnung von Formen und Zeichen eröffnen.

Seine Hörspielcollage "Raumbredouille Replica" geht unter anderem von der Raumschiff-Enterprise-Utopie der 60er Jahre aus: "Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum." Der alte Topos der Science-Fiction von der Bedrohung der Erde durch eine Invasion von Aliens und die Errettung der Menschen durch die Helden der Raumfahrt wird in diesem Hörspiel ergänzt durch die Chiffren der Pop(musik)kultur. Bei der Realisierung dieser Autorenproduktion arbeitete Weigoni mit Täger zusammen, dem Produzenten der Alben von Helge Schneider und der Missfits.

Eine Hörprobe der "RaumbredouilleReplica" findet sich seit Februar 2011 unter: http://www.vordenker.de/metaphon.htm

Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de




Matze - 02.03.2011 um 20:05 Uhr

MetaPhon 4 – Merz 2011 mit "Ohryeure"


Die Frage "Woher kann ein Bischof so gut küssen?" wird unstrittig von Eva Kurowski beantwortet. Während man bei Elmar Steinrückens akustischen Western den Gebrauch von Pfeil und Bogen erlernen kann, kämpft Helge Schneider mit den Tücken eines Anrufbeantworters.

Fortzuhören ist schwieriger, als fortzublicken. Die Dimension des Akustischen ist das Ausmaß der Unfreiheit. Als Hörende sind wir unfrei. Wir sind alle Ohryeure. In das geöffnete Ohr verschwindet gesprochene Sprache, die sich in Erinnerungsräume einnisten kann, die verschwindet. Aber Sprache verschwindet nicht immer spurlos, denn sie kann aufgerufen und erinnert werden, sie kann durch einen Mund- oder Schriftraum mitgeteilt werden. Hören bedeutet Eintauchen, es birgt ein Potenzial an Regression, so daß sich der Hörer im besten Fall an den tiefsten Orten seines Wesens berührt fühlt. Das Gehör ist der erste Sinn, der sich im Mutterleib bildet, und der letzte, den der Sterbende verliert. Die Faszination des Hörbuchs geht über die Lust an Geschichten hinaus und reicht, anthropologisch betrachtet, sehr tief.

Im Zeitalter der so genannten "Neuen Medien" erreicht man das Publikum schwer mit Büchern. Wir erleben einen zunehmenden kulturellen Analphabetismus, den auch die Indifferenz verursacht, zu der die modernen Vereinfältigungsmedien verleiten. User leben eine Kultur der Ungeduld. Sie wissen, wie man etwas findet, aber sie wissen eigentlich nicht was sie finden möchten. Das Betriebssystem für die elektronischen Medien ist das Lesen. Das Betriebssystem für das Lesen ist die Sprachkompetenz. Das Betriebssystem für das Hören ist Aufmerksamkeit; eine knappe Ressource.

Wer nicht hysterisch über Kunst und neue Medien sprechen will, braucht nicht in einen naiven Realismus zu verfallen. Es gibt auch dazu eine Alternative, die nicht minder rational ist: die medienarchäologisch genaue Analyse jener Änderungen der Wirklichkeit, die sich auf dem Weg von den einstige Analogmedien wie Rundfunk oder Telefon zum Digitalmedium Computer ereignet haben. Auch davon erzählt Helge Schneiders "Nächtlicher Anruf", ein Kurzhörspiel des Mülheimers, das nur auf diesem Hörbuch erschienen ist.

Eine Hörprobe von "Ohryeure" findet sich seit März 2011 unter: http://www.vordenker.de/metaphon.htm

Dazu ein Essay von Weigoni: http://www.vordenker.de/weigoni/mpaed.htm




Matze - 06.03.2011 um 08:22 Uhr

Wie die Menschheit miteinander kommuniziert, ist langsam und fehleranfällig. Das Gehirn denkt mit elektrischen Signalen, die für eine Unterhaltung zeitraubend und mechanisch in Schallwellen umgewandelt werden. Wir umgeben uns mit Dämmstoffen und erlassen Schallschutzbestimmungen, aber wir empfinden unsere Umwelt als lauter denn je. Unsere Ohren kommen nicht mehr zur Ruhe. In Kaufhäusern, Restaurants, Fußgängerzonen: Allerorten werden wir berieselt und in ein Meer von akustischem Müll getaucht - ein Gewoge, in dem unsere Wahrnehmungsfähigkeit für Nuancen untergeht. Wir verlieren uns in diesem schrillen Orchester für Dienstleister und Medien, die um die Aufmerksamkeit buhlen und unsere privaten Hörräume zu winzigen Nischen schrumpfen lassen. Wir sind alles andere als nur Opfer - und sehnen uns dabei ständig nach Stille. Was aber, wenn sie tatsächlich eintritt?

Die Antwort findet sich in meinem Essay: http://www.bookrix.de/_title-de-matthias-hagedorn-die-liebe- eines-ohryeurs-ist-platonisch




Matze - 12.04.2011 um 11:12 Uhr

MetaPhon 5 ab April 2011 mit »Zur Sprache bringen...«


Das O-Ton-Hörspiel "Zur Sprache bringen..." ist ein Platz für Geschichten außerhalb normierter Sprachregularien, ein Oszillieren zwischen Eigenart und Eigensinn. Man muß diese Menschen lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes Einzelnen einzudringen, es darf einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein, erst dann kann man sie verstehen.

Die O-Ton-Collage mit Bewohnern des Benninghofs zeigt einen Einblick in den Alltag behinderter Menschen. Diese "Menschen mit Möglichkeiten" versuchen den schweren Dingen Leichtigkeit zu geben und die Wortfolge - Selbstbestimmung, Assistenz und Integration - mit Inhalt zu füllen, ohne daß der Zuhörer auf den Spaß verzichten muß. Und dieser Spaß geht nicht etwa auf Kosten der behinderten Menschen, sondern transportiert sich mit ihrer Hilfe.

Eine Hörprobe von "Zur Sprache bringen..." findet sich seit Mai 2011 unter: http://www.vordenker.de/weigoni/zursprache.htm

Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de




Matze - 04.05.2011 um 14:22 Uhr

MetaPhon 6 ab Mai 2011 »Reality Radio«

Das Unternehmen Halmackenreuther präsentiert den»®eality–®adio–®emix«, eine Radio-Satire von Mario Giordano, Ingrid Schlüter, Marina Rother & A.J. Weigoni

Radio Schauerland hat seinen großen Tag. Im Rahmen einer Live–Sendung, die nicht zufällig an die Oscar–Verleihung erinnert, werden die Preise für die besten journalistischen Radiobeträge vergeben. Fünf goldene Mikrophone gilt es zu verteilen als Preis für die jeweils Jahresbesten eines Genres. Nachdem Hansi Schwaiger den Hörern den sexuellen Gebrauchswert seiner Kollegin nachdrücklich geschildert hat, wird der erste Preisträger vorgeführt:

„Hautnah“ heißt die Live–Reportage, die Ingrid Schlüter geschrieben hat. Ein Lebensmüder steht auf einer Brücke und droht sich hinunterzustürzen. Live dabei ist Wahnfried Doll mit seinen Hörern, Mutter und Frau des Todeskandidaten sind per Telefonschaltung auch dabei – und immer mehr Hörer. Die Sendung gerät zum Volksfest. Der Lebensmüde wird mit dem Radiomikrofon gerettet.

Beschäftigen sich die anderen Beiträge weitgehend mit der Außenansicht des Mediums Lokalfunk, so wendet sich „Die Parkuhr“ von A.J. Weigoni mehr dem Innenleben der Sender zu. Ist die Zeit auch viel zu knapp für solide journalistische Arbeit, für böse Intrigen reicht sie allemal. Der rührige Reporter bekommt als vermeintlicher Parkuhrdieb zwei Jahre Knast, den Preis bekommt der Chef.

Wieder in der Rahmenhandlung, die Mario Giordano schrieb, kündigen Hansi und Evelyn den nächsten Preisträger an: „Der Totenbegleiter“. Marina Rother hat das Studiogespräch getextet. Hildegard Kleinschmidt hat den Bestatter Alois Rehbein ins Studio eingeladen. Der dynamische Unternehmer reißt rasch die Sendung an sich. Leidenschaftlich trägt er sein Konzept vor: ein rauschendes Fest statt Trauer, Inszenierung statt Leben.

„Bericht mit O–Ton“ stammt ebenfalls von A. J. Weigoni. Die Lokalfunkjournalistin Cordula Klümper, immer auf der Suche nach einer Story, verwertet sich diesmal selbst, und berichtet aus dem Kreissaal von der Geburt ihres Kindes. Sie hat keine Hemmungen bei der Selbstausbeutung. Solche tabulosen Leute braucht das Medium, das ist schon ein „Goldenes Mikrofon“ wert.

Der »®eality–®adio–®emix« findet sich ab Mai 2011 unter: http://www.vordenker.de/halmackenreuther/reality-radio-remix .htm

Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de




Matze - 31.05.2011 um 15:15 Uhr

Der Sound der alten BRD

Im Gegensatz zu Christa Wolfs neoromantischer Geschichte »Kein Ort. Nirgends.« stellt sich A.J. Weigonis Dokumentationskomödie »Ein Ort. Skoping.« der Frage: „Wie gelangte das Schaf in das Wappen von Schöppingen?“

Jesaja hatte prophezeit „Da er gestreift und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.“

Die Andichtungen des Schafes und seiner Symbolik folgend, ist sehr bildträchtig. Ist der angehende Künstler doch selbst zugleich Lamm auf dem Markt seiner Hinrichtungen. Und vielleicht auch im Glauben auf dem Markt seiner Berufungen. Auch wenn es Reproduktion verheisst, kommen wir dieser Symbolik in der Unendlichkeit unseres Wollens nahe.

Die Dokumentationskomödie »Ein Ort. Skoping.« spielt im Künstlerdorf Schöppingen. Vor dem Hintergrund der ländlichen Kulisse heben sich die Tätigkeiten der Artisten vom Alltagsleben ab. Im Mittelalter waren die „Offizianten“ eine soziale Institution für zulässige Kritik. Ihre gesonderte Stellung und somit keine Bindung an gesellschaftliche Normen, gab dem Narren die Möglichkeit auf einen großen Handlungsfreiraum, darauf begründet sich der heute noch verwendete Begriff der „Narrenfreiheit“.

Den Verrat an seinem Künstlertum bezahlt der Hofnarr mit seinem Tod. Da die Todesstrafe in der Demokratie abgeschafft worden ist, ist für Künstler zur Läuterung eine Landverschickung eingeführt worden.

»Ein Ort. Skoping« dreht sich um das „Dorf“ Schöppingen und um das Dorf im Dorf (dem Künstlerdorf im westlichen Münsterland), ein Mikrokosmos von Beziehungen und Meinungen von einander und übereinander. Durch die Handlung, die am Schützenfestmontag spielt, führt uns die ‚Postbotin’ Heidrun Grote, die mit dem Fahrrad unterwegs ist und die Post unter die Leute bringt. Auf dem Weg zu einem Bauernhof stellt sie fest, das Schützenfest ist. Schnurstracks radelt sie zum Mühlenwall. Im Schützenzelt hat sich fast ganz Schöppingen versammelt. Dort lösen mit steigendem Alkoholkonsum sich die Zungen. Die dabei entstehende Komik geht nicht auf Kosten der Beteiligten, sondern entsteht mit ihrer Hilfe.

Auch bei dieser Produktion erweist sich Tom Täger als Hörspielkomponist. Er braucht zur Darstellung seiner Klang–Farben–Vorstellungen die Vielfalt der Instrumentalpalette. Seine Kompositionen sind nicht bloße ´Begleitung´, sondern strukturell und diskpositiv ebenso gewichtig wie die Sprecherstimmen. Tägers Musik–Collage hat keinen illustrativen Charakter. Seine Klanglandschaften sind abstrakt und trotzdem von eindringlicher Bildhaftigkeit.

In Illustrationen der Apokalypse, so in derjenigen von Luthers Verehrer Albrecht Dürer, erscheint das Lamm Gottes häufig am Himmel in einer Gloriole und lässt willig das Blut aus der Seitenwunde in den Kelch der Kirche strömen.

Die Zurückhaltung von Tom Täger bei dieser Hör-Collage weist ihn als Produzenten aus, der eine avancierte digitale Tontechnik nicht als Selbstzweck vorführt, sondern sich in vornehmer Zurückhaltung ganz in den Dienst einer Arbeit stellt, ohne ganz dahinter verschwinden.

Jede Posse spielt vor der ernsthaften Kulisse ihrer ironischen Betrachtung und jedem Bemühen um Aufklärung steht eine ironische Begleitung gut zu Gesicht. Das Leben als solches ist nicht eindeutig in seinem Ausdruck. Die Kunst dagegen kann sich darum bemühen.


Eine Hörprobe von »Ein Ort. Skoping.« findet sich seit Juni 2011 unter: http://www.vordenker.de/weigoni/skoping.htm

Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de




Matze - 03.07.2011 um 12:03 Uhr

MetaPhon mit »Gedichte«

A.J. Weigoni gehört zu den meistunterschätzten Lyrikern, sein Schaffen erzeugt eine Poesie, die von der Rezeption das Äußerste an Selbstpreisgabe verlangt. Oft wird im Literaturbetrieb übersehen, daß gerade aus solcher Herausforderung die Subjektivität des– oder derjenigen, der oder die sich auf diese Kunstwerke eingelassen hat, sich auf Dauer verändert – die Wahrnehmungsfähigkeit, die Weltsicht, das Zulassen von Gefühlen. Im digitalen Zeitalter geht der Schrift der Sinn und damit die Sinnlichkeit immer mehr verloren; so scheint es. Weigoni bewegt sich auf dem Hörbuch »Gedichte« gleichfalls in der Intermedialität von Musik und Dichtung, er sucht mit atmosphärischem Verständnis die Poesie im ältesten "Literaturclip", den die Menschheit kennt: dem Gedicht!

Eine Hörprobe findet sich seit Juli 2011 hier: http://www.vordenker.de/weigoni/dichterloh.htm

»Gedichte«, Hörbuch von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2011

Die Aufnahmen sind in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

Jo Weiß über die Wiederveröffentlichung des Hörbuchs »Gedichte«:
http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/rezensionen/ rezension_gedichte_hoerbuch_weigoni.php

Probelesen: http://www.fixpoetry.com/autoren/andrasczj_weigoni.html




Matze - 31.07.2011 um 16:30 Uhr

MetaPhon ab August mit »Letternmusik, ein drama giocoso«

Einen Remix zu basteln ist in der Popmusik gang und gebe. Stephan Flommersfeld hat das Selbe mit der "Letternmusik" von A.J. Weigoni gemacht, herausgekommen ist die aktuelle Variante eines drama giocoso. Die Fertigstellung seines Remix ist gebunden an den Umstand, daß das Ganze wiederum „Sinn“ macht, das unterscheidet den Remix von Stephan Flommersfeld von einem Remake und vom Recycling: Remixen ist hier auch eine Autorenangelegenheit. Die ideale Form für den Remix ist der Clip: ein audiophones Geschehen, das sowohl in der Länge als auch im inneren Aufbau (Refrain, Strophe, Bridge) einem Popsong ähnelt. Tatsächlich benutzt Stephan Flommersfeld gern einen solchen als Grundlage für die Montage. Dieser Remix der »Letternmusik« ist ein Platz für den artistischen Bau autarker Sprachkonstrukte außerhalb der alltäglichen Rede und normierter Sprachregularien. Dieses Freigelassene, Strömende entsteht durch Präzision, Klarheit und Konzentration. Diese Gedichte oszillieren zwischen dem lyrischen Protestgedicht und dem politischen Liebesgedicht. Sie sollen daran erinnern, was Poesie ursprünglich war: Gesang, Melodie und Rhythmus, Reim und Versmass, Litanei und Mythos. In einem beständigen Remix der Töne wird die entzweite Welt neu zusammengefügt. Mit ihrem parlandoartigen Konversationston changiert Flommersfelds neue Komposition zwischen Komödie und Tragödie. Die Klangbilder sind scharf konturiert, agogische und dynamische Verläufe oft abrupt, die Farben abwechselnd grell und düster. Die Wahl der Tempi macht die unerbittliche Dringlichkeit der Verläufe spürbar, und manchmal überstürzen sich die Dinge und die Musik mit ihnen. Sie ist immer mitten im Kern des Geschehens und trägt auch immer zu dessen Deutung bei. Diese Komposition ist von hypnotischer Wirkung, minimalistisch und doch komplex, hochgradig virtuos, ungeheuer rauschhaft in den Ausbrüchen, getragen von einer tiefen Spiritualität und Innerlichkeit. Es ist schwer, sich den Reizen dieser Klangwelten zu entziehen. Flommersfelds Komposition hat viele eindrucksvolle Momente, vor allem im Lyrischen. Nach Spielerei klingt das nicht, alles findet wie selbstverständlich zueinander. Mal hallen düstere Akkorde wie von weit her, mal flirren Melodien in seltsam schillernden Farben. Die Kompositionen von Stephan Flommersfeld entspringen einem emotionalen Kontext. Am Anfang ist das fühlende Subjekt. In ihm entsteht die Musik, die dann nach außen tritt. Ihr Klang ist reine Ästhetik, abhängig von äußeren Einflüssen.

»Letternmusik, ein drama giocoso von Stephan Flommersfeld findet sich ab August 2011 auf: http://www.vordenker.de/weigoni/letternmusik.htm

Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de




Matze - 03.09.2011 um 14:38 Uhr

Kooperation mit der Lyrikwelt

Ernst Meister gehört zu den bedeutendsten Lyrikern nach dem 2. Weltkrieg. Am 3. September 2011 wäre dieser Dichter 100 Jahre alt geworden.

Ernst Meister wuchs in Hagen-Haspe auf und besuchte dort das Gymnasium. Anschließend begann er auf Drängen seines Vaters das Studium der evangelischen Theologie, wechselte aber bald zur Philosophie und Literatur. Dann kam der 2. Weltkrieg und Meister wurde Soldat. Versuche, das Studium mit der Promotion abzuschließen, scheiterten. Ebenso Meisters Versuche, in der Fabrik seines Vaters einem „normalen“ Brotberuf nachzugehen. Meister lebte seit den 1950er Jahren in Hagen als freischaffender Künstler in einfachen Verhältnissen. Inzwischen verheiratet und mehrfacher Familienvater, litt er notorisch unter Geldmangel. Seine Gedichtbände, die in rascher Folge erschienen, waren finanziell wenig einträglich.

Im Zusammenhang mit dem Schmallenberger Dichterstreit spielt Meister eine zentrale Rolle. Das Dichtertreffen im Jahr 1956 bedeutete einen Wendepunkt in der westfälischen Literatur. Damals begehrte eine junge Autorengeneration um Hans Dieter Schwarze und Paul Schallück gegen die seinerzeit gefeierten westfälischen Heimatdichter auf, die vielfach NS-belastet waren. Die Jüngeren forderten den Anschluss an die moderne Dichtung. Es kam zu einem Eklat und jahrelangen Diskussionen über das „Westfälische in der Literatur“ und literarisches Heimatbewusstsein. Meister hielt sich aus diesen wütenden Kontroversen heraus, er verkörperte aber mit seinen abstrakten und teilweise hermetischen Gedichten ein neues literarisches Formbewusstsein. Für die jungen Rebellen war Meister so etwas wie eine Galionsfigur. Man kann also sagen, dass mit Ernst Meister die Moderne Einzug in die westfälische Literatur hielt.

1962 schrieb Walter Jens über Meister in der Zeit: „Es gibt nicht viele Verkannte in unserem Land; aber einige gibt es, und einer von ihnen ist der Lyriker Meister.“ Solche Statements halfen mit, Meister in der Literaturszene Deutschlands zu etablieren. Es gibt Themen, die sich wie ein roter Faden durch sein Werk ziehen. Hierzu gehört die Auseinandersetzung mit der Existenz an sich. Auch die Beschäftigung mit antiker Mythologie und dem Glauben sind für längere Schaffensperioden charakteristisch. Meisters späte Gedichte umkreisen in immer konzentrierterer Form das Thema Tod. 1979 schrieb ihm der Philosoph E.M. Cioran: „Selten hat sich ein Dichter so weit in den Tod hineingewagt wie Sie. Das ist Ihr Sieg.“

Seine Dichtung ist quasi eine intellektuelle Poesie in Form einer meditativen und gedanklich tief schürfenden Lyrik, die nach den Grundformen und Grundbedingungen menschlicher Existenz in der, wie Meister es sah, ´kosmischen Preisgegebenheit´ fragt. Gleich funkelnden Kristallen blieben vor allem seine Gedichte die auch heute noch wahrgenommenen Schätze, über die der Lyriker vor Vers-Beginn einmal sagte: „Ein Gedicht ist ein Ereignis, das durch sich selbst in der Direktheit seiner Existenz wirken muss“.

Die Lesung, die auf MetaPhon zu hören ist, wurde in einer Reihe präsentiert, die Doris und Hans-Werner Gey ihrer Galerie in den 1970-ern in Hagen veranstalteten. Weiter Informationen zum Kooperationspartner unter: http://www.lyrikwelt.de

MetaPhon: http://www.vordenker.de/meister/audio/Ernst%20Meister_1978_0 4_28.mp3




Matze - 19.12.2011 um 14:08 Uhr

Der vordenker präsentiert LiteraturClips

2007 war ein denkwürdiges Jahr. In einer auf einem Dachboden vergessenen Kiste wurden Videoaufnahmen aus den Jahren 1992 - 1996 von den legendären Welttourneen der damals ziemlich angesagten Düsseldorfer Kultkapelle "Ernst Frosch & Die Original Oberkellner" gefunden und sogleich digital aufbereitet. An anderer Stelle wurde bereits darüber berichtet.
Ernst Frosch & Die Original Oberkellner - das war nicht einfach nur ein Mix aus Rock´n Roll und Comedy. Nein, eine Rockband muss auch den Blues haben ....
Der Humor der Truppe war nicht nur auf äußerst aggressive Weise unpolitisch, er zeichnete sich insbesondere durch eine geradezu magische Perfektion des Unperfekten aus, das immer kurz vor dem Abschmieren steht ..., aber sehen Sie selbst:

http://www.vordenker.de/efrosch/ef-worldtour.htm

Viel wurde in den letzten Jahren über Popliteratur geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, daß maßgebliche Impulse für die Entstehung einer Popliteratur vom Rheinland ausgingen. Am Anfang standen die Autoren und Übersetzer Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla, die ab Mitte der 1960er Jahre in Köln lebten und von hier aus der amerikanischen Beat- und Untergrund-Literatur deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafften.

In Düsseldorf betrieben A. J. Weigoni und Frank Michaelis im Akademie-Umfeld mit der Literatur eine multimediale Hörspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung. Bereits 1991 legte dieses Duo die zum Schlagwort gewordenen »Literaturclips« vor. Den Hörbuchpionieren kommt damit das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.

Diese Literaturclips mögen heiße Luft sein, sind aber angereichert mit purem Sauerstoff. Sauerstoffhappen, eher Häppchen, die den Ohrganismus am Überleben halten. Das frühzeitige Erkennen, daß in der Kürze der einzelnen Beiträge der Erfolg zum langen Atem liegt – beim Produzenten vielleicht, beim Zuhörer gewiss – ist sehr hoch anzurechnen. Mit der Kürze entsteht eine Konzentration auf das Elementare. Beinahe verschwörerisch rezitiert Weigoni den »Schwebebahn«-Text. Michaelis bläst ein Saxophon, dessen bewußt blecherne Schwüle leicht eine ganze New Yorker U–Bahn–Station unterhalten könnte. Wahrscheinlich haben sich die Artisten deshalb beim Dreh in Wuppertal so heimisch gefühlt.

http://www.vordenker.de/weigoni/schwebebahn.htm




Matze - 30.01.2012 um 11:28 Uhr

Zombies auf MetaPhon

Diese »Zombies« sind Fiktion, dabei ist kaum etwas erfunden. Die von A.J. Weigoni als ‘hypermoderne Menschen’ beschriebenen Typen erleben eine Zergliederung und Fragmentierung des Abgebildeten, Veränderungen und Verstümmelungen des eigenen Körpers, sie sind das ästhetische Untersuchungsprogramm.


http://www.vordenker.de/taeger/zombies.htm

Das Hörbuch ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

Vertiefend ein Artikel: http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/rezensionen/ rezension_weigoni_zombies.php




Matze - 05.02.2012 um 15:57 Uhr

MetaPhon mit Pia Lund

Das Heilige und das Obszöne liegen in ihrem Schaffen dicht beieinander. In ihrem neuen Video lernen wir die Doppelbegabung einer Sirene zu schätzen. Einem Song von Pia Lund mit vollem Herzen zu lauschen, erfordert eine gewisse Leidensbereitschaft. Es ist fast so, als ob man sich ein Tattoo stechen läßt: es kribbelt, es brennt, die Stiche gehen unter die Haut, aber diese Schmerzen gehören zum Preis der Schönheit.

Wir würdigen die Doppelbegabung: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=890

Die Künstlerin über ihre Arbeit: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=886

Würdigungder Hungertuchpreisträgerin: http://www.vordenker.de/hungertuch/lund2007.htm




Matze - 01.03.2012 um 14:23 Uhr

MetaPhon präsentiert Enno Stahl

Die Reihe MetaPhon präsentierte das erste Buch in Deutschland (1990 erschien »Monster« von A.J. Weigoni gleichfalls im Krash Verlag ! – Klugscheißmodus aus), das zurecht den Namen TRASH trug - nicht nur im Titel, auch der Inhalt hält, was er verspricht.... Kürzest-Prosa, die in hektisch-saloppem Sprachgestus alltägliche und trivialste Beobachtungen aufgreift und in Frage stellt: “trash” = Abfall ist buchstäblich Thema vieler Texte, die immer nahe an der Realität bleiben - bis hin zur unmittelbaren Authentizität.

Enno Stahl schrieb diese Texte um 1990. Sie richteten sich gegen den offiziösen, in Langeweile erstarrten Literaturbetrieb der Achtziger Jahre, indem hier Dinge zu Literatur erhoben wurden, die von den herrschenden kulturellen Normen der BRD explizit ausgeschlossen waren: Berber, Drogensüchtige und andere minderprivilegierte Randgruppen der Wohlstandsgesellschaft. Das Buch "Trash me!", dass die hier eingelesenen Trash Stories und andere Texte vereinte, war ein erstes Zeugnis dessen, was in den kommenden Jahren auch von anderen Autoren literarisch umgesetzt wurde, Enno Stahl selbst definierte diese Richtung im Vorwort zu seinem Sammelband "German Trash (Galrev Verlag, 2006) als "Literatur aus Abfall, aus Fundstücken, Junklit, welche die Welt als gegeben hinnimmt und sie nicht in Kunsthaftigkeit zu simulieren vorgibt".

Hören Sie einen von 55 Titeln
http://www.vordenker.de/stahl/trash_me.htm




Matze - 11.03.2012 um 16:00 Uhr

Mit der sogenannten Compact Cassette kam ich erst spät in Berührung. Dies liegt daran, daß ich diesen Tonträger als ästhetischen Gründen ablehnte, weil er in ein häßliches Kunststoffgehäuse eingeschlossen war. Zum anderen der Klang, der nun digital als mp3 wiederkehrt.

Zu Gast bei einem befreundeten Paar saßen wird in großer Runde beisammen als ein Kind im Schlafanzug in die Runde platze und sich über das Klacken beschwerte. Der Vater versicherte, es handele sich über die Geräusche von Hui Buh, dem Schoßgespenst. Das Kind gab sich mit dieser Begründung zufrieden.

Ein wenig später, ich kam gerade von der Toilette, hört ich ein rhythmisches Klacken auf dem Kinderzimmer. Bei Untersuchung des Abspielgeräts stellte sich heraus, daß die Abschaltvorrichtung des Geräts defekt war. Die sogenannte Einschlafkassette erfüllte nicht die Funktion und das Kind schlief erst, nachdem ich ihm eine Einschlafgeschichte vorgelesen hatte.

Diese Szene kommt mir oft vor Augen, wenn ich über die Generation der Kassettenkinder lese. Selbstverständlich ist diese soziologiosche Studie auch ein Thema für die kulturnotizen. Zur Verständnisförderung greifen wir auf Kuno ich auf Immanuel Kants Idee einer "erweiterten Denkungsart" zurück. Wenn man den anderen Menschen verstehen will, dann muß man zunächst über seinen eigenen Schatten springen, genauer von sich selbst, seinen eigenen Prinzipien absehen. Man muß schließlich seinen Horizont erweitern, indem man sich in die Lage eines anderen Menschen hineinversetzt, nicht um ihn leichter hinters Licht zu führen, sondern um seine Urteile und Einschätzungen nachzuvollziehen. Wenn man unter den Bedingungen der Globalisierung in einer pluralistischen Welt der vielen Weltanschauungen lebt, wenn die Menschen also keine gemeinsamen obersten Werte mehr verbinden, dann braucht man vor allem derartige Kompetenzen oder Tugenden: Denkvermögen, Urteilskraft, Wahrhaftigkeit. Dazu reichen ethische Normen alleine nicht aus.

Dem Essay Notes on „Camp von Susan Sontag folgend, stellen wir auf Kuno unterschiedliche Form der kulturellen Äußerungen vor, dazu gehören auch die Trivialmythen der sogenannten Kassettenkinder. Die herausragenden Figuren dieser Szene haben wir in den letzten Wochen mit einem Porträt gewürdigt:

Cpt. Blitz: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1565

Dennis Rohling: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1559

Olaf von der Heydt: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1553

Und Michael Girbes: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1534


Am 16. September 2011 kündigte das Hörspiel-Label EUROPA an, ab 2012 keine MCs mehr zu produzieren, lediglich für die Serie mit den meisten MC-Sammlern (Die drei ???) würde die Produktion noch weiterlaufen. Als Grund nannte EUROPA, dass die MC-Käufe immer weiter zurückgehen und die Vorräte des rechtzeitig gesicherten Bandmaterials nicht mehr lange reichen werden, daher will man sich auf die MC-Sammler konzentrieren. Betroffen von der MC-Einstellung sind hauptsächlich Kinderserien wie Bob der Baumeister, Thomas, die kleine Lokomotive, Ritter Rost, Hui Buh, Die Teufelskicker, Hanni und Nanni sowie die recht bekannten Hörspielserien Fünf Freunde und TKKG.

Werden die Kassettenkinder nun erwachsen?




Matze - 22.04.2012 um 08:58 Uhr

„Würde man mich fragen, welcher Dichter, der einer vergleichsweise
größeren Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist, zu den wichtigsten Stimmen
gegenwärtiger Lyrik gehört, ich zögerte keinen Augenblick: Mit Hel haben
wir einen Meister der gereimten Form, der es wie kein anderer
deutschsprachiger Dichter versteht, Alltägliches in ein Sonett zu
bringen, Soziales und Politisches. Bei ihm finden wir die Spinne auf der
Biotonne wieder im Gedicht und die Billigjobbank von der Stargarder
Straße, einen alten Kühlschrank, den man vor die Tür geschmissen und
vergessen hat, ja und die schnurrenden Katzen aller Länder! Seine
Gedichte sind Begleiter durch verfrorene Nächte, die sich auf den Weg
gemacht haben nach einem Neuen Morgen. Ich wüßte keinen anderen mir
bekannten Dichter, auf den das Wort von der Brüderlichkeit mehr zuträfe
als auf Hel, den Belgier vom Prenzlauer Berg!“

Tom Schulz, 2004


MetaPhon April mit HEL: http://www.vordenker.de/metaphon.htm




Matze - 15.07.2012 um 09:44 Uhr

MetaPhon beschließt eine Reihe mit sozialrealistischer Lyrik. Nachdem wir im Mai den Meister der politischen Elegie „Live in Rheindorf Nord“ begleitet haben: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6064

Im Juni gab der Chronist der Maßlosigkeit bei MetaPhon seine Visitenkarte ab: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6071

Und den Godfather des Trash, Enno Stahl wollen wir in dieser Aufzählung nicht vergessen: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=2038

Die Aufnahmen ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de




Matze - 22.07.2012 um 11:49 Uhr

MetaPhon präsentiert einen Rückblick auf A.J. Weigonis “Best Of Jugendsünden”: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6076



Matze - 29.07.2012 um 09:54 Uhr

KUNO heute mit einem Hinweis auf einen Sendeplatz bei DeutschlandRadio Kultur: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6507



Matze - 05.08.2012 um 08:54 Uhr

Auf MetaPhon, „Das kleine Helferlein“, ein unterhaltsamer Hörfilm gegen den kulturellen Gedächtnisverlust: http://www.vordenker.de/weigoni/helferlein.htm



Matze - 02.09.2012 um 15:42 Uhr

In Zeiten des kulturellen Allesfressertums und dem Verschwimmen der Grenzen von High und Low Culture läßt sich über ästhetische Präferenzen kein Dinstinktionsgewinn mehr einfahren. Weigoni bringt die spielerische Dramaturgie eines postmodernen Patchwork–Romans und die psychologische Tiefe eines realistischen Gesellschafts–Epos, die Entwicklung der Musikindustrie von der Hippie–Kultur der sechziger Jahre bis in eine von Gadget–versessenen Kleinkindern regierte Zukunft sowie zig verschiedene Charaktere, Generationen und Genres in einem überaus originellen und temporeich erzählten Buch zusammen. »Cyberspasz, a real virtuality« ist eine Comédie humaine der Gegenwart. Die Figuren von Weigoni stecken in metaphysischen Schicksalshorizonten. Die Simulation von Lebensprozessen, die technische Reproduktion natürlicher Vorgänge, treibt den menschlichen Geist um. Inzwischen wendet sich dieser Geist sich selbst zu – oder vielmehr dem Gehirn, dessen Tätigkeit mittels Computertechnologie rekonstruiert werden soll.

Probehören auf MetaPhon: http://www.vordenker.de/weigoni/cyberspasz.htm

Die Figuren in »Cyberspasz, a real virtuality« sind Präsensnomaden, sie leben im Glauben an eine ewige Gegenwart, oder gar eine ‚ewige Jugend’, die ihnen umso lebbarer erscheint, je ahistorischer sie denken und handeln. Solche modernen Nomaden, Marionetten ihres Egoismus, folgen als Individuen wie Herdentiere den Weideplätzen ihrer momentanen Bedürfnisse und Gelüste. Die meisten Figuren sind miteinander verbunden, indem sie wiederholt auftreten und so Handlungsstränge verknüpfen oder bereits angedeutete aus den Erzählungen »Zombies« variieren. Fast kann man bei beiden Büchern von einem ‚Konzeptalbum’ sprechen. Hier wie dort brilliert dieser Romancier durch Scharfsinn und Scharfzüngigkeit.

Weiterführende Links: http://www.kultura-extra.de/literatur/rezensionen/buchkritik _weigoni_cyberspasz.php

Und ein Essay auf Bücher-Wiki: http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/CyberspaszA RealVirtuality

»Zombies«, Erzählungen; »Cyberspasz«, Novellen - von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim an der Ruhr 2012 – Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover




Matze - 10.03.2013 um 12:45 Uhr

Seit 15 Jahren unterrichtet Marion Haberstroh alles rund um Körper, Atem und Stimme. Körper- Stimm- und Sprechausdruck. Bei Kindern und Erwachsenen. Berufssprechern, Künstlern und Menschen, die einfach mehr über die Schwingung des Körpers und deren Ausdruck durch die Stimme entdecken möchten. In Schulen, Fortbildungseinrichtungen und der Universität zu Köln. Seit 2005 heilt sie erkrankte Stimmen in eigener Praxis für Logopädie.
»Unbehaust II« findet sich seit März 2013 auf: http://www.vordenker.de/taeger/unbehaust02.htm

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Die Hörbücher, die in der Reihe MetaPhon vorgestellt werden, sind erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de




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