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Autor: Copper · Rubrik:
Erzählungen

Im gleißenden Licht des Vollmonds wirkt manches anders,grau,bedrohlich. Ein Schatten seiner selbst und höchst unheimlich, wenn ein im Mantel verhülltes Gesicht durch eben dieses läuft...

Schweren Schrittes nimmt der alte Mann die ersten Stufen hinauf auf den Gipfel. Die Stufen, die, obgleich noch nie eines Mannes Hand es wagte den mächtigen Hüter der Höhe herauszufordern und gegen seinen Wille zu beschlagen, doch von ihm als respektvollen Tribut dem alten dargebracht. Ein Stock dient zur Stütze ihm, doch sein unbändiger Elan straft seine äußerliche Erscheinung Lügen. Je näher sein Ziel ihm kommt, so schneller geht sein Fuß; je weiter vor er dringt, so wilder gibt sich ihm, sträubt sich und tobt das himmliche Reich und stemmt sich dem entgegen - alles unnütz.

Als er das Gipfelplateau erreicht, verstummt der Zorn von oben scheinbar kapitulierend. Triumphierend steht der alte nun auf der bezwungenen Bestie und beginnt zu lachen. Sein Lachen hallt weit in die Ferne, bezwingt auch jene Berge in einem Bruchteil der Zeit, die sein Meister gebraucht hätte, doch gleichbedeutend mit seiner Absolution. Lacht sich das Herz, gar die Seele aus dem Leib, als verspotte er den Allmächtigen selbst und sein ganzes Gefolge noch dazu.Dann verstummt das Lachen. Allein das Echo erfüllt den schier unendlichen Raum des Gebirges und zeugt eines Wahnsinnigen.

Als der Mann seine Augen schließt, beginnen leise Pianozyklen seine Gedanken zu umschmeicheln und seinen Kopf zu benebeln. Es sind die Lieder seiner Jugend, die er selbst geschaffen hatte und mit denen er, in Verbindung mit seinen geschickten Fingern, wohl zu imponieren wusste, vornehmlich beim schwächeren Geschlecht. Wie er es doch liebte, wenn sein Spiel ein Weib so trunken und willenlos machte. Zu trunken um seine wahre Absicht zu erahnen. So willenlos, als dass er jedes andere Spiel hätte mit ihr spielen können.

Bei diesem Gedanken beginnt er ganz nach höfischer Art, eine imaginäre Partnerin zum Tanze zu bitten und sie zu den Klängen zu führen. Im Walzerschritt und 3/4 Takt vornehm und reserviert, doch harsch und zupackend zugleich. Als die Musik langsam entschwindet, verblasst auch des Mannes Partnerin. Schwelgend wirft er ihr einen Handkuss hinterher - wie er die Musik doch liebte.

Als der Greis die Augen öffnet ist er sich nach einem kurzen Moment der Betäubung wieder im Klaren über den Grund seiner Präsenz an diesem menschenfeindlichen und entlegenen Ort. Nachdem eine Brise seine alte Lunge nocheinmal durchkämmt hat, schreitet er schließlich zur Tat und an den Rand seiner Existenz. Dabei breitet er die Arme aus, seinweit geschnittener Mantel lässt ihn vogelgleich erscheinen.
Nutze die Flügel, junger Vogel, du wirst sonst nie das Fliegen lernen!
Doch er nutzt sie nicht. Zu schwach seine Brust,zu schwer sein Gewissen um frei und schwerelos durch die Lüfte zu gleiten. Ein leises Lachen hallt durch die Schlucht, als das Küken schon keine Federn mehr hat...


Einstell-Datum: 2007-06-12

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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