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-- Philosophie
--- Die Rose und das Kreuz der Gegenwart

Kenon - 10.07.2006 um 19:53 Uhr

Die ungarische Philosophin Agnes Heller nahm Abstand vom radikalen Kulturkonservatismus ihres Lehrers Georg Lukács und trat selbst für ein entspannteres ästhetisches Urteilen ein:

Zitat:

Auf dem Kreuz der Gegenwart gibt es Rosen von verschiedener Farbe und verschiedenem Duft, und alle können etwas übermitteln, was wahr und gut und schön ist. Aber ein Maßstab bleibt notwendig, nicht so sehr um zu bestimmen, welche die wirklich wahre oder gute oder schöne Rose ist, sondern um uns zu leiten, die Rose vom Kreuz zu unterscheiden und von denen, die uns an dieses Kreuz nageln.

(vmtl. um 1970)




Marc - 19.07.2006 um 00:19 Uhr

Schön gesagt. Wer war diese Mystikerin?



Kenon - 19.07.2006 um 07:41 Uhr

Zitat:

Schön gesagt. Wer war diese Mystikerin?

Rose und Kreuz sind zwar mystische Symbole, aber Ágnes Heller ist sicherlich keine Mystikerin:

Zitat:

Ágnes Heller (born 1929 in Budapest, Hungary) is one of the world’s foremost Marxist philosophers. She also concentrates on Hegelian philosophy, ethics, political philosophy and existentialism.

Quelle: en.wikipedia.org




Marc - 20.07.2006 um 17:40 Uhr

Trotzdem. Der von Ihnen zitierte Text hat für mein Empfinden eine mystische Qualität. Inhaltlich und sprachlich. Er könnte eigentlich auch zu einer Zeit geschrieben worden sein, als es noch keine marxistische Theorie gab, keinen Hegel, keinen Existentialismus. Der "Massstab", der uns anleitet, Kreuz und Rose zu unterscheiden, ändert sich im Grunde nicht. Was sich ändert, ist vielleicht die Art, wie wir ihn wahrnehmen.



LX.C - 20.07.2006 um 23:51 Uhr

Sag doch einfach DU zu allen. Das ist hier so üblich.



Kenon - 23.07.2006 um 12:05 Uhr

Zitat:

Der von Ihnen zitierte Text hat für mein Empfinden eine mystische Qualität.

Das Rosenkreuz der Rosenkreuzer:



Frau Heller hat die Rosenkreuz-Metapher sicherlich von Hegel übernommen, der in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Religion folgendes gesagt haben soll:

Zitat:

um die Rose im Kreuz der Gegenwart zu pflücken, dazu muß man das Kreuz selbst auf sich nehmen.

und in der Einleitung der Philosophie des Rechts:

Zitat:

Die Vernunft als die Rose im Kreuz der Gegenwart zu erkennen und damit dieser sich zu erfreuen, diese vernünftige Einsicht ist die Versöhnung mit der Wirklichkeit.




Marc - 24.07.2006 um 12:42 Uhr

Danke für das schöne Rosenkreuz. Die Vernunft als Rose im Kreuz der Gegenwart lasse ich mir sehr gern gefallen. Sie ehrt die Rose. Auch Hegel hatte also eine mystische Ader. Vielleicht kannte er das berühmte Gedicht von Angelus Silesius:


„Die Ros’ ist ohne Warum.
Sie blühet, weil sie blühet.
Sie achtet nicht ihrer selbst,
fragt nicht, ob man sie siehet.“


Bleibt die Unvernunft, das Kreuz der Gegenwart.




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