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Piter - die Stadt aus Stein als Fels in der Brandung
Autor: Jürgen Weber · Rubrik:
Reiseberichte

Eine Reportage über eine Reise nach St. Petersburg.

St. Petersburg ist die Kaiserin aller Städte, nicht nur weil sie von einem Zar (dt.: Kaiser) erbaut wurde, sondern auch weil sie zur Zeit ihrer Gründung ausschließlich von Adeligen und ihrem Personal bewohnt wurde. Zar Peter I. erließ 1717 ein Gesetz, das den Adel sogar zwang, nach Petersburg umzusiedeln, denn er wollte eine unvergleichliche Stadt bauen, eine Stadt so ganz anders alle anderen russischen Städte: eine Stadt aus Stein. Ihre Bewohner nennen sie wohl auch deswegen liebevoll „Piter“, was an den Felsen in der Brandung erinnert, denn das griechische πέτρος bedeutet nichts anderes als „Fels“. Ein Fels in der Brandung.


Der Tessiner Trezzini, der Franzose Le Blond, Schüler Le Notres, Andreas Schlüter und viele andere erbauten eine imperiale Stadt - quasi in den Sumpf – aber erst nachdem Peter die Gegend am Finnischen Meerbusen in einem langen Krieg den Schweden abgetrotzt hatte. Seine Tochter Elisabeth lud Bartolomeo Francesco Rastrelli ein, der das unglaubliche Werk ihres Vaters fortsetzte und so sollte Petersburg mit einer kurzen Unterbrechung bis zur Oktoberrevolution 1917 auch die Hauptstadt Russlands bleiben. Elisabeth war es auch, die in einem Brief an Friedrich Melchior von Grimm geschrieben haben soll: „Das Bauen ist eine Krankheit wie die Trunksucht und auch eine Art von Gewohnheit.“ Die Herrschaft einer Frau hatte Russland einem grausamen Umstand zu verdanken. Der Sohn Peters, Alexej, soll sich gegen seinen Vater aufgelehnt haben und dieser soll sein eigen Fleisch und Blut sogar vor seinen eigenen Augen foltern haben lassen. Des Hochverrats für schuldig befunden starb Alexej an seinen Verletzungen, was seinen Vater zumindest vor der Vollstreckung des Todesurteiles am eigenen Sohn bewahrte. Dass er dieses vollzogen hätte, daran lassen selbst hartgesottene Historiker keine Zweifel. Aber der grausame Zar Peter soll auch sehr kunstsinnig gewesen sein, schließlich geht auch die Gründung der Eremitage, die heute 2,7 Millionen Exponate zählt, auf Peter I. zurück, da er mit den von seiner Europareise mitgebrachten niederländischen Gemälden den Grundstein dafür gelegt hatte, was wir heute als Eremitage kennen.

Wie der Sohn so der Vater
Beim Landemanöver auf dem St. Petersburger Pulkova-Fluhafen stellte ich schon einer der ersten „kulturellen Unterschiede“ oder soll ich besser sagen „mentalitätsbedingten Disparitäten“ fest. Auf dem von der Stewardess ausgeteilten Formular „Landeerlaubnis“ war ein Feld mit der Bezeichnung „Patronym“ (was so viel bedeutet wie Name des Vaters). In Russland ist es üblich, den Sohn nach dem Vater zu nennen, so war etwa Jossif Wissarioniwitsch Dschugaschwili nicht nur „Stalin“, sondern eben auch der Sohn des Wissarion. Bei der Gepäckausgabe sprach ich nochmals mit einem anderen Abenteurer, der schon im Flugzeug etwas Russisch gelernt hatte und mir dennoch die Frage nach dem Patronym nicht beantworten hatte können. Er war über die Feiertage nach St. Petersburg gekommen, um an den Ladoga und Onega Seen fischen zu fahren, es gäbe dort Lachse und sie würden sich mit Zelten an die Ufer legen und sich dort die sprichwörtlichen Tauben in den Mund fliegen lassen. Ich wünschte ihm viel Glück und verschwand im Flughafenbus, der mich zur Metro fuhr. Während man im Bus erst beim Aussteigen zahlen muss, braucht man für die U-Bahn „tokens“ - oder wie man in Russland sagt: „jetons“. Die Münze trägt ein großes „M“, das auch in der Stadt als Piktogramm für das schnelle Auffinden des nächsten U-Bahnabstieges verwendet wird. Oft muss man aber lange gehen, denn die Stadt ist riesig und die Metrostationen weitläufig und wohl ebenso schön und „imperial“ wie jene von Moskau. Eine Fahrt mit der Rolltreppe zum Bahnsteig dauert mehr als ein sehr sehr langer Kuss, denn aufgrund des Wassers mussten die U-Bahnschächte sehr tief gegraben werden. Allerdings sieht man wenige Paare die diese Zeit wirklich zum Küssen nützen.

Die Weißen Nächte von St. Petersburg
Die weißen Nächte in St. Petersburg haben es so an sich, dass man gern nicht merkt wie spät es schon ist, und so spazierten wir stundenlang durch die Nacht, ohne zu merken, dass der Körper eigentlich schon lange Schlaf gebraucht hätte, die Folge waren Heißhungerattacken, die in kleinen Greißlern- oder Supermarktläden - mit Brot und Käse bekämpft werden konnten. Viele dieser Läden haben 24 Stunden geöffnet, was ohnehin ein Kennzeichen Russlands zu sein scheint. Das amerikanische „24/7“ wird hier wie ein Qualitätsstandard im Munde geführt, das konnte wir auch bei der Concierge im Hotel beobachten, die mit einer Selbstverständlichkeit antwortete, dass auch die Rezeption 24 Stunden 7 Tage die Woche besetzt sei. Es gibt in diesen 24/7-Supermärkten viel Auswahl an Bier, ausländisches und inländisches, und vor allem natürlich die in Russland selbst meistverkaufte Marke, das russische „Baltika“-Bier (Балтика). Es wurde 1990 in St. Petersburg gegründet und gehört heute in Russland zum größten und in Europa zum zweitgrößten Bierproduzenten. Vor den unzähligen Vodka-Marken war in unserem 24/7-Shop allerdings der Vorhang heruntergezogen, dieser darf nämlich per Gesetz nach 23 Uhr bis 5 Uhr früh nicht verkauft werden.


Blick von der Isaaks-Kathedrale auf Eremitage und Admiralität

Als wir am nächsten Tag das Hotel wechselten fuhren wir mit einem öffentlichen Bus über die Troitsky-Brücke und stiegen bei der Moschee (!) aus. Wir hatten uns für den weiteren Aufenthalt auf der Petrogradskij-Insel (Petrogradskaja Storona) eingemietet und mussten nun aufpassen, dass wir vor ein Uhr nachts nach Hause kamen, denn danach wurden die Zugbrücken hochgezogen und es gab bis 5 Uhr früh nur mehr das Taxi, das einen über einen riesigen Umweg und viele Rubel nach Hause bringen hätte können. In der Nähe unseres zweiten Hotels befand sich auch ein Zoo in einem sehr großen Park, wo es auch viele Wahrzeichen der Stadt - in Miniatur gegossen - zu besichtigen gab. Diese Minimundus-Welt war aber noch lange nicht die größte Attraktion im sog. Kronverskij-Park, es gab auch noch ein Planetarium und vor allem die Besucher des Parks, die ihre „Haustiere“ mitgebracht hatten und sie hier zur Schau stellten. Darunter ein riesiger Uhu, ein wunderschöner exotischer Husky und ein anderer Anwohner hatte auch seine Schlange mitgebracht. Seltsame Hobbies haben nicht nur die Leute in New York, die ihre zu groß gewordenen Krokodile ja schon mal in die Kanalisation runterspülen. In St. Petersburg dürfte ähnliches schon passiert sein.

Mariinkij-Theater und die Balletttradition
Während unseres Aufenthaltes tagte auch das International Economic Forum in St. Petersburg, was bedeutete, dass die Stadt proppenvoll war und die Hotels und Restaurants und auch Theater komplett ausgebucht und extrem überteuert waren. Es gelang uns trotzdem eine Vorstellung für die wohl bekannteste Bühne Petersburgs zu besuchen, aber natürlich nur, weil wir vorher reserviert hatten. Das Mariinskij-Theater, das sogenannte „Kirov-Ballett“, dürfte jedem aufgeklärten Westeuropäer ein Begriff sein, ohne wirklich zu wissen, was damit eigentlich gemeint ist. Tatsächlich war Sergej Kirow nämlich erster Sekretär der Leningrader Kommunisten und regierte somit die Stadt von 1926 bis 1934. Der besonders dienstbeflissene Erste Sekretär soll durch sein „Pflichtbewusstsein“ sogar Stalin selbst übertroffen haben, was dann auch zu seiner Ermordung geführt haben könnte, denn ein bis heute nicht geklärtes Attentat setzte seinem Dienst an der Partei und am Vaterland ein jähes Ende. Stalin soll an seinem Sarg eine Träne gedrückt haben und unmittelbar danach den Großen Terror eingeleitet haben. Das Kirow-„Ballett“ bezieht sich aber natürlich nicht auf die Politik, sondern auf das ehemalige kaiserliche Ballett des Mariinskij-Theaters, das 1935 und 1991 um- resp. rückbenannt wurde. Bei Tourneen in Ausland wurde jedoch weiterhin die Bezeichnung Kirow-Ballett verwendet, wohl auch um damit den Qualitätsstandard zu gewährleisten. Während des Kalten Krieges hatte das Mariinskij-Theater allerdings das Problem, dass immer wieder Tänzerinnen und Tänzer von den Tourneen durch das westliche Ausland nicht mehr zurückkehrten. Die Prominentesten darunter waren sicherlich Rudolf Nurejew, Natalia Makarowa und Mikhail Baryshnikov. In Bezug auf technische Perfektion, stilistischen Purismus und Ballett im Geist der Tradition steht das Mariinkskij-Theater heute aber wieder - nach zwanzig Jahren des Endes des Kalten Krieges - wieder ganz oben auf der Liste der Balletttheater der Welt. Wer die Stars des heutigen Mariinskij-Theaters sehen möchte, der muss sich über die auch Englisch geführte Homepage rechtzeitig Karten sichern: http://www.mariinsky.ru/en Die Preise variieren zwischen 2000 und 8000 Rubel, also 50 und 200 Euro. Die Erfolgsgeschichte des Theaters wird übrigens mit einer zweiten Bühne fortgesetzt, dessen Ausschreibung der französische Star-Architekt Dominique Perrault (Pariser Nationalbibliothek) gewann. Ob das „Mariinskij 2“ wirklich 2012 fertiggestellt wird, war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt.


Schwanensee im Mariinskij-Theater

Wir wohnten während unseres Aufenthaltes einer wunderschönen „Schwanensee“-Präsentation, das Ballett, das zum klassischen Repertoire des Theaters gehört, bei. Eine alte Frau fragte uns in der Pause zwischen dem ersten und zweiten Akt im Vestibül: „Kennen Sie Lenka Petrovna“, und wenige Minuten später sahen wir sie zwischen Kulisse und Tänzerinnen auf der Bühne, wie sie von rechts nach links mit Blickrichtung ins Publikum immer noch nach „ihrer Bekannten“ suchte. Sie erinnerte etwas an Twin Peaks, die Frau mit dem Baumstamm vor ihrer Brust, geistig umnachtet und völlig verwirrt und dennoch klar genug, mucksmäuschenstill während der Vorstellung über die Bühne zu gehen. Die Tänzerinnen des Balletts konnten sich natürlich nicht nach ihr umdrehen, aber konnten das Flüstern und zurückgehaltene Lachen im Zuschauerraum nicht überhört haben. Es war faszinierend, wie sich diese Welle durch das ganze Theater ausbreitete und gleichzeitig dennoch wieder verstummte. Diese Atmosphäre im Mariinskij war wohl einer der schönsten Augenblicke unseres Aufenthaltes in St. Petersburg, vor allem auch deswegen, weil es nach der Vorstellung immer noch draußen hell war. Wer hat in Mitteleuropa abends denn schon einmal ein Theater verlassen und ist in das gleißende Licht des Tages getreten? Natürlich bekamen wir sofort wieder Hunger und flüchteten in unser Lieblingslokal, das Zoom, www.cafezoom.ru, in dem wir zwar wieder lange warten mussten, bei dem dann aber zufällig wieder „unser“ Tisch unter dem Bild von Jurij Gagarin frei wurde. Wir waren versöhnt mit der Welt, denn das Economic Forum und seine schreckliche Klientel, davon war hier nichts zu spüren oder zu sehen.


Jurij Alexejewitsch Gagarin (1934-1968)


Im „zoom“ kann man von Boeuff Stroganoff bis Hühnerfilets mit Teriyaki-Sauce alles in sehr guter Qualität bekommen. Man kann sich mit Büchern oder Buntstiften die Wartezeit etwas verkürzen, um dann auf den Tischsetchen mit Porträts seines Gegenübers sein Kunstwerk fortsetzen. Auch die Speisekarten sind sehr liebevoll gestaltet, wie das Bild zeigt.

Transportwege, öffentlicher Verkehr und Sehenswürdigkeiten
Ein wirklicher Geheimtipp für die Fortbewegung in St. Petersburg ist das Aquabus-System, www.transport.spb.ru, das zwar nur von 08:00 bis 20:00h betrieben wird, aber dennoch Stadtansichten bietet, die man auf keine andere Weise sonst bekommt. Eine Fahrt kostet 100.- Rubel, als etwa 2,5.-€ und man kommt mit den piterschen Vaporetti sogar bis zum Smolnyi-Kloster und –Institut, von wo aus Lenin und die Bolschewiki „ihre“ Revolution realisierten. Natürlich gibt es aber viele weitere private Schifftransportunternehmen, wie etwa „Astra“ bei der Dvorsovy Brücke, Admiralteyskaya emb. 2, einem Pier mit Löwen, von wo man auch Fahrten nach Peterhof unternehmen kann. Höhepunkte der Bootstour durch die Kanäle St. Petersburgs ist etwa der Chizhik pizhik oder die Neu Holland Insel, www.newhollandsp.ru, auf der unlängst ein Kulturzentrum errichtet wurde. Ursprünglich ein Arsenal für Zar Peter’s Schiffsammlung, dann ein Gefängnis und später eine sowjetische Radiostation, wurde es in der „neuen Zeit“ als eine sommerliche Kulturoase mit Bauernmarkt, Cafès, Djsets, Konzerten, Kunst und Beachvolleyballflächen adaptiert. Der kleine Chizhik pizhik wiederum ist ein bronzener Vogel bei der Kreuzung von den Moiky und Fontanka Kanälen, den man vom Wasser aus gut sehen kann. Es gibt aber auch viele Leute, die von oben Münzen auf ihn runterwerfen, da dies besonders bei unglücklicher Liebe und beim Schwarzfahren Glück bringen soll. „Chizhik pizhik wo warst du? Vodka trinken im Grünen!“ ist ein weitverbreiteter Reim, der besonders bei Schülern und Studenten beliebt ist. Die kleine Bronzefigur wurde schon zehnmal gestohlen, aber das Museum für Städtische Skulptur soll noch einige davon auf Vorrat haben, „nur für den Fall“.

Peterhof-das Versailles Russlands
Peterhof, das Versailles von Zar Peter, www.peterhofmuseum.ru, ist auch mit dem Peterhof Express erreichbar, einem Hydrofoil Boot das das mondäne Schloss in weniger als 30 Minuten erreicht. Die russische Touristenattraktion Nummer 1 - also die meistbesuchte Destination einheimischer Touristen - ist besonders von Mai bis Mitte Oktober spektakulär, wenn die 147 Fontänen ihr Wasser in die Höhe sprühen. Nachts werden sie natürlich beleuchtet, aber in den Weißen Nächten, war das etwas weniger imposant. Peterhof selbst hat aber natürlich auch vieles andere zu bieten. Das Schloss wurde zwischen 1709 und 1724 erbaut und auf dem weitläufigen Gelände stehen auch kleinere Paläste wie Monplaisir, Marly oder Hermitage Palast. Als „abgespecktere“ Variante gilt aber auch ein Besuch von Pushkin/Tsarskoe Selo. Die imperiale Zarenstadt 24 km südlich von St. Petersburg wurde nach der Revolution von 1917 nach dem Poeten Alexander Pushkin benannt, der auch von dort stammte. 2010 wurde Pushkin, die Stadt, aufgrund ihres 300-jährigen Jubiläums generalsaniert und strahlt seither wieder in neuem Glanz. Um dort hinzukommen muss man allerdings Zug oder Bus nehmen, denn Schiff fährt in den Süden St. Petersburgs keines, da es ja im Süden der ehemaligen Hauptstadt liegt.

Segeln im Finnischen Meerbusen und andere Sehenswürdigkeiten
Neben dem obligaten Eremitage-Besuch hat Piter aber auch noch viele andere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Unvergesslich wird einem die Grifonenbrücke bleiben, wenn man sie einmal besucht hat. Die Eisenseile der Hängebrücke enden in den Mäulern von vier sitzenden Greifenfiguren (in der griechischen Mythologie galten Greifen als Bewahrer des Goldschatzes) mit vergoldeten Flügeln, die von Pawel Sokolow Anfang des 19. Jahrhunderts geschaffen wurden und führten zur Assignatenbank. Die Brücke, die eigentlich Bankbrücke (Bankowskij Most) heißt, schwebt über dem Gribojedow-Kanal und bietet eines der schönsten Fotomotive St.Petersburgs, vor allem, weil man im Hintergrund auch noch die Christi-Auferstehungskirche sieht, die einer klassischen Vorstellung einer russisch-orthodoxen Kirche sehr nahe kommt und jener in Moskau, der Basilius-Kathedrale, aufs Haar gleicht. Sie wurde als Dank dafür errichtet, dass das Attentat der Narodnaja wolja (Volkswille), einer touristischen Vereinigung des 19. Jahrhunderts, der auch Lenins Bruder angehörte, auf Alexander II. missglückte. Neben den vielen Brücken und Kirchen hat St. Petersbrug aber noch vieles andere zu bieten. Neben einem Mariinskij-Theaterbesuch sollte man unbedingt auch das Dom-Kino für eine Filmvorstellung gesehen haben, das Programm lässt sich unter www.domkino.spb.ru jederzeit abrufen. Hinreißend sind aber nicht nur die Skulptur und der Stiegenaufgang des Dom-Kino-Palastes sondern auch der Wartesaal und die Bar des Cafè-Hauses, die durch Großzügigkeit und wunderschönes Interieur der Dreißigerjahre und Aussichten auf die Stadt glänzen. Außerdem gibt es hier auch eine Gratis WiFi-Zone und ein internationales Kinoprogramm. Wer es lieber etwas ausgefallener hat, dem sei auch der Finnische Meerbusen als Ausflugsziel empfohlen. Bei der Segelschule Parusnik www.sc-parusnik.ru können sich auch Ausländer Segelboote mieten und in See stechen, natürlich nicht ohne vorher den nötigen Papierkram erledigt zu haben, denn die Bürokratie ist besonders in Russland vom Zeitaufwand her nicht unerheblich. Ein unglaubliches Ambiente erwartet alle jene, die den Mut haben, einmal auch auf dem Meer zu segeln. So sieht man nicht nur die St. Petersburg vorgelagerte Kronstadt-Insel, sondern auch die Kräne des Hafens von St. Petersburg. Eine einmalige Gelegenheit, eine einmal etwas andere Ansicht auf eine der wohl schönsten Städte der Welt zu gewinnen. Wer das Segelboot sicher wieder in den Hafen zurückbringt, den erwartet auch ein Essen in der Kajüte der Segelschule und wer Glück hat trifft dort vielleicht auch den einen oder anderen Matrosen.

Historisch-literarisches Ambiente
Die Altstadt St.Petersburgs ist die größte Europas, ja, der Welt, und wer die ehemalige Zarenstadt einmal besucht hat, wird mit einem Seufzer zustimmen müssen, wenn Joseph Brodskij schreibt: „St. Petersburg. Die schönste Stadt auf dem Antlitz der Erde“. Brodskij, der in einer Komunalka in St. Petersburg aufwuchs, zeigte sich auch in seinem amerikanischen Exil noch von seiner Heimatstadt angetan. Piter hat es ihm vergolten, indem sie eine Tafel an seinem Wohnhaus in „maurischen Stil“ anbrachte, die heute wieder an den Schriftsteller erinnert. Der Nobelpreisträger hatte in „Erinnerungen an Leningrad“ der Stadt und der russischen Seele ein Denkmal gesetzt. Die Gedenktafel befindet sich an der Ecke Litejnnyj-Prospekt/Pestel-Straße: „Von diesem Balkon aus konnten wir die ganze Länge der Straße überblicken, deren typisch petersburgische, einwandfreie Perspektive, die mit der Silhouette der Kuppel der Pantelejmonskirche abschloss, oder – schaute man nach rechts, mit dem großen Platz, in dessen Mitte die Verklärungskathedrale des Preobraschenkij-Regiments Seiner Kaiserlichen Majestät steht.“ In unmittelbarer Nachbarschaft Brodskijs befanden sich auch die Wohnungen anderer bedeutender russischer Schriftsteller wie Dmitrij Mereschkowkij, Alexander Blok, Anna Achmatowa, Iwan Gontscharow u.a. Letzterer hatte mit seinem „Oblomow“ schon beinahe ein Jahrhundert vorher dem Nichtstun und Flanieren ein Denkmal gesetzt.

Wer einen Hauch des alten zaristischen Russlands verspüren möchte, dem sei das Hotel Taleon http://taleonimperialhotel.com empfohlen, das einst auch viele Literaten zu seinen Gästen zählte. In einem Palast aus dem 18. Jahrhundert, also fast noch zu Peters Zeiten, errichtete der französische Architekt Jean-Baptiste Michel Vallin de la Mothe dieses Gebäude im historischen Zentrum Petersburgs an der Kreuzung von Nevsky prospect und dem Moika Ufer. Das Gebäude, das auch als „Chicherin-Haus“ bekannt ist, weil es für den Polizeichef N.I. Chicherin, gebaut wurde, wurde auch von vielen Künstlern, etwa dem Schriftsteller A.S. Pushkin, gerne besucht. Seither hat es natürlich mehrere verschiedene architektonische Elemente vereint, vom „Puff-Barock“ zum Rokoko, vom French Empire und auch der Renaissance hin zu Eklektizismus und Moderne. Zwischen 1919 und 1922 befand sich auch das Haus der Kunst in einem Teil des Taloan-Komplexes, in dem u.a. A.A. Achmatova, Y.I. Annenkov, M.B. Dobuzhinskiy, E.I. Zamatin, R.C. Petrov-Vodkin. A.M. Gorkiy verkehrten. Alexander Green, Olga Forsh, Osip Mandelshtam, Vladislav Hodasevich und Michael Zoshenko lebten sogar dort. 1924 wurde das „Light Ribbon“ Cinema (“Barricade” ab 1931) im Taloan eröffnet. D.D. Shostakovich arbeitete zum Beispiel darin. Heute ist das Taleon Imperial Hotel (15, Nevsky Prospect (1768-1771), 59, Moika Ufer (1794), und 14, Bolshaya Morskaya Straße (1814-1817).) einer der herrlichsten Hotel-Komplexe im Zentrum Petersburgs, das vom Dach aus auch durch Panorama-Aussichten auf die ganze Stadt glänzt. Wer die Perspektive von oben liebt, sollte keinesfalls einen Besuch der Isaakskathedrale und deren Kolonnade versäumen. Atemberaubende Ausblicke auf die Stadt der Zaren eröffnen sich auch hier dem Betrachter: die Stadt aus Stein hat auch viele Grünflächen und vor allem viel, viel Wasser. Als Einkaufstipp sei natürlich auch der Newskij-Prospekt erwähnt, eine der Prachtstraßen Piters auf der sich auch das Geschäft von „Imperial Porzellan“ http://www.imperial-porcelain.com befindet. Die ehemalige „Lomonosov Porcelain Factory“ wurde 1744 unter der Regentschaft von Elisabeth, der Tochter Peters, gegründet und hat nach einige turbulenten Jahren der Verstaatlichung und Reprivatisierung einen neuen Eigentümer gefunden, der wieder auf Qualität setzt. Wer im Shop auf dem Newskij Prospekt einkauft, wird sich nicht nur von der Sorgfalt der Erzeugung, sondern auch von der guten Schulung der Verkäuferinnen überzeugen können, die das Porzellan tatsächlich mit Glacéhandschuhen einpacken und sie vorher mit einem Silberlöffel zum Klingen bringen.

Weiterführende Literatur: DuMont Kunst-Reiseführer Russland von Christine Hamel; Marcus X Schmid: St. Petersburg im Michael Müller Verlag; Birgit Borowski: St.Petersburg. Baedeker Allianz Reiseführer; Fjodor Dostojewksi: Weiße Nächte, insel Taschenbuch; Ingrid Schalthöfer: Literarischer Reiseführer St. Petersburg, insel Taschenbuch.

Alle angegebenen Internetadressen geben auch Auskunft über Standort, Adresse und Telefonnummer des jeweils angegebenen Ortes. Reservierungen werden angeraten.

Aus der Serie: Die Häfen Europas Folge 1.


Einstell-Datum: 2012-07-31

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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