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Literaturforum: Berliner Tagebuch, 08.04.2020 - Überwachungsmetriken


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Forum > Sonstiges > Berliner Tagebuch, 08.04.2020 - Überwachungsmetriken
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 Thema: Berliner Tagebuch, 08.04.2020 - Überwachungsmetriken
Kenon
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seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 08.04.2020 um 23:42 Uhr

Liebes Tagebuch,

bitte sei nicht traurig, aber ich glaube ziemlich fest, dass ich Dir schon bald nicht mehr schreiben werde. Ostern steht vor der Tür, ein käsegelber Riesenmond kündigt es an, die Leute zücken ihre Taschentelefone, um ihn zu fotografieren und wundern sich, warum er dann nur so klein und verschwommen auf den Bildern zu sehen ist, obwohl er doch so gewaltig in die Augen springt. Es wird mein erstes Ostern “daheim” nach beinahe 20 Jahren Ortsansässigkeit in Berlin und schon zu ertragen sein. Man könnte für etwas Mikromobilität mit dem Rad fahren, aber bedürftige Nachbarn haben vor Jahren alle Ventile gestohlen. Was will man da machen? Vielleicht eine kleine Kochorgie - und / oder Sonnen auf dem Balkon.

Die Überwachungsmetriken zeigen, dass sich die Menschen in den letzten Tagen wieder mehr bewegen (ich auch, ich auch - bin seit drei Wochen das erste Mal in S-Bahn, Metro und Tram gesessen!), viele jetzt mit selbstgebasteltem Mundschutz, einige auch mit den einfachen aus der Industrieproduktion. Wo sie die her haben? Das würde ich gern wissen. In der Straßenbahn vorhin lag ein benutzter, innen leicht rot gefärbt. Ich tippte zuerst auf Blut, aber natürlich war es nur Lippenstift. Ober- und Unterlippenabdruck waren klar zu erkennen. Auch die weißen Einweghandschuhe sieht man jetzt öfter auf den Straßen liegen. Nicht schön.

Ich habe die Zeit gut genutzt, habe mich an umgekippten Weinen und abgelaufenen Tees gelabt, Streams und Aufzeichnungen von Gottesdiensten gesehen und sogar den “Zauberberg” endlich über Seite 100 hinaus gelesen. Ich kann wirklich stolz auf mich sein.

Neulich erzählte ich Dir von einem frühen Roman-Versuch. Heute würde ich das inhaltlich ganz anders angehen. Apokalyptisch / post-apokalyptisch wäre die Grundierung weiterhin, aber ich würde nur die Straßenalkoholiker (ich möchte wirklich nicht mehr “Penner” sagen) überleben lassen, weil sie ihre Organe jahrelang abgehärtet haben, um auch die allerschlimmsten Angriffe zu überstehen (wir einfachen Menschen können es nicht). Sie werden sich zuerst verwundert anschauen: Ist es wirklich wahr? Ja! Die Welt gehört jetzt wirklich ihnen. Wohnen in Häusern, Alkohol umsonst und so lange er reicht. Die Haare müssen sie sich leider weiter selbst schneiden.

Die wilden Krähen haben sich in den letzten Tagen nicht mehr sehen lassen. Zuletzt waren es drei. Dafür scheint es ein gutes Jahr für die Wespen zu werden. Zwar sind sie noch schmal, aber schon zahlreich. Am Wochenende werde ich dann vermutlich endlich die Sonnenblumen aussäen. Wenn es eine Blume gibt, die ich die meine nennen kann, dann ist es die Sonnenblume. Im letzten Jahr sind leider sehr viele verbrannt. Auch in der Ukraine habe ich riesige Felder voller verbrannter Sonnenblumen gesehen. Sonnenblumen, die zu viel Sonne gesehen haben - also war schon letztes Jahr ein außergewöhnliches. Mal sehen, was noch alles so kommt. Ich bin bereit. Immer bereit.

Dein K

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