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Wanderer im Rosengarten
Ein Wanderer kam auf seiner Reise, quer durch die Welten,
durch die Galaxien, an einen Ort, eine Stadt, so wie er
schon viele gesehen hat.
Es gab nichts besonderes in dieser Stadt zu sehen, keine
schöne alte Häuser, keine Bäume, er folgte der Straße, dann
dem Fluss. Am Ufer stand ein verblasstes Schild,
unleserlich, verwittert, er hielt inne, blieb gebannt vor
dem Schild stehen, er versuchte die abgeblätterte Schrift zu
entziffern, seine Augen suchten den Sinn der Worte zu
erkennen, er las : „ Magischer Rosengarten, 3000 Meter
links, Öffnungszeiten von 0 bis 24 Uhr.
Er hielt inne und überlegte, ein Magischer Rosengarten, an
diesem Ort, in dieser Allerweltsstadt. Da nichts vorhatte an
diesem Tag, wäre ein Besuch vielleicht eine kleine
Abwechslung, von der Tristesse der Stadt. Er wollte die
Nacht in dem Rosengarten verbringen, das fand er, sei eine
gute Idee und bestimmt war es dort nicht schlechter als in
einem dieser trostlosen Zimmern in der grauen Stadt.
Er machte sich auf den Weg um den Rosengarten noch vor
Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Froh eine Abwechslung
gefunden zu haben, ging er schneller als gewöhnlich, ein
merkwürdig seltsames Gefühl hatte ihn eingefangen. Was es
war vermochte er nicht zu sagen, er war schon viel herum
gekommen, aber so ein Gefühl kannte er nicht, hatte es noch
nie erlebt.
Während er noch grübelte kam der Eingang in seinen
Blickwinkel, es war ein seltsamer Anblick, der Zaun war
verrostet, und mit Pflanzen aller Art über- und verwuchert.
Es drängte sich ihm der Eindruck auf, dass hier schon lange
keine Besucher mehr hinkamen. Nun er hatte nichts erwartet,
aber irgendwie war er enttäuscht und er wusste nicht wieso,
er hatte keine Wunder erhofft, auch wenn dort auf dem
Schild, „Magischer Rosengarten“ gestanden hatte. Das was er
sah ließ seine Laune sinken, er wollte schon umkehren und
sich doch ein Zimmer in der Stadt für die Nacht suchen, da
sah er bizarre Lichter über die Umzäunung, hörte ein sehr
feine, klare Stimmen die ihn begrüßten und herein baten.
Er folgte den Stimmen und sie führten ihn in den
Rosengarten. Sein erster Eindruck war verwirrend, gepflegte
Rosen, in rot, weiß, gelb und blau, ein wirkliche magische
Pracht, beeindruckend schöner Rosen, die einen wundersamen,
betörenden Duft verbreiteten. Seine Sinne begannen sich zu
verändern, ein Gefühl des Schwebens setzte bei ihm ein, da
erblickte er eine Rose die nicht zu den anderen passte. Sie
war schwarz, schwarzblau, ihren Kopf streckte sie stolz,
grade stehend, in den Himmel.
Auch hatte sie mehr, und längere Dornen, ihre Blütenblätter
strahlten ein heiteres, sinnliches Gefühl aus. Und er hörte
sie sagen, mich pflückt keiner, ich kann mich wehren, sie
dir meine Dornen an. Er fühlte sich direkt angesprochen von
dieser Rose, und er antwortete ihr: „ Ich will dich nicht
pflücken, ich mag keine toten Blumen, keine toten Rosen, und
dich will ich schon gar nicht pflücken, die erscheinst mir
reichlich vorlaut, du Dornenrose“.
Du verstehst nichts du Mensch, hast keine Ahnung von meinem
Schicksal, und hast keine von meinem, antwortete er der
Rose. Irgendwie fühlte er sich zu dieser Rose seltsam
hingezogen, und er wusste nicht warum ihn ein Gefühl
überkam, dass ihm nicht fremd war, aber trotzdem hatte er
dieses Gefühl lange Zeit nicht mehr verspürt.
Im war warm ums Herz, wenn er der Rose in die Blütenblätter
sah, ihre grazile Haltung, ihre Stimme, all das löste in ihm
Träume aus.
Er sah diese Rose sich verwandeln, ihre Dornen wurde Arme,
an denen sanfte, kleine zarte Hände wuchsen. Ihre
Blütenlippen, waren jetzt voller Feuer, ein verführerisches
Lächeln umspielte ihren kleinen Blättermund, und sie
begannen sich zu unterhalten, was er alles erlebt hatte auf
seinen Reisen, was ihn umher trieb, wieso er ständig von
einem Ort zum nächsten ziehe. Sie erzählte von ihrem Leben
in dem Rosengarten, in dem sie aufgewachsen ist und ihn nur
ab und zu verlässt, wenn es ihr zu eng wird im Garten. Und
er begriff das diese Rose anders war, als die um sie
versammelten, nicht nur ihre Farbe hob sie hervor, auch ihr
Wesen war außergewöhnlich, sie war wissbegierig, wollte
alles wissen, alles ganz genau.
So unterhielten sie sich die ganze Nacht und verliebten
sich, er legte sich zu ihr in das Rosenbeet und sie liebten
sich auf eine symbiotische Art und Weise, die keiner
Erklärung bedurfte, von der beide wussten das sie für ewig
war und trotzdem würde sie nur eine Nacht dauern, am
nächsten Tag keine Fortsetzung finden.
Am Morgen des Tages nahmen sie Abschied ohne Tränen, jeder
kannte die Wahrheit und sie brauchten keine Worte mehr.
Es war eine Liebe von unvergänglicher Sanftheit, bei der
beide das erfahren hatten was sie wissen wollten, nun da sie
es wussten gab es nichts mehr zu sagen, keinen Grund mehr
die Zeit miteinander zu verbringen.
So verließ der Wanderer den Rosengarten und durchwanderte
weiter seine Welt, auf das er von ihr Neues erfahren wird um
in den Rosengarten zu rückkehren zu können.
Gideon
Einstell-Datum: 2004-02-25
Hinweis:
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