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Autor: Peter Ettl · Rubrik:
Kolumne



Nein, ich kann den Scheiß nicht mehr hören, diesen Käse, diesen Scheiß. Es gibt nicht nur ein´ Rudi Völler und der Mann mit den grauen Haaren, der bislang jedes besch… Spiel seiner Mannschaft schön geredet hat, ist kein Gott. Er war ein guter Fußballspieler, er machte den Eindruck eines netten Menschen, der die schwere Last auf sich nimmt, eine völlig desolate Nationalelf zu übernehmen. Und was hat er gemacht? Er hat auf Kumpel gemacht und das eine oder andere Spiel gewonnen. Gut. Er hat den Vizeweltmeistertitel geholt. Er? Nein, eine fast wiederum völlig desolate Nationalelf, die sich von Spiel zu Spiel gemogelt hat und durch wahnsinnig viel Glück und einen hervorragenden Torwart bis ins Endspiel gekommen ist. Im Endspiel hat dann auch der hervorragende Torwart den Mantel der Unsterblichkeit abgeworfen und einen haltbaren Ball passieren lassen. Was die Folge hatte, dass die Mannschaft prompt verlor und auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden. Was dann folgte, war eine Pleite nach der anderen. Niederlagen und schmeichelhafte Remis gegen irgendwelche Inselmannschaften, die man eigentlich in die Kreisklasse einstufen müsste. Und eine Schönrederei nach der anderen: Ja gut, so gut war es nicht, aber die zweite Halbzeit, da waren wir ganz stark und haben lediglich die 376 Torchancen ein wenig versiebt. Und dabei hat er doch extra diesen Goalgetter aufgestellt, den zwei Mannschaften schon rausgeekelt haben und der seit drei Jahren nichts mehr trifft. Und einen Verteidiger, der manchmal die Richtungen verwechselt. Und überhaupt war der Schiedsrichter schuld oder das Wetter oder die bösen Fans und natürlich die bösen Medien mit ihren ewigen dummen Berichten und dies und jenes und die Stollen an den Fußballschuhen waren locker (neben vielen Schrauben) und der Ball war nicht rund und überhaupt. Und dann liefert sich der gute Rudi wieder so ein Spielchen gegen die übermächtigen Isländer. Mann stelle sich dies mal vor und lasse den Völler-Satz auf der Zunge zergehen: „Die sind Tabellenführer“. Ja, da muss man sich wirklich fragen, wie solche viertklassigen Teams Tabellenführer werden können. Eigentlich nur, wenn solche gute Menschen wie der gute Rudi, der seine Mannschaft lobt, ob sie nun einen Käse oder Scheiß nach dem anderen abgeliefert haben, ein deutsches Team führt und wenn sein gegangener Vor-Vorgänger, der sagenumwobene Terrier Schotten ins Fußball-Elend lenkt. Nein, was sich da auf dem Rasen und auf dem Bildschirm tut, das hat nichts mehr von gutem Fußball, das ist nur noch Pampe und Schmiere. Wie gut, dass es da eine Volksmeinung gibt, die genauso belämmert und unvermögend ist wie all diese Herren in Grau und die guten Leute, die sich vor ihre Mannschaften stellen. Weit mehr als eine Zweidrittelmehrheit hält der Faulheit, der Dummheit und der Trägheit der Millionen-Euro-Kicker die Stange. Und die Mehrheit hat Recht. Wie immer. Und wenn der ganze Scheiß in die Hosen geht und der Käse gegessen ist, dann hat man halt einfach von nichts gewusst. Wie immer. Der Feind ist wie immer derjenige, der den schlechten Fußball, den unvermögenden Trainer und die Frechheit der Millionen-Verdiener anprangert: Schuld sind wie immer die Medien. Wir wissen es schon: Wenn demnächst der Wettermann im Fernsehen wieder Regen verkündet, wird Lieschen Müller ihren Unmut vor der Glotze Luft machen und lauthals losbrüllen: „Ich kann den Scheiß nicht mehr hören, diesen Käse, diese Wetterfritzen sitzen alle auf einem so hohen Ross, so ein Scheiß!“ Recht hat sie. Schaffen wir sie doch alle ab, diese Boten mit der schlechten Nachricht, früher hat man sie eh umgebracht. Was brauchen wir Journalisten im Land? Weg mit dem Pack! Wir haben doch noch diesen, diesen, wie heißt er gleich, diesen Beckenbauer, der kann zur Not noch selbst auflaufen und Tore schießen, dann darüber in einer Boulevardzeitung schlecht schreiben, um das Spiel dann im Fernsehen in den höchsten Tönen zu loben, nebenbei ein paar uneheliche Kinder machen und einen Fußballverein führen und ein bisschen Werbung machen für konkurrierende Produkte. Man sieht: Alles ist möglich. Oder? Schaun mer mal. Auch ein hochbezahlter Nationalelfchef, der eben mal vor ein paar Millionen Zuschauern einem Fernsehjournalisten völlig aus der Luft gegriffen und völlig ohne jegliche Konsequenz Alkoholmissbrauch im Dienst vorwirft. Völlig. Völler eben.


Einstell-Datum: 2003-09-22

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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