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Literaturforum: Young Hunter - Film von Marco Berger


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Forum > Aesthetik > Young Hunter - Film von Marco Berger
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 Thema: Young Hunter - Film von Marco Berger
ArnoAbendschoen
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Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 13.12.2021 um 12:12 Uhr

Marco Berger, arrivierter argentinischer Filmemacher norwegischer Abstammung, hat „Young Hunter“ 2020 herausgebracht (spanischer Originaltitel: „El Cazador“). Mit deutschen Untertiteln ist das Werk seit 2021 auf dem Markt. Da es bei uns noch nicht viele gesehen haben dürften, verbietet sich, die Handlung im Detail zu erörtern. Schließlich ordnet die edition salzgeber ihre DVD dem Genre Thriller zu, bei der Spannung unverzichtbar ist. Allerdings weckt diese Rubrizierung vielleicht falsche Erwartungen …

Der fünfzehnjährige Oberschüler Ezequiel (Juan Pablo Cestaro) sucht, um sexuelle Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu anderen jungen Burschen. Er lässt sich auf eine Beziehung zu dem geringfügig älteren Mono (Lautaro Rodriguez) ein, der mit ihm seine eigenen Zwecke verfolgt, von denen Ezequiel nichts ahnt. Zu spät sieht er klar, jetzt soll er gegenüber anderen möglichen Opfern selbst Monos Rolle übernehmen. Dieser Ablauf entspricht dem Prinzip Thema und Variation und wird großenteils in klassischer Thrillermanier dargestellt. Es geht allerdings, so viel sei verraten, nicht um Verbrechen im alten Stil, sondern um ein modernes Phänomen. Jeder Zuschauer kann selbst prüfen, ob er den Rückgriff auf traditionelle Ästhetik bei einem so aktuellen Stoff für geglückt hält. Das Drehbuch dehnt erkennbar die Handlung, um eine dichte Atmosphäre aus Unsicherheit und Misstrauen erzeugen zu können. Überdehnt es sie nicht zeitweise? Auf der anderen Seite hat dieses Verfahren auch Vorzüge. Es rückt gerade durch seine Längen die Hauptfiguren mit ihren seelischen Regungen und ihrer inneren Widersprüchlichkeit in volle Beleuchtung. Dabei reden sie viel weniger, als dass sie ihre Mitwelt beobachten. Selten werden so ausgiebig beredte Blicke und Körperbewegungen und –haltungen eingesetzt wie hier. Marco Berger hat nicht nur einen Thriller, sondern auch eine psychologische Studie über frühes Begehren und vorzeitige Reife gedreht. Tatsächlich liegt in dieser Entwicklung seiner Figuren die wesentliche Essenz des Werks und macht seinen Wert zum großen Teil erst aus. Zu den schon erwähnten Gestalten kommen als Träger der Handlung noch zwei hinzu: der Schüler Juan (Patricio Rodriguez), noch jünger als Ezequiel, und Monos angeblicher älterer Cousin Chino (Juan Berberini). Auch bei ihnen bringt Bergers Erzählweise die Ambivalenz des Charakters sozusagen zum Leuchten, d.h. wie seine Figuren insgesamt sind sie höchst lebendig. Hat man den Film dreimal gesehen, scheint sein Personal fast zum Kreis uns real umgebender Menschen zu gehören. Die sich permanent verändernden Landschaften dieser Gesichter, mit denen Nah- und Großaufnahmen uns immer wieder konfrontieren, man vergisst sie nicht leicht.

Die Kurzversion von Inhaltsangabe auf der Coverrückseite löst durch einen Satz bei mir wieder Befremden aus: „Mit dem etwas älteren Mono klappt es dann endlich mit dem ersten Mal.“ Mit dieser Detailinformation wirbt die edition salzgeber nicht nur auf der DVD, sondern generell für den Film, doch entspricht sie keineswegs der Filmhandlung. In deren Verlauf erzählt Ezequiel in einem der wenigen längeren Dialoge Mono von zwei früheren ebenso intensiven Erlebnissen mit anderen, und sie sind im Film nicht dargestellt. Man kennt solche Abweichungen beim Anpreisen der Filmware schon. Nicht der reale Inhalt des Streifens wird oft beworben, sondern eine Erwartungshaltung geweckt, die man für absatzfördernd hält. Besondere Wertschätzung für sorgfältig hergestellte Kunstwerke oder das Publikum äußert sich dadurch nicht – im Gegenteil. Noch bezeichnender für diese Art von Filmkultur ist, dass die eklatante Falschdarstellung des Filminhalts im Internet auf vielen Kanälen von anderen nachgeplappert wird, von Medien ebenso wie von Veranstaltern. Im Übrigen vermeidet der Film, da sein Stoff unter Minderjährigen spielt, die Darstellung intimer Szenen fast gänzlich. Um das Präsentieren konkreter sexueller Vorgänge geht es ihm gar nicht, sondern um die Gefühle, die Gedanken und auch die Geschäfte, die mit ihnen verbunden sind.

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