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Ken & Barbie
Autor: Karsten Mekelburg · Rubrik:
Humor & Satire

Sie haben es sicher auch schon gehört. Ken und Barbie. Aus. Scheidung. Nach 43 Jahren glücklicher Ehe. Sicher keine gewöhnliche Ehe, wie bei Ihnen und mir. Durch die mondäne Welt ist man gezogen, gemeinsam war man präsent auf den Topseiten der Hochglanzbroschüren. Und nun das Aus. Man fragt sich: Warum? Wollen Sie es auch wissen? Sind Sie stark genug die schreckliche Wahrheit zu ertragen? Nun, wenn Sie meinen, dann hören Sie gut zu!

Es war einer jener lauen Frühlingsabende, an dem die erotische Spannung in der Luft greifbar zu fühlen war. Der Mond spendete seinen milden Glanz, Ken und Barbie saßen in ihrer Villa in Designerstühlen vor dem Kamin, in dem ein knisterndes Feuer aus alten Buchenscheiten den Raum mit seinem flackernden Licht in einen rötlichen sanften Farbenschein tauchte.

Barbie räkelte sich bequem und strich mit ihren rotlackierten Fingernägeln über ihr langes schwarzes Haar, dass man glaubte, knisternde Funken zu hören. Meistens hatte Ken danach zu ihr gesehen, heute jedoch rührte er sich nicht von Fleck und starrte weiter versunken in die Flammen.

Barbie schlug ihre langen Beine übereinander und begann ihre Fingernägel das zwölfte Mal an diesem Tag auf Hochglanz zu polieren. Ein schmachtender Blick zu Ken, ein tiefer Seufzer, bisher hatte das immer funktioniert. Ken blickte heute nicht einmal von den Flammen auf.

Seit Tagen schon war Ken nicht mehr ansprechbar und stierte gedankenverloren vor sich hin. Hatte sich Ken gar in eine andere verliebt? Barbie konnte sich noch gut daran erinnern, wie Nadja, die alte Russenschlampe, sich in ihrem Beisein auf der letzten Party an Ken herangemacht hatte. Schöne Freundin! Gegurrt hatte sie, wie ein Täubchen und war ihm nicht mehr von der Seite gewichen. Ja, so muss es sein, seit Sonnabend war Ken wie ausgewechselt. Ob ich ihn wohl zu alt geworden bin? Nicht mehr attraktiv genug? Sicher waren da einige kleine Fältchen, die sich beim besten Willen nicht mehr liften ließen. Doch hatte sie sich stets makellos geschminkt. Kein Mann der Welt hätte die Fältchen danach noch entdecken können. Aber warum gerade Nadja, was konnte die einem Mann schon bieten. Sie hatte gut und gern zwei Kilo Übergewicht und nicht den geringsten Stil sich zu kleiden. Dazu kann ihr Geschmack, was Parfüm anging. Einfach skandalös! Warum nur Nadja? Sie würde ihr Ken nicht kampflos überlassen! Jetzt und hier wollte sie es noch einmal wissen.

Leise drehte sie die Musik im Radio an und begann vor Ken zu tanzen. Sie zeigte ihre langen makellosen Beine, die durch ihre schicken hochhackige Schuhe noch verlängert wurden, Schuhe, in denen sich jede normalgebaute Frau in Sekundenschnelle die Knöchel gebrochen hätte. Sie griff in ihren luxuriösen Top und riss ihn sich vom Leib. Hart und fest trotzen ihre Brüste jeder Erdanziehungskraft. Immer schneller drehte sie sich vor Ken und befreite sich anmutig tänzelnd von ihren knalleng sitzenden Minirock. Ein schwarzer String-Tanga kam zum Vorschein, der wunderschön zu ihren schwarzen hochhakigen Schuhen passte. Sie hatte nun nicht mehr an als ihre Schuhe, ihre riesigen Ohrringe und ihrem Slip. Langsam zog sie auch den vom Körper und präsentierte sich Ken von allen Seiten. Und sie konnte sich durchaus sehen lassen. Ihre Arschbäckchen konnten noch jeden Mann erfreuen, glatt war ihr Bauch und immer noch schön anzusehen waren ihre Brüste. Lasziv lehnte sie am Kamin, der Schein der Flammen leckte an ihrem göttlichen Körper. In ihr schrie alles nach Sex. "Ken, mein Stier, Ken, komm, zu mir und gib es mir von allen Seiten, wie früher, als wir noch jung waren!" Sie war so erregt, dass sich nur noch mit trockenem Mund keuchen konnte.

Ken schien sie überhaupt nicht zu bemerken. Er stierte auf die Flammen und seufzte. Da wusste sie, dass alles vorbei war, all die Jahre an seiner Seite unwiederbringlich zu Ende. Sie weinte, während sie ihren Koffer packte. Sie wollte Ken und seinem Glück nicht länger im Wege stehen. Sie würde gehen und ihn niemals wiedersehen. Nur noch ein letzter Kuss zum Abschied.

"Barbie, was soll der Koffer? Wollten wir verreisten?" "Nein, Ken, ich ..." "Barbie, in welchem Aufzug rennst du hier rum. Du hast ja gar nicht an. Viel zu kalt, um so herumzuspringen. Und um Schlafen zu gehen, ist es noch viel zu früh." "Ken, ich will wilden leidenschaftlichen Sex mit dir. Seit drei Tagen siehst du mich nicht einmal an. Für ein derart entsagungsvolles Leben bin ich nicht konstruiert. Ken, ich ..." Aber Ken stierte schon wieder gedankenverloren in die Flammen. "Entschuldige, Barbie, ich habe einen kurzen Moment nicht hingehört. Es war sicher nichts wichtiges." Sie konnte nicht mehr, das war zu viel. Alles was sich aufgestaut hatte brach aus ihr heraus. "Es ist Nadja, die alte Schlampe! Gib es zu! Du hast was mit ihr angefangen!" "Wer ist Nadja, Liebes?" "Nadja, meine Freundin. Du hast sie auf der Party am Sonnabend kennen gelernt." "Am Sonnabend waren wir zu einer Party? Ach, der Sonnabend, der verfluchte Sonnabend..." Ken wandte sich ab stierte wieder vernichtet in die Flammen und schien mit sich und der Welt nicht in Reinen zu sein.

Er schien sie wirklich nicht zu kennen. Barbie konnte in dieser Hinsicht sicher sein. Männer waren durch die Bank viel zu blöde, um ihre Gefühle vor ihren Frauen zu verstecken. Jeder Frau konnte in ihnen lesen, wie in einem offenen Buch. Aber was hatte Ken dann nur? Barbie war verzweifelt.

"Ken, du kannst mir alles sagen. Was immer es auch ist. Ich werde dir alles verzeihen, was immer es auch sein sollte. Ich werde mich bemühen und alles, alles verstehen." "Barbie, du kannst das nicht verstehen, es ich die Hertha." Hertha? Barbies Freundinnen hießen nicht Hertha, sondern Vanessa, Cindy, Mandy und Nadja. Hertha war ein Namen für eine Großmutter. Sollte Ken etwa Sex mit der Großmutter von Mandy haben? Sie hatte in Fernsehen schon davon gehört. Sex mit Greisinnen. War schwer im Kommen. Warum auch nicht. Allerdings war das kein Grund um Trübsal zu blasen. Sie führten eine liberale Ehe und Ken sollte ruhig seinen Spaß haben. Lange würde er den Versuch ohnehin nicht aushalten und jüngeren Formen den Vorzug geben. "Ken, ich kann dich gut verstehen. Man muss auch mal was Neues ausprobieren."

"Nein, Barbie, du verstehst gar nichts. Die Hertha hat am Sonnabend verloren. 3:0 gegen Bayern. Wie soll ich diese Schande ertragen?" "Ken, wer ist die Hertha?" "Hertha BSC, meine Lieblings-Fußballmannschaft" "Fußball, ist das nicht dieses Spiel mit den zwölf Spielern?" "Elf, Liebling." "Elf Spieler die einem runden Ball hinterher hechten?" Barbie, war am Boden zerstört. Außer Sex waren ihr alle Spiele mit mehr als zwei oder drei Beteiligen ganz entschieden zu kompliziert. "Zehn, Liebling, einer steht im Tor. Und die Hertha hat 3:0 verloren. Verloren! Und auch noch gegen Bayern München. Ich kann so nicht mehr weiterleben!" Barbie lag mir Weinkrampf auf dem Fußboden, Sturzbäche von Tränen liefen ihr über die Schminke. Wegen eines simplen Fußballspieles wurde sie so vernachlässigt und gedemütigt. Ein Heulanfall folgte den nächsten, bis der Wahnsinn sie von ihren Qualen erlöste. Ken blickte gedankenverloren in die Flammen. Eine Träne rann ihm über das stopplige Gesicht. Ganz leise hörte man ihn sagen: "Meine Hertha, wie konnte das nur passieren?"

Ihr Scheidungsanwalt soll sich rührend um sie gekümmert haben. Schon nach der fünften Sitzung Anonymer Fußballfan Co-Geschädigter konnte sie wieder sprechen. Nach ihrer Scheidung soll sie in Australien leben und bereits wieder nach einem neuen Partner Ausschau halten. Ansprüche an ihren Zukünftigen stellt sie keine. Gut, einen kleinen, aber eine Frau wie Barbie, darf sicher einen kleinen Wunsch haben, wenn sie den Mann für Leben wählt. Er sollte vermögend sein, Stil haben, gepflegt auftreten, weltmännisch sein, interessant erzählen können, sanft sein und wissen, was Frauen wollen, ihre kleinen Launen klaglos ertragen, einen guten Schneider besitzen, nicht geizig sein, gut zuhören können, wenn sie ihm etwas erzählt, sich für ihre Kleider interessieren, ein schickes Auto fahren, einfühlsam und humorvoll sein, elegant wirken, in Sattel eine gute Figur machen, sich in der großen Welt auskennen, den Haushalt erledigen und gut kochen, gerne reise und gut tanzen, belesen, kultiviert und sportlich sein, und männliche Ausstrahlung besitzen und sich zum Schluss natürlich nicht im Geringsten für Fußball interessieren.


Einstell-Datum: 2004-04-13

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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