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Die Konfirmation
Autor: ArnoAbendschoen · Rubrik:
Erzählungen

Der Jüngere von beiden hieß – aber lassen wir das, er lebt ja vielleicht noch und amtiert woanders. Bei uns predigte er damals erst seit kurzem; ein Vierteljahrhundert ist das jetzt her. Er predigte gern, mit feinem und oft auch maliziösem Lächeln, mit sichtlicher Freude am eigenen, gut geölten Redefluss. Das Lächeln verstärkte sich an hohen Festtagen oder wenn sonst ein Anlass mehr Mitglieder als gewöhnlich in das viel zu geräumige Kirchenschiff trieb. Heute erblicke er, rief er dann von der hohen Kanzel herab, viel mehr Köpfe als leider üblich. – Die Köpfe senkten sich, wie einer Schuld bewusst. – Viel mehr Füße hätten den Weg zum Herrn gefunden als sonst ein ganzes Jahr lang. – Einige Füße scharrten. – Ja, so gehe es zu in einer Welt, in welcher der Geist willig und das Fleisch schwach. Allzu viele lebten Jahr um Jahr nur dahin wie’s liebe Vieh. Und da sei doch einer, der befohlen habe: Stehe auf und wandle! – Er hangelte sich weiter von einem Bibelzitat zum anderen, und das Lächeln wurde, mit jeder Spitze, immer spitzer und spitziger.

Wie’s liebe Vieh – zweifellos war das seine Lieblingsphrase. Auch wir bekamen sie zu hören, als Katechumenen und Konfirmanden, zwei Jahre lang. Im Gemeindesaal hatten wir ihn nahe vor uns und sahen jetzt viel deutlicher als in der Kirche das feine, spitzige, maliziöse Lächeln. Was an dem Mann abstieß – uns von ihm und ihn von uns – hätten wir nicht genau zu sagen vermocht, doch fühlte ein jeder, worauf es hier ankam, was wir für ihn waren: Vieh vom Vieh.

Sein Amtsbruder hieß Schuster und war, obwohl viel älter, keineswegs gütiger. Es war derselbe Stoff, nur in der Leideform. Dort das Spitzige, Aggressive, hier das Verletzte, Gekrümmte. Sie wirkten wie ein Figurenpaar am Chorgestühl des Ulmer Münsters: antagonistisch, doch vom selben Holz; von Geist konnte hier ja nicht die Rede sein.

Die Gemeinde war groß und hatte daher ständig zwei Pfarrer im Amt. Sie teilten jede Aufgabe: predigen, taufen, beerdigen. So verfuhren sie auch beim Pfarrunterricht und bildeten aus jedem Jahrgang zwei Gruppen. Ich gehörte zu Schusters Haufen, doch da er oft krank war, hatten wir es viel mit dem füchsisch lächelnden Jüngeren zu tun. Schuster lächelte nie. Er war und blieb uns fremd. Weit im Norden geboren und erst bei Kriegsende in unsere Gegend gekommen, hatte er es in zwanzig Jahren nicht gelernt, den Dialekt zu verstehen, geschweige sich selbst verständlich zu machen. Die Zwölf- bis Vierzehnjährigen vor ihm hörten sonst Tag für Tag nur ihre breite heimatliche Sprache, zu Hause, in der Schule, auf der Straße. (Beim Fernsehen waren die Bilder die Hauptsache.) Und nun dieser Graukopf da vorn: eine unverständliche Rede, unverständliches Zeug, Glaubensartikel vergangener Jahrhunderte, Liedtexte aus dem Dreißigjährigen Krieg … Erst breitete Langeweile sich aus, dann Unruhe. Sie tobten. Der Alte war schwach, auch seine Stimme war dürftig. Dennoch versuchte er, sie zu überschreien. Es misslang, sie tobten noch mehr.

Schuster war leidend, er hatte es mit dem Herzen. Und dass er die Kontrolle über uns immer wieder verlor, verschlimmerte sein Übel noch. Er presste dann die Hand auf das kranke Herz, beschuldigte uns, sein Ende zu beschleunigen, und lief für einige Minuten hinaus auf den Pfarrhof. Wenn es ihm besser ging, kam er zurück und flüchtete sich in einem Anfall sonderbarer Ironie zu Paul Gerhardt oder einem anderen Poeten und rief uns, den Anfang eines alten Gesangbuchverses zitierend, sarkastisch und böse zu: Valet will ich euch sagen! –Leider verstand niemand, was Valet eigentlich meinte.

Neue, mir noch unbekannte Ausdrücke reizten mich damals schon. Auch hatte ich vielleicht als Einziger die seltsame Befriedigung erfasst, die über Schusters Züge huschte, als er den frommen Liedtext ironisch benutzte: ein süßer Trost aus Wörtern nur, denn an seiner kläglichen Rolle änderte sich ja nichts.

Meine Aufmerksamkeit galt damals nur nebenbei dem Pfarrer. Meist äugte ich nach einem Jungen, der links hinter mir döste, sich räkelte oder frech grinste – wenn er überhaupt da war. Er schwänzte fast jedes zweite Mal, und zum Gottesdienst kam er schon lange nicht mehr. Wir alle gingen regelmäßig hin und bekamen jeden Sonntag den kleinen Stempel ins Kontrollbuch. Er war uns bereits von der Kanzel herab als warnendes Beispiel vor Augen oder besser: vor Ohren geführt worden. Schuster drohte, ihn nicht zu konfirmieren. Der Junge hieß Rolf und kam aus ärmlichen Verhältnissen. Es schien ihn nicht weiter zu berühren, vielleicht nicht konfirmiert zu werden. In letzter Zeit trug er, als Erster und Einziger weit und breit, eine schwarze Lederhose, eine Aufmachung, die ich ziemlich aufregend fand. Ich wollte ihn fragen, wo er sie gekauft hatte, doch es war schwer, an ihn heranzukommen.

Bereits im Februar planten die Familien, die es anging, ihre Konfirmationsfeiern. Auch bei uns zu Hause war oft die Rede davon. Meine Gefühle waren gemischt. Es war mit Geschenken zu rechnen, vor allem auch mit Geld. Ich war in dem Alter, in dem man die ersten größeren Anschaffungen plant. Bargeld war mir willkommen, aber keine Gäste, die für ihre Geschenke Gegenwerte erwarteten: Bewirtung und Geselligkeit, meine Anwesenheit und vor allem meine Dankbarkeit. Ich wäre damit einverstanden gewesen, wenn uns der Postbote die Geldgeschenke in Briefumschlägen gebracht hätte. Dann hätte ich mich schriftlich bedankt, eine feine Sache, sauber und ordentlich abzuwickeln. Stattdessen drohte die gleichzeitige Invasion sämtlicher Verwandten, deren vereinzelte Besuche mir schon die gewöhnlichen Sonntage vergällten. Ich war noch sehr jung, mein Wesen hatte sich meiner Umgebung noch kaum enthüllt; vielleicht war ich von Natur aus ungesellig.

Ich schlug meiner Mutter vor, auf die Feier zu verzichten. Wir sollten uns die Ausgaben ersparen und am Tag der Konfirmation einen Ausflug unternehmen. (Und vielleicht würden dann ja doch einige Briefumschläge eintreffen.) Meine Mutter lächelte, sehr angenehm berührt. Den Trubel hasste sie ebenso wie ich. Sie erwärmte sich geradezu an der Vorstellung, wie wir auf und davongehen würden – sagte dann aber, es ginge nicht: Was würden die Leute sagen.

Meine Eltern verhandelten schon mit Sieglindes Eltern. Wir waren mit der Familie befreundet. Sieglinde war mit mir gleichaltrig und sollte auch konfirmiert werden. Es war zu erwarten, dass Sieglindes Gratulanten zum Teil auch unsere Gäste sein würden. Um Absagen, Ausfällen von Geschenken und anderen Enttäuschungen vorzubeugen, beschlossen die zwei Elternpaare, dass in einem der beiden Häuser einen Sonntag später gefeiert würde. Das Los entschied, Sieglinde musste eine Woche warten.

Zur selben Zeit diktierte Schuster uns eine lange Liste von Texten, die wir zur Konfirmation auswendig lernen sollten. Wir würden ja noch geprüft werden. Alles musste klar, protestantisch rechtschaffen und rechtschaffen protestantisch vor sich gehen. Eine entmutigend lange Liste von Liedern aus dem Gesangbuch: Valet und so weiter. Und dann die Glaubensartikel. Wir bekamen jeder ein Heft, in dem die Dogmen der protestantischen Kirche in Frage-und-Antwort-Form abgehandelt waren. O ja, auch der Protestantismus hatte seine Dogmen. Üblich war es, die Prüflinge Tage vor der Konfirmation in einem Extra-Gottesdienst nach ihren Kenntnissen zu befragen. Eine Probe im Pfarrunterricht zeigte, wie Schuster sich das dachte. Er las die kanonischen Fragen Wort für Wort aus dem Heft ab, und wir sollten die spitzfindig formulierten Antworten Wort für Wort aufsagen – aus dem Gedächtnis; wobei es auf jedes Wort ankam, kein Noch und kein Auch durfte fehlen. Nicht vorgesehen waren irgendwelche Abers, Jedochs und Trotzdems. Die freie Rede war von vornherein verpönt. Nicht auf den Inhalt kam es an, nur aufs Wiederkäuen.

Jene Artikel waren mir durch den Unterricht vom Hörensagen bekannt. Intelligent und faul, wie ich war, hätte ich darüber und das heißt darum herumreden können; Jahre später nannte man das: diskutieren. Ich fand, das müsste zur Not ausreichen. Nun also zu den Liedern! So leicht sich meinem Gedächtnis Zitate aus meinen Lieblingsbüchern einprägten, so schwer fiel mir das Auswendiglernen von Gedichten für die Schule. Gegen Lyrik war ich früh immun. Und diese Verse hier waren noch ärger. Entweder verstand ich nicht, worum es ging, oder ich verstand es zu gut. In beiden Fällen lief es jetzt auf dasselbe hinaus: Blockade des Gedächtnisses. Ich mühte mich fünfzehn Minuten. Oder waren es zehn? Oder nur fünf? Fest steht, dass ich dann bedingungslos kapitulierte und keinen zweiten Versuch mehr unternahm.

Es wird schon irgendwie klappen … Wie üblich gelang es mir, mich mit dieser Formel zu beruhigen und auf den günstigen Ausgang der Sache zu vertrauen. Dass allerdings am Prüfungstag Tante Adolphine unter den wenigen Zuhörern zu erblicken war, dämpfte meine Zuversicht etwas. Die Tante, eine ebenso glaubenseifrige wie geschäftstüchtige Schwester meiner Großmutter, hatte sich neulich mit der jüngsten der sieben Schwestern überworfen und von ihr einen Brief erhalten, darin war von Heuchelei und Gewinnsucht und einem christlichen Mäntelchen die Rede gewesen. Sie hatte ihn uns zornbebend vorgelesen. Die Tante wirkte mir ernst und gefasst zu. Es war vielleicht aufmunternd gemeint, kam mir aber drohend vor. Ich nahm in der vierten Reihe Platz, der letzten für uns Prüflinge, die kritische Tante im Nacken.

Und es klappte dann doch vorzüglich. Schuster hielt sich an die Wenigen, die sich freiwillig meldeten, wenn er, taktisch klug, seine Fragen an alle zusammen richtete. Er verhielt sich wie jeder vernünftige Gläubiger gegenüber einer Schar von Schuldnern, die gemeinsam haften: Er mied die unsicheren Kantonisten und pickte sich die solventen Kunden heraus. Tatsächlich hatten einige Mädchen den gesamten Stuss auswendig gelernt und waren begierig, Zeugnis ablegen zu dürfen, wenn nicht von ihrem Glauben, so doch von ihrer Mühe. Wie Schnellfeuergewehre ratterten sie die Artikel und die Liederbuchverse herunter. Zum Schluss, um den Schein zu wahren, gab es noch ein paar Fragen an einige der bis dahin Verschwiegenen. Diese haspelten sich irgendwie durch, mit dem Beistand wissender Nachbarinnen oder indem sie einfach aus Heft oder Buch ablasen, die offen auf dem schrägen Bord vor ihnen lagen, unsichtbar für Schuster und das Presbyterium, nicht zu übersehen für die kleine Gemeinde hinter uns. Ich blieb verschont, und für alle hieß es am Schluss: Bestanden.

„Du hast dich ja überhaupt nicht gemeldet!“ Tante Adolphine lauerte mir an der Kirchentür auf. „So eine Enttäuschung für mich.“ Dabei schob sie mir einen Umschlag zwischen die Finger, in dem ich Bargeld vermuten durfte; es war der erste seiner Art. Er enthielt, wie ich hinter der nächsten Straßenecke feststellte, fünfzig Mark, damals ein stattlicher Betrag. Als belastend, wie eine Hypothek, empfand ich jedoch den verächtlichen Gesichtsausdruck der Tante vorhin bei der Übergabe. Er besagte nur das eine: Fehlinvestition!

Als ich nach Hause kam, stieß ich in der Küche beinahe mit einer Nachbarin zusammen, die gemeinsam mit meiner Mutter Backbleche einfettete. Die Vorbereitungen auf das große Fest liefen an. Ich stellte bald fest, dass ich bei derart ernsthafter Arbeit nur stören konnte, und zog mich auf mein Zimmer zurück.

Endlich Palmsonntag! Die Kirche war überfüllt. Rolf stach in seinem neuen himmelblauen Anzug von allen anderen ab, ich fand: zu seinem Vorteil. Natürlich war jetzt keine Rede mehr davon, ihn nicht zu konfirmieren. Schuster predigte erst und verteilte dann Bibelsprüche, er hatte für jeden einen ausgewählt und ihn hübsch drucken lassen. Da er uns nicht persönlich unterschied, lief das auf eine Lotterie frommer Zitate hinaus. Auf meinem Blatt las ich:

Herr, führe mich auf der Steige Deiner Gebote!

Einem altklugen Kind wie mir musste das wie ein ironischer Kommentar zu dem Lebenswandel vorkommen, den ich zwar noch nicht begonnen hatte, doch voraussichtlich führen würde. Beim Nachdenken, was es mit der Steige auf sich haben könnte, störte mich Onkel Georgs Lamento (ohne Trionfo) über den verlorenen Zwanzig-Mark-Schein. Als ihm die Sammelbüchse gereicht wurde – ein Kelch, der nicht an ihm vorüberging -, war er ohne irgendeine kleine Münze gewesen und hatte sich unter Schmerzen von einem halben Tagesverdienst getrennt. Gar nichts zu geben, war natürlich nicht in Frage gekommen – was hätten dann die Leute rundherum gedacht … Jetzt beklagte er sich laut bei meiner Mutter und mir, als hätten wir ihn geschädigt. Wir beide fuhren in seinem Wagen mit, da mein Vater zu Hause geblieben war. Um mich abzulenken, ging ich Wortfelder durch, wie in der Deutschstunde: Steige, Absteige, verstiegen …

Das Fest war dann für mich bei weitem nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Nicht ich stand im Mittelpunkt, sondern die Feier selbst, sie kreiste um sich selbst, ohne erkennbaren Sinn, Zweck oder Mittelpunkt. Allgemein aß und trank man viel und sprach sehr laut. Mein Gott, wie viel Lärm sie damals machten, unsere Gäste! Sie hatten es eilig, zu Tisch zu kommen, und hielten sich nicht lange damit auf, mir Glück für meinen Lebensweg zu wünschen und dabei die Geschenke loszuwerden. Ich kam mir vor wie ein Kassierer, bei dem man ja auch nicht lange verweilt. Sie interessierten sich viel weniger für mich als für die Gesichter aus ihrer eigenen Generation: Geschwister und Schwäger und Schwippschwäger. Junge Leute waren kaum da.

Oma Berta war auch gekommen, die Mutter meines Vaters, eine Oma zweiter Klasse. Zur Feier des Tages hatte sie die wenigen ihr verbliebenen Haare mit der Brennschere bearbeitet und zurechtgelegt. Dass sie vor Zeiten etwas Besseres gewesen war, vor ihrem Bankrott und Ruin anno dreizehn, kam auch ans festliche Licht dieser Familienfeier. Sie nahm nicht einfach am Tisch Platz, sondern ließ sich zur Tafel führen und entfaltete dabei eine zitterige Grazie. Sie trank nicht einfach wie alle anderen, sondern stellte einem vor Augen, was es bedeutet: sein Glas zum Mund führen. Was tat es, wenn sie dabei ein wenig von dem Wein verschüttete – auf die Handbewegung kam es an, die sie allein von uns Übrigen unterschied und die an eine längst hingesunkene, prächtigere Zeit gemahnte ( - nobles Wort zu nobler Geste). Im Übrigen bat sie die festlich Versammelten im Hinblick auf ihr hohes Alter, die schmackhaften Bissen und besonders das ihr schon vorgeschnittene Fleisch mit der Gabel in der Rechten zum Mund führen zu dürfen. Das war zwar unvornehm, nur wie gesagt, sie war schon etwas zitterig.

„Der Pfarrer! Der Herr Pfarrer!“ Einmal trat nun doch Stille ein. Schuster ließ sich an diesem Tag durch seine Frau von Feier zu Feier chauffieren und blieb überall fünf oder zehn Minuten. Ob er sich auch bei Rolf blicken ließ, in der Hottentottensiedlung? Das konnte ich mir kaum vorstellen. Er sah aus wie ein erschöpfter Politiker am Ende des Wahlkampfes und aß ein halbes Stück Sandkuchen – die Frau Pfarrer verweigerte jeden Bissen -, und er lächelte dünn, o ja, Schuster lächelte, was noch nie erlebt worden war. Heute war ja Konfirmation und damit zum Glück nun alles vorbei.

Kaum war er weg, setzte das Geschnatter wieder ein. Meine Oma – die richtige Oma – schrie über alle Köpfe hinweg: „Bei Opas Geburtstag taucht er jetzt auch immer auf! Seit Opa siebzig ist! Er muss doch wissen, dass wir nicht in der Kirche sind! Seit fünfundvierzig Jahren schon! Aber er riecht wohl den Braten, der Herr Pfarrer!“

Alle lachten. Nur Tante Adolphines Gesicht wies Flecken voller Entrüstung auf. Immerhin brachte sie Kraft auf, nichts zu sagen.

Beim Aufbruch verfehlte Onkel Georg die richtige Zufahrt zur Straße. Das Gelände um unser Haus war etwas unübersichtlich, er verfuhr sich und blieb im Schlamm stecken; zudem drohte der Wagen, einen Abhang hinunterzurutschen. Wir gingen mit den übrigen Gästen hinaus und halfen ihm, sein Auto wieder flottzukriegen. Der Einfachheit halber verabschiedeten sich die letzten Gäste dann gleich draußen von uns. Wir kehrten ziemlich verdreckt ins Haus zurück.

Ich inspizierte sofort die Geschenke: einige praktische Sachen, viele Blumentöpfe - Azaleen vor allem – und Geld, noch mehr Geld, als ich gedacht hatte. Es waren sechshundertundfünfzehn Mark, wie eine erste Zählung ergab und eine zweite bestätigte.

Wir räumten auf. Es war schon spät, als wir das Gröbste hinter uns hatten. Vor dem Einschlafen blätterte ich im Neckermann-Katalog. Was ich mir von dem Geld alles kaufen konnte: ein Zelt, ein Fahrrad, eine Lederhose und – eine Schreibmaschine …

Die Azaleen schmissen wir schon nach einer Woche fort. Sie waren total verlaust.

(Geschrieben 1989)


Einstell-Datum: 2012-01-16

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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