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-- Lektüregespräche
--- November 2007

Kenon - 01.11.2007 um 10:09 Uhr

Makanin, Wladimir: Underground oder Ein Held unserer Zeit.

Ein herausragendes Buch über das russische Leben, also Wodka, Sex, Gewalt --- und natürlich Literatur. Spielt im Moskau um die Perestroika-Zeit mit Rückblenden bis zu Breschnew.

Zitat:

Alle schreien. Nur ich schweige - ich kann nicht trinken, kann nicht essen, kann nicht sprechen, kann mich gerade noch auf dem Stuhl halten.




Joseph_Maronni - 03.11.2007 um 17:42 Uhr

Friedrich Sieburg - Chateaubriand
Nach längerer Pause nun in der Dunkelzeit wieder aus dem Regal der Zu-Beendenden geholt.

Ovid - Metamorphosen
Alle Jahre ein paar Zeilen - ächz! Dass das Lesezeichen sich noch nicht beschwert hat...




LX.C - 03.11.2007 um 17:57 Uhr

Klaus Schlesinger - Alte Filme. Eine Berliner Geschichte
(1976)




Hermes - 04.11.2007 um 02:29 Uhr

Zitat:

Ovid - Metamorphosen
Alle Jahre ein paar Zeilen - ächz! Dass das Lesezeichen sich noch nicht beschwert hat...

Au weia! Es gibt sie also doch, die Metamorphosen-Leser! Willkommen im Club, ich lese sie auch seit ungefähr einem Jahr (nicht mehr).
Das Lesezeichen habe ich im Buch vergessen - hoffentlich hat es sich selbst versorgt!




Joseph_Maronni - 04.11.2007 um 08:06 Uhr

Zitat:

Au weia! Es gibt sie also doch, die Metamorphosen-Leser! Willkommen im Club...

Ja. Welches ist denn die Ausgabe, die Du (nicht) liest? Vielleicht finden wir ja noch ein paar Nicht-Leser und schaffen´s mit vereinten Kräften durch den ollen Schinken.

Meins ist dtv Taschenbuch, Nr. 12456, Dezember 2002, Vollständige Ausgabe, und ich bin gerade auf Seite 121, oder in Metamorphosensprache: 4tes Buch, 599-662, etwa hier:
Zitat:

Groß, wie er war, ward Atlas zum Berg. Sein Bart, seine Haare
Wandeln zu Wäldern sich um, und Grate sind Schultern und Arme;
Was da Haupt war, ist jetzt auf Berges Höhen der Gipfel,
Steine ergibt das Gebein. In jeder Richtung vergrößert,
Wuchs er ins Maßlose dann - so habt ihr Götter beschlossen -
Und es ruhte auf ihm mit all seinen Sternen der Himmel.

Hm, eigentlich gar nicht mal so uncool...




Hermes - 04.11.2007 um 09:35 Uhr

Zitat:

Ja. Welches ist denn die Ausgabe, die Du (nicht) liest? Vielleicht finden wir ja noch ein paar Nicht-Leser und schaffen´s mit vereinten Kräften durch den ollen Schinken.

Meins ist dtv Taschenbuch, Nr. 12456, Dezember 2002, Vollständige Ausgabe, und ich bin gerade auf Seite 121, oder in Metamorphosensprache: 4tes Buch, 599-662

Dann bist Du Metamorphosenleser gar nicht so viel weiter als ich, befand ich mich bei der Beendigung des letzten Lesevorganges in diesem Werk am Beginn des vierten Buches...was aber nichts heißen will, den mühsam geächzt unter der Last des Dargebotenen habe auch ich...und mich wohl auch deshalb für die einfachste aller Möglichkeiten entschieden: es Staub ansetzen zu lassen; und das alles möglicherweise nur, um dem ebenfalls leseverliebten Freund gelegentlich und angeberisch verraten zu können: "Ja - hab ich mal angefangen...".

Ach ja, das Buch, das nun Entstaubte, ist eigentlich eine sehr schöne, gebundene Ausgabe aus dem Albatros-Verlag mit dem Orpheus auf dem Schutzumschlag. Jemand mir Nahestehendes hatte es mir im vergangenen Winter geschenkt - vermutlich in der Annahme, ich sei der Aufnahme des Inhaltes willig und auch fähig. Hm.




Mania - 04.11.2007 um 10:36 Uhr

Diese Nachricht wurde von Mania um 10:37:42 am 04.11.2007 editiert

Eigentlich wollte ich meinen Berg abarbeiten, aber erstmal muss ich Dramen lesen

Brecht - Mutter Courage
Wolfgang Borchert - Draußen vor der Tür
Thornton Wilder - Wir sind noch einmal davon gekommen
Carl Zuckmayer - Des Teufels General
Sartre - Die Fliegen


---

Ich hab gestern die Inszenierung zu "Nord" gesehen nach dem Roman von Celine. Hat jemand mal das Buch gelesen?




LX.C - 04.11.2007 um 16:50 Uhr

Studium nimmt wohl Fahrt auf ;-)

Den Borchert hab ich auch noch zu liegen. Vielleicht ergibt sich ja ne Diskussion :-)

Die Fliegen fand ich furchtbar öde.

Hast du die illustrierte Ausgabe von Mutter Courage. Hab ich kürzlich gelesen.




Hermes - 04.11.2007 um 17:30 Uhr

Da kann ich nicht mithalten; bei mir ist es aktuell:

Ilse Gräfin von Bredow - Kartoffeln mit Stippe

Ich sehe diesen dicken Einband noch auf dem Bücherbord liegen - in den Achtzigern bei der Mutter meiner ersten Liebe.
Als ich kürzlich auf Usedom das Vergnügen hatte, Bratkartoffeln mit Stippe zu genießen, erinnerte ich mich daran, und habe es aufs Programm gesetzt.

Unterhaltsam und leichtlesig.




Joseph_Maronni - 04.11.2007 um 17:49 Uhr

Diese Nachricht wurde von Joseph_Maronni um 17:52:21 am 04.11.2007 editiert

Neues von der Metamorphosenfront. Man kämpft sich wacker vorwärts.
Zitat:

"... Die Spötter des Waldes, die Elstern.
Jetzt noch haben die Vögel die alte Begabung zu sprechen,
Krächzende Redseligkeit und endlos Verlangen zu schwatzen."
Fünftes Buch Ende - uff. Nichts als Schweinereien und Mord und Totschlag. Warum lese ich das eigentlich?
(Quelle: Ovid - Metamorphosen, natürlich)




Joseph_Maronni - 04.11.2007 um 20:27 Uhr

Also das sechste Buch (der Metamorphosen) war jetzt streckenweise wirklich sehr widerlich. Wenn heute jemand unter dem Nick "Ovid" diese Blutrünstigkeiten, Missbrauchsszenen etc., wie sie in den Metamorphosen abgedruckt sind, in ein Forum einstellen würde, man würde die Beiträge löschen, denke ich.

@Hermes: Fang jetzt das "siebte Buch" an. Man kommt rein (wenn man sich die Zeit nimmt), aber man darf nicht jeden Namen und jeden historischen Zusammenhang verstehen wollen, sonst wühlt man wegen jeder Zeile stundenlang in Lexika, denke ich.

In dem "Fall" ist wohl ein Mittelweg zwischen Lese"genuss" und Allesverstehenwollen angesagt.

Mein Lesen erinnert mich momentan an "Der alte Mann und das Meer": Der Fisch muss besiegt werden. Oder so.

Ja, warum liest "man" dann sowas? Sprachlich ist es mit Reichtum gesegnet. Vielleicht deshalb.




Joseph_Maronni - 04.11.2007 um 20:56 Uhr

Zitat:

... da weint sie und spricht: "Was ich tun werde, weiß ich,
Und nicht mangelnde Kenntnis des Wahren wird mich verleiten,
Sondern die Liebe. Du wirst durch mich dich errettet sehen. ..."

Quelle: wie vor.

Aaah, so hat´s mir noch niemand gesagt. ;)

- so weit so gut, aber es wären nicht die Metamorphosen, wenn das nicht wieder in einem Gemetzel endet, spekuliere ich jetzt mal -




Hermes - 04.11.2007 um 22:54 Uhr

Zitat:


@Hermes: Fang jetzt das "siebte Buch" an.

Vor solcher Beharrlichkeit ziehe ich den Hut. Ich heb´s mir zunächst mal für die Rente auf, vorher komme ich vermutlich wirklich nicht rein.




Mania - 05.11.2007 um 10:01 Uhr

Zitat:

Studium nimmt wohl Fahrt auf ;-)

Den Borchert hab ich auch noch zu liegen. Vielleicht ergibt sich ja ne Diskussion :-)

Die Fliegen fand ich furchtbar öde.

Hast du die illustrierte Ausgabe von Mutter Courage. Hab ich kürzlich gelesen.

Na denn schnapp dir mal den Borchert! Ich wollte damit heute anfangen, aber wie ich mich kenne wird eher morgen draus.

Nein, hab keine illustrierte Ausgabe von Mutter Courage. Vielleicht wär mir das Stück illustriert zugänglicher, ich fand das echt fad, als ich es das erste Mal gelesen habe. Vielleicht sollte ich mir mal eine Inszenierung ansehen, wahrscheinlich wirkt es auf der Bühne besser.




LX.C - 05.11.2007 um 17:00 Uhr

Wolfgang Borchert - Draußen vor der Tür

Das war ein Leseerlebnis wie schon lange nicht mehr. Ganz groß! Bin hin und weg und erschlagen von der Gewalt dieses Stückes.




Joseph_Maronni - 05.11.2007 um 17:09 Uhr

Zitat:

Ich heb´s mir zunächst mal für die Rente auf...

ein weiser entschluss. im alltag dieses lesen ist wirklich recht anstrengend. man sollte direkt in rente gehen.




Hermes - 05.11.2007 um 21:42 Uhr

Zitat:

man sollte direkt in rente gehen.

Der Gedanke ist mir auch bereits mehrfach gekommen. Aber ob man dann Mußestunden noch als solche empfände?




Mania - 07.11.2007 um 12:31 Uhr

Zitat:

Wolfgang Borchert - Draußen vor der Tür

Das war ein Leseerlebnis wie schon lange nicht mehr. Ganz groß! Bin hin und weg und erschlagen von der Gewalt dieses Stückes.

Ich nehme es heute in Angriff und wehe es ist schlecht!




Waldgaenger - 07.11.2007 um 12:48 Uhr

Zitat:

Warum lese ich das eigentlich?
Da hilft vielleicht die Lektüre von Ransmayrs: Die letzte Welt...

Mir jedenfalls hat das den alten Ovid wieder etwas zugänglicher gemacht, nachdem mir seine Jammereien vom Schwarzen Meer doch etwas auf die Nerven gingen.




LX.C - 07.11.2007 um 16:51 Uhr

Zitat:

Zitat:

Wolfgang Borchert - Draußen vor der Tür

Das war ein Leseerlebnis wie schon lange nicht mehr. Ganz groß! Bin hin und weg und erschlagen von der Gewalt dieses Stückes.

Ich nehme es heute in Angriff und wehe es ist schlecht!

*hähä* was is dann? :-))

Das letzte Drittel hat mir nicht so gefallen, aber der Rest, so gewaltig, dass man beim lesen selbst zum Schauspieler wird.




LX.C - 08.11.2007 um 16:40 Uhr

Shakespeare - Verlorene Liebesmüh

Ob ich das durchhalte? *gäääähn*




Mania - 08.11.2007 um 19:01 Uhr

Zitat:


*hähä* was is dann? :-))

Dann verfluch ich dich bis an dein Lebens Ende!

Ich weiß, ich weiß, ich wollte es ja eigentlich schon gelesen haben, aber dann kam mir was in meine Pause, das man wohl planlose Kommolitonen und Mittagessen nennt. Aber ich hab´s auf meinem "Zu lesen" Stapel, der heute eigentlich noch durchgearbeitet werden muss. Nur Geduld!

Zitat:

Shakespeare - Verlorene Liebesmüh

Ob ich das durchhalte? *gäääähn*

König Lear schon gelesen? Bis jetzt mein Favorit.




LX.C - 09.11.2007 um 15:13 Uhr

Nee, hab eigentlich gar kein Interesse an Shakespeare. Hab das Buch aufn Grabbeltisch für 1 EUR gefunden.

Für mein ganzes Leben glei :-/ Na du bist ja radikal :-P




turmfalke - 10.11.2007 um 13:21 Uhr

Ich gehe meinen Lieblingsautoren und Epochen diesen Monat fremd ;-)
Lese zur Zeit:

Dieter Nuhr: "Wer`s glaubt, wird selig"

Maarten`t Hart: "Mozart und ich"


Damit ich nicht allzuviel "Heimweh" bekomme :-) , lese ich von einem "alten Bekannten":

Richard Dawkins: "The God Delusion"




Prinzchen - 11.11.2007 um 20:48 Uhr

Orhan Pamuk - Schnee

Hab mir leider mehr davon erwartet. Will nun was
ansteuern von Doris Lessing.




Mania - 12.11.2007 um 09:39 Uhr

Zitat:

Für mein ganzes Leben glei :-/ Na du bist ja radikal :-P

Ich nenn das konsequent ;-)

Ich hab´s angefangen! Endlich mal. Ich hoffe ich kriegs demnächst zu Ende gelsen. Bis jetzt ist er ganz gut, der Borchert.
Wir haben letztens einen Film angesehn im Seminar und da sagte die Intendantin, die dafür gesorgt hat das Borcherts Stück uraufgeführt wurde, dass, als das Stück zu Ende war, es totenstill im Saal war. Keiner hat geklatscht, was wohl für die Gewalt des Stückes spricht. Borchert ist wohl einen Tag zuvor gestorben.




Hermes - 12.11.2007 um 21:34 Uhr

Zitat:

Zitat:

Für mein ganzes Leben glei :-/ Na du bist ja radikal :-P

Ich nenn das konsequent ;-)

Ich hab´s angefangen! Endlich mal. Ich hoffe ich kriegs demnächst zu Ende gelsen. Bis jetzt ist er ganz gut, der Borchert.
Wir haben letztens einen Film angesehn im Seminar und da sagte die Intendantin, die dafür gesorgt hat das Borcherts Stück uraufgeführt wurde, dass, als das Stück zu Ende war, es totenstill im Saal war. Keiner hat geklatscht, was wohl für die Gewalt des Stückes spricht. Borchert ist wohl einen Tag zuvor gestorben.

Ihr habt mich neugierig gemacht mit eurer "Borcherterei"... obwohl Stücke eigentlich meine Sache nicht sind... aber nun bin ich halt neugierig...
Findest Du ihn denn nur "ganz gut, den Borchert", oder besteht noch Hoffnung auf ein "gewaltigeres" Gesamturteil?




Mania - 12.11.2007 um 21:48 Uhr

Zitat:


Ihr habt mich neugierig gemacht mit eurer "Borcherterei"... obwohl Stücke eigentlich meine Sache nicht sind... aber nun bin ich halt neugierig...
Findest Du ihn denn nur "ganz gut, den Borchert", oder besteht noch Hoffnung auf ein "gewaltigeres" Gesamturteil?

Ich denk schon, dass Hoffnung auf ein etwas genaueres Urteil besteht, aber ich muss das Stück erstmal zu Ende lesen, nur dann kann man auch ein Urteil fällen. Wenn ich mir jedoch jetzt schon vorstelle, wie die Szenen, die ich bis jetzt gelesen habe, auf der Bühne gewirkt haben müssen, im Nachkriegsdeutschland, dann läufts mir manchmal kalt den Rücken runter.




Hermes - 12.11.2007 um 21:53 Uhr

Ich kenne das Stück nicht, habe mich nur oberflächlich informiert, worum es geht. Aber die Thematik läßt mich nicht kalt, da ich mich selbst mit was Ähnlichem befasse - befaßt habe.
Und da interessiert mich natürlich, wie´s einer sieht, der es am Leib erlebt hat...und nicht wie ich in der wohligen Wärme und der Sicherheit sich suhlt und krampfhaft versucht, sich vorzustellen, wie es gewesen sein könnte...




Joseph_Maronni - 12.11.2007 um 21:58 Uhr

@borchert: es gibt ein buch "das gesamtwerk". ich wuerde sagen: ja, holen und alles lesen. hab grad nochmal reingeguckt. Da ist auch "Gespräch über den Dächern" drin. kurz nochmal angelesen:
Zitat:

Wir lachen. Und unser Tod ist geplant von Anfang an.
Wir lachen. Und unsere Verwesung ist unausweichlich.
Wir lachen. Und unser Untergang steht bevor.
Heute abend. Übermorgen.
In neuntausend Jahren. Immer.

darin auch "Draußen vor der Tür".




Mania - 12.11.2007 um 22:00 Uhr

Zitat:

Ich kenne das Stück nicht, habe mich nur oberflächlich informiert, worum es geht. Aber die Thematik läßt mich nicht kalt, da ich mich selbst mit was Ähnlichem befasse - befaßt habe.
Und da interessiert mich natürlich, wie´s einer sieht, der es am Leib erlebt hat...und nicht wie ich in der wohligen Wärme und der Sicherheit sich suhlt und krampfhaft versucht, sich vorzustellen, wie es gewesen sein könnte...

Tja, denn musste einen Fragen, der 45 im Theater in Hamburg war.




Hermes - 12.11.2007 um 22:04 Uhr

Zitat:

Tja, denn musste einen Fragen, der 45 im Theater in Hamburg war.

Nein, eben nicht: Das Stück lesen würde ja genügen -




Mania - 12.11.2007 um 22:31 Uhr

Zitat:

Nein, eben nicht: Das Stück lesen würde ja genügen -

Ich denk du willst dir nichts vorstellen, sondern etwas aus erster Hand?




LX.C - 12.11.2007 um 23:09 Uhr

Fritz von Unruh - Opfergang



LX.C - 12.11.2007 um 23:22 Uhr

Zitat:

Zitat:

Ich kenne das Stück nicht, habe mich nur oberflächlich informiert, worum es geht. Aber die Thematik läßt mich nicht kalt, da ich mich selbst mit was Ähnlichem befasse - befaßt habe.
Und da interessiert mich natürlich, wie´s einer sieht, der es am Leib erlebt hat...und nicht wie ich in der wohligen Wärme und der Sicherheit sich suhlt und krampfhaft versucht, sich vorzustellen, wie es gewesen sein könnte...

Tja, denn musste einen Fragen, der 45 im Theater in Hamburg war.

47 meinste. Uraufführung Wolfgang Liebeneiners. [Anzeige] Die aktuelle Rowohlt-Taschenbuchausgabe enthält übrigens auch eine Auswahl diverser Texte, so viele hat Borchert ja nicht geschrieben. Zudem ein Nachwort von Böll. Kost nur 4,90. [Anzeige Ende]




Mania - 13.11.2007 um 01:36 Uhr

Ich hab das "nach" vergessen, fällt mir da auf. Danke für den Hinweis. 47, ich dachte es sei später gewesen.



Hermes - 13.11.2007 um 21:21 Uhr

Zitat:

Zitat:

Nein, eben nicht: Das Stück lesen würde ja genügen -

Ich denk du willst dir nichts vorstellen, sondern etwas aus erster Hand?

Ja, genau - Borchert hat diese Zeit erlebt und das Stück geschrieben - also sollte ich es lesen - - -




LX.C - 13.11.2007 um 22:03 Uhr

So viele haben die Zeit erlebt und drüber geschrieben. Das ist noch lange kein Grund, es zu lesen. Wie Borchert drüber geschrieben hat, das ist einzigartig. Ich empfehle die stille Nacht zu nutzen. Mich trieb trotzdem die Frage um, ob Borcherts Werke jeweils eine Überlebenschance gehabt hätten, hätte er nicht schon das soziale Kapital im Hintergrund gehabt. Schließlich sind drei Jahre, die er zum Schreiben hatte, nicht viel.



Joseph_Maronni - 14.11.2007 um 09:10 Uhr

Markus Reiter - Die Phrasendrescher.
Wie unsere Eliten uns sprachlich verblöden.
Gütersloher Verlagshaus. 2007.




Mania - 14.11.2007 um 21:11 Uhr

Zitat:

So viele haben die Zeit erlebt und drüber geschrieben. Das ist noch lange kein Grund, es zu lesen. Wie Borchert drüber geschrieben hat, das ist einzigartig. Ich empfehle die stille Nacht zu nutzen. Mich trieb trotzdem die Frage um, ob Borcherts Werke jeweils eine Überlebenschance gehabt hätten, hätte er nicht schon das soziale Kapital im Hintergrund gehabt. Schließlich sind drei Jahre, die er zum Schreiben hatte, nicht viel.

Soziale Kapital?

Ich muss sagen, ich find den Schluss nicht schlecht. Was genau hat dir da nicht gefallen?




LX.C - 15.11.2007 um 14:05 Uhr

Ja, bedeutet die Kontakte, Beziehungen, die sich vermutlich durch seine Tätigkeiten als Schauspieler, Kabarettist und Regieassistent vielleicht erst aufgetan, ganz sicher aber vervielfältigt haben.

Den Schlussteil an sich fand ich auch ganz OK. Aber mir schien, als wären ihm im letzten Drittel die Ideen, die Puste ausgegangen. Na ja, ich meine, nach dem krassen Anlauf kein Wunder, ist ja kaum noch steigerungsfähig gewesen :-)




LX.C - 15.11.2007 um 14:09 Uhr

Marica Bodrozic - Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern



Kenon - 15.11.2007 um 14:20 Uhr

In den letzten 15 Jahren ungefähr 5 bis 10-mal die erste Seite gelesen, nun schwankend zwischen fein-fein und ätz-ätz:

Gustave Flaubert - Madame Bovary.

Ohne Sartres höchst spekulative Flaubert-Studie "Der Idiot der Familie" hätte ich die Bovary wahrscheinlich nicht mehr angerührt.




Hermes - 15.11.2007 um 20:50 Uhr

Zitat:


Gustave Flaubert - Madame Bovary.


Die Insel-Ausgabe dieses Werkes liegt seit 22 Monaten ungelesen auf meinem Nachttisch, ist zwischenzeitlich mit uns mehrmals auf Urlaubsreise gegangen und fristet auch sonst ein eher beschauliches Dasein.




Mania - 16.11.2007 um 08:28 Uhr

Zitat:

Ja, bedeutet die Kontakte, Beziehungen, die sich vermutlich durch seine Tätigkeiten als Schauspieler, Kabarettist und Regieassistent vielleicht erst aufgetan, ganz sicher aber vervielfältigt haben.

Naja, aber das ist ja fast immer so. Ich weiß nicht, ob irgendeine Inszenierung ohne Vitamin B aufgeführt werden würde.

Zitat:

Den Schlussteil an sich fand ich auch ganz OK. Aber mir schien, als wären ihm im letzten Drittel die Ideen, die Puste ausgegangen. Na ja, ich meine, nach dem krassen Anlauf kein Wunder, ist ja kaum noch steigerungsfähig gewesen :-)

Da haste wohl recht. Hatte auch irgendwie das Gefühl, dass die gewaltigen Worte am Schluss abnehmen. Seit langem aber mal wieder ein Stück, dass mir gefallen hat.

"Ich bin der Beckmann, vorne B hinten eckmann." Da musste ich lachen, weil ich mir vorgestellt hab, wie der eventuelle Schauspieler das wohl sagt und wie er dazu aussieht mit der Gasmaskenbrille und der Frisur.

Jetzt muss ich mich erstmal durch die Courage quälen...




Kenon - 16.11.2007 um 12:03 Uhr

Zitat:

Die Insel-Ausgabe dieses Werkes liegt seit 22 Monaten ungelesen auf meinem Nachttisch, ist zwischenzeitlich mit uns mehrmals auf Urlaubsreise gegangen und fristet auch sonst ein eher beschauliches Dasein.

Meine Ausgabe ist ein Erbstück. Gedruckt 1970 in Berlin, Hauptstadt der DDR. Die klopapiernen Seiten sind inzwischen schön angegilbt und reißen, wenn man sich nicht vorsieht, sehr leicht ein. Das Nachwort weist dem Flaubert-Werk nach wie vor seinen richtigen Platz im marxistisch-leninistischen Parallel-Universum zu. Damit niemand etwas falsch auffasst.

Ich mag diese Ausgaben, sie sind so historisch.




LX.C - 16.11.2007 um 12:56 Uhr

Diese Nachricht wurde von LX.C um 12:57:50 am 16.11.2007 editiert

[Quote]Naja, aber das ist ja fast immer so. Ich weiß nicht, ob irgendeine Inszenierung ohne Vitamin B aufgeführt werden würde[/Quote]

Ja, klar, das ist meistens so, aber bei Borchert ist ja nun eben die Besonderheit gegeben, dass er nur an die zwei Dutzend Prosawerke, das Drama und ein paar Gedichte verfasst hat, innerhalb den drei Jahren, die ihm zum Schreiben blieben. Ich denke nur, dass es bei einem solchen Drama ein Drama gewesen wäre, hätte er nicht das soziale Kapital im Hintergrund gehabt, denn dann wäre es vermutlich verschüttet gegangen.

[Quote]Seit langem aber mal wieder ein Stück, dass mir gefallen hat. [/Quote]

Ja, kann ich mich dir nur anschließen. Aber die Courage hat auch ihre Lichtblicke, so schlimm ist das Drama gar nicht, finde es sogar weniger verkrampft als Die Dreigroschenoper. Gibt schlimmeres, z.B. Shakespeares "Vergebene Liebesmüh". Äääääch ätzend.




Mania - 17.11.2007 um 13:20 Uhr

Zitat:

Ja, klar, das ist meistens so, aber bei Borchert ist ja nun eben die Besonderheit gegeben, dass er nur an die zwei Dutzend Prosawerke, das Drama und ein paar Gedichte verfasst hat, innerhalb den drei Jahren, die ihm zum Schreiben blieben. Ich denke nur, dass es bei einem solchen Drama ein Drama gewesen wäre, hätte er nicht das soziale Kapital im Hintergrund gehabt, denn dann wäre es vermutlich verschüttet gegangen.

Ich frag mich grad, wie viele Werke so verschütt gegangen sind.

Zitat:

Ja, kann ich mich dir nur anschließen. Aber die Courage hat auch ihre Lichtblicke, so schlimm ist das Drama gar nicht, finde es sogar weniger verkrampft als Die Dreigroschenoper. Gibt schlimmeres, z.B. Shakespeares "Vergebene Liebesmüh". Äääääch ätzend.

So schlimm? Worum geht´s denn in dem Stück ich kenn das nicht.

Also, so wie du dich durch Shakespeare quälst,quäl ich mich durch Mutter Courage. Ich bin jetzt ausgewichen auf den Teufels General. Die Courage schaff ich grade irgendwie nicht.




Joseph_Maronni - 17.11.2007 um 16:50 Uhr

Zitat:

Die Managementelite verhält sich wie der junge Mann, der zu seiner Freundin sagt: "Mich verbinden positive emotionale Beziehungsstrukturen mit dir. Ich mache deshalb einen positiven forecast für eine Fusion unserer Reallifes und ich will auch bei bad weather smooth mit dir umgehen!" Und der eigentlich meint: "Ich liebe dich! Ich will dich heiraten und mit dir durch dick und dünn gehen!"
aus Markus Reiter - Die Phrasendrescher




Hermes - 18.11.2007 um 13:33 Uhr

Wolfgang Brenner:

Die schlimmsten Dinge passieren immer am Morgen

Geschichten mit Schmalenbach.

Eines der wenigen, entliehenen Bücher, die ich lese.
Sehr großes Vergnügen. Danke, Karlotta!




Hermes - 23.11.2007 um 17:30 Uhr

Zitat:

Zitat:

Zitat:

Ich kenne das Stück nicht, habe mich nur oberflächlich informiert, worum es geht. Aber die Thematik läßt mich nicht kalt, da ich mich selbst mit was Ähnlichem befasse - befaßt habe.
Und da interessiert mich natürlich, wie´s einer sieht, der es am Leib erlebt hat...und nicht wie ich in der wohligen Wärme und der Sicherheit sich suhlt und krampfhaft versucht, sich vorzustellen, wie es gewesen sein könnte...

Tja, denn musste einen Fragen, der 45 im Theater in Hamburg war.

47 meinste. Uraufführung Wolfgang Liebeneiners. [Anzeige] Die aktuelle Rowohlt-Taschenbuchausgabe enthält übrigens auch eine Auswahl diverser Texte, so viele hat Borchert ja nicht geschrieben. Zudem ein Nachwort von Böll. Kost nur 4,90. [Anzeige Ende]

Genau die habe ich mir heute gegönnt und in einem Rutsch durchgelesen. Konnte nicht mehr aufhören. Beklemmend. Man versucht die ganze Zeit, sich Beckmann vorzustellen, auch seine Gasmaskenbrille.




LX.C - 23.11.2007 um 19:01 Uhr

Ja, ne? Einfach genial.



Hermes - 24.11.2007 um 13:56 Uhr

Wenn man die Biographie Borcherts gelesen hat, kommt es einem vor, als erkenne der Verfasser in der Hauptfigur ein wenig sich selbst.

Besonders beeindruckend finde ich die Situierung, die Borchert vor das "Vorspiel" gestellt hat:

[...]Äußerlich ist er ein naher Verwandter jener Gebilde, die auf den Feldern stehen, um die Vögel (und abends manchmal auch die Menschen) zu erschrecken. [...]
Einer von denen, die nach Hause kommen und die dann doch nicht nach Hause kommen, weil für sie kein Zuhause mehr da ist. Und ihr Zuhause ist dann draußen vor der Tür. [...]


Man sieht ihn förmlich vor sich stehen, den Beckmann: Verlaust trotz der Bürstenhaare, staubig, schmutzig im Gesicht (nimmt er die Gasmaskenbrille ab, wird die eigentliche Hautfarbe sichtbar - ähnlich den aus den Kohleflözen auffahrenden Kumpel), mit zerrissenem, speckigen Wehrmachtsmantel.

Ziemlich düster, ziemlich an Erzählungen mir bekannter Ostfront-Heimkehrer erinnernd.




LX.C - 27.11.2007 um 21:29 Uhr

Ibsen - Peer Gynt. In der Heimat



LX.C - 30.11.2007 um 22:09 Uhr

Goethe - Faust I

mal wieder.




Joseph_Maronni - 30.11.2007 um 22:30 Uhr

ach, der alte, obszoene porno.

ja, kann ich verstehen. kommt immer wieder gut.




URL: https://www.versalia.de/forum/beitrag.php?board=v_forum&thread=3112
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