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LX.C - 23.09.2008 um 14:39 Uhr

Ist Sprache eine Institution?



Gast873 - 23.09.2008 um 17:44 Uhr

Diese Nachricht wurde von Hyperion um 17:48:23 am 23.09.2008 editiert

Mein Lieblingsthema: die Sprache! Darüber denke ich nach, seit ich auf der Welt bin. Vornehmlich gehört meine Liebe dem Deutschen, nur Altgreichisch kann da vom Geist und Logos , Erkennen, dianoia, episteme oder nous mithalten.

Seit dem Studium der Sprachwissenschaft, auch Linguistik genannt, hat sich diese Liebe nur noch fester manifestiert und gezeigt, auch und gerade deshalb, wenn man in der selbigen Institution als Student vermittelt bekommt, wie Sprache eng mit den Zahlen, der Mathematik und Logik verbunden ist. Man muss sehr viel rechnen können, nicht "nur" die Grammatik beherrschen. Die Linguistik ist also eine Instituion, die Dichtung selbst nicht (ich begründe diesen Wink nicht weiter, sondern belasse es lediglich bei der Erwähnung). Die Textanalyse und Interpretation (Germanistik ) ist ebenfalls institutionell verankert.

In Erinnerung ist mir als markanter Punkt aus der Vorlesung der "Philosophie des Mittelalters" folg. Titel geblieben: "De nuptiis Philologiae et Mercurii" von Capella, was soviel bildlich wie inhaltilch bedeutet "Von der Hochzeit der Philologie mit dem Merkur".

Seitdem lässt mich auch diese Gottheit nicht mehr los, bzw. sie war schon immer in mir drin, ich hatte an dieser schönen Idee nur nicht entsprechend teilgenommen ;-).

Gruß,
Hyperion




Der_Stieg - 23.09.2008 um 17:52 Uhr

1. Sprache ist eines der Füllsel für das leere Gefäß genannt Mitteilungsbedürfnis (andere: Mimik, Gestik).

2. Sprache ist ein Gebrauchsgegenstand. Man kann sich z. B. ihre Worte gegenseitig an die Köpfe werfen.

3. Sprache ist Nahrung. Man kann davon (geistig) satt werden.

4. Sprache ist Waffe. Man kann damit Völker gegeneinander aufhetzen.

5. Sprache ist Droge. Gruß: der Dichter.

6. Sprache ist das letzte, was einem manchmal bleibt, wenn you got nothing to lose.

7. Mit Sprache kann man Geld verdienen.

8. Mit Sprache allein kann man kein Geld verdienen.

9. Manchmal ist man sprachlos, was dem Tod des Selbstes gleichkommt.

(spontan; wird fortgesetzt)




almebo - 23.09.2008 um 21:25 Uhr

Die Sprache ist nach dem Küssen das erregendste Kommunikationsmittel, das die Menschheit entwickelt hat, aber auch die Fähigkeit, die oft das Denken ersetzen muss !


al




Namesi - 24.09.2008 um 11:18 Uhr

Und:
Eloquenz wird oft mit Intelligenz verwechselt.




Der_Stieg - 24.09.2008 um 20:36 Uhr

Zitat:

Eloquenz wird oft mit Intelligenz verwechselt.

Genau. Hütet Euch vor Labertaschen!

Gibt´s eigentlich intelligente Politiker? Ich meine, wer intelligent ist, kann doch eigentlich gar nicht in die Politik gehen, oder? Kann, wer intelligent ist, es mit der Macht haben wollen? Oder sind Intelligenz und Macht getrennt zu betrachten? Naja, Thema ist ja Sprache, aber dazu gehört wohl auch, darauf zu schauen, wie die Macht sich die Sprache instrumentiert, um zum Ziel zu kommen.

Die Sprache der Dichter ist mir lieber als die Sprache der Macht.




LX.C - 24.09.2008 um 22:48 Uhr

Hallo Tibor.

[Quote]Die Linguistik ist also eine Instituion, die Dichtung selbst nicht (ich begründe diesen Wink nicht weiter, sondern belasse es lediglich bei der Erwähnung). Die Textanalyse und Interpretation (Germanistik ) ist ebenfalls institutionell verankert.[/Quote]

Ich bin mir gar nicht sicher, ob allein die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Sprache eine Institution ist, sondern vielmehr die Sprache selbst. Die Wissenschaft, könnte man sagen, untersucht nur ihre "institutionellen" Bedingungen, sammelt und systematisiert sie; gibt bestenfalls die zusammengetragenen und aufgearbeiteten Erkenntnisse an die Gesellschaft zurück.
Mir ist nämlich folgende Übereinstimmung in den Sinn gekommen.
Nach Durkheim kann man alle durch die Gesellschaft festgesetzten Verhaltensweisen Institutionen nennen - Faktizität von Institutionen entsteht durch die stillschweigende Annahme ihrer Geltung.
Die Sprache besteht aus Zeichen, die weder strukturell noch ursächlich mit dem was sie ausdrücken sollen verbunden sind.
Kommunikationspartner stellen ihre Bedeutung nicht mehr in Frage; das würde eine Verständigung ungemein erschweren. Die Sprache beruht auf der stillschweigenden Übereinkunft der Gültigkeit ihrer Zeichen.
Man könnte auch andere Definitionsansätze des Institutionsbegriffs heranziehen, z.B. von Gehlen. Wenn man nämlich Kommunikation als anfängliches Problem einer Gruppe oder Gesellschaft betrachtet, dessen Lösung die Bewährung und dauerhafte Durchsetzung eins komplexen Zeichensystems ist, das gemeinsam anerkannt wird.
Spracheverhalten dient der sozialen Organisation, Sprachregeln dienen der Bedürfnisbefriedigung nach Kommunikation, sich den Regeln der Institution Sprache nicht anzupassen bedeutet auf Dauer Isolation, und vieles mehr.

Warum also soll man die Sprache an sich nicht als Institution bezeichnen können?




almebo - 25.09.2008 um 10:40 Uhr

Warum soll man die Sprache an sich nicht als Institution bezeichnen können?

Richtig!

Weil es das einzigste elementare Verständigungsmittel ist, das zahllose Menschen dazu dient, nicht aneinander vorbeizureden


al




annahome - 25.09.2008 um 22:12 Uhr

so, wie - warum man immer darauf kommt- eloquenz mit intelligenz gleichzusetzen - (kleiner nebensatz am rande :D) - hat sprache an sich bedingt mit verstanden werden zu tun.

beide verhalten sich - meines erachtens nach - ähnlich zueinander: eloquenz mit (zur) intelligenz, wie verstanden werden mit (zur) sprache. (da wären wir schon mal bei mathematik/logik usw.)

ob jedoch sprache eine institution ist, bin ich persönlich überfragt. weil ich womöglich die definition einer institutionellen sache im bezug auf die sprache als zu starr/festgelegt betrachte.

... müsste wohl nach einer definition, was eine institution ist/bedeute/t(n kann), nachforschen ....

an sich eine interessante these.
gruß
ein gefühlloser dorftrottel




LX.C - 30.09.2008 um 17:49 Uhr

Ist Sprache nur die Artikulation unserer Wahrnehmung
oder
bestimmt Sprache unsere Wahrnehmung?




Gast873 - 02.10.2008 um 14:31 Uhr

"Die moderne Welt als Experimentalkultur ist in ihrem Betrieb der praktische Vollzug der Überzeugung, dass Dinge nicht Wesen oder Kreaturen sind, sondern Funktionen oder verstofflichte Handlungen."

Aus: PETER SLOTERDIJK "Der ästhetische Imperativ", Zweite Auflage 2007, Philo & Philo Fine Arts/ EVA, Hamburg 2007, Fundus Bücher 166, daraus S.151




Der_Stieg - 02.10.2008 um 20:10 Uhr

Zitat:

"Die moderne Welt als Experimentalkultur ist in ihrem Betrieb der praktische Vollzug der Überzeugung, dass Dinge nicht Wesen oder Kreaturen sind, sondern Funktionen oder verstofflichte Handlungen."

Die moderne Welt als Experimentalkultur? Experiment wofür? Experimente mit Menschen und ihren Ansichten? Blöde Hypothese. Nein Danke.

Wäre die Sprache eine Frau, würde ich alles dransetzen, sie ehelichen zu dürfen. Trauzeugen: die Mathematik und die Psychologie. Blumenkinder: die Geschichte und die Religion.




LX.C - 03.10.2008 um 17:08 Uhr

Ehelichen? Das würde in meinem Fall ständig Streit und Krach bedeuten. Dann lieber eine konstruktive Freundschaft.



Der_Stieg - 06.10.2008 um 18:16 Uhr

Konstruktive Freundschaft ist sicherlich die bessere Lösung; Institutionalisieren birgt Risiken (Sprache, Ehe, etc.). Ich, der ich fürchte, dass mich die Sprache schon lange heimlich geehelicht hat, bekomme deshalb auch regelmäßig Schwierigkeiten, die mich in Gewissenskonflikte führen, wenn ich es z. B. wage, mich nach einer meiner Freundinnen, der Musik, umzuschauen (sie schreit dann, die Sprache, und ruft mich zur Ordnung/an die Buchstaben). Und wer sagt eigentlich, dass man sich für das eine oder das andere entscheiden muss/soll? Sachzwänge? Brotgemeinschaften?

Ich fürchte, die Sprache hat indes mich inzwischen institutionalisiert, gaukelt mir vor, ich hätte mich für sie entschieden, dabei steh (sitz) ich hier und kann nicht anders. Ich habe mich ihrer Macht beugen müssen, obschon ich lieber musizieren würde. Aber das lässt sie nicht mehr zu, inzwischen.

Dir wünsche ich, dass Dir die erwähnte konstruktive Freundschaft erhalten bleibt. Bei mir ist es zu spät. Ich bin im Mahlstrom (und kann keinen Text mehr ohne Rotstift lesen).

(spontaner Ansatz, zu vertiefen)




LX.C - 06.10.2008 um 22:55 Uhr

[Quote]Und wer sagt eigentlich, dass man sich für das eine oder das andere entscheiden muss/soll? Sachzwänge? Brotgemeinschaften?[/Quote]

Dann vergiss doch das Eheversprechen, die Geehelichte anschaffen zu schicken schickt sich sowieso nicht.




Der_Stieg - 08.10.2008 um 18:55 Uhr

Zitat:

... die Geehelichte anschaffen zu schicken schickt sich sowieso nicht.

Ja, möge man bloß nie so kalt und tief und reglos zu liegen kommen, dass der Anstand zur Aufgabe gezwungen wird.




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