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-- Medienkritik & Kommunikation
--- MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 20
Matze - 02.02.2011 um 08:30 Uhr
MetaPhon, die AV-Reihe der Edition Das Labor ab 2011 auf http://www.vordenker.de
In den Download-Angeboten der Reihe „MetaPhon“ werden bei http://www.vordenker.de/metaphon.htm Hörspielmacher aus der Rhein/Ruhr-Region vorgestellt.
Zu hören sind die Hörspielmacher: Mario Giordano, Helge
Schneider, Jens Neumann, Marina Rother, A.J. Weigoni, u.a.
Und die Komponisten: Peter Brötzmann, Eva Kurowski, Franz
Halmackenreuther, Mona Lisa Overdrive Alexander Perkin,
Volker Förster, Tom Täger, u.a.
Matze - 02.02.2011 um 09:13 Uhr
Ein Hintergundgespräch zur Reihe: http://www.rp-online.de/hps/client/opinio/public/pjsub/produ
ction_long.hbs?hxmain_object_id=PJSUB::ARTICLE::663627&hxmai
n_category=::pjsub::opinio::/musik_multimedia/cds
Matze - 06.02.2011 um 14:30 Uhr
MetaPhon 1 - seit Januar 2011 - mit "Mona Lisa
Overdrive"
Abseits des westlichen Spiralnebels gibt es für das
medienarcheologisch geschulte Gehör einen Klangkosmos ganz
eigener Art zu entdecken. Der digital-analoge Grenzgang des
Studioprojektes MLO begann irgendwann in den 80-er Jahren
des 20. Jahrhunderts im Studio von HK; übrigens weit vor dem
Aufkommen des PC als universaler Produktionsmaschine.
Grundlagen dieser akustischen Produktion waren eine analoge
4-Track-Bandmaschine und ein Atari 1040ST-Computer sowie
diverse Synthesizer, Sampler, Saiteninstrumente und jede
Menge analoge und digitale Effektgeräte. Pop, Soundgefrickel
und die die Leidenschaft für den Jazz finden bei MLO auf
elegante Weise zusammen.
Um Max Bill zu paraphrasieren: Die Songs von MLO sind
„Gegenstände für den geistigen Gebrauch“. Grundlage des
MLO-Sounds ist die konsequente Verwendung von Micropatterns,
rhythmischen Mustern, die neben klassischen elektrischen und
akustischen Instrumenten aus Umweltklängen und Geräuschen
herausdestilliert werden. Zum Einsatz kommt grundsätzlich
alles, das zum Hervorrufen von akustischen Ereignissen und
Resonanzen verwendet werden kann, u.a. Lackdosen,
afrikanische Spieluhren, Türen, Fußböden, Gebäude, Stimmen,
Saiten, Tasten, Felle, Plastiktüten. Auf diese Art und Weise
gelingt eine akustische Erforschung der Mythen des Alltags.
Die MLO-Kompositionen lösen und schaffen weit entfernt vom
Free-Jazz Grenzen zwischen Tonalem und Atonalem,
Maschinellem und Biologischem, Archaischem und Neuem.
Charmant an diesen Ambient Chansons sind die Stücke, auf
denen die Sängerin Nicole Vogt dem Material mit einer etwas
fernen, wehmütigen Stimme eine Seele einhaucht.
Hier hört man keine Hooks aus den üblichen Synthesizern,
pumpende Dance-Rhythmen oder den mittlerweile arg
ausgelutschten Autotune-Effekt, diese Songs sind dem
Plastikgegnidel heutiger Hitfabrikationen noch Lichtjahre
voraus. Bedauerlicherweise wurde das Projekt um 2003 das
Projekt vorübergehend eingestellt. Damit MLO auf die
Renaissance des Analogcomputers nicht länger warten muss,
stellen wir dieses Data-Pop-Meisterwerk auf MetaPhone vor.
"Mona Lisa Overdrive" bestehen aus: Heinz Kessler,
Nicole Vogt, Joachim Paul, Ben Bischoff und wechselnde
Gastmusiker
Die Alben von "Mona Lisa Overdrive" findet sich
seit Januar 2011 unter: http://www.vordenker.de/mlo/mlo_metaphon.htm
Matze - 06.02.2011 um 14:30 Uhr
MetaPhon 2 – Januar 2011: Gotthard Günther liest
Naturphilosophie...
Nach seiner Emeritierung am Biological Computer Lab in
Urbana, Illinois, 1972 übersiedelte Gotthard Günther nach
Hamburg und hielt bis zu seinem Lebensende 1984 an der
Universität Hamburg Vorlesungen über Philosophie.
In der ersten Hälfte des Wintersemesters 1981/1982 las er
Naturphilosophie. Unser besonderer Dank gilt Herrn Jürgen
Albrecht, der uns seinen persönlichen Mitschnitt auf
Audiocassetten zur Verfügung stellte.
Wir haben den Mitschnitt digitalisiert und sorgsam
"entrauscht". Er steht hier als 192 kbps mp3 in 8
Dateien zur Verfügung. Wer sich ernsthaft dafür
interessiert, wird auch die Zeit haben, die Dateien
herunterzuladen.
Gotthard Günther - Philosophie live - ein weiterer Kommentar
erübrigt sich.
Link: http://www.vordenker.de/ggphilosophy/GG_Naturphilosophie_Vor
l_1981.htm
Matze - 06.02.2011 um 14:32 Uhr
MetaPhon 3 – Februar 2011: »RaumbredouilleReplica
Das Beruhigende an Science-Fiction-Stoffen ist die
Erfahrung, daß andere Welten zwar anders aussehen, trotzdem
aber genauso funktionieren wie die Unsere. Andererseits ist
es betrüblich, wenn man immer wieder feststellen muß, daß
sich eine bessere Welt bisher nirgends durchsetzen konnte.
Kult wäre der falsche Begriff, um dieses Phänomen zu
benennen; diese Serie "Raumpatrouille" ist echtes
nationales Kulturgut der alten BRD, ein absolut
authentisches Stück bundesdeutscher 1960-erjahrekultur. Der
Mythos vom Bügeleisen auf dem Kontrollboard hat diese
Gratwanderung zwischen dem Seriösen und dem Ironischen
verdrängt.
Einen Remix zu basteln ist in der Popmusik üblich. Weigoni
hat das selbe gemacht mit der Tonspur der Fernseh–Serie
Raumpatrouille… ein Pop–Song–Spaß! Bei Täger, Spezialist für
Tonträger der anarchischen Aufnahmezelle Tonstudio an der
Ruhr mit vieltönendem Output… dient dieses Patchwork als
akustisches Fanzine und sollte als solches die harrende
Gemeinde finden. Das Hörspiel ist quasi die achte Folge der
siebenteiligen Fernsehserie "Raumpatrouille Orion
Die Hörspielversion "RaumbredouilleReplica"
liefert auf verschärft humorvolle Weise einen
Reflexionsboden, von dem aus Trivial- und Technomythen
liebevoll demaskiert werden. Weigoni und Täger zeigen uns
noch einmal die Zukunft aus dem Blickwinkel der
Vergangenheit des bürgerlich-vermieften Wohnzimmers der
1960-er, in dem man sich, verschreckt durch beginnende
Studentenunruhen und dem Ende des Wirtschaftswunders, dem
Thrill einer ungewiss-gewissen Zukunft aussetzt, in der der
Weltenraum - entsprechend dem Sicherheitsbedürfnis
begrenzter Kulturen - scheinbar unspektakulären Patrouillen
zugänglich ist. Die hohe Kunst von Tom Täger und A.J.
Weigoni besteht darin, nicht hinter dem Reflexionsgrad des
Originals zurückzubleiben.
Dazu ein geleaktes GSD-Geheimpapier: http://www.vordenker.de/gsd/bred.htm
Was für "Raumschiff Enterprise" zunächst die
Klingonen, waren die Frogs für "Raumpatrouille
Orion", der deutschen Science-Fiction-Serie mit
Kultstatus und Heimwerkerappeal: Bügeleisen dienten dem
hochtechnisierten Raumschiff als Schaltgeräte und brennende
Tennisbälle flogen durch die wolkenlose Weite des Himmels.
Legendär auch das Raumfahrerkasino, in dem nach geglückter
Mission zukunftsweisend Rücken an Rücken getanzt wurde. Die
neu aufbereitete Tonspur dieses Straßenfegers hält ein
weiteres ungeahntes Abenteuer mit Wolfgang Völz, Claus Holm,
Charlotte Kerr u.v.a. bereit. Wie meinte Dietmar Schönherr
nach bestandenem Abenteuer: "Rücksturz zur Erde".
Seit langem beschäftigt sich Weigoni mit Trivialmythen, die
sich in Groschenheften, in der Schlagermusik, im Kino und in
Fernsehserien manifestieren, und als Medienautor ist Weigoni
ein Spieler, den die technischen Entwicklungen der Medien
faszinieren, weil sie schier unendliche Möglichkeiten der
Neuordnung von Formen und Zeichen eröffnen.
Seine Hörspielcollage "Raumbredouille Replica"
geht unter anderem von der Raumschiff-Enterprise-Utopie der
60er Jahre aus: "Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es
gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im
Weltraum." Der alte Topos der Science-Fiction von der
Bedrohung der Erde durch eine Invasion von Aliens und die
Errettung der Menschen durch die Helden der Raumfahrt wird
in diesem Hörspiel ergänzt durch die Chiffren der
Pop(musik)kultur. Bei der Realisierung dieser
Autorenproduktion arbeitete Weigoni mit Täger zusammen, dem
Produzenten der Alben von Helge Schneider und der Missfits.
Eine Hörprobe der "RaumbredouilleReplica" findet
sich seit Februar 2011 unter: http://www.vordenker.de/metaphon.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Matze - 02.03.2011 um 20:05 Uhr
MetaPhon 4 – Merz 2011 mit "Ohryeure"
Die Frage "Woher kann ein Bischof so gut küssen?"
wird unstrittig von Eva Kurowski beantwortet. Während man
bei Elmar Steinrückens akustischen Western den Gebrauch von
Pfeil und Bogen erlernen kann, kämpft Helge Schneider mit
den Tücken eines Anrufbeantworters.
Fortzuhören ist schwieriger, als fortzublicken. Die
Dimension des Akustischen ist das Ausmaß der Unfreiheit. Als
Hörende sind wir unfrei. Wir sind alle Ohryeure. In das
geöffnete Ohr verschwindet gesprochene Sprache, die sich in
Erinnerungsräume einnisten kann, die verschwindet. Aber
Sprache verschwindet nicht immer spurlos, denn sie kann
aufgerufen und erinnert werden, sie kann durch einen Mund-
oder Schriftraum mitgeteilt werden. Hören bedeutet
Eintauchen, es birgt ein Potenzial an Regression, so daß
sich der Hörer im besten Fall an den tiefsten Orten seines
Wesens berührt fühlt. Das Gehör ist der erste Sinn, der sich
im Mutterleib bildet, und der letzte, den der Sterbende
verliert. Die Faszination des Hörbuchs geht über die Lust an
Geschichten hinaus und reicht, anthropologisch betrachtet,
sehr tief.
Im Zeitalter der so genannten "Neuen Medien"
erreicht man das Publikum schwer mit Büchern. Wir erleben
einen zunehmenden kulturellen Analphabetismus, den auch die
Indifferenz verursacht, zu der die modernen
Vereinfältigungsmedien verleiten. User leben eine Kultur der
Ungeduld. Sie wissen, wie man etwas findet, aber sie wissen
eigentlich nicht was sie finden möchten. Das Betriebssystem
für die elektronischen Medien ist das Lesen. Das
Betriebssystem für das Lesen ist die Sprachkompetenz. Das
Betriebssystem für das Hören ist Aufmerksamkeit; eine knappe
Ressource.
Wer nicht hysterisch über Kunst und neue Medien sprechen
will, braucht nicht in einen naiven Realismus zu verfallen.
Es gibt auch dazu eine Alternative, die nicht minder
rational ist: die medienarchäologisch genaue Analyse jener
Änderungen der Wirklichkeit, die sich auf dem Weg von den
einstige Analogmedien wie Rundfunk oder Telefon zum
Digitalmedium Computer ereignet haben. Auch davon erzählt
Helge Schneiders "Nächtlicher Anruf", ein
Kurzhörspiel des Mülheimers, das nur auf diesem Hörbuch
erschienen ist.
Eine Hörprobe von "Ohryeure" findet sich seit März
2011 unter: http://www.vordenker.de/metaphon.htm
Dazu ein Essay von Weigoni: http://www.vordenker.de/weigoni/mpaed.htm
Matze - 06.03.2011 um 08:22 Uhr
Wie die Menschheit miteinander kommuniziert, ist langsam und
fehleranfällig. Das Gehirn denkt mit elektrischen Signalen,
die für eine Unterhaltung zeitraubend und mechanisch in
Schallwellen umgewandelt werden. Wir umgeben uns mit
Dämmstoffen und erlassen Schallschutzbestimmungen, aber wir
empfinden unsere Umwelt als lauter denn je. Unsere Ohren
kommen nicht mehr zur Ruhe. In Kaufhäusern, Restaurants,
Fußgängerzonen: Allerorten werden wir berieselt und in ein
Meer von akustischem Müll getaucht - ein Gewoge, in dem
unsere Wahrnehmungsfähigkeit für Nuancen untergeht. Wir
verlieren uns in diesem schrillen Orchester für
Dienstleister und Medien, die um die Aufmerksamkeit buhlen
und unsere privaten Hörräume zu winzigen Nischen schrumpfen
lassen. Wir sind alles andere als nur Opfer - und sehnen uns
dabei ständig nach Stille. Was aber, wenn sie tatsächlich
eintritt?
Die Antwort findet sich in meinem Essay: http://www.bookrix.de/_title-de-matthias-hagedorn-die-liebe-
eines-ohryeurs-ist-platonisch
Matze - 12.04.2011 um 11:12 Uhr
MetaPhon 5 ab April 2011 mit »Zur Sprache bringen...«
Das O-Ton-Hörspiel "Zur Sprache bringen..." ist
ein Platz für Geschichten außerhalb normierter
Sprachregularien, ein Oszillieren zwischen Eigenart und
Eigensinn. Man muß diese Menschen lieben, um in das
eigentümliche Wesen jedes Einzelnen einzudringen, es darf
einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein, erst dann
kann man sie verstehen.
Die O-Ton-Collage mit Bewohnern des Benninghofs zeigt einen
Einblick in den Alltag behinderter Menschen. Diese
"Menschen mit Möglichkeiten" versuchen den
schweren Dingen Leichtigkeit zu geben und die Wortfolge -
Selbstbestimmung, Assistenz und Integration - mit Inhalt zu
füllen, ohne daß der Zuhörer auf den Spaß verzichten muß.
Und dieser Spaß geht nicht etwa auf Kosten der behinderten
Menschen, sondern transportiert sich mit ihrer Hilfe.
Eine Hörprobe von "Zur Sprache bringen..." findet
sich seit Mai 2011 unter: http://www.vordenker.de/weigoni/zursprache.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Matze - 04.05.2011 um 14:22 Uhr
MetaPhon 6 ab Mai 2011 »Reality Radio«
Das Unternehmen Halmackenreuther präsentiert
den»®eality–®adio–®emix«, eine Radio-Satire von Mario
Giordano, Ingrid Schlüter, Marina Rother & A.J. Weigoni
Radio Schauerland hat seinen großen Tag. Im Rahmen einer
Live–Sendung, die nicht zufällig an die Oscar–Verleihung
erinnert, werden die Preise für die besten journalistischen
Radiobeträge vergeben. Fünf goldene Mikrophone gilt es zu
verteilen als Preis für die jeweils Jahresbesten eines
Genres. Nachdem Hansi Schwaiger den Hörern den sexuellen
Gebrauchswert seiner Kollegin nachdrücklich geschildert hat,
wird der erste Preisträger vorgeführt:
„Hautnah“ heißt die Live–Reportage, die Ingrid Schlüter
geschrieben hat. Ein Lebensmüder steht auf einer Brücke und
droht sich hinunterzustürzen. Live dabei ist Wahnfried Doll
mit seinen Hörern, Mutter und Frau des Todeskandidaten sind
per Telefonschaltung auch dabei – und immer mehr Hörer. Die
Sendung gerät zum Volksfest. Der Lebensmüde wird mit dem
Radiomikrofon gerettet.
Beschäftigen sich die anderen Beiträge weitgehend mit der
Außenansicht des Mediums Lokalfunk, so wendet sich „Die
Parkuhr“ von A.J. Weigoni mehr dem Innenleben der Sender zu.
Ist die Zeit auch viel zu knapp für solide journalistische
Arbeit, für böse Intrigen reicht sie allemal. Der rührige
Reporter bekommt als vermeintlicher Parkuhrdieb zwei Jahre
Knast, den Preis bekommt der Chef.
Wieder in der Rahmenhandlung, die Mario Giordano schrieb,
kündigen Hansi und Evelyn den nächsten Preisträger an: „Der
Totenbegleiter“. Marina Rother hat das Studiogespräch
getextet. Hildegard Kleinschmidt hat den Bestatter Alois
Rehbein ins Studio eingeladen. Der dynamische Unternehmer
reißt rasch die Sendung an sich. Leidenschaftlich trägt er
sein Konzept vor: ein rauschendes Fest statt Trauer,
Inszenierung statt Leben.
„Bericht mit O–Ton“ stammt ebenfalls von A. J. Weigoni. Die
Lokalfunkjournalistin Cordula Klümper, immer auf der Suche
nach einer Story, verwertet sich diesmal selbst, und
berichtet aus dem Kreissaal von der Geburt ihres Kindes. Sie
hat keine Hemmungen bei der Selbstausbeutung. Solche
tabulosen Leute braucht das Medium, das ist schon ein
„Goldenes Mikrofon“ wert.
Der »®eality–®adio–®emix« findet sich ab Mai 2011 unter: http://www.vordenker.de/halmackenreuther/reality-radio-remix
.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Matze - 31.05.2011 um 15:15 Uhr
Der Sound der alten BRD
Im Gegensatz zu Christa Wolfs neoromantischer Geschichte
»Kein Ort. Nirgends.« stellt sich A.J. Weigonis
Dokumentationskomödie »Ein Ort. Skoping.« der Frage: „Wie
gelangte das Schaf in das Wappen von Schöppingen?“
Jesaja hatte prophezeit „Da er gestreift und gemartert ward,
tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur
Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt
vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.“
Die Andichtungen des Schafes und seiner Symbolik folgend,
ist sehr bildträchtig. Ist der angehende Künstler doch
selbst zugleich Lamm auf dem Markt seiner Hinrichtungen. Und
vielleicht auch im Glauben auf dem Markt seiner Berufungen.
Auch wenn es Reproduktion verheisst, kommen wir dieser
Symbolik in der Unendlichkeit unseres Wollens nahe.
Die Dokumentationskomödie »Ein Ort. Skoping.« spielt im
Künstlerdorf Schöppingen. Vor dem Hintergrund der ländlichen
Kulisse heben sich die Tätigkeiten der Artisten vom
Alltagsleben ab. Im Mittelalter waren die „Offizianten“ eine
soziale Institution für zulässige Kritik. Ihre gesonderte
Stellung und somit keine Bindung an gesellschaftliche
Normen, gab dem Narren die Möglichkeit auf einen großen
Handlungsfreiraum, darauf begründet sich der heute noch
verwendete Begriff der „Narrenfreiheit“.
Den Verrat an seinem Künstlertum bezahlt der Hofnarr mit
seinem Tod. Da die Todesstrafe in der Demokratie abgeschafft
worden ist, ist für Künstler zur Läuterung eine
Landverschickung eingeführt worden.
»Ein Ort. Skoping« dreht sich um das „Dorf“ Schöppingen und
um das Dorf im Dorf (dem Künstlerdorf im westlichen
Münsterland), ein Mikrokosmos von Beziehungen und Meinungen
von einander und übereinander. Durch die Handlung, die am
Schützenfestmontag spielt, führt uns die ‚Postbotin’ Heidrun
Grote, die mit dem Fahrrad unterwegs ist und die Post unter
die Leute bringt. Auf dem Weg zu einem Bauernhof stellt sie
fest, das Schützenfest ist. Schnurstracks radelt sie zum
Mühlenwall. Im Schützenzelt hat sich fast ganz Schöppingen
versammelt. Dort lösen mit steigendem Alkoholkonsum sich die
Zungen. Die dabei entstehende Komik geht nicht auf Kosten
der Beteiligten, sondern entsteht mit ihrer Hilfe.
Auch bei dieser Produktion erweist sich Tom Täger als
Hörspielkomponist. Er braucht zur Darstellung seiner
Klang–Farben–Vorstellungen die Vielfalt der
Instrumentalpalette. Seine Kompositionen sind nicht bloße
´Begleitung´, sondern strukturell und diskpositiv ebenso
gewichtig wie die Sprecherstimmen. Tägers Musik–Collage hat
keinen illustrativen Charakter. Seine Klanglandschaften sind
abstrakt und trotzdem von eindringlicher Bildhaftigkeit.
In Illustrationen der Apokalypse, so in derjenigen von
Luthers Verehrer Albrecht Dürer, erscheint das Lamm Gottes
häufig am Himmel in einer Gloriole und lässt willig das Blut
aus der Seitenwunde in den Kelch der Kirche strömen.
Die Zurückhaltung von Tom Täger bei dieser Hör-Collage weist
ihn als Produzenten aus, der eine avancierte digitale
Tontechnik nicht als Selbstzweck vorführt, sondern sich in
vornehmer Zurückhaltung ganz in den Dienst einer Arbeit
stellt, ohne ganz dahinter verschwinden.
Jede Posse spielt vor der ernsthaften Kulisse ihrer
ironischen Betrachtung und jedem Bemühen um Aufklärung steht
eine ironische Begleitung gut zu Gesicht. Das Leben als
solches ist nicht eindeutig in seinem Ausdruck. Die Kunst
dagegen kann sich darum bemühen.
Eine Hörprobe von »Ein Ort. Skoping.« findet sich seit Juni
2011 unter: http://www.vordenker.de/weigoni/skoping.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Matze - 03.07.2011 um 12:03 Uhr
MetaPhon mit »Gedichte«
A.J. Weigoni gehört zu den meistunterschätzten Lyrikern,
sein Schaffen erzeugt eine Poesie, die von der Rezeption das
Äußerste an Selbstpreisgabe verlangt. Oft wird im
Literaturbetrieb übersehen, daß gerade aus solcher
Herausforderung die Subjektivität des– oder derjenigen, der
oder die sich auf diese Kunstwerke eingelassen hat, sich auf
Dauer verändert – die Wahrnehmungsfähigkeit, die Weltsicht,
das Zulassen von Gefühlen. Im digitalen Zeitalter geht der
Schrift der Sinn und damit die Sinnlichkeit immer mehr
verloren; so scheint es. Weigoni bewegt sich auf dem Hörbuch
»Gedichte« gleichfalls in der Intermedialität von Musik und
Dichtung, er sucht mit atmosphärischem Verständnis die
Poesie im ältesten "Literaturclip", den die
Menschheit kennt: dem Gedicht!
Eine Hörprobe findet sich seit Juli 2011 hier: http://www.vordenker.de/weigoni/dichterloh.htm
»Gedichte«, Hörbuch von A.J. Weigoni, Edition Das Labor,
Mülheim 2011
Die Aufnahmen sind in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Jo Weiß über die Wiederveröffentlichung des Hörbuchs
»Gedichte«:
http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/rezensionen/
rezension_gedichte_hoerbuch_weigoni.php
Probelesen: http://www.fixpoetry.com/autoren/andrasczj_weigoni.html
Matze - 31.07.2011 um 16:30 Uhr
MetaPhon ab August mit »Letternmusik, ein drama giocoso«
Einen Remix zu basteln ist in der Popmusik gang und gebe.
Stephan Flommersfeld hat das Selbe mit der
"Letternmusik" von A.J. Weigoni gemacht,
herausgekommen ist die aktuelle Variante eines drama
giocoso. Die Fertigstellung seines Remix ist gebunden an den
Umstand, daß das Ganze wiederum „Sinn“ macht, das
unterscheidet den Remix von Stephan Flommersfeld von einem
Remake und vom Recycling: Remixen ist hier auch eine
Autorenangelegenheit. Die ideale Form für den Remix ist der
Clip: ein audiophones Geschehen, das sowohl in der Länge als
auch im inneren Aufbau (Refrain, Strophe, Bridge) einem
Popsong ähnelt. Tatsächlich benutzt Stephan Flommersfeld
gern einen solchen als Grundlage für die Montage. Dieser
Remix der »Letternmusik« ist ein Platz für den artistischen
Bau autarker Sprachkonstrukte außerhalb der alltäglichen
Rede und normierter Sprachregularien. Dieses Freigelassene,
Strömende entsteht durch Präzision, Klarheit und
Konzentration. Diese Gedichte oszillieren zwischen dem
lyrischen Protestgedicht und dem politischen Liebesgedicht.
Sie sollen daran erinnern, was Poesie ursprünglich war:
Gesang, Melodie und Rhythmus, Reim und Versmass, Litanei und
Mythos. In einem beständigen Remix der Töne wird die
entzweite Welt neu zusammengefügt. Mit ihrem parlandoartigen
Konversationston changiert Flommersfelds neue Komposition
zwischen Komödie und Tragödie. Die Klangbilder sind scharf
konturiert, agogische und dynamische Verläufe oft abrupt,
die Farben abwechselnd grell und düster. Die Wahl der Tempi
macht die unerbittliche Dringlichkeit der Verläufe spürbar,
und manchmal überstürzen sich die Dinge und die Musik mit
ihnen. Sie ist immer mitten im Kern des Geschehens und trägt
auch immer zu dessen Deutung bei. Diese Komposition ist von
hypnotischer Wirkung, minimalistisch und doch komplex,
hochgradig virtuos, ungeheuer rauschhaft in den Ausbrüchen,
getragen von einer tiefen Spiritualität und Innerlichkeit.
Es ist schwer, sich den Reizen dieser Klangwelten zu
entziehen. Flommersfelds Komposition hat viele
eindrucksvolle Momente, vor allem im Lyrischen. Nach
Spielerei klingt das nicht, alles findet wie
selbstverständlich zueinander. Mal hallen düstere Akkorde
wie von weit her, mal flirren Melodien in seltsam
schillernden Farben. Die Kompositionen von Stephan
Flommersfeld entspringen einem emotionalen Kontext. Am
Anfang ist das fühlende Subjekt. In ihm entsteht die Musik,
die dann nach außen tritt. Ihr Klang ist reine Ästhetik,
abhängig von äußeren Einflüssen.
»Letternmusik, ein drama giocoso von Stephan Flommersfeld
findet sich ab August 2011 auf: http://www.vordenker.de/weigoni/letternmusik.htm
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Matze - 03.09.2011 um 14:38 Uhr
Kooperation mit der Lyrikwelt
Ernst Meister gehört zu den bedeutendsten Lyrikern nach dem
2. Weltkrieg. Am 3. September 2011 wäre dieser Dichter 100
Jahre alt geworden.
Ernst Meister wuchs in Hagen-Haspe auf und besuchte dort das
Gymnasium. Anschließend begann er auf Drängen seines Vaters
das Studium der evangelischen Theologie, wechselte aber bald
zur Philosophie und Literatur. Dann kam der 2. Weltkrieg und
Meister wurde Soldat. Versuche, das Studium mit der
Promotion abzuschließen, scheiterten. Ebenso Meisters
Versuche, in der Fabrik seines Vaters einem „normalen“
Brotberuf nachzugehen. Meister lebte seit den 1950er Jahren
in Hagen als freischaffender Künstler in einfachen
Verhältnissen. Inzwischen verheiratet und mehrfacher
Familienvater, litt er notorisch unter Geldmangel. Seine
Gedichtbände, die in rascher Folge erschienen, waren
finanziell wenig einträglich.
Im Zusammenhang mit dem Schmallenberger Dichterstreit spielt
Meister eine zentrale Rolle. Das Dichtertreffen im Jahr 1956
bedeutete einen Wendepunkt in der westfälischen Literatur.
Damals begehrte eine junge Autorengeneration um Hans Dieter
Schwarze und Paul Schallück gegen die seinerzeit gefeierten
westfälischen Heimatdichter auf, die vielfach NS-belastet
waren. Die Jüngeren forderten den Anschluss an die moderne
Dichtung. Es kam zu einem Eklat und jahrelangen Diskussionen
über das „Westfälische in der Literatur“ und literarisches
Heimatbewusstsein. Meister hielt sich aus diesen wütenden
Kontroversen heraus, er verkörperte aber mit seinen
abstrakten und teilweise hermetischen Gedichten ein neues
literarisches Formbewusstsein. Für die jungen Rebellen war
Meister so etwas wie eine Galionsfigur. Man kann also sagen,
dass mit Ernst Meister die Moderne Einzug in die
westfälische Literatur hielt.
1962 schrieb Walter Jens über Meister in der Zeit: „Es gibt
nicht viele Verkannte in unserem Land; aber einige gibt es,
und einer von ihnen ist der Lyriker Meister.“ Solche
Statements halfen mit, Meister in der Literaturszene
Deutschlands zu etablieren. Es gibt Themen, die sich wie ein
roter Faden durch sein Werk ziehen. Hierzu gehört die
Auseinandersetzung mit der Existenz an sich. Auch die
Beschäftigung mit antiker Mythologie und dem Glauben sind
für längere Schaffensperioden charakteristisch. Meisters
späte Gedichte umkreisen in immer konzentrierterer Form das
Thema Tod. 1979 schrieb ihm der Philosoph E.M. Cioran:
„Selten hat sich ein Dichter so weit in den Tod hineingewagt
wie Sie. Das ist Ihr Sieg.“
Seine Dichtung ist quasi eine intellektuelle Poesie in Form
einer meditativen und gedanklich tief schürfenden Lyrik, die
nach den Grundformen und Grundbedingungen menschlicher
Existenz in der, wie Meister es sah, ´kosmischen
Preisgegebenheit´ fragt. Gleich funkelnden Kristallen
blieben vor allem seine Gedichte die auch heute noch
wahrgenommenen Schätze, über die der Lyriker vor Vers-Beginn
einmal sagte: „Ein Gedicht ist ein Ereignis, das durch sich
selbst in der Direktheit seiner Existenz wirken muss“.
Die Lesung, die auf MetaPhon zu hören ist, wurde in einer
Reihe präsentiert, die Doris und Hans-Werner Gey ihrer
Galerie in den 1970-ern in Hagen veranstalteten. Weiter
Informationen zum Kooperationspartner unter: http://www.lyrikwelt.de
MetaPhon: http://www.vordenker.de/meister/audio/Ernst%20Meister_1978_0
4_28.mp3
Matze - 19.12.2011 um 14:08 Uhr
Der vordenker präsentiert LiteraturClips
2007 war ein denkwürdiges Jahr. In einer auf einem Dachboden
vergessenen Kiste wurden Videoaufnahmen aus den Jahren 1992
- 1996 von den legendären Welttourneen der damals ziemlich
angesagten Düsseldorfer Kultkapelle "Ernst Frosch & Die
Original Oberkellner" gefunden und sogleich digital
aufbereitet. An anderer Stelle wurde bereits darüber
berichtet.
Ernst Frosch & Die Original Oberkellner - das war nicht
einfach nur ein Mix aus Rock´n Roll und Comedy. Nein,
eine Rockband muss auch den Blues haben ....
Der Humor der Truppe war nicht nur auf äußerst aggressive
Weise unpolitisch, er zeichnete sich insbesondere durch eine
geradezu magische Perfektion des Unperfekten aus, das immer
kurz vor dem Abschmieren steht ..., aber sehen Sie selbst:
http://www.vordenker.de/efrosch/ef-worldtour.htm
Viel wurde in den letzten Jahren über Popliteratur
geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, daß
maßgebliche Impulse für die Entstehung einer Popliteratur
vom Rheinland ausgingen. Am Anfang standen die Autoren und
Übersetzer Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla,
die ab Mitte der 1960er Jahre in Köln lebten und von hier
aus der amerikanischen Beat- und Untergrund-Literatur
deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafften.
In Düsseldorf betrieben A. J. Weigoni und Frank Michaelis im
Akademie-Umfeld mit der Literatur eine multimediale
Hörspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung.
Bereits 1991 legte dieses Duo die zum Schlagwort gewordenen
»Literaturclips« vor. Den Hörbuchpionieren kommt damit das
Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer
Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.
Diese Literaturclips mögen heiße Luft sein, sind aber
angereichert mit purem Sauerstoff. Sauerstoffhappen, eher
Häppchen, die den Ohrganismus am Überleben halten. Das
frühzeitige Erkennen, daß in der Kürze der einzelnen
Beiträge der Erfolg zum langen Atem liegt – beim Produzenten
vielleicht, beim Zuhörer gewiss – ist sehr hoch anzurechnen.
Mit der Kürze entsteht eine Konzentration auf das
Elementare. Beinahe verschwörerisch rezitiert Weigoni den
»Schwebebahn«-Text. Michaelis bläst ein Saxophon, dessen
bewußt blecherne Schwüle leicht eine ganze New Yorker
U–Bahn–Station unterhalten könnte. Wahrscheinlich haben sich
die Artisten deshalb beim Dreh in Wuppertal so heimisch
gefühlt.
http://www.vordenker.de/weigoni/schwebebahn.htm
Matze - 30.01.2012 um 11:28 Uhr
Zombies auf MetaPhon
Diese »Zombies« sind Fiktion, dabei ist kaum etwas
erfunden. Die von A.J. Weigoni als ‘hypermoderne Menschen’
beschriebenen Typen erleben eine Zergliederung und
Fragmentierung des Abgebildeten, Veränderungen und
Verstümmelungen des eigenen Körpers, sie sind das
ästhetische Untersuchungsprogramm.
http://www.vordenker.de/taeger/zombies.htm
Das Hörbuch ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Vertiefend ein Artikel: http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/rezensionen/
rezension_weigoni_zombies.php
Matze - 05.02.2012 um 15:57 Uhr
MetaPhon mit Pia Lund
Das Heilige und das Obszöne liegen in ihrem Schaffen dicht
beieinander. In ihrem neuen Video lernen wir die
Doppelbegabung einer Sirene zu schätzen. Einem Song von Pia
Lund mit vollem Herzen zu lauschen, erfordert eine gewisse
Leidensbereitschaft. Es ist fast so, als ob man sich ein
Tattoo stechen läßt: es kribbelt, es brennt, die Stiche
gehen unter die Haut, aber diese Schmerzen gehören zum Preis
der Schönheit.
Wir würdigen die Doppelbegabung: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=890
Die Künstlerin über ihre Arbeit: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=886
Würdigungder Hungertuchpreisträgerin: http://www.vordenker.de/hungertuch/lund2007.htm
Matze - 01.03.2012 um 14:23 Uhr
MetaPhon präsentiert Enno Stahl
Die Reihe MetaPhon präsentierte das erste Buch in
Deutschland (1990 erschien »Monster« von A.J. Weigoni
gleichfalls im Krash Verlag ! – Klugscheißmodus aus), das
zurecht den Namen TRASH trug - nicht nur im Titel, auch der
Inhalt hält, was er verspricht.... Kürzest-Prosa, die in
hektisch-saloppem Sprachgestus alltägliche und trivialste
Beobachtungen aufgreift und in Frage stellt: “trash” =
Abfall ist buchstäblich Thema vieler Texte, die immer nahe
an der Realität bleiben - bis hin zur unmittelbaren
Authentizität.
Enno Stahl schrieb diese Texte um 1990. Sie richteten sich
gegen den offiziösen, in Langeweile erstarrten
Literaturbetrieb der Achtziger Jahre, indem hier Dinge zu
Literatur erhoben wurden, die von den herrschenden
kulturellen Normen der BRD explizit ausgeschlossen waren:
Berber, Drogensüchtige und andere minderprivilegierte
Randgruppen der Wohlstandsgesellschaft. Das Buch "Trash
me!", dass die hier eingelesenen Trash Stories und
andere Texte vereinte, war ein erstes Zeugnis dessen, was in
den kommenden Jahren auch von anderen Autoren literarisch
umgesetzt wurde, Enno Stahl selbst definierte diese Richtung
im Vorwort zu seinem Sammelband "German Trash (Galrev
Verlag, 2006) als "Literatur aus Abfall, aus
Fundstücken, Junklit, welche die Welt als gegeben hinnimmt
und sie nicht in Kunsthaftigkeit zu simulieren
vorgibt".
Hören Sie einen von 55 Titeln
http://www.vordenker.de/stahl/trash_me.htm
Matze - 11.03.2012 um 16:00 Uhr
Mit der sogenannten Compact Cassette kam ich erst spät in
Berührung. Dies liegt daran, daß ich diesen Tonträger als
ästhetischen Gründen ablehnte, weil er in ein häßliches
Kunststoffgehäuse eingeschlossen war. Zum anderen der Klang,
der nun digital als mp3 wiederkehrt.
Zu Gast bei einem befreundeten Paar saßen wird in großer
Runde beisammen als ein Kind im Schlafanzug in die Runde
platze und sich über das Klacken beschwerte. Der Vater
versicherte, es handele sich über die Geräusche von Hui Buh,
dem Schoßgespenst. Das Kind gab sich mit dieser Begründung
zufrieden.
Ein wenig später, ich kam gerade von der Toilette, hört ich
ein rhythmisches Klacken auf dem Kinderzimmer. Bei
Untersuchung des Abspielgeräts stellte sich heraus, daß die
Abschaltvorrichtung des Geräts defekt war. Die sogenannte
Einschlafkassette erfüllte nicht die Funktion und das Kind
schlief erst, nachdem ich ihm eine Einschlafgeschichte
vorgelesen hatte.
Diese Szene kommt mir oft vor Augen, wenn ich über die
Generation der Kassettenkinder lese. Selbstverständlich ist
diese soziologiosche Studie auch ein Thema für die
kulturnotizen. Zur Verständnisförderung greifen wir auf Kuno
ich auf Immanuel Kants Idee einer "erweiterten
Denkungsart" zurück. Wenn man den anderen Menschen
verstehen will, dann muß man zunächst über seinen eigenen
Schatten springen, genauer von sich selbst, seinen eigenen
Prinzipien absehen. Man muß schließlich seinen Horizont
erweitern, indem man sich in die Lage eines anderen Menschen
hineinversetzt, nicht um ihn leichter hinters Licht zu
führen, sondern um seine Urteile und Einschätzungen
nachzuvollziehen. Wenn man unter den Bedingungen der
Globalisierung in einer pluralistischen Welt der vielen
Weltanschauungen lebt, wenn die Menschen also keine
gemeinsamen obersten Werte mehr verbinden, dann braucht man
vor allem derartige Kompetenzen oder Tugenden: Denkvermögen,
Urteilskraft, Wahrhaftigkeit. Dazu reichen ethische Normen
alleine nicht aus.
Dem Essay Notes on „Camp von Susan Sontag folgend, stellen
wir auf Kuno unterschiedliche Form der kulturellen
Äußerungen vor, dazu gehören auch die Trivialmythen der
sogenannten Kassettenkinder. Die herausragenden Figuren
dieser Szene haben wir in den letzten Wochen mit einem
Porträt gewürdigt:
Cpt. Blitz: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1565
Dennis Rohling: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1559
Olaf von der Heydt: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1553
Und Michael Girbes: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=1534
Am 16. September 2011 kündigte das Hörspiel-Label EUROPA an,
ab 2012 keine MCs mehr zu produzieren, lediglich für die
Serie mit den meisten MC-Sammlern (Die drei ???) würde die
Produktion noch weiterlaufen. Als Grund nannte EUROPA, dass
die MC-Käufe immer weiter zurückgehen und die Vorräte des
rechtzeitig gesicherten Bandmaterials nicht mehr lange
reichen werden, daher will man sich auf die MC-Sammler
konzentrieren. Betroffen von der MC-Einstellung sind
hauptsächlich Kinderserien wie Bob der Baumeister, Thomas,
die kleine Lokomotive, Ritter Rost, Hui Buh, Die
Teufelskicker, Hanni und Nanni sowie die recht bekannten
Hörspielserien Fünf Freunde und TKKG.
Werden die Kassettenkinder nun erwachsen?
Matze - 22.04.2012 um 08:58 Uhr
„Würde man mich fragen, welcher Dichter, der einer
vergleichsweise
größeren Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist, zu den
wichtigsten Stimmen
gegenwärtiger Lyrik gehört, ich zögerte keinen Augenblick:
Mit Hel haben
wir einen Meister der gereimten Form, der es wie kein
anderer
deutschsprachiger Dichter versteht, Alltägliches in ein
Sonett zu
bringen, Soziales und Politisches. Bei ihm finden wir die
Spinne auf der
Biotonne wieder im Gedicht und die Billigjobbank von der
Stargarder
Straße, einen alten Kühlschrank, den man vor die Tür
geschmissen und
vergessen hat, ja und die schnurrenden Katzen aller Länder!
Seine
Gedichte sind Begleiter durch verfrorene Nächte, die sich
auf den Weg
gemacht haben nach einem Neuen Morgen. Ich wüßte keinen
anderen mir
bekannten Dichter, auf den das Wort von der Brüderlichkeit
mehr zuträfe
als auf Hel, den Belgier vom Prenzlauer Berg!“
Tom Schulz, 2004
MetaPhon April mit HEL: http://www.vordenker.de/metaphon.htm
Matze - 15.07.2012 um 09:44 Uhr
MetaPhon beschließt eine Reihe mit sozialrealistischer
Lyrik. Nachdem wir im Mai den Meister der politischen Elegie
„Live in Rheindorf Nord“ begleitet haben: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6064
Im Juni gab der Chronist der Maßlosigkeit bei MetaPhon seine
Visitenkarte ab: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6071
Und den Godfather des Trash, Enno Stahl wollen wir in dieser
Aufzählung nicht vergessen: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=2038
Die Aufnahmen ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Matze - 22.07.2012 um 11:49 Uhr
MetaPhon präsentiert einen Rückblick auf A.J. Weigonis
“Best Of Jugendsünden”: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6076
Matze - 29.07.2012 um 09:54 Uhr
KUNO heute mit einem Hinweis auf einen Sendeplatz bei
DeutschlandRadio Kultur: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=6507
Matze - 05.08.2012 um 08:54 Uhr
Auf MetaPhon, „Das kleine Helferlein“, ein unterhaltsamer
Hörfilm gegen den kulturellen Gedächtnisverlust: http://www.vordenker.de/weigoni/helferlein.htm
Matze - 02.09.2012 um 15:42 Uhr
In Zeiten des kulturellen Allesfressertums und dem
Verschwimmen der Grenzen von High und Low Culture läßt sich
über ästhetische Präferenzen kein Dinstinktionsgewinn mehr
einfahren. Weigoni bringt die spielerische Dramaturgie eines
postmodernen Patchwork–Romans und die psychologische Tiefe
eines realistischen Gesellschafts–Epos, die Entwicklung der
Musikindustrie von der Hippie–Kultur der sechziger Jahre bis
in eine von Gadget–versessenen Kleinkindern regierte Zukunft
sowie zig verschiedene Charaktere, Generationen und Genres
in einem überaus originellen und temporeich erzählten Buch
zusammen. »Cyberspasz, a real virtuality« ist eine Comédie
humaine der Gegenwart. Die Figuren von Weigoni stecken in
metaphysischen Schicksalshorizonten. Die Simulation von
Lebensprozessen, die technische Reproduktion natürlicher
Vorgänge, treibt den menschlichen Geist um. Inzwischen
wendet sich dieser Geist sich selbst zu – oder vielmehr dem
Gehirn, dessen Tätigkeit mittels Computertechnologie
rekonstruiert werden soll.
Probehören auf MetaPhon: http://www.vordenker.de/weigoni/cyberspasz.htm
Die Figuren in »Cyberspasz, a real virtuality« sind
Präsensnomaden, sie leben im Glauben an eine ewige
Gegenwart, oder gar eine ‚ewige Jugend’, die ihnen umso
lebbarer erscheint, je ahistorischer sie denken und handeln.
Solche modernen Nomaden, Marionetten ihres Egoismus, folgen
als Individuen wie Herdentiere den Weideplätzen ihrer
momentanen Bedürfnisse und Gelüste. Die meisten Figuren sind
miteinander verbunden, indem sie wiederholt auftreten und so
Handlungsstränge verknüpfen oder bereits angedeutete aus den
Erzählungen »Zombies« variieren. Fast kann man bei beiden
Büchern von einem ‚Konzeptalbum’ sprechen. Hier wie dort
brilliert dieser Romancier durch Scharfsinn und
Scharfzüngigkeit.
Weiterführende Links: http://www.kultura-extra.de/literatur/rezensionen/buchkritik
_weigoni_cyberspasz.php
Und ein Essay auf Bücher-Wiki: http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/CyberspaszA
RealVirtuality
»Zombies«, Erzählungen; »Cyberspasz«, Novellen - von A.J.
Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim an der Ruhr 2012 –
Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als
Hardcover
Matze - 10.03.2013 um 12:45 Uhr
Seit 15 Jahren unterrichtet Marion Haberstroh alles rund um
Körper, Atem und Stimme. Körper- Stimm- und Sprechausdruck.
Bei Kindern und Erwachsenen. Berufssprechern, Künstlern und
Menschen, die einfach mehr über die Schwingung des Körpers
und deren Ausdruck durch die Stimme entdecken möchten. In
Schulen, Fortbildungseinrichtungen und der Universität zu
Köln. Seit 2005 heilt sie erkrankte Stimmen in eigener
Praxis für Logopädie.
»Unbehaust II« findet sich seit März 2013 auf: http://www.vordenker.de/taeger/unbehaust02.htm
***
Die Hörbücher, die in der Reihe MetaPhon vorgestellt werden,
sind erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
URL: http://www.versalia.de/forum/beitrag.php?board=v_forum&thread=4661
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