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Literaturforum: Berliner Tagebuch, 05.05.2020 - Gewohnheit


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Forum > Sonstiges > Berliner Tagebuch, 05.05.2020 - Gewohnheit
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 Thema: Berliner Tagebuch, 05.05.2020 - Gewohnheit
Kenon
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seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 05.05.2020 um 23:59 Uhr

Liebes Tagebuch,

ein Tag ohne Sensationen ist vorbei und ich könnte es mir sparen, jetzt noch - kurz vor dem Schlafengehen - nach Worten zu ringen, aber es ist doch schon zu viel Gewohnheit bei dem Ganzen dabei. Es muss sein, muss wirklich sein. Also kurz zur Versorgungslage (wie man in dem untergegangenen östlichen Teil Deutschlands zu sagen pflegte): Kleine Schwämme zum Abwaschen habe ich wieder kaufen können, die habe ich bald zwei Monate nicht im Regal gesehen, dafür zeichnet sich gerade eine Gewürzknappheit ab, allerdings war ich heute nur in einem einzigen Markt einkaufen, aber auch meine Online-Alternative wartet auf Ware, zumindest was Paprika betrifft. Da wird es schwer mit dem Gulasz, den ich vielleicht schon morgen machen wollte. Frischer Salbei hingegen, der aus Marokko geliefert wird, war tatsächlich die ganze Zeit zu haben.

Heute hat mein Englisch-Kurs angefangen, 90 Minuten online mit einem Native Speaker, da wir auf der Arbeit inzwischen ein englisch-sprachiges Team geworden sind. Einzelunterricht, weil die anderen Teilnehmer krank geworden sind oder abgesagt haben. Ich rede nicht gern, schon gar nicht lange, egal in welcher Sprache, weil es mich erschöpft und ich mich im Schriftlichen viel wohler fühle; aber es war doch eine schöne Erfahrung. Über die Jahre haben sich ein paar Fehlerchen eingeschlichen, mal sehen, ob ich sie abstellen kann. Der Lehrer meint, man hätte in den letzten Wochen angefangen, sich mit Dingen zu beschäftigen, die auch einen Wert haben und bei denen es schade wäre, wenn man sie wieder aufgäbe. Mag sein. Aber das alles machen wir ja nur, weil uns die Umstände dazu zwingen. Wenn sich die Umstände ändern, machen wir wieder etwas anderes, nicht notwendig das, was wir früher gemacht haben, weil wir uns alle ein wenig geändert haben werden, aber wir werden nur weniges fortsetzen, was wir jetzt angefangen haben. Deswegen versuche ich in diesen Tagen mit aller Macht, durch den Zauberberg zu kommen. So eine Gelegenheit wie jetzt wird hoffentlich so schnell nicht wiederkommen. Ich mühe mich wie Hans Castorp, der nach knapp der Hälfte des Buches (und hier handelt es sich um etwa 465 Seiten) endlich die Trulla, in die er sich verguckt hat, weil ihn ihre Augen an seine schwule Jugendliebe erinnern, anspricht. Natürlich vergebens. Alle schwärmerischen Träumereien sind vergebens. Genieße den Traum, so lange Du noch schläfst und zwinge ihn nicht in das wache Leben, denn dort kann er nur unverzüglich sterben. So! Ha gschlosse.

Was kann ich noch schreiben? Heute hat Karl Marx seinen 202. Geburtstag, gestern vor 30 Jahren errang Lettland seine Unabhängigkeit wieder. Ich erspare mir jetzt mal die altbekannten anti-sowjetischen Tiraden. Wie geht es bei uns weiter? Merkels etwaige Nachfolger haben sich in den letzten Wochen profilieren können. Den Laschet haben kürzlich sowohl Spiegel als auch Tagesspiegel in die Mülltonne schreiben wollen, weil er bei Anne Will die vielfältigen Aussagen “der Wissenschaft” ein wenig hinterfragte, Söder soll inzwischen sehr populär sein. Tschechien wird bald seine Grenzen wieder öffnen, da wird Polen doch hoffentlich nachziehen und die Labor-Theorie hat durch Papiere von westlichen Geheimdiensten in den letzten Tagen neuen Aufschwung erlebt. Es kursieren auch viele absurde Theorien, die schon Bekannte zweiten Grades ernsthaft glauben. Warum? Vielleicht ist es einfacher, eine Geschichte zu glauben, für die man sich selbst entschied und nicht für das, was man bei den Öffentlichen gesehen oder in der Zeitung gelesen hat. Das alles ist nicht verwunderlich. Spätestens seit Trump ist nichts mehr verwunderlich.

Die Sonnenblumen auf dem Balkon sind seit vielen Tagen schon nicht weiter gewachsen. Wahrscheinlich ist es einfach wieder zu kalt geworden.

Dein K

PS: Der alt-polnische Bigos ist alle. Die letzten Portionen waren die besten.

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