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Literaturforum: was macht lyrik aus?


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Forum > Sonstiges > was macht lyrik aus?
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 Autor
 Thema: was macht lyrik aus?
Sabine Marya
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 11.05.2005

Das ist Sabine Marya

     
30. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.05.2005 um 08:36 Uhr

ratschlaf für einen dichter

als dichter musst du wissen wie
man leute killt köpfe zwischen zeilen klemmt sie plätten satz für
satz das ist das blei das du hast
ein gutes gedicht braucht heut
zutage einfach einen mord damit
die quote stimmt sie nicht zum
pinkeln gehn wenn du um ihre
herzen wirbst musst du sie brechen

(Albert Ostermaier *1966)


LEBE! Heute!!!
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Kenon
Mitglied

1197 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
31. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.05.2005 um 11:20 Uhr

Zitat:

Schauen wir uns doch mal die Texte an, die wir vor 10, 15, 20 Jahren geschrieben haben. Was findet Gnade vor unseren Augen?

Nicht jede Entwicklung geht zwangsläufig vorwärts. Vielleicht schaut man auch ein wenig wehmütig auf die Pyramiden der Vergangenheit, während man im Jetzt nur noch Lehmhütten baut.

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LX.C
Mitglied

1770 Forenbeiträge
seit dem 07.01.2005

Das ist LX.C

     
32. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.05.2005 um 17:35 Uhr

Diese Nachricht wurde von LX.C um 17:46:06 am 17.05.2005 editiert

[Quote] Schauen wir uns doch mal die Texte an, die wir vor 10, 15, 20 Jahren geschrieben haben. Was findet Gnade vor unseren Augen?

[Quote]Nicht jede Entwicklung geht zwangsläufig vorwärts. Vielleicht schaut man auch ein wenig wehmütig auf die Pyramiden der Vergangenheit, während man im Jetzt nur noch Lehmhütten baut. [/Quote]
[/Quote]
Sartre schrieb einst zu diesem Thema:

Mein bestes Buch ist dasjenige, das ich gerade schreibe, gleich danach kommt jenes, das vor kurzem erschienen ist; aber insgeheim bereite ich mich schon darauf vor, es demnächst peinlich zu finden. [...] Natürlich falle ich nicht auf mich herein: ich sehe gut, daß wir uns wiederholen. [...] Gestern war ich blind, mein heutiger Fortschritt besteht darin, begriffen zu haben, daß ich nicht mehr fortschreite. (J. P. Sartre, Die Wörter)


.
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514
Mitglied

Forenbeitrag
seit dem 07.01.2005

     
33. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.05.2005 um 19:34 Uhr

aber trotz aller Selbstkritik (gutes Sartre-Zitat, treffend!) muss es doch eine Art Punkt geben, an den man kommen kann und sagen:
Das hier will ich veröffentlichen.
?

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Sabine Marya
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 11.05.2005

Das ist Sabine Marya

     
34. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.05.2005 um 20:22 Uhr

Wäre man nicht irgendwann an dem Punkt angelangt zu sagen, "das hier will ich veröffentlichen", dann würde man diesen Schritt sicher nicht machen. Doch können wir auch noch nach 20 Jahren "Ja" zu diesem Buch sagen? Sehr treffend, wie Sartre es beschreibt! Deshalb ist es auch so eine entscheidende Frage, ob das Buch wirklich so weit ist, dass es veröffentlicht werden kann, auch, wenn man das Gefühl hat, dass es heute so weit ist. Aber was ist mit morgen? Ein veröffentlichtes Buch kann man genau so wenig zurück nehmen wie das gesprochene Wort.


LEBE! Heute!!!
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Jasmin
Mitglied

406 Forenbeiträge
seit dem 21.11.2004

Das ist Jasmin

     
35. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.05.2005 um 22:06 Uhr

Zitat:

Nicht jede Entwicklung geht zwangsläufig vorwärts. Vielleicht schaut man auch ein wenig wehmütig auf die Pyramiden der Vergangenheit, während man im Jetzt nur noch Lehmhütten baut.

Wenigstens hat man Pyramiden gebaut. Die werden dort stehen für immer.

Während andere immerfort nur Lehmhütten bauen. Nichts als Lehmhütten.

Im Jetzt und auch in der Zukunft.


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Sabine Marya
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 11.05.2005

Das ist Sabine Marya

     
36. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.05.2005 um 22:21 Uhr

Pyramiden wurden errichtet für Tote. Lehmhütten werden gebaut für Lebende.
Macht es Sinn, auch heute noch Pyramiden zu erbauen? Oder sollten wir nicht lieber schauen, welche Orte wir wie erbauen können, um sie mit Leben zu füllen



LEBE! Heute!!!
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LX.C
Mitglied

1770 Forenbeiträge
seit dem 07.01.2005

Das ist LX.C

     
37. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 18.05.2005 um 00:56 Uhr

[Quote]Doch können wir auch noch nach 20 Jahren "Ja" zu diesem Buch sagen? Sehr treffend, wie Sartre es beschreibt! Deshalb ist es auch so eine entscheidende Frage, ob das Buch wirklich so weit ist, dass es veröffentlicht werden kann, auch, wenn man das Gefühl hat, dass es heute so weit ist.[/Quote]
Ich denke, Sartre wollte damit etwas ganz anderes sagen, und zwar, daß es ein ganz natürlicher Prozeß ist, seine einstigen Schriften zu einem späteren Zeitpunkt argwöhnisch zu betrachten.
Und daß wir oft der Illusion unterliegen, uns weiterzuentwickeln,
obwohl wir uns im Grunde nur wiederholen.

Wenn man ständig darüber nachdenken würde, ob ein Werk in 20 Jahren noch seine Berechtigung hat, dann würde man nie dazu kommen, etwas zu veröffentlichen.


.
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514
Mitglied

Forenbeitrag
seit dem 07.01.2005

     
38. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 18.05.2005 um 12:00 Uhr


Ja!!
Man muss wohl Abstand nehmen von dem Glauben, zu irgendeinem (immer in der Ferne liegenden) Punkt in seinem Leben die erforderliche Löffelmenge Weisheit gefressen zu haben, die einen zu einer Veröffentlichung berechtigen könnte.
Entwicklung annehmen.. ebenso wie die Einsicht, dass ein Wort nicht zurückzunehmen ist, aber ebensowenig endgültige Urteile spricht. (sprechen kann)
Dass das Wort sich wandelt..



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Sabine Marya
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 11.05.2005

Das ist Sabine Marya

     
39. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 18.05.2005 um 18:08 Uhr

Wandelt sich rasch auch die Welt
wie Wolkengestalten,
alles Vollendete fällt
heim zum Uralten.

( Rainer Maria Rilke)


LEBE! Heute!!!
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