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Während der ehemalige Berliner Finanzsenator und heutige
Vorstand der Bundesbank Thilo Sarrazin wegen eines Buches
gemeuchelt wird, während eine Meute hysterischer Politiker,
die in Fragen der Integration sich über Jahrzehnte
schwerster Unterlassungen schuldig gemacht haben seinen
Rücktritt fordern, während eine Journaille, die nicht einmal
mehr die Grundlagen einer ausgeglichenen Berichterstattung
beherrscht die Jagd auf Sarrazin freigibt, und während eine
Kanzlerin, deren Partei das Faktum Deutschlands als einem
Einwanderungsland beharrlich über Jahrzehnte geleugnet hat
sich als kritische Buchrezensentin aufspielt, während das
ganze Land medial Amok läuft, tritt Außenminister Guido
Westerwelle vor die Presse und verkündet, dass der Kosovo
anerkannt und finanziell unterstützt werden muss.
Die europäische Wiege des Waffen- und Menschenhandels, der
mafiösen Struktur und der Korruption erhält die offizielle
Protektion der Bundesregierung und keinem Hahn entringt sich
ein Schrei. Das schert keinen wie dem beispiellos moralisch
integren Michel Friedmann oder dem Billigflieger und in
Brüssel chemisch gereinigten Cem Özdemir.
Wie noch vor wenigen Wochen, als sich, diesmal weniger
eskortiert von Politikern, sondern von dem Megärenduo
Will-Schwarzer das Ergebnis eines Strafprozesses
vorweggenommen wurde und in breiter Öffentlichkeit bereits
Opfer- und Täterrolle klar vergeben wurde, ohne dass sich
ein Staatsanwalt eingeschaltet hätte, um die Unabhängigkeit
von Gerichten zu reklamieren.
In beiden Fällen gebärdet sich eine absolutistische Logik in
orgiastischer Weise. Es geht nicht um Wahrheitsfindung,
sondern um die Installierung von Herrschaftstabus, die ihrem
Wesen nach nicht hinterfragt werden dürfen. Wer Kachelmann
gemäß des Prozederes eines Gerichtsverfahrens nur die
Unschuldsvermutung unterstellte, dem wurde die
Komplizenschaft zur Vergewaltigern zugewiesen. Und wer heute
einzelne Thesen Sarrazins, wie zum Beispiel die mangelnde
Integration über den Arbeitsmarkt als für überdenkenswert
erachtet, der ist so schnell eine rassistische Sau, dass er
sich nicht einmal mehr von seinen engsten Angehörigen in der
entsprechenden Form verabschieden kann.
Die Politik, der eigentlich in der Demokratie die Rolle
zukommt, das Wesen unseres Weltbildes auch gegen Stimmungen
in den Vordergrund zu stellen, die Politik gerät in Panik
und versucht noch vorzupreschen in den medialen
Lynchritualen. Sie hat versagt, sie hat ein Vakuum des
politischen Sinns erzeugt, in das jetzt die Demagogenflut
ungehindert eindringt.
Dieses Land gerät zu einer mehr und mehr unangenehmen und
ekelhaften Veranstaltung, da ein an Spielregeln
festzumachender Diskurs nicht mehr möglich ist. Es herrschen
Dogmatismus, Demagogie und Ausgrenzung. Wer so vorgeht, der
wird die Frage der Integration nie lösen können.
Einstell-Datum: 2010-09-03
Hinweis:
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