| |
In den frühen Morgenstunden des 2. Juli 1961 legte sich der
Kriegsreporter, Großwildjäger, Hochseefischer, Boxer,
Bonvivant und Nobelpreisträger Ernest Hemingway im
amerikanischen Ketchum, Idaho eine Kugel in seine Jagdflinte
und bereitete seinem bewegten Leben ein jähes Ende. Aus
heutiger Sicht litt Hemingway an einer bipolaren Störung,
die verschlimmert wurde durch exzessiven Alkoholkonsum. Kaum
ein Schriftsteller des 20. Jahrhunderts wurde mehr gefeiert
und kaum ein Mann dieser Branche wurde nach seinem Tod mit
einer derartigen Rigorosität abgelehnt und in zahlreichen
Arbeiten regelrecht post mortem hingerichtet.
Schon im ersten Weltkrieg war Hemingway als
Kriegsberichterstatter unterwegs und professionalisierte
sich in den frühen zwanziger Jahren durch journalistische
Tätigkeit für renommierte Tageszeitungen wie den Kansas City
Star und den Toronto Star. Zudem wurde er Polizeireporter in
Chicago. Der kurze, sachlich gehaltene und auf den
Zeitungsreport fokussierte Stil sollte prägend werden bei
der Mutation zum Schriftsteller. Mit seinem Umzug nach Paris
im Jahr 1921 begann sein literarisches Schaffen. Im Kreise
von Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und Ezra Pound
inhalierte Ernest Hemingway das Lebensgefühl der so
genannten Lost Generation, der Amerikaner, die nach dm Krieg
in Europa Fuß fassten und die es nicht mehr nach Hause zog.
Die Erfolgsromane Hemingways sind allesamt Menetekel praller
Lebensfreude und tiefer Vereinsamung, existenzieller Kämpfe
und vor allem die Darstellung des Mannes in seiner
archetypischen Formation: Als Jäger, als Krieger, als
Kämpfer. Hemingway faszinierte das Boxen genauso wie der
Stierkampf, er ging selbst auf Löwen- und Elefantenjagd und
freiwillig in den Spanischen Bürgerkrieg, wo er vehement für
die Republik Partei ergriff. Ihm gelangen großartige Bücher
wie Wem die Stunde schlägt und Der alte Mann und das Meer,
lesenswerte wie Fiesta, Schnee auf dem Kilimandscharo und
das jetzt neu aufgelegte Paris. Ein Fest fürs Leben, ein
exzellenter Essay über die psychologischen Dispositionen des
Stierkampfes namens Tod am Nachmittag, sowie furchtbar
schlechte Romane wie Inseln im Strom und Gefährlicher
Sommer.
Ein Mann, der sich gerne mit Jagdtrophäen fotografieren
ließ, der in Stierkampfarenen zuhause war, an Boxringen saß,
in den Bars der Weltmetropolen als exklusiver Gast galt und
insgesamt fünfmal verheiratet war konnte auch nach seinem
physischen Tod die Frauenbewegung nicht überleben.
Hemingway, der einer ganzen Generation als Kult galt, wurde
in zahlreichen nachbetrachtenden Arbeiten regelrecht
zerlegt, wobei die Qualität dieser Werke schlimmer ist als
die schlechtesten Schriften des Beklagten, denn sie sind vom
Tenor der Kritik so, als würfe man Julius Cäsar heute vor,
er habe seinen Müll nicht getrennt. Hemingway war einer der
letzten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der sich den
Universalthemen von Liebe und Tod fast mit seinem gesamten
Werk gestellt hat. Das aus einer Perspektive, die, ist man
in der Lage, sie zu historisieren, heute kein Verbrechen
ist. Das eine oder andere von ihm zu lesen, könnte
unverstellten Geistern durchaus zum Vorteil gereichen.
Einstell-Datum: 2011-07-03
Hinweis:
Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss
nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de
übereinstimmen.
|
|