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Ich muss sie töten!
Autor: Christian Ertl · Rubrik:
Kurzgeschichten

Charlie hob seinen Kopf und ließ den Blick durch die Küche schweifen. Samantha war da. Sie saß am Esstisch und war mit dem Abendessen beschäftigt. Er ging zu ihr und sie lächelte ihm ins Gesicht. Das waren die besonderen Momente, dachte sich Charlie, und genoss für den kurzen Augenblick ihre Aufmerksamkeit. Solche Situationen waren selten geworden, er war schon so lange mit ihr zusammen und wie in allen Beziehungen werden kostbare Momente seltener, aber intensiver. Er trank einen Schluck Wasser und beschloss, sich im Wohnzimmer nieder zu lassen. Bestimmt gab es was Aufregendes im Fernseher, dessen Geräusche die konstante Hintergrunduntermalung im kleinen Zwei-Zimmer-Appartement waren. Mitten in der Bewegung hielt er plötzlich inne. Da war etwas. Ein Zittern ging durch seinen Körper. Ein Gedanke machte sich breit und füllte seinen Kopf mit einem einzigen Satz: „ICH MUSS SIE TÖTEN!!“
Samantha war gerade dabei, den Lauch in Scheiben zu schneiden, als sie ein extrem ungutes Gefühl, einem kalten Lufthauch gleich, der sich an ihrem Nacken festsetzte, verspürte und instinktiv innehielt. Sie packte den Griff des Küchenmessers fester und drehte sich langsam um. Charlies Augen waren geweitet, blutunterlaufen und nur 20 cm von ihrem Kopf entfernt. Sie atmete aus, entspannte sich und wollte schon sagen, das er doch bitte solche Scherze unterlassen sollte, als er auf sie sprang. Sie konnte gerade noch hinter seinem Rücken erkennen, wie die Haustür aufging und Bert, ihr Freund, sich sofort auf Charlie stürzte, ihn von ihr runter riss und mit einem Topf vom Küchentisch bewusstlos schlug.
Ein paar Minuten später hatten beide ihren Schock erst einmal unter Kontrolle. „Was ist passiert“ fragte Bert. „Ich weiß es nicht. Er hat das noch nie gemacht.“ „Ich finde, wir sollten ihn zu Dr. Brown bringen. Er hat ihn doch erst letzte Woche untersucht und nichts Seltsames festgestellt. Ich bin mal auf seine Meinung nach diesem Vorfall gespannt.“ Bert packte Charlie und kurze Zeit später waren sie bei dem Arzt. Charlie kam auf dem Untersuchungstisch wieder zu Bewusstsein und der Doktor verabreichte ihm eine Spritze.
15 Minuten später brachte er Charlie zu den beiden ins Wartezimmer und erklärte ihnen, es gäbe keinen Grund zur Beunruhigung. Solche Vorfälle seien im Zusammenhang mit den momentan im Umlauf befindlichen Viren zu erklären und sein Zustand wird sich wieder normalisieren. Nachdem und vor allen Dingen, weil nichts passiert ist, beruhigte sich auch Samantha wieder und sie nahmen Charlie mit nach Hause.
Der Arzt wartete noch ein paar Minuten ab, dann griff er zum Telefonhörer und wählte eine sehr kurze Nummer. Es wurde sofort abgehoben.
„Hören Sie. Ich und die anderen Ärzte können dieses Phänomen bald nicht mehr unter Kontrolle bringen. Ich hatte gerade wieder einen hier. Der fünfzehnte in dieser Woche. Er ist wie die anderen während der Untersuchung zu sich gekommen und hat doch tatsächlich deutlich gesagt, dass er noch was zu erledigen hätte. So habe ich es zumindest verstanden.“ Es folgte eine kurze Pause, wobei der Arzt den Worten seines Gesprächspartners zunehmend beunruhigt lauschte. „Nein“, meinte Dr. Brown, „das Medikament schlägt bald nicht mehr an. Es ist ein weiterer Schritt in der Evolution und keine Regierung der Welt kann das verhindern.“ Er schlug den Hörer in die Gabel.
Samantha saß auf den Beifahrersitz, streichelte Charlie und sah beruhigt zu Bert. „Ich meine auch, dass der Tierarzt recht hat. Es ist bestimmt irgend ein Virus.“ Charlie richtete sich auf, knurrte kurz in sich hinein, leckte Samanthas Gesicht und plötzlich weiteten sich seine Augen. Ein Satz machte sich wieder in seinem Kopf breit und jedes mal, wenn er den Satz verstand, wurde er lauter und deutlicher: „ICH MUSS SIE TÖTEN!!“


Einstell-Datum: 2005-02-07

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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