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Auf den Straßen dieser Welt liegt die Freiheit. Das
Abenteuer. Die Drogentrips nach Holland, in die Niederlande
waren Legendär. Wieso ich es irgendwann nicht mehr getan
habe, keine Ahnung. Unser Ziel beim letzten Mal war
Amsterdam.
Mein letzter Trip ist Wochen her. Den Daumen raus und weg.
Meistens halten einsame ältere Männer oder Jugendliche an
und nehmen dich mit. Also halten die, die das Abenteuer
selbst erlebt haben, im dicksten Sommerregen unter
durchnässten Pappkartons an der Straße stehen, ein Katz und
Maus Spiel mit der Autobahnpolizei spielen, stundenlang auf
eine Mitfahrgelegenheit warten, an und nehmen uns mit. Oder
die, die dieses romantisch verklärte Bild vor Augen haben
und ein Teil sein wollen von dieser famosen
Straßengeschichte. Ob die Straßen voll sind oder leer, man
wartet immer gleich lang auf eine Mitfahrgelegenheit. Sie
lässt nie auf sich warten.
Ein großer Bulli. Rot glitzert er in der heißen Mittagssonne
am Horizont. Er stach aus der Masse hervor. Er schoss an mir
vorbei und bremste, haute in die Eisen und war da, als man
gerade die Lust verloren hatte den Daumen in den Wind zu
halten. Im Bulli sitzt am Steuer ein gedrungener Mann
mittleren Alters, leicht verschwitzt, aber solide und
bodenständig. Was sich alles im Wageninneren finden lässt,
wenn man die Zeit hat sich umzusehen. Die Frontscheibe ist
von allem möglichen Vogelmist verdreckt, ihn stört es nicht.
Dieses Mistmosaik verschwimmt unter der strahlenden Kraft
der Sonne und wirkt mit halluzinogener Musik, die auf uns in
Wellen niederschwappt, beruhigend, schläfrig. Es ist
stickig, schwül. Ich sitze vorn, starre mit angestrengtem
Blick auf die verschnörkelten Straßenschilder, um den
Überblick zu behalten über unsere Route. Die gefühlte
Temperatur im Inneren beträgt 40°, unsere Schenkel kleben
aneinander, an den Sitzen und es ist so unerträglich warm,
dass mir der alkoholisierte Schweiß aus den Poren tropft,
ich dünste ihn aus. Meine beiden Mitreisenden sind
verhältnismäßig still, es scheint als fühlen sie sich so
wohl, dass sie schlafen. Ich bin noch so umgehauen von dem
Joint von vorhin, nachdem uns ein junges Paar aus ihrem Auto
geworfen hatte. Irgendjemand von unserer 3 köpfigen
Reisegruppe hatte einen bösen Kommentar zu viel abgelassen,
dass wir hinausgeworfen wurden. Und zack, saßen wir am
Straßenrand einer viel befahrenen Autobahn. Was im Übrigen
eine Straftat ist…
Dann hatten wir uns erst einmal einen Joint angesteckt.
Unseren letzten Vorrat hatten wir damit aufgebraucht. Danach
stach der rote Kleinbus am Horizont unter tausenden Autos
hervor und bremste für uns. Irgendwann bin ich dann auch
unter der hallenden Musik der niederländischen Engel
eingedöst, schwitzend, Alkohol ausdünstend, voller Marihuana
und leidend unter den tagelangen Strapazen.
Der rote Blitz fuhr uns bis kurz vor Amsterdam an eine
Tankstelle, die wir drei schlafend erreichten. Es dauerte
keine 5 Minuten und wir machten kehrt auf der Autobahn und
fuhren mit Jugendlichen nach Rotterdam, weil dort ein großes
Straßenfest ist; sei, so vermutete man. Wir machten die
Nacht durch, keine Zimmer waren mehr frei, feierten,
schliefen unter freiem Himmel und irgendwann lässt das
Erinnerungsvermögen nach und man sieht nur noch Formen und
Farben.
Abgehackte, blutende Stümpfe als Willkommensgeschenk in
einer Echsenbar, die lila leuchtete. Ein Bad ausgelegt und
ausgekleidet mit bunten Mosaikteilchen, über und über
funkelte der Boden, die Wände und die Decke, auf dass wir
ganz vergaßen wo oben und unten ist. Riesengroße Golfbälle
inmitten der Stadt, brennende Bäume… Pinoocio reitet auf
schweren Wellen der Zerstörung durch die Straßen; nein, nur
einer Straße. Rotterdam besteht nur aus einer einzigen
Straße! Von Bar zu Bar. Und auf der sind die apokalyptischen
Ponys als Reittiere für kleine Kinder abgerichtet und
eingezäunt. Das sind die Drogenfantasien. Wieso man nach so
einer Nacht im Rotterdamer Knast aufwacht, … das weiß ich
nicht.
Einstell-Datum: 2011-07-06
Hinweis:
Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss
nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de
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