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Hier soll an Beispielen gezeigt werden, wie der Staat durch
Gesetzgebung und Umbau der Infrastruktur den angestrebten
Klimaschutz torpediert.
Beispiel 1: FLUGVERKEHR - Nein, nichts mehr über Flugbenzin,
das haben wir schon zu oft gehört. Kein maßgeblicher
Politiker will doch an der Steuerbefreiung rütteln. Mit
diesem Thema tingeln sie bloß durch Talk-Shows und
Wahlkämpfe und verschaffen sich ein grünes Mäntelchen - das
allerdings nach jahrelangem Gebrauch immer fadenscheiniger
wird. Interessanter ist schon der Umstand, dass der
Flugverkehr auch durch direkte staatliche Subventionen
gefördert wird. So hat z.B. das Land Thüringen zeitweise
eine Flugverbindung nach London durch Zahlungen an eine
Fluggesellschaft erst ermöglicht. Derart fürsorglich ist
Papa Staat: Sonntags beschwören die Würden- und Bürdenträger
die vom zunehmenden Flugverkehr ausgehenden Risiken fürs
Klima - und montags überweisen sie Geld, damit noch mehr
geflogen wird. Noch immer träumt jede kleine Großstadt von
einem eigenen ordentlichen Flughafen - Kassel z.B. -, und
der Airport um die Ecke zieht unweigerlich neuen Flugverkehr
nach sich. Gelegenheit macht Vielflieger.
Beispiel 2: LADENSCHLUSS - Die Öffnungszeiten sind aufgrund
der Liberalisierung gleichzeitig verlängert und verkürzt
worden - nämlich verkürzt am Vormittag. Sehen Sie sich die
Menschentrauben vor den Geschäften der Citys an, die dort
zwischen neun und zehn auf die Ladenöffnung warten ... Im
Ergebnis hat eine Verlagerung der Geschäftszeit in die
Abendstunden stattgefunden. Damit ist, aufs ganze Jahr
gesehen, ein deutlich höherer Aufwand an Beleuchtung
verbunden. Mehr Energieeinsatz für mehr oder auch nur den
gleichen Umsatz - gut fürs Klima?
Beispiel 3: GRÜNE WIESE - Viele Kleinstädte haben an ihrer
Peripherie neue Gewerbegebiete angelegt und dort
großflächigen Einzelhandel auch für den alltäglichen Bedarf
zugelassen, fern von den Zentren und fern von den
Wohnvierteln. Das Ergebnis sieht so aus: Der oft einzige
Lebensmittelvollsortimenter am Ort ist ins Gewerbegebiet
umgezogen, in den Wohnvierteln gibt es, wenn überhaupt, nur
noch Discounter. Beispiele in Niedersachsen: Springe,
Hameln, Bad Pyrmont. Wer dort hochwertiges Angebot und
größere Auswahl sucht, ist in der Regel jetzt zwingend auf
den Einkauf mit dem Auto angewiesen. Hat er es früher schon
dafür benutzt, ist der Einkauf nun mit wesentlich höherer
Fahrleistung verbunden. Eine fatale Entwicklung, die
zwangsläufig zu unnötig hohem Spritverbrauch und also auch
Schadstoffausstoß führt.
Beispiel 4: BAULANDERSCHLIESSUNG - In abgelegenen
Landkreisen, wie z.B. Uelzen, beobachten wir seit etwa zehn
Jahren eine ökonomische Rückentwicklung. Die Industrie
wandert ab, der Fremdenverkehr geht zurück, viele Geschäfte
müssen aufgeben. Doch Städte und Gemeinden erschließen und
vermarkten munter immer neue Baugebiete für
Einfamilienhäuser. Das Bauland ist günstig zu haben. Im
Ergebnis wohnen dann dort vor allem Fernpendler, die fünfmal
in der Woche eine Fahrstrecke von 150 - 200 Kilometer pro
Tag bewältigen, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu
kommen. Ökologisch reiner Wahnsinn! Warum genehmigen die
Aufsichtsbehörden diese Bebauungspläne?
Beispiel 5: SONNTAGSVERKAUF - Wenn einem kleinen Kurort auf
dem Land, wie z.B. Bad Bevensen, das Wasser bis zum Hals
steht, kann er das Geschäftsleben wieder ein wenig
ankurbeln, indem jeden Sonntag die Geschäfte öffnen. Das
Land Niedersachsen hat dies durch eine Gesetzesänderung
ermöglicht. Diese Sonntagsöffnung dient nicht der Versorgung
der Einheimischen, man sagt ganz offen, man hoffe auf
zusätzliche Besucher und Kunden aus fernen Ballungsgebieten.
Und sie kommen auch, kaufen sonntags im Kurort Waren ein,
die von Montag bis Samstag in Hamburg, Hannover oder Bremen
in viel größerer Auswahl und zu günstigeren Preisen bekommen
können. Konsum als Zeitvertreib! Wieder jede Menge unnötiger
Fahrkilometer, viel vermeidbarer Schadstoffausstoß, angeregt
von einem weisen Gesetzgeber. "Und ist es gleich
Wahnsinn, so hat es doch Methode." (Schopenhauer)
Ökologie ist in Deutschland etwas, womit man auf Stimmenfang
gehen kann. Sie ist auch zu einer Art Religionsersatz
geworden. Wenn eine Abwägung zwischen dem Geschäftsinteresse
von heute und unserem Klima von morgen überhaupt
stattfindet, geht sie fast immer zu Ungunsten des Klimas
aus. Wir brauchen eine andere Politik. Ich fürchte, wir
brauchen auch andere Politiker. Und vor allem eine
staatliche Praxis, die an einem politischen Ethos
tatsächlich orientiert ist - statt das nur vorzutäuschen.
Einstell-Datum: 2010-06-01
Hinweis:
Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss
nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de
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