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Literaturforum: Berliner Tagebuch, 24.04.2020 - Wo Berlin draufsteht


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Forum > Sonstiges > Berliner Tagebuch, 24.04.2020 - Wo Berlin draufsteht
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 Thema: Berliner Tagebuch, 24.04.2020 - Wo Berlin draufsteht
Kenon
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seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 25.04.2020 um 00:31 Uhr

Liebes Tagebuch,

ich versuche, mich zu besinnen: Wo Berlin draufsteht, sollte auch ein bißchen Berlin drin sein - meinst Du nicht? Aber es nicht einfach. Ich arbeite, esse und schlafe in Berlin. Wenn ich auswärts etwas erleben könnte, würde ich Dir gar nicht schreiben, und hier passiert ja auch nicht viel. Wahrscheinlich habe ich deswegen angefangen, Dir ganz alte Geschichten zu erzählen, die gar nichts mit Berlin zu tun haben und die Dich wahrscheinlich nicht sonderlich interessieren. Ich erzähle sie halbwegs ungern, aber sie drängen ans Licht, ich kann sie schwer aufhalten. Was ist denn die Gegenwart? Die morgendlichen Minuten auf dem sonnigen Balkon, wenn ich mein Gesicht in die Töpfe und Kästen stecke, um zu schauen, was sich des Nachts entwickelt hat und ein bißchen Unkraut wegzupfe. Abends, nach Feierabend dann Spaziergänge im Kiez in Ecken, die ich in all den Jahren, die wir hier wohnen, noch nie gesehen habe und die ich eigentlich auch nie habe sehen wollen. Bitte, das soll sich jetzt nicht wie Jammern anhören. Ich habe ja einige kleine Entdeckungen gemacht, zum Beispiel habe ich in der Nähe der U-Bahn-Station Frankfurter Allee die Lichtenberger Mauritiuskirche gefunden. Normalerweise stehen Kirchen immer gut sichtbar, aber hier ist ganz das sozialistische städtebauliche Klischee erfüllt: Kirchen umzingelt man am besten mit hoch ausgeführten Plattenbauten, damit sie nahezu unsichtbar werden. Weg mit der ganzen Vergangenheit! In der Sowjetunion hat man sie anfangs gleich gesprengt. Das war später nicht mehr praktikabel. In Rumänien habe ich auch einige gewagte Betonumklammerungen von Kirchen gesehen, eine der größten Frechheiten ist allerdings das sowjetische Ehrenmal direkt vor der St.-Marien-Kirche in Stralsund. Da hat sich noch immer niemand ein Herz gefasst und das Ehrenmal wegbewegt. Und schon bin ich wieder ganz woanders.

Unter Auflagen dürfen bei uns in der Firma doch schon die ersten Mitarbeiter nächste Woche aus dem Homeoffice zurückkehren. Nicht jeder hat es zu Hause so bequem wie ich (manche haben wenig Wohnraum, schreiende Kinder, anstrengende Partner und was es sonst noch an Erschwernissen gibt), deswegen versucht man, es möglich zu machen.

Das C-Wort möchte ich nicht mehr in den Mund nehmen, aber es begegnet einem allenthalben. Die Quarantäne-Songs häufen sich jetzt. “Die Ärzte” haben schon vor Wochen etwas auf Youtube eingestellt, war ganz nett, jetzt gibt es “Living in a Ghost Town” von den “Rolling Stones”, auch die Industrial-Metal-Band “Ministry” hat eine neue Single “Alert Level” in einem “Quarantined Mix” herausgebracht. Mal hören, was da noch alles kommt. Einer der “Ministry”-Songs, die ich am meisten mag, ist viel älter und nur eine Cover-Version von “Skinny Puppy”, er heisst “Smothered Hope”: “Life shifts up and down everybody knows it's wrong”. Schöner, elender kann sich Verzweiflung kaum anhören.

Dein K

PS: Von Jake Bugg wurde gerade “Saviours of the City” veröffentlicht. Wurde schon letztes Jahr geschrieben, soll aber gut in unsere Zeit passen. Passabel.

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