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Literaturforum: Berliner Tagebuch, 31.03.2020 - 110 Stunden Musik


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Forum > Sonstiges > Berliner Tagebuch, 31.03.2020 - 110 Stunden Musik
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 Thema: Berliner Tagebuch, 31.03.2020 - 110 Stunden Musik
Kenon
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seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 01.04.2020 um 00:02 Uhr

Liebes Tagebuch,

mir wird langweilig und ich suche mir einigermaßen absurde Beschäftigungen. So höre ich mir gerade über die Tage verteilt die über 1300 Titel, die ich in meiner Musik-Flatrate mit “Gefällt mir” markiert habe, nacheinander an. Da ist wirklich kaum Mist dabei, viele Zufallsfunde mit Namen, die ich mir noch nicht gemerkt habe und vermutlich auch nie merken werde, aber nach geschätzt 110 Stunden bin ich da schon durch. Gut die Hälfte habe ich inzwischen “geschafft”. Auch habe ich mir tatsächlich die ersten beiden Staffeln von “4 Blocks” angeschaut. Zwischenzeitlich wirkt die Serie immer wieder wie ein Amateurfilm mit improvisiertem schlechten Acting, aber ich freue mich vor allem über die Berlin-Aufnahmen und versuche, die Locations zu erkennen, die ja teilweise zu meinem früheren Alltag gehörten. Eine dritte Beschäftigung ist das Austrinken abgestandener Weine. Man kennt das ja: Man kauft ein und vergisst den Konsum und schon sind eins, zwei, drei oder vier Jahre vergangen. Die Weine riechen nach muffigem Kork, wie altes Kirchengestühl und so schmecken sie auch, allerdings bilde ich mir ein, dass es nach unten hin besser wird. Aber ich bin ehrlich: Diese umgekippten Weine schmecken genauso wie diese vermaledeite Zeit.

Zwischendurch vergesse ich gern, was eigentlich los ist. Die Bürgersteige sehen aus wie immer, die Vögel hüpfen und singen, ich bin ich. Gestern hat es in großen Flocken geschneit, die gleich getaut sind. Ich ging abends ein wenig am S-Bahn-Damm spazieren. Stadteinwärts vier Leute pro Wagen, stadtauswärts vielleicht zwanzig - und da wusste ich wieder, was eigentlich los ist. Hätte weinen können.

Ein Kollege hat seit drei Wochen seine Wohnung nicht verlassen, die Freundin kauft für ihn ein. Sicherlich sinnvoll, wenn man sich zur Risikogruppe zählt. Am besten wäre, man wüsste, dass man bereits erkrankt war und nun für einige Zeit immun sei, dann müsste man sich nicht so viele Gedanken machen. Das ist ein bißchen wie beim Fußball, wenn Deine unterlegene Mannschaft gegen einen übermächtigen Gegner spielt und Du weisst, dass sie ohnehin nur verlieren kann, aber alles hängt lange am seidenen Faden, bis Du es irgendwann nicht mehr aushältst und einem pervers erscheinenden Wunsch nachgibst: Lass es endlich geschehen, dann ist es vorbei und ich muss nicht mehr bangen. Dafür schämt man sich dann sofort, nicht erst später.

Ich lese nach wie vor diesen ganzen Philosophie-Kram, den ich mir zum Jahresanfang zusammengesucht habe, aktuell ein Darstellung von Hegels Religionsphilosophie. Alles auf Englisch, so dass ich mich schon ziemlich nach der deutschen Sprache sehne. So ist es immer, auch beim Verreisen in abenteuerliche Länder: Am Ende liebe ich das Zurückkommen, und so habe ich angefangen, eine Leseprobe von Yalom´s “Das Spinoza-Problem” zu lesen, in der irgendwie die Biographien von zwei so konträren Personen wie Spinoza und Alfred Rosenberg dargestellt werden. Ich bin durch und schwanke, ob ich das Buch erwerben und lesen soll. Vielleicht. Vielleicht nicht. Amazon weiß sicherlich alles über die Leser seiner Bücher: Wann die meisten abbrechen, ab welcher Stelle die meisten das Buch zu Ende lesen und könnte danach die Länge einer Leseprobe bemessen. Aber ich schwanke eben noch. Mal schauen, wer gewinnt: Ich oder “das Kapital”.

Von einem aktuellen wissenschaftlichen Standpunkt aus wünsche ich mir das Immunsystem einer Fledermaus oder gar eine zu sein, dann wäre ich zwar ein wenig ansehnlicher und von den Menschen gefürchteter Wirt für Viren, aber die Viren brächten mich nicht um, weil wir uns arrangiert haben und miteinander umzugehen wissen. Auf den richtigen Umgang kommt es an.

Dein K

PS: Mein kurzer Bericht zur Einkaufslage: Kein Toiletten- oder Küchenpapier, kein Bio-Ingwer aus China, kaum Seife, dafür die letzte Packung Lieblingsknäckebrot sogar im Sonderangebot für ca. 60% des Normalpreises erstanden. Das Küchenpapier dürfte noch drei Wochen reichen, die anderen Hygieneartikel etwa ähnlich lang, habe hoffentlich spätestens kurz vor dem Ende der privaten Reinheit ein Erfolgserlebnis an der Kasse.

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