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--- Von Hopper bis Rothko - Potsdamer Ausstellung

ArnoAbendschoen - 05.07.2017 um 18:04 Uhr

„Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ ist eine noch bis zum 3. Oktober 2017 laufende Ausstellung im neuen Potsdamer Museum Barberini. Gezeigt werden 68 Gemälde aus dem Bestand der Phillips Collection in Washington, D.C. Es sind überwiegend hervorragende Werke, die noch nie in Deutschland zu sehen waren, von Malern, die bei uns, von Ausnahmen abgesehen, kaum oder gar nicht bekannt sind. Übrigens beginnt die Reihe nicht erst mit Hopper, sondern setzt noch etwas früher ein und umfasst im Wesentlichen den Zeitraum von ca. 1880 – 1960.

Die Fülle der Entdeckungen, die gemacht werden können, ist nicht unproblematisch. Je Künstler sind durchschnittlich nur zwei Werke zu sehen, zu wenig, um mit einzelnen von ihnen ein wenig vertraut zu werden. Die Ausstellung will dies wohl auch gar nicht erreichen, sondern strebt den Überblick über die Entwicklung der Malerei in den USA – nicht etwa in „Amerika“ – als Ganzes an. Dazu gliedert sie die Präsentation nicht nur nach Epochen, sondern zusätzlich noch nach Genres: Landschaft, Stadt, Porträt. Wir erleben beim Rundgang durch die Säle wie in einem Zeitraffer diese Entwicklung. Sie verlief von der strikten Orientierung an den europäischen Malschulen über ein allmähliches Lösen vom Vorbild hin zu dem Stand, der um die Mitte des 20. Jahrhunderts erreicht war: weltweite Dominanz der New Yorker Kunstszene zu den Zeiten von Jackson Pollock.

Weist die Mehrzahl dieser Bilder etwas spezifisch Amerikanisches auf, das sie von europäischen Werken des gleichen Zeitraums unterscheidet? Zumindest seit etwa 1900 ist die Frage wohl zu bejahen, doch fällt es schwer, die Differenz auf eine kurze Formel zu bringen. Mir schien, um diese Bilder ist meist etwas Einsames, Fremdes, Radikales. Sie verweisen auf ein Land mit noch kurzer kultureller Tradition. Das verschafft dem einzelnen Werk oft etwas Isoliertes und zugleich stark Authentisches. Es ist wie Thomas Wolfes „0 verloren!“, in die Sprache der Malerei übertragen.

Zu empfehlen sind auch die kleineren Ausstellungen, die zeitgleich laufen. Da gibt es „Zeitgenössische Positionen in den USA und Mexiko“: nur drei Maler mit jeweils einer ganzen Reihe von Werken, so dass sie sich als Künstlerpersönlichkeiten vielleicht einprägen. Dann „Rodin im Dialog mit Monet“ als Erinnerung an die Schau von Werken beider Künstler in Paris 1889 (hier jetzt 15 Rodin-Skulpturen und 7 Monet-Bilder). Schließlich „Künstler in der DDR. Aus der Sammlung des Museums Barberini“. Letztere dient als Vorschau auf die nächste große Bilderausstellung des Hauses, durchaus Erwartungen weckend.

Das Museum ist direkt am Alten Markt in Potsdam, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt.




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