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Damals und Heute
Autor: Andrea K. · Rubrik:
Kurzgeschichten

Ein schriller Ton klang durch den Raum. Ich streckte meine Hand unter der Decke hervor und schlug auf den Wecker. Es war wieder still. Dann ging die Tür zu meinem Schlafzimmer auf. Guten Morgen du Schlafmütze, es ist Zeit aufzustehen, es war Sarah, meine beste Freundin und Mitbewohnerin. Ich bin ja schon wach, murmelte ich und ehe ich mich versah, zog Sarah mir die Decke weg. Das Licht der blendenden Sonne stach mir in die Augen. Als Sarah den Raum wieder verließ, jedoch nicht ohne die Tür hinter sich zu schließen, stand ich auf und trabte ins Badezimmer. Ich blickte verstohlen in den Spiegel. Ja, Fallon, das bist du, auch wenn du dir fremd vorkommst, es war Sarah. Ich knallte die Badezimmer vor ihrer Nase zu und ging dann unter die Dusche.

Zwei Stunden später war ich auf dem Weg zu meinem Vater. Ich war mit ihm in seiner Firma verabredet, es ging mal wieder um die Übernahme der Firma. Ich wollte sie nicht haben, genauso wenig wie mein Bruder Steven, der hatte andere Pläne, wollte heiraten, seine Freundin Kelly, und mit ihr nach England ziehen. Das waren seine Pläne. Meine sahen auch anders aus, ich schrieb gerade an meinem neuen Buch, wollte damit auch auf Promotour gehen, denn ich war mir sicher, das es genauso erfolgreich werden würde, wie mein erstes.

Es gab auch ein Geheimnis, welches Steven und ich vor unserem Vater hatten. Mom war vor vielen Jahren gestorben, als Stephen und ich (wir sind Zwillinge) erst fünfzehn Jahre alt waren. Wir gaben ihr das Versprechen, Daddy niemals zu erzählen, das Mom eine Hexe war, und das sie uns ihre Kräfte überließ, als sie starb.

Und nun, mit unseren eigenen und den Kräften unserer Mutter, konnten Steven und ich unsere Träume verwirklichen. Na ja, zumindest konnte das Steven, er hatte seine Traumfrau gefunden, die ihn so liebte wie er war. Bei mir war das schwieriger, ich war von Natur auf immer sehr eigen, hatte immer spezielle Wünsche, was Männer anging. Ich machte auch immer den Fehler, meinen Freunden sofort zu sagen, dass ich eine Hexe sei. Einige von ihnen machte das Angst, aber die meisten hielten mich für verrückt und empfahlen mir einen Psychiater aufzusuchen. Es war immer schneller Schluss, als sich was ernsthaftes entwickeln konnte.

Nach einer ewig langer Diskussion mit meinem Vater, trottete ich durch den Park. In Gedanken, endlich den Mann zu finden, der meiner Würdig ist. Ich setzte mich auf eine Bank und meine Blicke schweiften hin und her und hin und her. Ich schloss für einen Moment die Augen und als ich sie dann wieder öffnete, traf mich beinahe der Schlag.

Dann erinnerte ich mich wieder: Es war damals, einen Monat, bevor Mutter starb. Steven, sie und ich saßen auf der Couch und schwelgten in alten Zeiten. Mom zeigte uns Bilder aus ihrer Jungend, von der Highschool und vom College. Ein Bild fiel uns damals besonders auf. Wer ist das Mommy?, fragte ich neugierig. Dann erzählte uns Mom von John Anderson, der zusammen mit ihr auf die Highschool ging. Sie war damals unsterblich in ihn verliebt, hatte jedoch niemals eine Chance bei ihm. Als sie dann Jahre später Dad heiratete, erfuhr sie, dass er wohl doch interessiert war, doch sein Vater damit niemals einverstanden war. Ihm zuliebe hat er dann eine andere geheiratet, eine wunderschöne Frau, aus Washington D.C. Mom hatte sie beim Klassentreffen kurz gesehen, hatte jedoch nie die Möglichkeit, mit ihr zu sprechen. Was hätte sie ihr denn auch sagen sollen? Mom wusste nicht, das die beiden Kinder hatten, ein Kind, einen Sohn.

Und als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich John Anderson vor mir, er war etwa Eins fünfundsiebzig groß, hatte eine schlanke Figur, wundervolle Blaue Augen und dichtes, dunkelblondes Haar. Er blickte ein wenig verstohlen und seine Augenbrauen zogen sich wie ein V über seine Augen. Er sah sehr gut aus und ich konnte Mom sehr gut verstehen. Aber wie war das möglich, das konnte nicht John Anderson sein, er müsste mindestens 30 Jahre älter sein, in Dads Alter.

Was sollte ich jetzt tun? Sollte ich ihn ansprechen? Sollte ich ihn einfach fragen? Aber angenommen, er sei tatsächlich John Andersons Sohn, kann das sein, das er seinem Vater zu hundert Prozent ähnelt? Das kann rein biologisch absolut unmöglich sein, es sei denn...es sei denn, seine Mutter oder sein Vater oder gar beide sind Hexer, genau wie Mom es war und Stephen und ich es sind. Aber warum beabsichtigte jemand, das dieser Mann, genauso aussehen soll wie sein Vater. Und wer tat dies. Es gab so viele Fragen, die ich mir nicht beantworten konnte, und ich war mir sicher, dass seine Mutter allein, nur Johns Frau, die Antwort auf all meine Fragen wusste. Aber wie würde ich an sie herankommen? Ob sie noch lebte? Ich hoffte es.

Irgendwann schien er es wohl zu bemerken, dass ich ihn die ganze Zeit anstarrte. Er erhob sich von der Bank und kam auf mich zu.

Entschuldigen sie, Mam, das ich sie anspreche, aber anscheinend haben Sie Gefallen an mir gefunden, oder aus welchem Grund starren sie mich die ganze Zeit so an?, fragte er. Jetzt saß ich in der Falle. Was sollte ich ihm sagen? Irgendwie hatte er schon recht, er gefiel mir, aber der wahre Grund, warum ich ihn so anstarrte, war, das er genauso aussah wie sein Vater.

Es tut mir leid,... Jeff, Jeff Anderson. Ja, ich hatte meine Bestätigung, er war tatsächlich John Andersons Sohn. Wie heißen Sie?, fragte er. Mein Name ist Fallon MacBeth, gab ich zur Antwort. Ich blickte ihm dabei tief in die Augen, konnte nicht mehr von ihm loslassen. Er aber auch nicht von mir. Dann fiel mir etwas ein. Ich musste es wissen. Jede Hexe, jeder Hexer hat eine Art Muttermal auf dem Nacken, das ihn von den normal Sterblichen unterscheidet. Ich habe eins, Steve hat eins und Mom hatte eins. Nur es bei Jeff zu erkennen, war schwierig. Sein Haar war länger und versperrte die Sicht auf seinen Nacken, genauso wie der Kragen seines Hemdes, welches er trug. Er schien es gemerkt zu haben, denn meine Augen wanderten zu seinem Kragen.

Was ist?, fragte er. Ach, ich dachte nur, eine Biene hätte sich in ihrem Haar verirrt..., und das war der Ausschlaggebende Satz. Jeff, wohl panische Angst vor Bienen, drehte sich kurz um, packte sich an den Kragen und zerrte solange daran, bis ich sein Muttermal erkennen konnte. Ich hatte meine Bestätigung, ich wusste nun dass Jeff ein Hexer ist und ich wollte keine Minute länger darauf warten ihm alles zu erzählen. Ich nahm ihn an den Arm, spazierte mit ihm durch den Park und erzählte ihm von meiner Mutter, seinem Vater und unserer Gemeinsamkeit. Er vertraute mir an, dass seine Mutter vor sieben Jahren starb und ihm an ihrem Sterbebett anvertraute, das der Hohe Rat damals entschied, das Jeff, wenn er irgendwann mal erwachsen sei, genauso aussehen sollte, wie sein Vater.

Es dämmerte langsam, als Jeff und ich vor meiner Haustür standen. Ich wollte ihm noch so viel erzählen, aber dafür hatte ich mein ganzes Leben noch Zeit. Jeff sah mir tief in die Augen, kam immer näher und küsste mich. Dann strich er mir sanft über mein Gesicht und mit den Worten bis morgen drehte er sich um und verschwand in der Nacht.

Nun hatte ich all meine Antworten. Warum der Hohe Rat das entschied, hatten sie Jeff und seiner Mutter nie erzählt, aber ich wusste es, tief in meinem Herzen wusste ich, das es die Wiedergutmachung Johns Vater gewesen sei. Jeff und ich waren von unserer Geburt an einander versprochen, für einander bestimmt. Das war unser Schicksal und egal was noch passieren würde, nichts könnte uns jemals trennen...

Ende



Einstell-Datum: 2005-03-18

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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