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Literaturforum: Berliner Tagebuch, 05.04.2020 - Tragische Künstler


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Forum > Sonstiges > Berliner Tagebuch, 05.04.2020 - Tragische Künstler
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 Thema: Berliner Tagebuch, 05.04.2020 - Tragische Künstler
Kenon
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seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 06.04.2020 um 00:27 Uhr

Liebes Tagebuch,

tragische Künstler ziehen mich an, obwohl es für ausnahmslos alle tragischen Künstler wünschenswert gewesen wäre, sie hätten ein schönes, zuweilen recht langweiliges Leben gehabt und lieber nichts an Werken hinterlassen. Bill Evans ist einer dieser Künstler, bei denen ich mich als Nutznießer ihres Elends sehe. Für mich gefunden habe ich Evans wohl einst, als ich nach alternativen Versionen von “Suicide is painless” suchte - und kam so auch zu seinem tollen Album “You Must Believe in Spring”. Wenn man sich sonst nichts davon merkt, so immerhin den Titel und die düstere Zeichnung auf dem Cover, die ja eigentlich nur einen Novembertag darstellen kann. Was passt besser zu dem gestrigen und heutigen Tag, an dem sich der Frühling zeigte, man ihn aber nicht richtig leben konnte? Hey, Du musst ja nur dran glauben, dann wird oder ist auch wirklich Frühling.

Ich frage mich oft, ob es in vielen Situationen und bei diversen Belangen nicht besser gewesen wäre, zu schweigen. Schweigen scheint häufig das weiseste, was man machen kann, aber man ist auch dazu verdammt, an dieser Welt Anteil zu nehmen und das seinige in den Ring zu werfen, sonst geht es häufig gegen das, was man selbst als gut erachtet. Das führt freilich nicht immer zu Harmonie. Worte daherzusagen ist schrecklich einfach, sie zu verdauen nicht unbedingt. Sicherlich zu oft noch ist es nötig, zum verbalen Atomkoffer zu greifen, um ein Zeichen zu setzen und gehört zu werden. Anders wird man manchmal leider gar nicht verstanden, natürlich insbesondere von Behörden und generell jenen, die nicht nach ihrer Leistung bezahlt werden. Es wäre schön, könnte man einfach nur schweigend durch sein Leben gehen.

Mein Zeitgefühl ist seltsam verschoben. Ich weiß natürlich, dass ich nicht immer so gelebt habe wie jetzt, aber aktuell hilft mir nur noch die Mathematik, die man auch in ganz einfachen Formen praktizieren kann. Eine sehr anschauliche Verdeutlichung des Verfließens der Tage ist zum Beispiel ein Tablettenblatt, dem man jeden Tag eine Tablette entnimmt. So sieht man sehr deutlich, wie schnell - sagen wir einmal - 20 Tage vergehen, wieviel noch übrig ist, bis das nächste Tablettenblatt angebrochen werden muss. Das kann man selbstverständlich auch mit Kaffeefiltern oder Toilettenpapier durchführen, ist meiner Erfahrung nach aber lange nicht so präzise, weil der Verbrauch ja schwanken kann.

Die Zeitverschiebung gefällt mir nach einer Woche ganz gut, weil es nach Feierabend noch eine Weile hell ist, aber ich bin weiterhin ziemlich müde und habe jetzt auch keine Lust mehr, Dir noch weiteres aus meinem Leben mitzuteilen, selbst wenn ich weiß, dass Du mir artig und widerspruchslos zuhören wirst - weil Du musst.

Dein K

PS: Im Fernsehen wurde der Palmsonntags-Gottesdienst aus dem Stephansdom in Wien übertragen. Das Gebäude ist natürlich eine Wucht und ich würde es sehr gern einmal selbst anschauen. Was ist hängengeblieben? Der kunstvoll aufspielende Organist, viel jünger als das Mittel seiner Kollegen und eine der Fürbitten, die tatsächlich für all jene ausgesprochen wurde, denen zu Hause die Decke auf den Kopf zu fallen droht.

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