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Die wandelbare Tür
Autor: sigrid ackermann · Rubrik:
Erzählungen

Vorwort

Dieses hier wird ein Märchen dass ich nicht in der
Schublade liegen hatte. Es entsteht gerade jetzt in
meinem Kopf. Ich kann nicht versprechen dass es gut
wird! Aber ich denke- es werden viel zu selten noch
Märchen gelesen oder vorgelesen. Und das ist schade!

"Die wandelbare Tür"

Vor ungefähr drei Jahrhunderten genau weiß ich es
nicht mehr.
Gab es eine trutzige Burg hoch oben auf einem
Felsen. Zur damaligen Zeit war eine Burg nichts seltenes, es gab derer viele. Heutzutage sieht man
oft nur noch Ruinen von Burgen und Schlössern.
Die Burg von der ich Euch erzählen möchte, gehörte
einem Selbstsüchtigen und grausamen Burgherren.
Sein Name war Eduard von Wichlingen und Er führte
auf Seiner Burg ein gar strenges Regiment! All Seine
Bediensteten fürchteten Ihn und blieben Ihm lieber
fern. Er war bekannt für Seine Wutausbrüche und
liebte es Mensch und Tier zu quälen!

So ritt Er Seine Pferde zu Schanden, trat Seine Hunde
und ließ jeden auspeitschen der nicht all sein Tagwerk
zu Seiner Zufriedenheit verrichtete.

Eduard heiratete erst in späten Jahren eine wunderschöne, gutherzige Edeldame mit Namen Emma. Sie war noch sehr jung und glaubte immerzu
an das Gute in den Menschen. Auch Eduard war sie
in Liebe zugetan und sie tat alles um Ihm zu gefallen!
Sie ertrug geduldig Eduards Spott und Seine Missachtung ihr gegenüber. Missachtung, weil Emma
Ihm nicht den ersehnten Sohn schenken konnte!
Er brauchte einen Erben dem Er all Seine Zuwendung
geben wollte, denn im Grunde seines Herzens war
Eduard ein einsamer Mann!
Niemand bemerkte das nur Emma und Er tat ihr leid,
weil Er so gar keine Liebe empfinden konnte.

So gingen viele Jahre ins Land und die Burg wurde
zu einem Ort des Schreckens. Abweisend und düster
thronte sie hoch oben auf dem Felsen. Kein fröhliches
Kinderlachen schallte von den steinernen Wänden wider. Auch Emma wurde immer trauriger, bis eines
Tages endlich nach all den Jahren. Emma ein Kind unter dem Herzen trug, das konnte ihr Gemahl zuerst
nicht glauben und kümmerte sich nicht darum. Er
sagte: Du willst mich nur verhöhnen und wenn es wahr
wäre, wäre dieses Kind sicherlich von einem Stallburschen.
Emma sagte nichts dazu, sie war glücklich und freute
sich auf das Baby! Wenn es nur ein Junge würde!
Sie betete jeden Tag und jede Nacht, damit es ein
Sohn würde.

Doch das Schicksal meinte es nicht so gut mit ihr,
sie bekam eine Tochter und nannte sie Miranda.
Eduard lehnte die kleine ab und gab Emma die Schuld
daran, dass es kein Knabe war!
Miranda wuchs zu einer Schönheit heran- mit blondem
Haar das die Farbe von Honig hatte und dunkelblauen
Augen, tief wie das Meer!

Miranda war nicht nur ein schönes Kind, sie war
auch sehr lieb und einfühlsam! Sie hatte stets einen
offenen Blick für alle Nöte und Sorgen der Menschen.
Und sie liebte die Tiere über alles.
Darum war sie auch sehr oft im Pferdestall und half
den Stallburschen beim Füttern und striegeln. Sie war
sich auch nicht zu schade, den Stall auszumisten.

Ihr Vater sah dieses gar nicht gerne und hatte das
Mädchen schon oft verprügelt!
Obwohl Eduard sich sonst nicht um seine Tochter kümmerte- wenn Er sie nur in der Nähe der Stallungen
sah wurde Er sehr zornig!

Trotz der vielen Prügel zog es Miranda immer wieder
dort hin. Einen der Stallburschen mochte sie besonders
gern- Heinrich hieß Er und war siebzehn Jahre. Gerade
zwei Jahre älter als Miranda. Er hatte schwarze Locken
und große braune Augen und so ein fröhliches Lachen, dass Er Miranda immer wieder damit aufheitern
konnte! Die zwei verstanden sich sehr gut.

Als das Mädchen sechzehn Jahre wurde geschah etwas furchtbares, ihre geliebte Mutter bekam eine
schlimme Krankheit. Die sie ans Bett fesselte, Emma wurde immer schwächer- von Tag zu Tag. Ihre Lebenskraft erlosch langsam wie eine Kerze im Wind!
Alle Bediensteten der Burg ging das nah und sie nahmen ihren ganzen Mut zusammen und sprachen mit ihrem Herren. Er möge doch einen Doktor kommen lassen um der Herrin zu helfen.
Sie zogen sich Eduards Zorn zu, Er ließ sie alle auspeitschen und verbot ihnen Seiner Frau zu helfen!

Miranda saß Tag und Nacht am Bett ihrer Mutter und
weinte bittere Tränen! Eines Tages als Emma sich ein
klein wenig besser fühlte, erzählte sie ihrer Tochter von der Wandelbaren Tür!
Sie sagte: Mein geliebtes Kind ich muss bald sterben
aber ich habe keine Angst und Du darfst Dich auch nicht fürchten! Hier auf der Burg oben auf der Galerie
gibt es eine Tür, die etwas ganz besonderes kann.
Sie ist nur sichtbar für Menschen reinen Herzens- nur
sie können diese Tür sehen und hindurch gehen!
Dein Vater hat sie nie entdeckt und ich habe immer geglaubt, ganz tief in Seinem Herzen wäre Er ein guter
Mensch. Leider habe ich mich getäuscht!
Sie sank entkräftet in die Kissen zurück und Miranda
gab ihr zu trinken, so das sie weiter reden konnte.

Miranda, flüsterte Emma: Du musst wissen diese Tür tut etwas geheimnisvolles. Sie sieht immer anders aus.
Mal ist sie groß und breit wie ein Scheunentor und mal
klein und ganz schmal wie eine Ofentür. Du musst diese Tür finden und hindurch gehen. Hinter ihr findest
Du all die Antworten auf Deine Fragen!

Emma sank wieder zurück und schloss die Augen.
Sie starb- wie sie gelebt hatte still und friedlich!
Die wandelbare Tür.

Miranda war wie versteinert sie konnte nicht einmal
weinen. Sie saß drei Tage und drei Nächte am Bett
ihrer toten Mutter!
Die Bediensteten machten sich große Sorgen um sie
und holten ihren Vater.
Eduard schaute angewidert auf seine Frau und sagte:
Sie muss hier weg. Packt Euch und werft sie ins Meer!

Da- erwachte Miranda aus ihrer Erstarrung und konnte
endlich weinen. Nein, nein schluchzte sie meine geliebte Mutter. Bitte Vater- wir müssen einen Priester
holen und sie in Würde bestatten lassen mit Gottes
Segen und in geweihter Erde!

Ihr Vater verhöhnte sie nur und sagte: Nicht einen Heller habe ich dafür übrig, sie war eine schlechte Frau.
Warf mein Geld zum Fenster hinaus für elende Bittsteller und alte Weiber in Lumpen. So soll sie auch
gekleidet werden, in Lumpen gehüllt und im Meer versenkt!
Alle im Raum wurden bleich als Miranda ihrem Vater
widersprach, es wagte ihn anzuschreien!
Er ließ sie aus dem Raum prügeln.
Sie lief fort hinab zu den Stallungen um dort zu weinen und Heinrich ihr Leid zu klagen.

Er war auch da und nahm sie wortlos in den Arm.
Er hatte schon von dem Tod der Herrin erfahren, die
immer ein gutes Wort für Ihn hatte und für alle anderen. Was sollte nun werden?

Miranda zitterte in Seinen Armen wie ein junges Bäumchen im Wind und weinte bittere Tränen.
Heinrich ließ sie weinen und strich über ihr honigfarbenes Haar, Er sagte kein einziges Wort.

Als das Mädchen sich ein wenig beruhigt hatte, sagte
Er nur: Denk an die wandelbare Tür Miranda!
Sie sah zu Ihm auf und sagte leise: Ja, aber woher weißt Du davon?
Nach langem Schweigen sagte Heinrich: Gehe auf die
Galerie und finde die Tür, aber gehe allein dort hin!

Aber ich habe solche Furcht kannst Du mich nicht begleiten?
Nein, sagte Er Du musst es allein tun und ohne Furcht.
Niemand wird Dir ein Leides tun! Du hast ein reines Herz und das weiß die Tür. Sie wird dich einlassen-
hab keine Furcht und nun geh!

Miranda ging mit bangen Herzen und blind vor Tränen
zur Burg zurück. In ihr war alles kalt und taub.
Plötzlich verharrte sie im Schritte, sie hörte die Stimme
ihrer Mutter in ihrem Kopf. Die leise zu ihr sprach: Mein
geliebtes Kind, meine Miranda! Vertraue Heinrich und
suche die Tür und weine nicht mehr. Ich bin immer bei
Dir und schütze Dich vor allem Unglück- mit Gottes Hilfe.

Miranda drängte es ihre Mutter zu rufen- zu fragen,
was ist nur hinter dieser Tür?
Doch die Stimme verhallte wie ein Echo und sie hörte
nur noch das Wort Tür!

Miranda schlich sich in die Burg, sie wollte und durfte
ihrem Vater nicht begegnen! Sie zog ihre Schuhe aus
um ja keinen Lärm zu machen und stieg empor zur
Galerie.
Dort oben war es zugig und dunkel. Das Mädchen
fürchtete sich, sie war noch nie hier oben gewesen.
Warum auch? Viel lieber war sie doch bei Heinrich und
den Pferden oder sie tollte mit den Hunden herum.

Die Galerie ging um die ganze Burg herum und Miranda
wusste nicht wo sie nach der Tür suchen sollte.
Es gab einfach keine Tür vielleicht hatte ihre Mutter
im Fieberwahn gesprochen!
Aber Heinrich wusste auch davon, wie war das möglich?
Als sie stundenlang herum gegangen war- ohne Hunger und Durst zu spüren, sah sie auf einmal eine
Nische. Wie ein Fenster sah sie aus. Mit einem Rundbogen und in Stein gefasst.
Die war ihr vorher doch nicht aufgefallen!
Sie ging einen Schritt darauf zu und die Nische war
plötzlich verschwunden!
Nur noch eine steinerne Wand war zu sehen.
Von der die Feuchtigkeit rann und am Boden eine
Pfütze bildete.
Miranda hielt ihre Hände daran- kalt- der Stein war so
kalt! Sie musste wieder an ihre geliebte Mutter denken.
Bald war auch sie so kalt wie dieser Stein!

Oh, auch ich will sterben rief sie, was soll ich noch hier
ohne meine Mutter?
Das Mädchen hatte die Augen geschlossen,
als sie sie
wieder öffnete sah sie eine aus Ebenholz geschnitzte
glänzende Tür, mit einer goldenen Klinke.
Gerade als sie die Klinke herunter
drücken wollte.
Geschah etwas seltsames!
Diese prächtige Tür floss einfach auseinander. So wie
flüssiges Pech und zu Mirandas Füßen bildete sich
ein schwarzer See!
Sie wusste nicht ein noch aus,
was sollte sie nur tun?
War sie denn nicht reinen Herzens? Wollte die Tür sie nicht einlassen?

Miranda wich zurück vor diesem Pechsee, sie wollte nicht darin ertrinken! Kauernd auf dem kalten Felsboden weinte sie bitterlich- eine lange Zeit!

Bis sie wieder die stimme Emmas hörte, welche sagte:
Mein liebes Kind, Du darfst nicht aufgeben! Sei frohen
Mutes und glaube!
Die wandelbare Tür lässt nur Menschen ein, die glauben und sich nicht der Verzweiflung hingeben!
Steh auf Miranda und finde!
Miranda tat wie ihr geheißen und stand vom Boden auf. Sie wollte glauben und sprach ein Gebet: Bitte Vater im Himmel hilf mir zu glauben und hilf mir mutig
zu sein!

Wieder schaute sie vor sich und sah wieder nur nackten Stein. Es war sinnlos- niemals würde die Tür sich ihr öffnen. Sie wandte sich zum gehen, irgend etwas sagte ihr tief in ihrem Herzen- sie solle sich noch
einmal umsehen.

Dort stand eine mächtige Eiche ihre Wurzeln wuchsen
weit verzweigt in die steinernen Mauern hinein.
Miranda berührte den Stamm des Baumes und ganz unten am Fuße, sah sie eine winzige Tür- eine Tür durch die Zwerge passen würden. Aber niemals sie selbst und es gab keine Klinke, nur ein Astloch!

Sie berührte es und es tat sich auf, die Tür wurde ein wenig höher und schwang lautlos auf.
Miranda musste hindurch kriechen wie ein Hund, der in
einen Fuchsbau kriecht.
Es war furchtbar eng aber es war warm und es wurde
immer heller, je weiter das Mädchen kam.
Sie konnte auf einmal aufrecht stehen und ging staunend mitten durch einen Baum!

Es war ein Wunder und Miranda hatte keine Furcht mehr. Bis sie eine laute tiefe Stimme hörte, die sagte:
Wer bist Du und was willst Du?
Diese stimme machte ihr wieder Angst- sie war so bedrohlich und streng .Als spräche da ihr Vater!

Miranda nahm ihren ganzen Mut zusammen und antwortete: Ich habe die wandelbare Tür gefunden,
mein Name ist Miranda und ich bin reinen Herzens!

Das habe ich hier schon öfter gehört, antwortete die
Stimme und das Mädchen sah ein gleißendes Licht-
welches sie blendete. Sie schloss kurz die Augen als sie
sie wieder öffnete stand ein Engel vor ihr. Ein wunderschöner Engel in einem reinweißem Kleid mit
blondem, langen Haar und herrlichen Flügeln!

Er trug ein breites Schwert in der Hand und richtete es auf Miranda, die Spitze zeigte auf ihr Herz.
Geh fort sagte dieser Engel der so schön war. Doch in seinen Augen funkelte Hass und glühte ein Feuer.
Er sagte: Geh Menschenkind sonst muss ich dich töten!
Ich bin Adrian der Wächter der wandelbaren Tür.
Gehe jetzt solange Du es noch kannst!

Der Engel Adrian sah zornig auf das Mädchen herab.
Miranda konnte es nicht glauben, dass ein so schöner
Engel- ein Himmelsgeschöpf ihr etwas antun wollte!
Wo war sie nur? War sie tatsächlich im Himmel?
Einfach so gestorben mit ihrer Mutter zusammen?
Oder war sie gar in der Hölle? All diese Fragen gingen
ihr rasend schnell durch den Kopf. Oh, wäre doch nur ihre Mutter bei ihr oder Heinrich um sie zu schützen!
Nicht einmal die Stimme ihrer Mutter hörte sie mehr,
war auch Emma hier machtlos?

Sie sah zu Adrian auf, Er wiederholte seine Worte und
wollte gerade das Schwert in ihr Herz bohren.
Als eine helle aber starke Stimme aus den Tiefen des
Baumes ertönte!
Vom Echo begleitet- so als wären es viele stimmen!
Die Stimme rief: Adrian Wächter der Tür, senke dein
Schwert und lasse das Mädchen ein! Ich will sie sehen!
Gehe, Du wirst nicht mehr gebraucht- geh ich befehle es Dir!
Der Engel tat wie Ihm geheißen und legte sein Schwert nieder. Er verbeugte sich vor Miranda und sagte: Geh zu unserem Herrn. Wenn er Dich sehen will
bist Du reinen Herzens- Er hat die Weisheit dieser Welt
und die Macht über alle Welten! Nimm dies hier mit, es
wird dir den Weg weisen und Adrian zog eine lange weiße Feder aus seinem linken Flügel. Er gab sie Miranda und sprach weiter: Du musst diese Feder an Dein Herz drücken, verliere sie nicht! Denn wenn das geschieht, wirst Du dich hier verirren und nie mehr zurück finden!

Das Mädchen schaute fasziniert auf die wunderschöne,
weiche Feder- die in ihrer Hand zitterte und sich darin
drehte. Als sie dem Engel danken wollte, war dieser fort. Nur sein Licht blieb von Ihm und die Feder, die sich
ganz von allein nach links drehte.
Miranda folgte ihr und ging langsam einen schmalen Pfad entlang. Überall wuchsen Wurzeln über den Pfad,
bis an eine Decke die unendlich hoch war.

Sie ging lange, eingehüllt in ein milchig weißes Licht.
Die Feder rührte sich erneut in ihrer Hand und drehte
sich nach rechts.
Miranda folgte ihr und konnte es kaum glauben, sie hatte den Pfad verlassen und ging durch eine breite
Allee von silbern schimmernden Bäumen auf denen
rote Früchte hingen, die aussahen wie Herzen!

Wieder musste sie lange gehen, ohne das sich die Feder die jetzt an ihr Herz drückte- bewegte.
Weit vor sich konnte das Mädchen einen goldenen Schimmer erkennen. Sie ging darauf zu. Doch war es als ob der Schimmer in immer weitere Ferne rückte!
Und dennoch kam sie ihm immer näher.
Was war das nur?

Es schien so nah und war doch so fern. Auch diese Stimme hörte Sie nicht mehr, aber dafür eine leise wunderbare Musik. Zart schwingende Töne die sie tief
in sich hörte und die ihr das Herz leicht machten!
Nach stundenlangem Gehen kam Miranda dem goldenen Schimmer endlich nahe!
Die Engelsfeder fiel ihr aus der Hand und zeigte auf ein
mächtiges Portal. Es war riesig und hatte zwei Flügeltüren, welche weit offen standen!
Aber dahinter war es dunkel!

Miranda wollte die Feder aufheben- sie war verschwunden! Aber die wundervolle Musik war noch da und führte das Mädchen durch das goldene Portal.
Sie befand sich in einer weiten Halle, die nur von Kerzen beleuchtet war.

Spärlich beleuchtet war diese Halle auch wenn es sicherlich tausende von großen, dicken Kerzen an den
Wänden gab. Und Mirandas Schritte erzeugten kein Echo! Es war ihr als ginge sie auf einem weichen Teppich aus Moos- sowie sie und Heinrich oft im
Buchenhain auf einem Moosteppich gesessen hatten.
Als er ihr Lieder vorsang und dazu auf einer Laute
spielte. Wie sehr sie Ihn jetzt vermisste. Wusste er denn nicht, dass sie lieb hatte?
Ganz in Gedanken versunken ging sie weiter, die Halle
schien kein ende zu nehmen!

Auf einmal stand das Mädchen vor einem goldenen
Tisch- herrlich anzusehen. Mit geschwungenen Beinen
und einer marmornen Platte.
Mitten auf dem Tisch saß eine Figur aus Jade im Schneidersitz, sie sah aus wie ein kleiner Buddah.
Miranda schaute die Figur staunend an, als dieser Buddah plötzlich zu sprechen begann!

Er sprach mit dieser hellen Stimme- ohne sich zu bewegen- nicht einmal die Lippen!
Komm ein wenig näher mein Kind, damit ich dich anschauen kann. Hab keine Furcht!
Miranda ging ganz nah an den Tisch heran und sagte:
Wer bist Du? Bist Du der liebe Gott und ist das hier der Himmel?

Die Figur lachte leise und sagte: Nein, der liebe Gott bin ich nicht und Du bist nicht im Himmel! Denn du lebst doch, das musst du doch spüren!
Aber es ist alles so seltsam und geheimnisvoll antwortete Miranda, bitte sag mir Deinen Namen.

Ich bin Amafa und das hier ist Deine Seele. Wir sind in
Deiner Seele mein Kind! Jeder der ein reines Herz hat,
kann in seine Seele gehen und dort seine Zukunft sehen! Ich bin der Wächter Deiner Seele, wie Adrian der Wächter der Tür ist!
Adrian- der Engel wollte mich töten, sagte das Mädchen; ich hatte solche Angst!

Amafa kicherte vor sich hin- ja der gute Adrian ist manchmal ein wenig übereifrig. Er nimmt Seine Aufgabe sehr ernst, man hat Ihn aus dem Himmel verbannt weil er niemanden durch die Pforte lassen
wollte. Er war einmal ein Wächter des Himmels! Nun ist er hier bei mir und ist ein wenig ärgerlich. Er meint ich ließe zu viele Menschen die Türe finden und in ihre Seele schauen.
Aber zu Dir mein Kind, sicher hast Du viele Fragen an mich. Stelle sie!
Miranda musste überlegen- es war so furchtbar viel was sie wissen wollte, sie fand keinen Anfang.

Amafa schaute sie lange an und sagte: Miranda sieh einmal hinter Dich, siehst Du die Treppe dort?
Gehe sie hinauf und bleibe auf jedem Podest stehen.
Und stelle eine Frage- nur eine! Sie wird dir beantwortet werden!

Das Mädchen ging auf die Treppe zu, sie war so hoch
und die Stufen schmal und geschwungen. Eine Wendeltreppe ohne Geländer, nach zehn stufen kam
immer ein Podest.
Sie schaute sich nach Amafa um, er deutete auf die Treppe und sagte: Gehe hinauf, die erste stufe ist immer die schwerste! Wenn Du sie überwunden hast,
wird dich die Furcht verlassen! Und höre nicht auf die stimmen! Sie wollen Dich nur verwirren- wollen nicht daß du höher steigst!

Miranda setzte ihren Fuß auf die erste Stufe und erschrak- denn die Stufe schrie wie ein hungriges Katzenbaby und weinte und greinte: Du tust mir weh!
Geh zurück! Sonst vergehe ich wie eine Flamme im Wind!
Miranda spürte Mitleid und nahm ihren Fuß von der Stufe, sofort hörte das Schreien auf!

Amafa rief ihr zu: Versuche es noch einmal Miranda, halte Deine Ohren zu und schließe auch die Augen! Ich kann Dich nicht begleiten- in Deine Zukunft
musst Du allein gehen! Lasse dich nicht beirren!

Das Mädchen setzte wieder ihren Fuß auf die erste Stufe. Mit zugehaltenen Ohren-
doch offenen Augen!
Sie sah auf die stufe und fing an zu schreien.
Die Stufe war voller Schlangen, die sie anzischten und sich aufrichteten um sie zu beißen!
Es war ein einziges glitschiges Gewimmel auf dieser Stufe- auf so einer engen Stufe!
Miranda wich zurück und rief: Ich kann dort nicht hinauf gehen, wenn das meine Seele sein soll- so muss sie doch schlecht und verdorben sein!

Sie bekam keine Antwort mehr. Amafa hatte sie verlassen, sie musste es allein tun!

Die wandelbare Tür.

Nun war Miranda ganz auf sich gestellt und wieder verließ sie der Mut! Allein, dieses Wort- wie hoffnungslos es klang! Allein!
Sie sah auf die Stufe, die Schlangen waren fort. Es war
nur eine enge Stufe, sie setzte ihren Fuß darauf und
zog ihn hastig zurück. Aus der Stufe ragte ein Kopf
hervor grauslich anzusehen, mit gedrehten Hörnern
an den Stellen wo eigentlich die Ohren sein sollten.
Mit roten Augen und einem breiten Maul in dem sich eine gespaltene Zunge schlängelte. Geifer lief diesem
Wesen aus dem Maul als es sagte: Du, wirst niemals die Treppe bis ganz nach oben steigen- Du Menschenwurm! Und das Wesen lachte dröhnend und
böse, schaute das Mädchen lauernd an- es erwartete
eine Antwort!

Miranda spürte Zorn in sich und die Angst fiel von ihr ab. Sie schrie: Geh fort aus meiner Seele! Nie habe ich hässliches gedacht und nie habe ich etwas schlimmes getan! Geh fort und lass mich durch!
Das Wesen schrak zurück- es zog seinen Kopf in die Stufe, nichts blieb von ihm!
Miranda konnte endlich die schwerste Stufe in ihre Zukunft betreten!
Sie ging bis zur zehnten hinauf zum Podest, dort blieb sie stehen und hörte wieder diese wunderbare Melodie. Und die Stimme von Emma, die sagte: Mein geliebtes Kind, Du hast die erste Hürde überwunden.
Durch Deinen Mut und Glauben- gehe weiter der Weg ist noch lang und nicht immer einfach- Glaube!

Mutter, rief Miranda bleib bei mir bitte- geh mit mir durch meine Seele in meine Zukunft!
Aber Emmas stimme war verklungen doch war das Mädchen nicht mehr allein. Burschi ihr Lieblingshund kam auf sie zugelaufen und sprang an ihr hoch um ihr
das Gesicht zu lecken. Miranda konnte es nicht fassen,
denn Burschi war schon über ein Jahr tot! Eduard ihr Vater hatte den kleinen Hund zu Tode geprügelt und nur weil er ein Huhn gejagt hatte!
Aber der Hund war hier bei ihr, sie war nicht mehr gar so allein.
Burschi zog an ihrem kleid- so als wolle er sagen: Komm wir müssen weiter zum zweiten Podest!

Miranda verstand ihn und ging die nächsten Stufen hinauf. Sie konnte kein Ziel entdecken, diese merkwürdige Treppe schien direkt in den Himmel zu führen!
Die Stufen waren uneben, manche knarrten und manche drohten zu brechen- es war als lebten sie.
Die neunte Stufe tat etwas seltsames, sie sang ein Lied daß Mirandas Mutter immer gesungen hatte.
Es hieß: Lass mich ein in dein Herz- so kann ich in Deine Seele blicken!

Das Mädchen hörte gebannt zu, aber Burschi wurde ungeduldig- er bellte. So stieg sie auf das Podest und
wartete auf weitere Wunder!
Die ließen nicht lange auf sich warten, doch war es kein schönes Erlebnis welches Miranda erwartete!
Es war grausam und sie hatte furchtbare Angst!
Hinter ihr stand- ihr Vater mit einer Peitsche in der Hand, die er drohend über dem Kopf des Mädchens schwingen ließ!

Eduard schwang diese Peitsche drohend über Mirandas Kopf, eine Peitsche die steif von getrocknetem Blut all derer war- die sie so oft zu spüren bekamen!
Miranda vergrub ihren Kopf im Schoß und drückte
den kleinen Hund fest an sich. Sie erwartete die
scharfen Schmerzen und dicke Tränen liefen ihr über
das Gesicht. Doch die Schläge blieben aus!

Warum nur?
Ihr Vater sagte böse und mit Hohn in der Stimme:
Was hast Du hier zu suchen, noch dazu mit diesem Drecksköter? Warte nur, deine Schläge bekommst du noch unnützes Mädchen. Du kannst nicht meine Tochter sein, Du bist ein wertloses Wesen-ein Wechselbalg! Ich werde Dich töten wie ich auch Deine Mutter getötet habe! Ja, ich habe sie vergiftet.
Ganz langsam- jeden Tag ein wenig mehr. Ich wollte sie leiden sehen und auch dich will ich leiden sehen!

Das erschütterte Miranda so sehr, daß sie ihre Angst vergaß und nur Wut spürte auf diesen schlechten Menschen. Sie erhob sich und sagte: Du bist hier in meiner Seele. Wer hat dich eingelassen? Wie hast du die wandelbare Tür finden können?

Du dummes Kind, weißt du nicht daß jeder dem Taler zugetan ist? Die Gier dieses Engels machte ich mir zu Nutze und er ließ mich ein!

Miranda schrie: Ich werde das Amafa sagen, er ist mächtig und weise! Bei diesem Namen wich Eduard bleich und zitternd zurück und es geschah etwas merkwürdiges!
Er löste sich vor den Augen des Mädchens einfach auf,
alles was von Ihm blieb war - seine Peitsche!
Miranda brach weinend zusammen. Burschi leckte ihr wieder das Gesicht und drängte sich an sie. Doch er ließ ihr keine Ruhe zum Zweifeln, sie mussten weiter-
weiter die stufen hinauf zum nächsten Podest.

Erschöpft stiegen sie höher, auf der dritten Stufe konnten sie sich kaum halten. So sehr schwankte sie-
bewegte sich wie die Wellen des Meeres! Und es gab ja kein Geländer, sie drohten in die tiefe zu stürzen!
Miranda hätte nicht noch einmal die Kraft gehabt um ganz von vorn die Treppe zu besteigen. Sie übersprang
die dritte Stufe mit dem Hund auf dem Arm!
Nun ging alles gut, wohlbehalten standen beide auf dem Podest. Dort geschah- nichts für eine lange Zeit.
Eine ewige Zeit wie es Miranda schien, bis sie Meeresrauschen hörte- welches sie so liebte! Durch das
Rauschen hindurch konnte das Mädchen eine ihr vertraute Stimme hören, die sagte: Meine Liebe- Du bist meine Liebe Miranda, gib nicht auf Du bist bald am ziel und wir werden endlich Eins!

Es war die stimme Heinrichs und plötzlich wurde es Miranda klar, daß auch sie diesen Jungen liebte und es nicht nur eine wundervolle Freundschaft war. Sondern eine wahre und große Liebe. Er war ihr Schicksal und ihre Zukunft!

Ja, hörte sie aus weiter Ferne- Du hast Dein Herz ganz weit geöffnet und erkannt! Du glaubst!
Es war Amafas stimme aus den Weiten ihrer eigenen Seele!
Miranda spürte ein unglaubliches Glücksgefühl und Hoffnung auf eine wunderschöne Zukunft!
Doch hatte sie nicht mit dem Zorn des Engels Adrian
gerechnet!
Amafa hatte Ihm wohl sein Schwert genommen, aber nicht seinen Bogen mit dem Köcher voller giftiger Pfeile, den er versteckt hatte.
Doch nichts blieb Amafa verborgen, Er wusste!
Nur musste Miranda noch einige schwere Prüfungen bestehen, bis sie in ihre Zukunft gehen konnte!

Das wusste auch Miranda- doch war die furcht von ihr gewichen, sie fühlte sich sehr stark- sie liebte und wurde geliebt!

Dieses Gefühl der Liebe in Mirandas Herzen war unbeschreiblich schön! Sie fühlte soviel Kraft in sich,
als könne sie Bäume ausreißen und jedem trotzen
der sich ihr in den Weg stellen wollte.
Amafa beobachtete sie und lächelte- ja die Kraft der Liebe ,auch er wurde einst geliebt. Sie war so schön
Seine geliebte Kandra und so edelmütig!
Amafa war ihr verfallen mit Haut und Haar, damals war
Er noch ein Mensch und keine kleine Statuette aus
Jade!
Er war ein großer und mächtiger König, der mit Güte
und Liebe über sein Reich regierte. Dann traf Er Kandra
bei einem Ausritt durch seine Wälder , sie ritt ein schneeweißes Ross. Majestätisch saß sie im Damensitz
auf ihrem Pferd, schön wie eine Fee mit langem schwarzen Haar und dunklen Augen. Einem Mund, der zum Küssen wie geschaffen war.
Amafa verliebte sich auf der Stelle in Kandra. Er war

hingerissen von ihrer Schönheit und wenig später heiratete Er sie. Es wurde ein rauschendes Fest und eine glückliche Ehe!
Doch Kandra veränderte sich, jeden Tag ein wenig mehr. Sie wurde böse und war mit nichts mehr zufrieden- auch nicht mit sich selbst!
Ihr einst so vollkommenes Antlitz wurde immer hässlicher
und um ihren Mund spielte ein hinterhältiges Lächeln.
Immer wenn sie Amafa ansah, ganz besonders beim Speisen flackerte in ihren dunklen Augen ein roter Funke. Sie achtete darauf, daß ihr Gemahl seinen Teller
immer leerte und tat Ihm gerne noch ein zweites mal auf. Das hatte seinen Grund- Kandra war eine Hexe!
Sie vergiftete Amafa ganz langsam, es war ein furchtbares Gift- das bewirkte alle die davon aßen zu
Stein werden ließ.
Kandra hatte schon viele Männer versteinert, sie hatte
sie alle in ihrem Schrank verborgen und schaute sie oft
voller Hass und tiefer Befriedigung an. Sie war dreihundert Jahre alt! Eine bösartige und hartherzige Hexe, die sich der schwarzen Magie verschrieben hatte!

Amafa wurde nicht zu Stein weil Er edel und gutherzig war. Doch er wurde zu einer Jadefigur und das machte Kandra so wütend, daß sie eines Tages einfach verschwand und sich ein neues Opfer suchte.
Sie ward nie mehr gesehen! Doch durch die Verwandlung wurde Amafa weise und wissend!

Das alles hörte Miranda in ihrem eigenen Herzen und es dauerte sie. Nur musste sie weiter bis zum nächsten
Podest, sie durfte nicht ausruhen. Die Treppe war noch so hoch und sie wollte doch Heinrich endlich in die arme schließen und mit Ihm gemeinsam in eine wunderbare Zukunft gehen!

Das ahnungslose Mädchen bemerkte nicht den Schatten, der hinter ihr her schlich. Es war Adrian mit
seinem Köcher voller vergifteter Pfeile. Er hatte den
Pfeil schon auf den Bogen gespannt. Getränkt mit dem
Gift der Eifersucht!

Die letzte Stufe vor dem Podest tat etwas mit Miranda, sie flüsterte ihr zu: Mädchen, gehe zurück denn wenn Du weiter gehst wirst Du es bitter bereuen! Noch ist Zeit für die Umkehr- noch ist
es Zeit!
Die Stimme verhallte und Miranda klang Amafas Stimme im Ohr, die ihr gesagt hatte: Achte nicht auf die Stimmen!
So trat sie auf das Podest und sah dort Heinrich stehen- ihren Heinrich. Aber Er hatte ein rothaariges
Mädchen an der Hand, die verliebt zu Ihm aufschaute.

Miranda konnte nicht atmen und als Heinrich zu ihr sagte: Was suchst Du hier? Hast Du ernsthaft geglaubt,
ich würde dich lieben? Du naives Kind! Siehst Du nicht das Mädchen an meiner Seite? Sie und nur sie ist meine Liebe! Ihr Name ist Rosa und in wenigen Stunden sind wir Mann und Weib! Und Er küsste das Mädchen wild und stürmisch!
Doch Miranda sah die Pfeilspitze in Seinem Rücken.
Das war die Spitze der Gleichgültigkeit und der Gier!

Miranda spürte einen feinen aber scharfen Stich in ihrem eigenen Rücken. Der Engel hatte sie mit dem Pfeil der Eifersucht und des Zweifels getroffen, mitten
ins Herz! So stieg Zorn in ihr auf und sie sagte mühsam,
aber auch böse: Heinrich Du hast mich getäuscht und
verletzt, ich will dich nie wieder sehen! Geh mit Deiner Braut aus meiner Seele- geht und werdet glücklich.
Ich gebe dich frei!

Heinrich ließ von Rosa ab und schaute Miranda an, mit
soviel Schmerz in den Augen und Er weinte!

Amafa hatte die Pfeile Adrians entschärft, man hatte Ihm zugetragen was der böse Engel anrichten wollte.
Die Gifte waren viel zu schwach um zwei Menschen
reinen Herzens für immer zu trennen!

Miranda sah den Schmerz in Heinrichs Augen und die Tränen! Zugleich verschwand ihr eigener Schmerz und mit ihm auch ihr Zorn!
Sie ging auf ihren geliebten Heinrich zu und Rosa war
verschwunden!

Miranda und Heinrich fielen sich in die Arme und zum
ersten mal küssten sie sich. Ganz zärtlich und noch sehr scheu. Heinrich flüsterte in ihr Ohr: Weißt Du Miranda, ich liebe Dich seit ich Dich das erste mal gesehen habe! Seit damals als wir noch Kinder waren
Und nur Deinetwegen bin ich Stallknecht geblieben.
Um Dich vor Deinem Grausamen Vater zu schützen!
Doch hätte ich nie geglaubt, daß aus uns mal ein Paar werden würde.
Du, so schön und edel und ich nichts weiter als ein
einfacher Knecht!
Oh, Heinrich- Du dummer, lieber Heinrich! Hast du denn nie gemerkt daß ich nur wegen Dir so oft zu den
Stallungen kam? Trotz aller Prügel? Ich habe es damals schon gewusst: Ich liebe Dich und keinen anderen!

Amafa hörte dies alles und lächelte und sprach zu sich:
Diese beiden gehören zusammen auf immer und ewig.
Die Reinheit ihrer Herzen wird sie niemals trennen, ich weiß es ja! Sie sind für immer verbunden! Leider war es mir nicht vergönnt- oh Du Hexe was hast Du mir nur angetan? Du gabst mir wohl Weisheit und Kraft, doch bin ich körperlos und darf nie mehr die Liebe einer Frau spüren!
Nicht nur Amafa beobachtete das junge Glück, auch Adrian war in der Nähe und schmiedete dunkle Rachepläne! Er wusste, seine Pfeile waren nur kurz giftig. Doch hatte er noch viele Trümpfe in der Hand
und die würde Er ausspielen. Sie sollten Ihm nicht entkommen! Um Amafa würde Er sich später kümmern, Er war der wahre und einzige Wächter der
Tür und der Verwalter der Seelen!

Heinrich sagte: Es wird Zeit weiter zu gehen Geliebte
Miranda, die Treppe Deiner Seele ist noch nicht ganz erklommen- erst ganz oben können wir in unsere Zukunft sehen und gemeinsam hinein gehen!

Sie schauten Hand in Hand nach oben ,es war noch so weit! Und doch konnten sie schon einen leuchtenden
Stern erkennen- den Stern ihrer Liebe!
Sie stiegen die Stufen empor ohne daß etwas geschah, Burschi sprang aufgeregt um sie herum. Er witterte ein drohendes Unheil und wollte die beiden warnen. Aber es war zu spät!
Kurz vor dem nächsten Podest stürzte Miranda in die Tiefe, sie fiel und fiel und sah im Fallen schreckliche Bilder!
Eduard mit seiner Peitsche mit der Er einen jungen Burschen schlug, immer und immer wieder! Der Bursche
war Heinrich. Sie sah ihren Vater den kleinen Hund zu Tode prügeln und sie sah- ihre geliebte Mutter auf dem Grund des Meeres! In Eisenketten gefesselt, mit einem Mühlstein um den schönen Hals!
All dies sah Miranda während sie in die Schwärze stürzte und sie hörte Schreien und weinen!

Heinrich war wie erstarrt auf dem Podest und wollte ihr nach springen. Was hatte sein Leben noch für einen sinn? Ohne Miranda!
Als Er dicht neben sich eine stimme hörte, die sagte:
Tue es nicht Heinrich! Bleibe und warte- ihr wird nichts geschehen! Sie wird sanft aufgefangen, ich weiß
ich bin! Und die Stimme verhallte und bannte Heinrich
fest an das Podest. Er konnte sich nicht bewegen, so sehr Er es auch wollte!

Miranda fiel immer noch in die Tiefe, ihr Herz war voller
Angst! Sie erwartete jeden Augenblick den Aufprall und dieses schreien und weinen! Diese grausamen Bilder, sie schloss die Augen und hielt sich die Ohren zu.
Sie merkte gar nicht daß sie immer langsamer fiel- ja
geradezu schwebte!

Heinrich war noch immer an Seinen Platz auf dem Podest gebannt, Er weinte und das Herz drohte Ihm zu zerspringen. Doch konnte Er nichts tun! Auch der kleine Hund Burschi war erstarrt und lag Ihm zu Füßen.
Das alles sah der bösartige Engel Adrian mit großem Vergnügen, denn Er hatte jetzt eine Verbündete.
Kandra! Sie war die ganze Zeit hier gewesen um sich an Amafa zu rächen, sie hatte Ihm eine Macht verliehen- die sie zurück haben wollte!
Kandra schloss einen Pakt mit Adrian und gab Ihm ein neues Gift für Seine Pfeile. Das Gift der Verlockung!
Der Engel tränkte eine Pfeilspitze damit und schoss sie
Heinrich mitten ins Herz!
Nun konnte Heinrich sich wieder bewegen. Doch hatte Er alles vergessen, Er hatte Miranda vergessen!
Seine Liebe!
Auch wusste er nicht wo er sich befand und schaute sich verwirrt um. Plötzlich tauchte neben Ihm eine wunderschöne Frau auf, mit langem schwarzen Haar und herrlichen Augen und einem kirschroten Mund!
Sie war in ein durchsichtiges Gewand gehüllt durch das Er ihren perfekten Körper sehen konnte. Es war der Körper einer Göttin! Heinrich spürte ein so starkes
Begehren, alles zog Ihn zu dieser Frau!
Sie lächelte und nahm Seine Hand, komm mit mir. Ich zeige dir das Paradies, komm zögere nicht!
Er ging mit ihr- Er war in ihrem Bann!

Miranda fiel nun nicht mehr, sie erwachte aus einem tiefen Schlaf und fand sich auf einer himmelblauen, weichen Wolke wieder. Und sie hörte eine Stimme die sagte: Miranda, Du musst um Deine Liebe kämpfen! Heinrich ist von einer bösen Hexe verzaubert worden und hat Dich vergessen. Lasse das nicht zu- Du bist stark so stark! Geh auf die Suche nach
Deiner Liebe, befreie Ihn. Er muss Dich nur sehen und Er wird sich erinnern! Es war die Stimme ihrer Mutter und gleichzeitig die Stimme Amafas!

Miranda ließ sich einfach von der Wolke fallen und ging
durch einen gewundenen Tunnel. Sie rief den Namen
ihres Geliebten, immer und immer wieder. Aber nur das Echo antwortete ihr! Dennoch war ihr Herz voller Hoffnung, denn sie wusste Heinrich war ganz in der Nähe und würde sie hören!

So war es auch. Heinrich hörte eine Stimme, die er kannte und ein süßer Schmerz erfüllte Sein ganzes Herz!
Er sagte zu der Frau an Seiner Seite: Lass mich gehen,
ich kann nicht bei Dir bleiben. Es gibt eine Liebe in meinem Leben und Du bist es nicht, ich weiß es!
Kandra wollte Ihn umgarnen- Ihn verführen. Doch er stieß sie von sich, so heftig daß sie auf den Boden fiel.
Ihr wunderschönes Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze, voller Hass und Neid!
Sie war auf einmal nicht mehr schön und jung. Sie wurde in Sekundenschnelle uralt und hässlich!
Auch ihre verführerische Stimme veränderte sich, sie kreischte und zeterte in den höchsten Tönen: Geh doch Du dummer Junge, geh zu diesem unwerten Geschöpf. Ich hätte Dich vieles gelehrt und Dir das ewige Leben geschenkt und Macht verliehen. Alle Macht dieser und anderer Welten!

Heinrich sagte: Ich will lieber sterblich sein und keine Macht besitzen, als mich Dir anzuschließen! Ich weiß wieder wie meine Liebe heißt- Miranda!
Bei diesem Namen zuckte Kandra zusammen, sie wusste
sie hatte verloren. Denn Miranda war ihr ebenbürtig, nein viel mächtiger als sie selbst. Miranda war ihr Nachfahre, auch eine Hexe- Blut von ihrem Blut! Aber eine gute Hexe und das gab dem Mädchen
Macht und unglaubliche Stärke!
Heinrich verließ Kandra und machte sich auf den Weg zu Miranda, begleitet von Burschi.

Amafa, der alles gesehen hatte war überglücklich!
Nun dauerte es nicht mehr lange bis die zwei vereint waren- sie zogen einander an.
Adrian wollte Kandra helfen, die immer noch am Boden
lag. Er brauchte sie doch um Amafa für immer zu vernichten und Seine Macht reichte nicht!
Kandra zeigte mit einem Finger auf den Engel. Aus ihrem Finger schoss ein blauer Blitz und von Adrian blieb nichts mehr als eine einzige Feder!
Dadurch war der Hexe Kandras Macht so sehr erschöpft, daß sie nicht mehr aufstehen konnte!

Plötzlich stand Amafa vor ihr- ja er konnte stehen. Er war wieder ein Mensch aus Fleisch und Blut und noch genauso jung und schön wie damals! Er sagte zu Kandra: Deine Macht ist endgültig dahin, es ist Zeit für dich zu sterben!

Die wandelbare Tür.
Kandra sah zu Amafa auf sie sah Ihn sehr lange an
und Er hielt ihrem Blick stand. Sie dauerte Ihn denn Amafa war sehr edel und gut! Er sagte: Kandra, ich will und kann Dich nicht leiden sehen.

Kandra nickte leicht und flüsterte schwach: Du bist ein guter Mensch und ich bin bereit zu sterben! Meine Kraft habe ich verloren- nun hat sie Miranda und ich weiß, sie wird sie gut und richtig nutzen! Ich habe drei
Jahrhunderte gelebt, nun bin ich müde und möchte die Augen schließen. Amafa, ich bitte Dich
nur noch um eines. Befreie all diese armen Männer die ich habe zu Stein werden lassen. Du findest sie in- Amafa sagte:
Kandra, ich weiß wo sie sind und werde Deine Bitte
erfüllen! Nun lege Dich zurück und finde Deinen Frieden!
Sie tat es und Amafa berührte ganz zart ihre Stirn.
Einmal tat sie noch einen tiefen Atemzug und dann schlief Kandra für immer ein!

Amafa warf einen letzten Blick auf sie, sie war wieder so schön wie damals. Die spuren des Alters waren verschwunden um ihren Mund spielte ein liebliches Lächeln. Sie hatte ihren Frieden gefunden- endlich!

Zu selben Zeit kamen Miranda und Heinrich sich immer näher, dort in dem engen Tunnel. Heinrich konnte schon die leichten Schritte Mirandas hören und ihren Duft wahrnehmen. Ein leichter Duft Rosen in ihrer schönsten Blüte!
Und Miranda konnte Seinen Atem hören, tief und gleichmäßig- so nah waren die Beiden sich schon!

Auf einmal tat sich der Tunnel auf und das Paar stand sich gegenüber! Mitten auf einer wunderschönen Blumenwiese, welche herrlich duftete! Über ihnen spannte sich ein tiefblauer Himmel und eine goldene
Sonne wärmte sie! Sie fielen sich in die Arme und küssten sich lange und innig. Dann gingen sie eng umschlungen über diese Wiese- auf der nicht nur Blumen wuchsen. Sondern auch kleine silberne Sterne
und tausende von roten Herzen und am Horizont sahen sie staunend einen schillernden Regenbogen.
Dieser Regenbogen hatte breite einladende pastellfarbene Stufen und ein goldenes Geländer!
Miranda und Heinrich gingen über den Regenbogen,
sie wussten- er führte sie direkt in ihre Zukunft!
Burschi sprang freudig bellend um die Zwei herum.

Als sie den Regenbogen überquert hatten, fanden sie sich plötzlich in einem herrlich geschmückten Ballsaal wieder! Dort tanzten festlich gekleidete Menschen zu
wundervoller Musik! Miranda und Heinrich schauten an sich herunter, auch sie waren festlich gekleidet.
Miranda trug ein schneeweißes Kleid mit kleinen Röschen bestickt, ihr Haar war hoch gesteckt und mit
Perlen geschmückt und sie trug einen langen Brautschleier. Heinrich trug ein fein gekämmtes Lederwams über und über mit kleinen Diamanten bestickt und eine weiße Seidenhose . Dazu spitz zulaufende Lederschuhe. Seine schwarzen Locken waren zu einem Zopf gebunden.
Sie waren sehr erstaunt und blieben reglos stehen.
Da kam ein schöner großer Mann auf sie zu und sagte:
Willkommen, Miranda und Heinrich auf Eurer Burg!
Möchtet ihr nicht tanzen? Auf Eurer eigenen Hochzeit?
Oh, bitte verzeiht- ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Amafa! Ja, ich bin es wirklich!
Durch die Kraft Eurer Liebe und durch Euren Glauben
wurde ich wieder zu einem Menschen .Ich danke Euch
und nun tanzt meine Kinder und erfreut euch aneinander!
Miranda und Heinrich tanzten die ganze Nacht. Sie konnten ihr Glück kaum fassen! Dies war also ihre Zukunft. Sie waren vermählt und besaßen eine herrliche Burg, ganz nah am Meer. Nie wieder würden sie sich trennen und das taten sie auch nicht!

Sie bargen Mirandas Mutter aus dem Meer und begruben Emma in geweihter Erde, mit dem Segen eines Priesters! Als sie weiße Lilien auf das Grab legten,
hörten sie leise- ganz leise die Stimme Emmas. Die sagte: Danke meine geliebten Kinder, ich segne Euch!

Miranda und Heinrich bekamen vier prächtige Kinder,
zwei Söhne und zwei Töchter! Sie nannten die Kinder
Emma und Kandra und Amafa und Erik.
Jeden Tag legten sie weiße Lilien auf Emmas Grab.
Ihre Stimme hörten sie aber nie wieder- nur manchmal
eine leise Melodie in den Bäumen über dem Grab!

Amafa, der weise und wissende wurde zum Verwalter der Burg und tat dies mit Freude! Er hatte alle versteinerten Männer befreit und sie arbeiteten auf der Burg. Auch Kandra hatte er begraben- ebenfalls in geweihter Erde! Auf ihr Grab legte Er jeden Tag einen
Strauß mit Vergissmeinnicht. Die wandelbare Tür gab es nicht mehr. Sie wurde nicht mehr gebraucht!
Eduard wurde nie mehr gesehen und die Feder Adrians wurde mit den Wellen des Meeres fort getragen! Burschi lebte ein langes und glückliches Hundeleben mit all den anderen Tieren.
Miranda und Heinrich waren sich immer in Liebe zugetan und machten viele Menschen glücklich!
Durch ihre reinen Herzen!

ENDE.

Copyright by Sigrid Ackermann


Einstell-Datum: 2005-09-23

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

Dieser Text wurde noch von niemandem bewertet.

 

Kommentare


Das ist sigrid
Kommentar # 1: Egal!
Autor: sigrid, 28.09.2005 um 21:34 Uhr


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