Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

 
Wörter machen Karriere
Autor: ArnoAbendschoen · Rubrik:
Kolumne

- Einem Ex-Minister in Liebe und Verehrung zugeeignet -

Man sieht ab und zu noch Fotos von ihm in den Zeitungen. Wenn er einmal tot sein wird, werden sich die Leute Bilder von ihm ansehen und sagen: So hat er ausgesehen, zu seiner Zeit, so hat er gedacht, formuliert und für Projekte, für sein Projekt gekämpft.

Ein PROJEKT – das war in jenen frühen Jahren das kommende Wort. Es gibt kommende Wörter, wie es kommende Männer und Frauen gibt. In einem Stück von Heinrich Mann sagt eine Figur: „Wir haben nichts, was eine Sache ist, aber wir haben Sachlichkeit.“ Leute wie er hatten ein Projekt. Jahre später wurde er Minister. Wie sich herausstellte, war sein langjähriges Projekt allein gewesen – eben Minister zu werden. Es kam dann auch, mangels anderer Projekte, zu einem Krieg, der alle sehr verblüffte. Der Minister gebrauchte das geliebte Wort Projekt weiterhin derart häufig, dass kluge, vorbauende Leute es schon nicht mehr benutzen wollten. Dafür kopierte man nun die zweite Spezialität des Ministers, und die war sein schwer nachzuahmender, staatsmännisch besorgter Faltenwurf des Gesichts. Die Lage war in der Tat noch nie so ernst.

Man hätte gewarnt sein können. Den Hellhörigen stand das Schicksal eines anderen abgehalfterten Wortes vor Augen: GANZHEITLICH. Das war in den Zeiten der kritischen Analyse das himmlische Manna gewesen. In Kritik und Analyse war die ganze Manna versprechende Richtung, die einem so gut passte wie ein bequemer Turnschuh, ja stark gewesen. Die Macht über die verrotteten Zustände fiel ihr wie einem Alleinerben nach Ableben des Vorgängers zu. Angesichts der wahren Lage erhielt das arme Wort „ganzheitlich“ dann sofort Landesverweis und war landesweit durch „Projekte“ zu ersetzen. Ihr Scheitern in der Praxis führte in erneutem dialektischem Umschwung zu nochmaligem Ausweichen in die Breite: AGENDA war nun das kommende Wort. Die Herren über die Projekte entschuldigten sich ganzheitlich mit der Vielzahl unlösbar erscheinender Aufgaben. Sie aufzulisten, war immerhin auch schon mutig: in der Tat.

Ein dreifaches Hoch unserem unbestrittenen Meister der Worthülsenkultur. Möge er lange und in Frieden seinen Ruhestand genießen.


Einstell-Datum: 2010-06-03

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

Bewertung: 1 (1 Stimme)

 

Kommentare


Zu diesem Objekt sind noch keine Kommentare vorhanden.

Um einen Kommentar zu diesem Text schreiben zu können, loggen Sie sich bitte ein!

Noch kein Mitglied bei versalia?



Vorheriger Text zurück zur Artikelübersicht Nächster Text


Lesen Sie andere Texte unserer Autoren:
STRANDGUT - Geschichten ... · Lachnummer Umweltschutz · Anekdote über Schnecken... ·

Weitere Texte aus folgenden Kategorien wählen:
Anekdoten · Aphorismen · Erotik · Erzählungen · Experimente · Fabeln · Humor & Satire · Kolumne · Kurzgeschichten · Lyrik · Phantastik · Philosophie · Pressemitteilungen · Reiseberichte · Sonstiges · Übersetzungen ·

Aus unseren Buchrezensionen


Wächst das noch oder war´s das schonGodard, Delphine:
Wächst das noch oder war´s das schon
Dieses schon 2013 in Frankreich erschienene und dort sehr erfolgreiche Buch für Mädchen und Jungen zu Beginn und während ihrer Pubertät ist nun im Ravensburger Verlag auch auf Deutsch erschienen. Es behandelt alle wichtigen Fragen und Probleme und arbeitet mit zahlreichen Klappen, die die jungen Leser nutzen und dahinter eine Menge [...]

-> Rezension lesen


 Hunkeler und die goldene HandSchneider, Hansjörg:
Hunkeler und die goldene Hand
Der siebte aus der mittlerweile neun Bände umfassenden Serie mit Romanen um den Basler Kriminalkommissär Peter Hunkeler. Schneider, wie sein Protagonist aus dem ländlichen Aargau stammender Basler, ist schon 55 Jahre alt gewesen, 1993, beim Erscheinen des ersten Buchs, bei diesem hier dann 70. Sehr viele Hunkeler-Romane können kaum [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?


Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.022747 sek.