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Das Wunder
Autor: Itzikuo_Peng · Rubrik:
Kurzgeschichten

Heute, mein Liebling, meine kleine, süße Fee mit den starken Füßen und den feinen Antennen, wird das Wunder geschehen, ich rieche es schon in der Schneeluft des dunklen Novembermorgens.

Wir werden überschaubar mehr als reichlich Geld haben auf Lebenszeit, unser Konto wird platzen vor Glück; werden benötigen neue Rufnummern, wegen der Haie, die uns ans Leder (resp. in den Ledergeldbeutel [ersatzweise: an den Frieden]) wollen. Das verlassen gelegene, und, ja, auch: verlassene (von allen guten Geistern) Hexenhaus bebt bereits vor Freude auf unser beider einzuziehendes Einmaleins in den Grundfesten. Wo liegt, steht es? Wird es haben einen Keller zu platzieren die Folterstreckbänke zu eliminieren verhackstücken entsorgen die diversen Sehnsüchte so unnötig wie fluchig? Es muss einen Keller haben!, was meinst Du? Es wird einen Keller haben. Es wird einen Keller haben müssen. Es wird auch einen Dachboden haben müssen, damit man sich selbst aufs Dach steigen kann, ohne Leitern anzulegen, die nicht tonal und auch nicht in den Himmel führen, sondern meist wackelig sind und kippen können zu brechen einem das Rückgrat oder sonstige Gräten unfischig.

Und 2 Stockwerke, Wohneinheiten: 1 for me 1 for u. Wegen der so sicher zu zementierenden Dauerhaftigkeit des Paarseins (nicht nötig, können eh nicht anders also so, wie wir können), damit 1 und 1 zum einen je 1 bleibt bei gleichzeitiger 2samkeit. Sie lebten unter einem Dach und doch auch wieder nicht. Sie begegneten sich zauberisch wenn gewünscht und auch wieder nicht, wenn nicht gewünscht. Sie waren jedes für sich und auch waren sie zusammen wie nie 2.

«Das Wunder sich schon gemeldet, das Du erschnüffelt geahnt gewittert?»
«Ist es je weggewesen?»
«So gesehen. Was fantasierst Du da nur wieder ...»
«Gib mir doch bitte noch zwei, drei Haselnüsse, die tun meiner Verdauung so gut.»
«Darf ich mir morgen Deine Wurst ansehen?»
«Wären Würste Chrysanthemen, dann ja. Sind sie aber nicht. Deswegen zu intim. Peinlich. Also nein. Du hast zuviel Céline gelesen.»
«Noch keine eine Zeile.»
«Lass mich Deine Prosa sein, Lyrisches.»
«Du hast sie nicht mehr alle.»
«Muss daran liegen, dass mir meine Textverarbeitung eben unmotiviert von Book Antiqua auf Gentium Book Basic umgesprungen ist. Ich war´s nicht. Ich bin nie was. Es lebt uns.»
«Gähn. Erzähl mir nichts. Du bist an allem schuld.» Lacht.
«Gerne.» Räuspert sich. Tippt weiter.
«Erzähl mir ein Märchen … Das Märchen vom arroganten Großmaul und der ...»
«... bourgeoisen Prinzessin auf den tausend Erbsen.»

Er erfindet erzählt das Märchen von der bourgeoisen Prinzessin auf den tausend Erbsen und dem arroganten Großmaul, unterbricht dafür sein Tippen.

«Warum schreibst Du nicht das mal auf? Schreibe auf, was Du mir erzählst. Mehr brauchst Du nicht zu schreiben.»
«So einfach ist das nicht. Wen interessiert schon unsere Harmonie auf den Kichererbsen?»
«Dann mach Backerbsen draus, vielleicht hilft es ja.»
«Mir ist nicht zu helfen, und dem, was ich schreibe, schon gar nicht.»
«Ja willst Du denn nicht?»
«Nein. Mein Gehirn muss alleine machen, ich darf da nicht eingreifen, eventuell ein wenig formal postfaktisch, aber sonst nicht. Sonst kommt es zu internalen Reaktanz-Reaktionen, die sich negativ auf meine Verdauung auswirken. Weißt Du doch, oh Du meine laktosefreie Sahne.»
«Depp.»
«Genau. Sag mir, was ich tun soll, und ich will es garantiert nicht tun. Sag mir, was ich nicht tun soll, und mein Gehirn will es sofort umsetzen. Wie ich daraus Kapital schlagen könnte, habe ich bis heute nicht erfasst.»
«Ja, ich weiß. DU DARFST DIE NÄCHSTEN DREI WOCHEN NICHT DIE WOHNUNG PUTZEN!»
Das arrogante Großmaul erhebt sich, greift sich den Staubsauger und rauscht durch die Wohnung.
«Wie das klappt!» Kichert kichererbsig. «Aber bitte bloß nicht die Fenster putzen, die sind gerade so schön neblig-klebrig!»
Das arrogante Großmaul wartet auf mit Lappen Wassereimer Spray und putzt binnen zwanzig Minuten alle Fenster der Wohnung.
«Ach, ich liebe Dich, mein Großmaul. Willst Du jetzt? Gerne würde ich Dich jetzt sattellos nach Laramy oder El Paso reiten.»
«Nein. Sex wird einfach überbewertet. Es geht doch nichts über Wohnungputzen, Märchenerfinden, Prosaschreiben.»
«Gut zu wissen. Wenn Du also morgen früh im nächsten wunderschwangeren Novembermorgen mit Deinem zum Bersten angefüllten Stachel danach trachtest, eine lüsterne Versenkung desselben in meinen Prinzessin-Körper zu vollführen, dann werde ich hauchen, schlaftrunken: Geh und putz das Bad. Oder?»
«... was ich garantiert dem Kaffeekochen nachstellen werde.»
«Hauptsache, Du stellst nicht mir weiter nach, wenn ich mondgefangen noch dämmern muss. Und nach meinen Kochplänen für heute Abend werden wir morgen früh eh Lauch und Knoblauch und Zwiebeln sein. Gestank pur.»
«Oh, Du meine lyrische mondgefangene Kichererbsen-Prinzessin.»
«Prosaisches Großmaul. Wolltest Du nicht noch die Vitrinen putzen, die beherbergen Deine tausend Bücher so unnötig wie die Wertstoffsäcke zu legen vor das Haus alle vierzehn Tage?»
«Ich wollte sie gerade abfackeln.»

-

23.59 Uhr. «Und wo war jetzt das Wunder heute?»
«Immer diese rhetorischen Fragen. Lass uns einfach weiterkichern, Erbse.»


Einstell-Datum: 2017-11-06

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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