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Literaturforum: Schönheit und Grauen


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 Thema: Schönheit und Grauen
Kenon
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Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 11.03.2022 um 08:13 Uhr

Das Gebäude der Russischen Botschaft in Berlin ist dieser Tage gut abgesichert:
Polizisten patrouillieren davor auf dem Gehweg, rot-weiß gestrichene Absperrgitter hindern unerwünschte Gäste daran, sich überhaupt zu nähern und ihre Ablehnung des russischen Völkermordes an den Ukrainern physisch zum Ausdruck zu bringen. In Deutschland herrscht Ordnung, und so wird kein LKW wie in Dublin das Tor zur Botschaft einfach einfahren und auch niemand wie in Warschau einen Haufen Kohle davor abladen; nicht einmal durch die Stäbe des hohen schwarzen Zaunes kann man aktuell spucken … Es wäre ohnehin nur ein hilfloser, symbolischer Akt, seine tiefste Abscheu gegenüber den russischen Kriegsverbrechen zum Ausdruck zu bringen.

Auf dem Mittelstreifen vor der Botschaft unter den Linden finden jetzt häufiger Demonstrationen statt, es gibt Ansprachen, Transparente werden in die Luft gehalten, blau-gelbe Fahnen wehen, Ukrainer singen ein nie endendes Klagelied, das einem die Tränen in die Augen treibt, wenn man ihm mit offenem Herzen zuhört. Das Geländer zur Botschaft hin ist behangen mit Anti-Kriegs-Plakaten, die zu uns in den verschiedensten Sprachen sprechen, auf dem Gehweg ist eine Art Memorial aus Kerzen und Plakaten angelegt, daneben befindet sich ein Haufen sinnbildhaft ermordeter Kuscheltiere … Passierende Touristen registrieren überrascht, an was für einen Ort sie gekommen sind, können es aber dann offenbar doch einordnen, machen von den Geschehnissen vor der Botschaft schnell ein Foto oder ein kurzes Video, um es möglicherweise mit ihren Kontakten zu teilen.

Die Fenster der Russischen Botschaft sind, wann immer ich davor stehe, abgedeckt, blind. Nie hat sich, wenn ich diesen Ort aufsuchte, auch nur ein einziges kleines Zeichen menschlichen Lebens hinter diesen Fenstern gezeigt. So also darf man sich Russland vorstellen?! Sieht das Personal in der Botschaft denn, was vor den Toren vorgeht, hört es, wie die Ukrainer singen, weiß es, was Russland dieser Tage in der Ukraine anrichtet? Sicherlich, wie könnte es dies nicht wissen. Die ganze Welt weiss, was die russische Gegenzivilisation in der Ukraine treibt.

Im Vorhof der Russischen Botschaft steht eine sogenannte Puschkin-Linde, in einem der Hinterhöfe, so behauptet es zumindest ein Online-Kartendienst, zudem noch eine Lenin-/Putin-Linde, zu der es sogar Rezensionen gibt: “Dieser Baum erinnert zurecht an einen großen Revolutionär!” meint der eine, “Ein interessanter und schöner Baum” der andere, Aktivisten haben aber auch Bilder des von Russen am 17.02. bombardierten Kindergartens in Stanyzia-Luhanska dazu hochgeladen.

Man sieht auch hier: Schönheit und Grauen liegen, wenn es um Russland geht, dicht beieinander …

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Kenon
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1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.04.2022 um 23:26 Uhr

Die Nähe von Solschenizyn und Dostojewskij zum russischen Chauvinismus und Imperialismus ist weitgehend bekannt, auch die von Puschkin. Bei Joseph Brodsky hat sie mich ein wenig überrascht. Nicht, dass ich ein Freund seiner Gedichte wäre und ich mich besonders gut mit diesem Autoren auskennen würde – seine Werke sind nicht mein Fall; aber Brodskys Hass-Gedicht von 1991 gegen die Ukraine und deren Unabhängigkeit ist schon eine sehr spezielle und besonders abartige Gehässigkeit. Man muss fast dankbar sein um dieses Gedicht, weil es sehr anschaulich zeigt, wie tief Rassismus und Faschismus in der “russischen Seele” verankert sind, gerade und selbst bei Menschen, die man wegen ihrer Tätigkeit für kulturvoll halten könnte. Die Kernidee Russlands ist immer schon der Genozid an seinen Nachbarn gewesen.

Zitat:

Joseph Brodsky war ein literarischer Freigeist. Doch nach dem Zerfall der Sowjetunion verwandelte er sich in einen radikalen Nationalisten, beschimpfte die Ukrainer als kulturloses „Dreckspack“. In Russland erlebt eines seiner Gedichte nun eine Renaissance.
Quelle: Wie Joseph Brodsky zum Ukraine-Hasser wurde (dlf kultur)

Das angesprochene Gedicht in englischer Übersetzung (hier nur als Auszug):
Zitat:

God rest ye merry Cossacks, hetmans, and gulag guards!
But mark: when it’s your turn to be dragged to graveyards,
You’ll whisper and wheeze, your deathbed mattress a-pushing,
Not Shevchenko’s bullshit but poetry lines from Pushkin
Quelle: Joseph Brodsky – On Ukrainian Independence (russianuniverse.org)

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Kenon
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2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 02.08.2022 um 20:23 Uhr

Das "besonnene" Berlin, das bereits die Russische Botschaft seit Monaten weiträumig abgesperrt und ukrainische Gedenkinstallationen auf dem Mittelstreifen Unter den Linden einfach geräumt hat, lehnt die Ausstellung im Krieg gegen die Ukraine zerstörter Russen-Panzer ab – diese war eine Initiative des engagierten Journalisten Enno Lenze und Wieland Giebel vom Berlin Story Bunker:

Zitat:

Kein zerstörter Panzer vor russischer Botschaft in Berlin

Der Berlin Story Bunker wollte vor der russischen Botschaft zerstörtes russisches Kriegsgerät aus der Ukraine ausstellen. Der Bezirk Mitte lehnte den Antrag jetzt ab.

Quelle: Bezirk Mitte lehnt Ausstellung ab (tagesspiegel+)

Berlin ist eben nicht Warschau oder Prag :(

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