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Literaturforum: Maxim Gorki


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Forum > Literaturgeschichte & -theorie > Maxim Gorki
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 Thema: Maxim Gorki
Jasmin
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60. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 13:55 Uhr

Diese Nachricht wurde von Jasmin um 13:57:25 am 19.05.2005 editiert

Zitat:

Zitat:

Dennoch verwundert es mich, dass Du Rio Reiser zitierst.

Warum? Er hat viele gute Lieder geschrieben und sich um die deutsche Sprache in der Rockmusik sehr verdient gemacht.

Weil ich mich wieder einmal voreilig geäußert habe, ohne eine Ahnung zu haben.

Ich bin noch beim Rio Reiser der Achtziger Jahre stehen geblieben und damals hatte ich eine Aversion gegen deutschsprachigen Rock. Es musste alles auf Englisch sein.

Ich wusste nicht einmal, dass er mit 46 Jahren an den Folgen seiner Sucht gestorben ist. Was ich eben gelesen habe, ist sehr erschütternd. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt hier so zitieren darf, wenn nicht, dann lösche es bitte:

Selbst die, die ihn gut kannten und sich Sorgen machten, wagten trotz besseren Wissens nicht daran zu denken, wie nah Rio Reiser Himmel und Hölle schon damals war. Bedingt durch Alkohol, Psycho-Terror von Rechtsradikalen und der Sekte "Kinder Gottes", von der er sich verfolgt fühlte, wurde er immer depressiver, und langsam verlor er den Kampf gegen den Terror aus der Psyche seiner selbst.
Noch nie ganz frei von Todessehnsüchten, wirkten viele seiner letzten Lieder wie Todesahnungen oder Visionen, als ob er wußte, was kommen würde und wie falsch Freunde sein können.
Rios Leber war kaputt, jedes Glas konnte das letzte sein, denn Jahre zuvor fiel er schon mal in ein unheilvolles Koma - hatte ihm ein Barkeeper in Florida K.O.-Tropfen in den einen Tequila getan? (oder war´s ein Räuber in New York?) - , doch Rio hörte nicht auf die Ärzte, sondern flüchtete und schaute weiterhin zu oft zu tief ins Glas. "Ich habe alles ausprobiert, aber die beste Wirkung habe ich noch mit Alkohol", sagte er einmal einem Freund.

[...]

Wer weiß, mit welcher Energie und Leidenschaft Rio Reiser auf der Bühne arbeitete, der mag nachvollziehen können, daß so ein Feuer irgendwann ausgebrannt ist. "Irgendwann" war ein heißer Augusttag, der 20. August 1996 - Kreislaufzusammenbruch, innere Blutungen. Ende. "Unser Verlust ist Gottes Gewinn" heißt es, aber mußte es verdammt noch mal so früh sein und gleich so endgültig?

[...]

...und einer schrieb hinterher in einem Leserbrief, für ihn sei Rio Reiser "der sensibelste, zerrissenste, menschlichste, eigensinnigste, inspirierendste und konsequenteste Poet unserer Gegenwart".

[...]

An seinem letzten Tag auf dieser Erde war seine Bibel auf der Seite Sirach 37 aufgeschlagen: "Die Wurzel der Pläne ist das Herz. Vier Reiser wachsen daraus hervor: Gutes und Böses, Leben und Tod. Doch die Zunge hat Gewalt über sie alle."


Quelle: http://www.rio-raum.de/b/biografie.html

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Kenon
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61. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 14:48 Uhr

Zitat:

Die Wurzel der Pläne ist das Herz. Vier Reiser wachsen daraus hervor: Gutes und Böses, Leben und Tod. Doch die Zunge hat Gewalt über sie alle."

Diese Bibelworte bringen uns zurück zu Gorki und dem Eingangszitat: Der Gedanke, die Vernunft (die Zunge) ist der verläßlichste und kräftigste Freund des Menschen, aber er kann auch sein schlimmster Feind sein. Er hilft ihm gütig, Leid zu ertragen und kann ihn doch erst grausam in dieses hineinstürzen.

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Jasmin
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62. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 20:55 Uhr

Das griechische Wort Glossa bedeutet sowohl Zunge, als auch Sprache. Aber Deine Entsprechungen Gedanke und Vernunft machen in diesem Kontext ebenfalls Sinn, wobei Vernunft wohl am besten passt.

Nun muss man sich fragen, woher unsere Gedanken kommen. „Machen“ wir sie selber? Oder fliegen sie uns zu? Und wie kommt es, dass sich die Zunge manchmal doch nicht durchsetzen kann?

Aber vielleicht sind das nur kurze Etappen, während derer die Vernunft sich nicht behaupten kann.

Gorki sagt dazu:

So zieht der Mensch im Aufruhr mitten durch das unheimliche Dunkel der Rätsel des Daseins, vorwärts und höher, immer mehr vorwärts und höher.

Und die Bibel: Doch die Zunge hat Gewalt über sie alle.

Es ist vielleicht alles nur eine Frage der Zeit.


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Kenon
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63. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 21:55 Uhr

Ja, das mit der Zunge habe ich ein bisschen freizügig interpretiert, sonst macht es für mich auch keinen Sinn. Ursprünglich hiess es vielleicht sowieso mal etwas ganz anderes, haben ja genug Übersetzer daran herumgepf...ähm...arbeitet.

Zitat:

„Machen“ wir sie selber? Oder fliegen sie uns zu?

Die Gedanken entstehen im Kopf. Wo sonst?

Zu der Demokratiesache:

Zitat:

So hält jeder zweite Ostdeutsche die deutsche Staatsform nicht für die beste. 76 Prozent der Ostdeutschen halten den Sozialismus für eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde. Diese Einschätzung teilen selbst im Westen noch 51 Prozent der Befragten.

Quelle: WAZ, 24.08.04 (beruft sich auf den ´Datenreport 2004´ des Statistischen Bundesamtes)

Im schönen Nachbarland Polen sieht es übrigens ganz ähnlich aus.

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Jasmin
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64. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 22:03 Uhr

Diese Nachricht wurde von Jasmin um 22:06:18 am 19.05.2005 editiert

Zitat:

Die Gedanken entstehen im Kopf. Wo sonst?

Für die Herkunft unserer Gedanken gibt es auch andere Erklärungsmodelle, nur sind diese von der Wissenschaft nicht anerkannt.

Zitat:

Zu der Demokratiesache:

Das ist etwas, das ich als Westdeutsche nicht wirklich begreifen kann, auch wenn ich seit langem nicht mehr in der BRD lebe.

Für mich ist Freiheit eines der höchsten Güter. Wie kann ich aus einem Staat kommen, in dem meine Freiheit massiv beschnitten wurde und dann in einem anderen System leben, in dem ich endlich frei bin und dann so unzufrieden sein. Ich kann das wirklich nicht verstehen.


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Jasmin
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65. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 23:22 Uhr

Freiheit

Gerade läuft hier auf einem griechischen Fernsehsender eine Dokumentarsendung. Thema: Entführungen von Menschen, die von der CIA als Terroristen verdächtigt werden. Sie werden auf offener Strasse überfallen, abgeschleppt. Verhört, gefoltert. In Staaten, in denen das Foltern erlaubt ist.

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Kenon
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66. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 23:23 Uhr

Zitat:

Für die Herkunft unserer Gedanken gibt es auch andere Erklärungsmodelle, nur sind diese von der Wissenschaft nicht anerkannt.

Ich mag mich an die Wissenschaft halten. Sie versucht zumindest, sich auf die Vernunft zu gründen.

Zitat:

Wie kann ich aus einem Staat kommen, in dem meine Freiheit massiv beschnitten wurde und dann in einem anderen System leben, in dem ich endlich frei bin und dann so unzufrieden sein.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Die größte Freiheit hat heute, wer das meiste Geld besitzt. Wer das meiste Geld besitzt, hat anderen Menschen zwangsläufig auch am meisten geschadet (= Prinzip des Kapitalismus). Er kann anderen durch seine Rechtsanwälte den Mund verbieten und sie für ihre Meinungsäußerung bluten lassen. Seine eigene Meinung hingegen kann er dank seiner finanziellen Mittel durch die ganze Welt blasen. Das Kapital kann relativ weitgehende politische Meinungsfreiheit dulden, weil es weiss, dass sich die Meinung erst mit dem Kapital verbünden muss, um gehört zu werden. Wenn sie das tut, ist sie schon nicht mehr gefährlich, weil gekauft.

Einem Arbeitslosen, der jeden Tag in die Fresse geschleudert bekommt, dass er ohne Wert ist, hilft die ganze potentielle Freiheit nicht viel und jeder weiß, dass es Millionen von ihnen gibt. Dieser grenzenlose Individualismus: Wohin führt er? Doch nur zur zwischenmenschlichen Katastrophe. Alle sind Ken und Barbie und scheinen sich an wie falsche Sonnen, einen Kern gibt es nicht, nur Persil-Blasen, Klingelton-Seifenschaum. Trotz der schwierigen politischen Lage waren die Menschen im Osten aufrichtiger und wärmer zueinander, da verzichtet man gern auf blankgeleckte Häuserfassaden, die neueste Mode aus Paris-London-New York, diese perversen Glitzerschaufensterläden. Im Osten waren sogar Mütter und Kinder menschlich noch etwas wert, jedem wurde zumindest die Illusion gegeben, dass ihn die Gesellschaft braucht.

Kapitalismus ist ein Schafskäfig, in dem alle versuchen, Wolf zu werden, weil es in ihm außer Schafen nichts zu fressen gibt.

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67. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.05.2005 um 23:51 Uhr


Zitat:

Ich mag mich an die Wissenschaft halten. Sie versucht zumindest, sich auf die Vernunft zu gründen.

Wenn man sich zu intensiv mit Dingen, die man wissenschaftlich nicht beweisen kann, beschäftigt, kann man leicht in Situationen kommen, in denen man nahe daran ist, den Verstand zu verlieren. Auch ich versuche immer wieder meine Vernunft einzuschalten, wenn meine Vorstellungskraft sich in Bereiche vorwagt, die den Verstand überfordern.


Zitat:

Einem Arbeitslosen, der jeden Tag in die Fresse geschleudert bekommt, dass er ohne Wert ist, hilft die ganze potentielle Freiheit nicht viel und jeder weiß, dass es Millionen von ihnen gibt. Dieser grenzenlose Individualismus: Wohin führt er? Doch nur zur zwischenmenschlichen Katastrophe.

Ich habe bisher immer naiv gedacht, Arbeitslosigkeit ist schlimm, aber von der Stasi verfolgt und bespitzelt werden ist schlimmer. Für mich ist Unfreiheit und Angst vor Verfolgung eine schlimmere Vorstellung, als keine Arbeit zu haben. Vielleicht weil ich die Illusion habe, dass ich eine Arbeit finden, dass ich alles machen würde. Aber vor allem, weil Unfreiheit für mich unerträglicher ist.

Die Sache ist aber die, dass man, wie man es dreht und wendet, nicht zufrieden ist. Der Kommunismus hat versagt, der Kapitalismus stärkt nur die Reichen, die Demokratie liefert auch keine optimalen Lösungen.

Also sieht man ein, dass es hier auf dieser Erde in diesem Leben kein Heil gibt.
Erst im Himmel.


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Kenon
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68. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.05.2005 um 00:10 Uhr

Zitat:

Also sieht man ein, dass es hier auf dieser Erde in diesem Leben kein Heil gibt.
Erst im Himmel.

Das ist auch zu bequem. Wir brauchen eben von Zeit zu Zeit einen Umsturz, weil sich Systeme, die sich festgefahren haben, nicht mehr reformieren lassen.

Zitat:

Die russische Revolution lief mit dem Rhythmus aller bereits vergangenen Revolutionen ab. Nach einer aufsteigenden, größere Gerechtigkeit und größere Freiheit anstrebenden Periode, die solange dauerte, wie das Volk die bestehende Macht angriff und zerschlug, erfolgte, sobald es einer neuen Regierung gelungen war, sich zu konsolidieren, die Periode der Reaktion. Die Tätigkeit der neuen Regierung - bisweilen langsam und schrittweise, bisweilen rasch und gewaltsam vorgehend - war darauf ausgerichtet, die Errungenschaften der Revolution so weit wie möglich zu zerstören und eine Ordnung zu errichten, die die Fortdauer der neuen regierenden Klasse an der Macht garantieren und die Interessen sowohl der neuen als auch der alten Privilegierten schützen sollte, denen es gelungen war, den Sturm zu überstehen.

[...]

Unglücklicherweise gab es jedoch unter denen, die am meisten dazu beigetragen hatten, dem alten Regime den entscheidenden Schlag zu versetzen, doktrinäre Fanatiker, voll verbissener Autorität, da sie fest davon überzeugt waren, im Besitz der „Wahrheit“ zu sein und die Aufgabe zu haben, das Volk zu retten, das sich ihrer Meinung nach nur auf den von ihnen angegebenen Wegen retten konnte. Sie profitierten von dem Ansehen, das ihnen ihre Beteiligung an der Revolution verlieh und insbesondere von der Stärke, die ihnen ihre eigene Organisation vermittelte, und so gelang es ihnen, die Macht zu erobern und die anderen zur Ohnmacht zu verurteilen, darunter besonders die Anarchisten, die nach Kräften zur Revolution beigetragen hatten, sich jedoch ihrer Machtergreifung nicht wirksam widersetzen konnten, weil ihre Reihen aufgelöst waren, es keine vorherigen Verständigungen gegeben hatte, sie nahezu ohne jede Organisation waren.

Von diesem Zeitpunkt ab war die Revolution zum Tode verurteilt.

Aus: Errico Malatesta, Bolschewismus und Anarchismus, 1923


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Jasmin
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69. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.05.2005 um 00:21 Uhr

Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen.

Karl Marx

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