Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

Literaturforum: Maxim Gorki


Aktuelle Zeit: 07.05.2021 - 17:10:07
Hallo Gast, Sie sind nicht eingeloggt!
Suche | Mitglieder | Neu | Statistik

Forum > Literaturgeschichte & -theorie > Maxim Gorki
Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
 Autor
 Thema: Maxim Gorki
LX.C
Mitglied

1770 Forenbeiträge
seit dem 07.01.2005

Das ist LX.C

     
10. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 12.05.2005 um 22:54 Uhr

Denke, das widerspricht sich ja nicht mit dem, was wir bisher ergänzt haben.
Klingt allerdings tatsächlich ziemlich dürftig und lückenhaft.


.
Profil Homepage von LX.C besuchen Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1122 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
11. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 12.05.2005 um 23:14 Uhr

Zitat:

Klingt allerdings tatsächlich ziemlich dürftig und lückenhaft.

Im Prinzip ist es sehr verwunderlich, dass überhaupt irgendetwas, das kein neues (Staats)Gesetz war, gedruckt werden konnte. 100%-ig konnte ja sowieso niemand die Linie treffen, selbst, wenn er sich die größte Mühe gab.

Die mir vorliegende Biographie ist optisch zweigeteilt gedruckt. Einem fetten schwarzen Absatz Welt/SU-Geschichte folgen immer ein paar rote Brocken über Gorkis Leben, damit man auch schön alles in den Kontext einordnen kann.

In meinem Lesebuch wird auch der "Kultautor" N. Ostrowski ("Als der Stahl gehärtet wurde") erwähnt, ebenfalls 1936 gestorben (Baujahr 1904). Leider habe ich keine Biographie zu ihm finden können. Das Todesjahr erscheint jedenfalls auf den ersten Blick verdächtig...

Profil Homepage von Kenon besuchen Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1122 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
12. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2005 um 16:51 Uhr

Ich glaube, dass sich Gorki nach seiner Rückkehr doch mit den herrschenden Verhältnissen in der Sowjetunion arrangiert hat. Auch wenn ihm die vielen Ungereimtheiten und Widersprüchlichkeiten nicht entgangen sein dürften, so wird er sich dennoch dafür entschieden haben, das beste daraus zu machen; gab es denn überhaupt Alternativen? Diese Einstellung wird jedenfalls in seinen Aufsätzen und Zeitungsartikeln der 30er Jahre deutlich.

Ich war zeit meines Lebens ein "Pazifist". [...] Aber nach dem heroischen Krieg, den unsere hungrigen, barfüßigen, halbnackten Arbeiter und Bauern siegreich zu Ende geführt haben, und nachdem die Arbeiterklasse sich beim Aufbau des neuen, des eigenen Staates unter unbeschreiblich schwierigen Verhältnissen als kluger und begabter Gebieter erwiesen hat und weiter erweist, habe auch ich mich überzeugt, daß ein Kampf auf Leben und Tod unvermeidlich ist. (1929)

Im Innern unseres Landes organisieren die schlauen Feinde Lebensmittelmangel, die Kulaken terrorisieren die zu Kollektivwirtschaften zusammengeschlossenen Bauern durch Morde, Brandstiftungen und die verschiedenartigsten niederträchtigen Methoden. Gegen uns ist alles, was das ihm von der Geschichte beschiedene Zeitmaß bereits ausgelebt hat, und dies gibt uns das Recht, uns immer noch als im Bürgerkrieg stehend zu betrachten. Die natürliche Schlußfolgerung daraus ist: "Wenn der Feind sich nicht ergibt, wird er vernichtet" (1930)

Profil Homepage von Kenon besuchen Nachricht senden Zitat
LX.C
Mitglied

1770 Forenbeiträge
seit dem 07.01.2005

Das ist LX.C

     
13. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2005 um 22:01 Uhr

Ich denke nicht, daß er sich einfach nur arrangiert hat.
In der Literatur run um den Allunionskongreß erfährt man eine Menge über die Stimmung um 1932-1934, darunter viele kleine Details über Gorki.
Kein Schriftsteller war beliebter als er in der UdSSR zu dieser Zeit.
Es gab eine wahnsinnige Literaturbegeisterung, da unter Stalin alle lesen lernen konnten/mußten, selbst Erwachsene. Der Analphabetismus wurde erfolgreich bekämpft und auch sonst herrschte eine wahnsinnige Aufbruchstimmung, die selbst Nichtkommunisten, wie beispielsweise Klaus Mann, faszinierten und begeisterten. Es ist heute kaum vorstellbar, aber ich glaube schon, daß der Kommunismus mitreißen konnte, ohne sich großartig arrangieren zu müssen.



.
Profil Homepage von LX.C besuchen Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1122 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
14. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2005 um 22:43 Uhr

Das Experiment "Sowjetunion" war ja auch die damals einzige Alternative des zum offenen Faschismus mutierten Kapitalismus. Interessant ist, was für quasireligiöse Züge das ganze trägt: Lenin, der verstorbene Gott, Stalin, sein lebender Vertreter auf Erden. Insgesamt, sehe ich aber, habe ich noch zu wenig Wissen über diese Periode.

"Es ist Stalin offenkundig lästig, in der Art vergöttert zu werden, wie es ihm geschieht, und ab und zu macht er sich darüber lustig ... Ich sprach mit ihm freimütig über den geschmacklosen und maßlosen Kult, der mit seiner Person getrieben wird, und er antwortete ebenso freimütig. Es sei ihm, sagte er, leid um die Zeit, die er auf Repräsentation verwenden müsse ... Über die Geschmacklosigkeit der übertriebenen Verehrung seiner Person zuckt er die Achsel. Er entschuldigt seine Bauern und Arbeiter, die zuviel zu tun gehabt hätten, um sich auch noch Geschmack beizulegen, und mokiert sich ein bißchen über die hunderttausend ungeheuerlich vergrößerten Bilder eines Mannes mit Schnurrbart, die ihm bei Demonstrationen vor Augen flirren ... Er vermutet, daß hinter solchen Übertreibungen die Beflissenheit von Männern stecke, die sich erst spät zum Regime bekannt hätten und nun ihre Treue durch doppelte Intensität zu beweisen suchten. Ja, er hält es für möglich, daß die Absicht von Schädlingen dahinter stecke, welche ihn auf solche Art zu diskreditieren suchten. ,Ein serviler Narr`, sagte er ärgerlich, ,schadet mehr als hundert Feinde`." (Lion Feuchtwanger, Moskau, 1937).

Kennst Du Henri Barbusses "Stalin. Eine neue Welt"?

Profil Homepage von Kenon besuchen Nachricht senden Zitat
Jasmin
Mitglied

406 Forenbeiträge
seit dem 21.11.2004

Das ist Jasmin

     
15. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2005 um 23:34 Uhr

Diese Nachricht wurde von Jasmin um 23:44:47 am 14.05.2005 editiert

Man sollte an dieser Stelle auch daran erinnern, wofuer der Name Stalin steht. Das obige Zitat von Lion Feuchtwanger macht Stalin sympathisch und das darf nicht sein. Er hat Millionen Menschen auf dem Gewissen, sogar seinen eigenen Sohn hat er hinrichten lassen. Dissidenten wurden gnadenlos vernichtet.

Und nicht zulezt Stichwort Archipel Gulag. Während der über zwanzigjährigen Periode des Stalinismus wurden 18-20 Millionen Menschen in diesem grauenhaften Gefangenenlager inhaftiert, das verharmlosend als "Besserungsarbeitslager" und "Besserungsarbeitskolonie" bezeichnet wurde, hinter dem aber ein System der politischen Verfolgungen, Verhaftungen, Untersuchungsgefängnisse, der Verhöre, der Folter, der Verurteilungen und der Straflager selbst mit ihren unmenschlichen, durch Hunger, Kälte, Überanstrengung, unhygienische Zustände, Krankheiten und mangelnde medizinische Versorgung geprägten Lebensbedingungen stand.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gulag


Profil Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1122 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
16. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2005 um 23:46 Uhr

Das Buch "Moskau" hat man Feuchtwanger auch sehr übel genommen. Es zeigt aber exemplarisch sehr deutlich, wie selbst ein Intellektueller sich vom Sowjetkommunismus begeistern ließ - und um eben diese Begeisterung ging es hier schließlich gerade.

Stalin hat seinen Sohn nicht hinrichten lassen. Er hat sich "nur" geweigert, ihn, nachdem er in deutsche Gefangenschaft geraten war, gegen einen Faschisten auszutauschen. Er hat seinem Sohn also keine Sonderrechte gegenüber der "Normal"-Bevölkerung gewähren wollen. In der Gefangenschaft ist der Sohn dann verstorben.

Profil Homepage von Kenon besuchen Nachricht senden Zitat
Jasmin
Mitglied

406 Forenbeiträge
seit dem 21.11.2004

Das ist Jasmin

     
17. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.05.2005 um 23:51 Uhr

Diese Nachricht wurde von Jasmin um 23:52:38 am 14.05.2005 editiert

Zitat:

Das Buch "Moskau" hat man Feuchtwanger auch sehr übel genommen. Es zeigt aber exemplarisch sehr deutlich, wie selbst ein Intellektueller sich vom Sowjetkommunismus begeistern ließ - und um eben diese Begeisterung ging es hier schließlich gerade.

Ja, was hat Feuchtwanger denn so begeistert? Und was schreibt er zum Beispiel zum Archipel Gulag? Zu den Säuberungen? Waren das die zwangsläufigen Nebeneffekte, die man in Kauf nehmen musste, um die Herrschaft des Proletariats genießen zu können?

Profil Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1122 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
18. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 15.05.2005 um 00:00 Uhr

Zitat:

Ja, was hat Feuchtwanger denn so begeistert?

Nun, ich bin nicht der Fürsprecher Feuchtwangers.

Sie ist zwar in einer etwas kindlichen Sprache verfasst, aber vielleicht hilft uns diese Hausarbeit hier weiter:

Europäische Intellektuelle über die politische Regimes in der UdSSR und Nazi-Deutschland

Profil Homepage von Kenon besuchen Nachricht senden Zitat
Jasmin
Mitglied

406 Forenbeiträge
seit dem 21.11.2004

Das ist Jasmin

     
19. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 15.05.2005 um 00:05 Uhr

Zitat:

Nun, ich bin nicht der Fürsprecher Feuchtwangers.

Nicht?;)

Ich dachte, Du zitierst aus seinem Buch und nahm ergo an, dass Du es auch gelesen hast.

Die Hausarbeit werde ich heut Nacht wohl nicht mehr schaffen...

Profil Nachricht senden Zitat
Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
Forum > Literaturgeschichte & -theorie > Maxim Gorki


  Ähnliche Beiträge
Gestartet von
Antworten Letzter Beitrag
Maxim Gorki in Bad Saarow
Kenon
2 30.03.2021 um 00:50 Uhr
von Kenon
Werner Bräunigs Rummelplatz im Gorki Theater
Nachrichten
0 28.01.2009 um 18:41 Uhr
von Nachrichten
Maxim Gorki - Wanderungen durch Rußland
Kenon
0 15.12.2005 um 13:49 Uhr
von Kenon
Maxim Gorki Theater 10/05
Nachrichten
0 23.09.2005 um 19:38 Uhr
von Nachrichten
Maxim Gorki - Lebewohl!
Kenon
0 20.09.2005 um 16:34 Uhr
von Kenon


Sie möchten hier mitdiskutieren? Dann registrieren Sie sich bitte.



Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Literatur





Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Datenschutz | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2021 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.030152 sek.