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-- Lektüregespräche
--- November 2017

Kenon - 02.11.2017 um 22:14 Uhr

Anne Applebaum - Between East and West: Across the Borderlands of Europe

Anne Applebaum reiste 1991/92 von Königsberg nach Odessa und fand ein Osteuropa im Wandel: Der ewige russische Winter wurde durch den Frühling der Freiheit verdrängt. Ihre Erlebnisse, ihre Begegnungen hat die Autorin in diesem kleinen Büchlein festgehalten. Für sie als namhafte Historikerin ist soetwas persönliches eher untypisch, aber es ist wunderbar geschrieben. Ein Buch, das man erst wieder weglegt, wenn man es ausgelesen hat. Vieles hat sich in den letzten Jahren in Litauen, Belarus, der Ukraine, Moldawien geändert, vieles ist gleich geblieben. Nicht alle Hoffnungen haben sich erfüllt. Und immer droht aus dem Osten der Winter.




Kenon - 15.11.2017 um 23:27 Uhr

Diese Nachricht wurde von Kenon um 23:27:47 am 15.11.2017 editiert

Joseph Roth - Reise in Russland

Wollte ich eigentlich schon vor 1 1/2 Jahren lesen, beschloss aber, die gesammelten Werke von Joseph Roth, in denen sich auch die Reiseaufzeichnungen befinden, der gefügten Reihe nach zu lesen. Wer sich so lange spannen lässt, kann nur enttäuscht werden.




ArnoAbendschoen - 16.11.2017 um 10:05 Uhr

Und: War die Lektüre denn tatsächlich enttäuschend? Und, falls ja, inwiefern?

Diese Reisebilder von Roth kenne ich nicht, sie fehlt auch in meiner Ausgabe Gesammelter Werke. Ich blättere nun in Nürnbergers rororo-Monographie und finde dazu nur Weniges und Widersprüchliches. Der Biograph schließt mit dem interessanten Satz: "Walter Benjamin, der sich in seinem ´Moskauer Tagebuch´ über eine Begegnung mit Roth geäußert hat, verkennt dessen damalige Position, wenn er annimmt, dass Roth als beinah überzeugter Kommunist nach Russland gekommen sei." Benjamin hat freilich, zumal in Moskau, so manches "verkannt".




Kenon - 16.11.2017 um 23:49 Uhr

Für eine Antwort auf Deine Frage ist es noch zu früh, selbst in einer Kategorie wie dieser, in der das Vor-Urteil zu gern herrschen möchte. Ich habe auch erst drei kurze Artikel gelesen; die Einleitung war eine etwas gehässige Betrachtung der Exil-Russen. Erstaunlich unsensibel für jemanden wie Roth, der ja zumindest irgendwie selbst ein Exilant gewesen ist. Es ist erkennbar, dass Roth keine klare politische Position einnehmen möchte, mal ein bißchen nach hier, mal ein bißchen nach dort schwenkt. Dass Sophokles, Ovid und Tacitus als "Repräsentanten bourgeoiser Geistigkeit" aus der Schule verbannt sind, schmerzt ihn dann doch und lässt ihn zwar nicht gleich giftig aber subtil sarkastisch werden:

Zitat:

... eine neue Art, zu schaffen und aufzunehmen, zu schreiben und zu lesen, zu denken und zu hören, zu lehren und zu erfahren, zu malen und zu betrachten, ist hier entstanden. Daneben bleibt alles andere, was es ist: gespenstisch. -




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