Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

 
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Autor: S. Steinebach · Rubrik:
Kurzgeschichten

Ich, Morgana, stehe am Rand der Klippen und schaue über das Meer. Das Rauschen ist mir so vertraut, es tröstet mich. Der Wind spielt mit meinem Haar. Ich bin alt geworden, aber noch nicht gebrechlich. Ich denke an Dich, mein Geliebter. Du bist gegangen vor langer Zeit, aber mir bist Du gegenwärtig. Im Rauschen des Meeres höre ich Deine Stimme. Im sanften Windhauch spüre ich Deine Hände. Uns war nur eine kurze Zeit vergönnt, nur wenige Jahre des Glücks. Du wurdest mir genommen, starbst durch die Hand eines Mörders. Ich konnte Dich nicht schützen, musste hilflos zusehen.

Ich habe meine Göttin, meinen Vater und das Andenken meiner Mutter für Dich verraten. Meine Strafe ist schrecklich, aber ich trage sie im Bewusstsein meiner Schuld. Viele Seelen waren mir einst anvertraut. Denn ich war die Hüterin von Avalon. Ich habe sie alle verraten, den hilfesuchenden Händen den Rücken zugedreht. Selbstsüchtig und hochmütig bin ich gewesen, habe für irdische Liebe alles auf´s Spiel gesetzt und alles verloren. Avalon ist nur noch eine Sage, verschwunden in den Nebeln der Zeit. Ich muss weiterleben. Durch die Jahrhunderte bin ich gegangen, vele Kriege musste ich erleben, viele Freunde zu Grabe tragen.

Die Große Mutter hat ihr Angesicht von der Erde abgekehrt. Chaos und Wirren sind die Folge, neue Religionen wurden geschaffen. Doch die meisten Menschen glauben nur noch an den Gott des Geldes. Kriege werden geführt, im Namen dieses Gottes und Macht und Rücksichtslosigkeit beherrschen die Welt. Die Menschen sind in ihren Köpfen weit in die Zukunft gelangt. Große Erfindungen haben sie zu Göttern werden lassen, doch ihre Herzen sind zurückgekehrt in die Steinzeit, eine Zeit, in der nur die Stärksten überleben konnten. Hilflos muss ich das alles mit ansehen, wissend, dass es eine Zeit gab, in der alles anders war.

Die Kunst des Heilens ist mir geblieben, wenn mir auch sonst meine Magie genommen wurde. So wandere ich über die Erde, spende Trost und Hoffnung den Schwachen und Kranken. Und dort auf den Straßen, in den Krankenhäusern und Sterbehospitälern treffe ich manchmal Menschen, die noch vom Geist der Großen Mutter durchtränkt sind. Mildtätige und warme Menschen, die sich für andere aufopfern und ihr eigenes Ich in den Hintergrund stellen. Wenn ich diese Menschen sehe, schöpfe ich wieder Hoffnung, dass die Welt noch nicht ganz verloren ist. Jedes echte Lachen, jede echte Träne und jedes ernstgemeinte warme Wort geben mir die Kraft, mein Schicksal zu ertragen und meine Schuld zu begleichen.

Es wird Abend, die Sonne versinkt am Horizont. Ich schaue ihr zu, bis der nun glutrote Ball im Meer versunken ist. Es wird Zeit, ich muss gehen, die lebenden Menschen warten auf meine Hilfe. Doch in jedem Augenpaar, in das ich blicke, spiegeln sich deine Augen wieder, mein Geliebter. Irgendwann, wenn meine Schuld bezahlt ist, werde ich Dich wiedersehen.

(In Anlehnung an den Roman „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley)

S. Steinebach 2007


Einstell-Datum: 2009-07-09

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

Dieser Text wurde noch von niemandem bewertet.

 

Kommentare


Zu diesem Objekt sind noch keine Kommentare vorhanden.

Um einen Kommentar zu diesem Text schreiben zu können, loggen Sie sich bitte ein!

Noch kein Mitglied bei versalia?



Vorheriger Text zurück zur Artikelübersicht Nächster Text


Lesen Sie andere Texte unserer Autoren:
Liebe? · Wo Du bist, ist Himmel · Wir ·

Weitere Texte aus folgenden Kategorien wählen:
Anekdoten · Aphorismen · Erotik · Erzählungen · Experimente · Fabeln · Humor & Satire · Kolumne · Kurzgeschichten · Lyrik · Phantastik · Philosophie · Pressemitteilungen · Reiseberichte · Sonstiges · Übersetzungen ·

Aus unseren Buchrezensionen


Unnützes WienWissenStadtbekannt:
Unnützes WienWissen
Ein Nachschlagewerk der ganz besonderen Art sind die beim Holzbaum Verlag erschienen Taschenbücher mit dem irreführenden Titel „Unnützes Wissen“, denn was sie bieten ist alles andere als unnütz. So lässt das Stichwort „Mariahilferstraße“ aufhorchen, da der unlängst als Fußgängerzone neu eröffnete Boulevard schon viele [...]

-> Rezension lesen


 Go! Geschichte Oberstufe 6Melichar:
Go! Geschichte Oberstufe 6
Ein politisches Statement von Maria Theresia aus dem Jahre 1750, zehn Jahre nach ihrer Thronbesteigung, lässt auch heute noch aufhorchen: „So ist ein Landesfürst schuldig, zur Aufnahme oder Erleichterung seiner Länder und Untertanen wie auch deren Armen, alles anzuwenden, keineswegs aber mit Lustbarkeiten, Hoheiten und Magnifizenz [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?


Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.015343 sek.