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CHRISTINE - RÜCKKEHR NACH WIEN (Wiener Stücke - Band1)
Autor: Johannes Wierz · Rubrik:
Sonstiges

CHRISTINE – Rückkehr nach Wien


von
Johannes Wierz

Rene Allermann, der Erfolgsautor, kehrt nach Jahren mit seiner Frau Ruth aus der abgelegenen Toskana, in die Stadt zurück, wo einst seine Karriere begonnen hat.
Schon auf der Pressekonferenz nach seiner Rückkehr, die sein Manager Georg als Teil einer Werbekampagne geplant hat, kommt es zum Eklat.
Anstatt Georgs vorgefasste Rede vorzutragen, schwelgt Rene in der Vergangenheit und spricht den Wunsch aus, Christine wieder zu sehen.
Christine, Renes Jugendliebe, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, wurde von Georg in den letzten Jahren für die Öffentlichkeit zum Mythos ausgebaut.
Für Georg und Ruth ist eines klar, Christine darf niemals auftauchen; die Angst, Rene zu verlieren, stärkt beide.
Georg bestellt in Absprache mit Ruth eine junge Schauspielerin, die die Rolle der Christine übernehmen soll, ins Hotel. Zu beider Überraschung erscheint eine andere Frau, die von Rene als Christine begrüßt wird.
Durch das Eindringen einer fremden Person in die Dreierbeziehung, beginnt der Kampf um die bedrohte Existenz, an dessen Ende die Emanzipation Renes steht, die er schon seit Jahren plante.

Mehr Stücke und Information über den Autor finden Sie unter:

www.johanneswierz.de







2011
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Aufführung durch
Berufs- und Laienbühnen, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung
und Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und andere Medien,
auch einzelner Abschnitte.
Das Recht der Aufführung oder Sendung ist nur von Johannes Wierz
zu erwerben.
Den Bühnen und Vereinen gegenüber als Manuskript gedruckt.

www.johanneswierz.de

PERSONEN:

RENE Allermann, Erfolgsautor

RUTH Allermann, seine Frau

GEORG, sein Manager und Agent

CHRISTINE, eine junge Schauspielerin

STIMME

Anmerkung zum Text:
Christine - französisch ausgesprochen
Christine - deutsch ausgesprochen







Eine luxuriöse Hotelsuite

Prolog

Aus dem OFF hört man eine STIMME

STIMME:
Warum sind Sie wiedergekommen?

RENE ALLERMANN:
Ja
ich liebe sie
die Toskana
Viel mehr noch
ich brauche sie
Aber dennoch ist es von Nöten
von Zeit zu Zeit
die Örtlichkeiten
zu wechseln

STIMME:
Und wieso kommen Sie erst jetzt?

RENE ALLERMANN:
Die Frage ist falsch gestellt
Denn eigentlich
war ich nie fort
Wie viele Menschen leben hier?
leben hier
in ihren Träumen
in denen sie
ferne Länder bereisen
oder gar
mit dem Gedanken spielen
auszuwandern
Ich dagegen
habe diese Stadt
nie verlassen
Meine Helden
Wie oft schritten sie nachts
einsam und verlassen
über den Michaelaplatz
oder an der alten Donau entlang?

STIMME:
Wie oft saßen Sie in Cafés?
Wohnten in schmierigen Pensionen
oder kamen über Vororte nicht hinaus?

RENE ALLERMANN:
Nun
die Vergangenheit
ist abgegrast
Es ist an der Zeit
dass ich mich
der Gegenwart widme

STIMME:
Dann werden Sie auch
Christine
wieder sehen?

RENE ALLERMANN:
Christine bitte
Sie heißt Christine
und nicht Christine
Verstehen Sie den Unterschied?
Was für Welten liegen
zwischen Christine
und Christine

STIMME:
Nun
werden Sie Christine wieder sehen?

RENE ALLERMANN:
Ich bin zurückgekommen
um die Vergangenheit
gegen ein jetzt einzutauschen
Und Christine?
Ich weiß noch nicht einmal
wo sie wohnt
Wissen Sie es?
Ich meine
alles hat doch seinen Platz

1. Szene

GEORG und RUTH betreten das Zimmer.

GEORG:
Er muss verrückt geworden sein
anders kann ich es mir nicht erklären
verrückt
einfach verrückt

RUTH:
So beruhige dich
Versuche ihn zu verstehen
Er war doch so lange nicht mehr hier

GEORG:
Was hat das denn damit zu tun?
Auf der ganzen Welt
sind wir gewesen
Die Klatschkolumnisten Hollywoods
die Pariser Kritiker
Alle hat er gemeistert
nur in der eigenen Stadt
dreht er durch

RUTH:
Jetzt setz dich doch
Ich mache uns erst mal einen Drink
und um Gottes Willen
beruhige dich
Du wirst sehen
der Whisky
wird dir gut tun

GEORG:
Leck mich am Arsch
mit deiner mütterlichen Philosophie
Wie viele Drinks
hast du ihm denn gemixt?
Nüchtern
kann doch einer allein
nicht soviel Scheiße bauen

RUTH:
Ach so ist das
Jetzt soll ich auf einmal
Schuld haben
Das ist mal wieder
typisch für dich
Also
darf ich dich vielleicht
an eine Kleinigkeit erinnern?
dass du
seine Reden schreibst

GEORG:
Was nützen die schönsten Reden
wenn er sich nicht daran hält

RUTH stellt ihm einen Drink hin.

RUTH:
So
jetzt trink erst mal
Schau
du siehst das alles
zu schwarz
Uns geht es doch gut
René
ist einer der bekanntesten
und bestbezahlten
Autoren
Was kann da so
ein kleiner Fauxpas
schon ausrichten?
Ich meine
ist es nicht ganz natürlich
dass man nach so vielen Jahren
jemanden wieder sehen will?

GEORG:
Das ist mir schon klar
dass das deinen geistigen Horizont
überschreitet
Wir leben von diesem jemanden

RUTH:
So kannst du mit mir nicht reden

GEORG:
Ich kann noch ganz anders

Er entfernt sich.

RUTH:
Wohin gehst du?

GEORG:
Wenn René kommt
ich bin auf meinem Zimmer

Er verlässt das Zimmer.
Sie geht zur Bar nimmt sich ein Glas und eine Flasche, dabei weint sie leise.


2. Szene

RENE betritt das Zimmer.
RUTH weint, vor ihr steht eine fast leere Flasche.

RENE ALLERMANN:
Weißt du eigentlich
dass du unheimlich schön aussiehst
wenn du weinst
Das hat so was
imaginäres
Wie war ich?

RUTH:
Gut
aber

RENE ALLERMANN:
Ich weiß schon
auf was du
hinaus willst
Es war mir ein inneres Bedürfnis
und außerdem
Ich wollte euch überraschen
Eifersüchtig?

RUTH:
Mache ich den Eindruck?

RENE ALLERMANN:
Ich fühle mich richtig wohl
und Christine
das ist schon gar nicht mehr wahr

RUTH:
Warum belügst du dich selber?
Christine
ist immer wahr
und wird es auch immer bleiben
Bis das der Tod euch scheidet

RUTH beginnt hysterisch zu lachen

RENE ALLERMANN:
Gut
dass es dir wieder besser geht
Ich werde mich ein wenig hinlegen
Und heute Abend
Ruth
auf dem Empfang
werden wir tanzen
Ruth
nur wir beide
Freust du dich?

Dabei tanzt er im Walzertakt in das Nebenzimmer.

RUTH:
Du sollst Georg anrufen
er ist auf seinem Zimmer


3. Szene

GEORG telefoniert und zieht sich dabei aus.

GEORG:
Ja
Wolfgang
ja
wir haben uns jahrelang
nicht gesehen
Ja
Wolfgang
Hast du es auch gesehen
ja
deswegen rufe ich an
Vielleicht in der Bar heute Abend
Ja
wir reden auch
über Frauen und Fußball
Kannst du mir einen Gefallen tun?
Ja
wir reden auch
über Frauen und Fußball
ich verspreche es dir
Pass auf
Ich brauche eine
deiner mittelmäßig
begabten Schauspielerinnen
Ja
das war ein Scherz
Nein
das war keiner
Ich schicke dir gleich ein Foto
Ja
über das Finanzielle
reden wir heute Abend
Ja
wir reden auch über Frauen
Also
ich muss Schluss machen
Servus derweil
Baba

Er legt auf.

Arschloch

4. Szene

RUTH blättert in einer Illustrierten. RENE ALLERMANN kommt aus dem Nebenzimmer.

RENE ALLERMANN:
Wo ist Georg?

RUTH:
Drüben

RENE ALLERMANN:
Hat er zu tun?

RUTH.
Er telefoniert

RENE ALLERMANN:
Willst du was trinken?

RUTH:
Mhm

RENE ALLERMANN:
Was liest du?

RUTH:
Ich denke
du bist müde
und schläfst

RENE ALLERMANN:
Diese Hotelzimmer

RUTH:
Du wolltest mir doch etwas einschenken

RENE ALLERMANN:
Die Duschen sind wie
Ich sollte mal etwas
über Hotels machen
Die Leute machen sich
ganz falsche Vorstellungen
Und in Filmen
sind es
falsche Einstellungen
Alles wirkt groß und elegant
Aber wie beschreibt man
Unpersönlichkeit?
Und was versteht
das Management
unter Gastlichkeit?
Beruhigend
ist da nur
die schöne Aussicht
Ja
wir haben wirklich
eine schöne Aussicht
Die Dächer von Wien
sind schon etwas besonderes
Auch darüber
sollte ich einmal schreiben
Die Dächer von Wien
Ja
die Dächer von Wien
Die Ortung
der Wiener Dächer
Ziegel um Ziegel
Wäre das Bett
bloß nicht so groß

RUTH ist inzwischen von hinten an RENE ALLERMANN herangetreten. Sie umarmt ihn und öffnet ihm das Hemd.

Plötzlich macht RENE ALLERMANN sich frei.

RENE ALLERMANN:
Ich weiß etwas Besseres


5. Szene

GEORG betritt das Zimmer.

GEORG:
Rene?
Ruth?

Er geht durch das Zimmer. Als er merkt, dass er alleine ist, nimmt er lustlos ein Hochglanzmagazin und liest laut eine Liebesgeschichte vor.
Nach einer Weile klingelt das Telefon.
GEORG nimmt den Hörer ab.

GEORG:
Ja hier 214
Wir haben nichts bestellt
Wenn ich Ihnen doch sage
Hören Sie
Da wird sich jemand
einen Scherz
erlaubt haben
Was gehen mich Ihre Kosten an

Er legt auf und liest weiter in der Zeitschrift.

Hinkend betritt RUTH das Zimmer.

GEORG:
Wo kommst du denn her?

RUTH:
Gut
dass du da bist
René ist weg

GEORG:
Wie weg?

RUTH befreit sich von ihren Schuhen und massiert sich die Füße.

RUTH:
Wir wollten Essen gehen
Diese Schuhe
Ich habe mich umgezogen
Meine Füße
Als ich fertig war
war er weg

GEORG:
Was machte er denn
für einen Eindruck
auf dich?

RUTH:
Wie immer
Nein
warte
Eigentlich war er wie früher
Kannst du dich noch
an unsere Hochzeitsreise erinnern?

GEORG:
Du meinst wohl eure

RUTH:
Wie er alle Plätze
im größten Cafe
am Markusplatz
reserviert hat

GEORG:
Dann hat er also
das Essen bestellt

RUTH:
Woher weißt du?

GEORG:
Die Hoteldirektion hat sich erlaubt
diesen kleinen Scherz
auf unsere Rechnung zu setzen

RUTH:
Er war wie früher

GEORG:
Jetzt setz dich
und hör mir genau zu
Also
In ungefähr zwei Stunden
wird hier
eine junge Schauspielerin
auftauchen
die sich als Christine
ausgeben wird
Und wir werden so tun als ob

RUTH:
Aber René wird doch nicht so dumm sein
und

GEORG:
Er wird
verlass dich darauf
Und du meine Liebe
wirst so tun
als wäre es die Echte
Verstehst du?
für dich und für mich
ist sie die echte Christine
Ich habe Bilder von ihr gesehen
die Ähnlichkeit ist verblüffend

Wieder geht das Telefon. RUTH geht an den Apparat.

RUTH:
Ja
hier 214
Für dich Georg
der Veranstalter

GEORG nimmt den Hörer.

GEORG:
Schön
dass Sie anrufen
Richten Sie es so ein
dass wir noch
einen kleinen Fototermin
dazwischen schieben können
Ja
Christine
ist gefunden
Und das wollen wir natürlich
der Öffentlichkeit
nicht vorenthalten
Danke
Servus

RUTH:
Und wenn die richtige Christine
das mitbekommt
die wird doch

GEORG:
Nichts wird sie
Ich habe mir das genau überlegt
Wenn die richtige Christine
morgen die Zeitung liest
wird sie
ihren René
mit einer anderen Frau sehen
Sie wird denken
dass er sie nie gemeint hat
So einfach ist das

RUTH schaut ihn entfremdet an.

GEORG:
Du brauchst gar nicht so zu schauen
Was ist denn los?

RUTH:
Du hast wohl überhaupt keine Skrupel

GEORG:
Jetzt komm mir nicht so
Es hat dich doch sonst nie interessiert
Für wen tue ich denn
das alles?
Sag mir
für wen tue ich denn
das alles?

RUTH:
Du
tust es für dich
Georg
für dich


NEU BEI www.amazon.de oder unter www.johanneswierz.de


Einstell-Datum: 2011-09-17

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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